Die Faszination für den von Basic Channel und den Chain-Reaction-Künstlern geprägten Sound rührt nicht von der Verklanglichung und damit Fassbarmachung einer abstrakten Gegenwart her, sondern fusst vielmehr in der Erkenntnis, wie vielfältig und -schichtig ein Moment tatsächlich sein kann. Miles – Urgestein der Modern-Love-Crew, eine Hälfte von Demdike Stare, Macher des DDS-Labels und der vielleicht beste DJ der Welt – rollt auf seinem ersten Album für Short Span dieses Phänomen von hinten auf. Seine Tage im Studio beginnen immer mit einer dubbigen Fingerübung – ohne Plan und Ziel, einfach nur elektrische Spannung auf die Kanäle des Mixers legen. Vault versammelt sechs dieser Fingerübungen, dramaturgisch verdichtet zu einer Tour de Force des Unfassbaren.
Vault klingt wie der Blick durch den View-Master von Mattel früher. Grobkörnige Snapshots, im genau richtigen Maß ihren Details beraubt, die von der Erinnerung im Nachhall nun rekonstruiert werden müssen. Bei Miles kann das kicken, verstören, zerstören, mitreißen und beruhigen. Jeder Track atmet Geschichte und ist dabei doch nur ein zwingender Zaunpfahl, wie viel Strecke wir noch zurücklegen müssen, um Antworten auf die einfachsten Fragen zu finden. Dub halt. Signal rein, Ergebnis offen.

Vault