Von der ersten Sekunde an weiß man, dass hier etwas Besonderes geschieht. Wie sich Groupers Stimme mit prozessiertem Tremor in gleichmäßig wogenden Schleifen in die ewige Horizontale zieht, nimmt mit – von Anfang an. Way Their Crept markiert das erste Album der US-Amerikanerin Liz Harris, mit dem sie 2005 die definitive Blaupause für ihren Sound schuf. Seitdem gilt sie als Kapazität des Unbestimmten, Verwaschenen, Fließenden – als Antithese zu vielen anderen Lo-Fi-Folk-Acts: weil sie sich wenig um klassische Songstrukturen schert und das Studio als Instrument begreift.
Natürlich finden sich in Harris’ Diskografie auch klassische Folk-Songs wie etwa »Ode To The Blue« vom Album Shade von 2021. Ihre grundsätzliche künstlerische Signatur bleibt jedoch ungerade, voller Irrungen und Wirrungen. Obwohl nur »Close Cloak« die Acht-Minuten-Marke überschreitet, vermag jeder Track dieses Reissues das Gefühl für Raum und Zeit aus der Balance zu bringen.
Minimales Wabern, distanzierte Mantras, unergründliche Psychedelik, die sich pantheistisch durch die Wälder windet. Die Minuten vergehen – nicht mehr als 41 –, und doch fischt man orientierungslos im Trüben, wo der Widerhall von Americana, Folk-Rock und Ambient zärtlich zu einem Amalgam der Vergänglichkeit gerinnt. Ob Groupers Texte große Poesie beherbergen, ließ sich anhand ihres Debüts noch nicht feststellen. Dass hier jedoch eine neue künstlerische Zeitrechnung anbricht, schon eher.

Way Their Crept
