Für ein Land mit heute knapp 14 Millionen Einwohner:innen verfügt Guinea über einen überraschenden musikalischen Reichtum. Wie in vielen ehemaligen Kolonien taten die Führer der unabhängig gewordenen Staaten dafür eine Menge.
Ahmed Sékou Touré, Guineas erster Präsident, löste alle privaten Orchester auf und schuf ein Netzwerk staatlich unterstützter Gruppen, deren Musik ab Mitte der 60er-Jahre bis zu Tourés Tod 1984 auf dem Label Syliphone veröffentlicht wurde. Mehr als 250 dieser Ensembles soll es gegeben haben, die den Geist der »authenticité« fördern sollten. Eine geradezu bestechende Auswahl findet sich auf dieser Zusammenstellung: »So I Si Sa« von der Super Boiro Band setzt den Ton mit einem knappen Orgelintro, bevor dann entspannte Polyrhythmen auf strahlende Bläser treffen, während gleich zwei Gitarristen das Fundament für eine schweißtreibende Jam-Session legen. Weiter geht es mit Bembeya Jazz National, einer der wohl besten guineischen Bands. Sékou »Diamond Fingers« Diabaté legt eine perlende Gitarrenlinie vor, die direkt in einen entspannt groovenden Song mit kubanischen Obertönen führt.
Zwischen diesen laid-back Stücken und hitzigen Tanzboden-Ekstasen bewegen sich die meisten Tracks, in denen magische Verbindungen westafrikanischer Traditionen und westlicher Musik gefeiert werden. Was die Veröffentlichungen von Syliphone aber auch bemerkenswert macht, ist die Aufnahmequalität, die die oft prominenteren Kolleg:innen aus Nachbarländern wie Mali oder Senegal neidisch machen durfte. Die Originale sind heute oft unbezahlbar. Da kommt Music For A Revolution Vol. 2 gerade recht, um an diese Blütezeit westafrikanischer Musik zu erinnern.
