Ein »Kammerkonzert«, bei dem der Interpret alle Spuren selbst einspielt – aus der elektronischen Musik fallen einem nur eine Handvoll Künstler:innen ein, die diese Idee a) haben und b) sinnhaft ausführen könnten. Einer davon ist mit Sicherheit Tom Jenkinson alias Squarepusher, der genialem Dilettantismus seit Jahrzehnten mit musikalischem Virtuosentum begegnet. Zugegeben: Der Opener »Advance« nervt noch, weil darin Sprunghaftigkeit und Muckertum die Maxime des Handelns bilden.
Schon in »K2 Central« geht es konstruktivistischer zu: Über einen sanften Trap-Beat rollen Jenkinsons gute alte Latenight-Bass-Salven hinweg, zu denen sich Bläserspuren gesellen. Das baut gekonnt Spannung auf, die sich nie entlädt. Spätestens ab dem nächsten Stück, »K3 Diligence«, dämmert, dass der Albumtitel keine leere Drohung, keine humoristische Verbrämung darstellt: Squarepusher bedient sich tatsächlich durchweg bei klassischer Musik, bricht aber deren Gravitas und stellt konzertante Miniaturen bereit.
Irrlichternde Streicher hinterlassen nach »K4 Fairlands« Ratlosigkeit und strapazieren das Nervenkostüm. Geniale Momente, die aus Reduktion und der konsequenten Auserzählung einer Idee entstehen – man denke an »Iambic 9 Poetry« von 2004 –, findet man auf Kammerkonzert eher nicht. Vielmehr handelt es sich um ein handwerklich beeindruckendes Album, auf dem Konzept und Radikalität triumphieren – mal zum Besseren, mal zum Schlechteren.

Kammerkonzert

