


Weiter also mit Rich Homie Quan, dem fehlenden Bindeglied zwischen Futures Slickness und Young Thugs Wahnsinn. Nachdem er mit Some Type Of Way eventuell das nächste #YOLO gecoined hat, geht es jetzt mit dem Versprechen weiter, immer alles zu geben am Mikro. Und ey, das tut er, irgendwie. Eminem mag immer noch alles durchdeklinieren was Metrik und Semantik zu bieten haben, Rich Homie Quan singsäuselt sich mit 200 Prozent weniger Anstrengung durch 300 Prozent erinnerungswürdigere Tracks. Was ich mich freue den Heiligen Abend mit einer Karaoke-Version von They Don’t Know zu krönen.

Roc Marciano bleibt weiter rastlos und schiebt vor sein kurz vor Weihnachten erscheinendes nächstes Album noch »The Pimpire Strikes Back«. Darauf findet sich endlich eine Kollaboration mit Madlib, schlafwandlerisch sichere Alchemie und überhaupt dieses ganze New Yorker Timbs & Hoodies Ding, das man als klassisch sozialisierter Mobb Deep Ultra eben so schätzt. Weitermachen.










In dieser Rolle gefällt sich auch Heatsick, wobei sich jener eher im subversiven Adolf Noise-Zynismus wohlfühlt als in Bomans nordischer Kuscheldecke. Der Titeltrack seines zweiten Albums für PAN schmeißt direkt mit fiesen Aphorismen um sich, ehe Heatsick die Watermarks des letzten Nicki Minaj-Albums persifliert, die Berliner U-Bahn und ein darin dargebotenes, grausames Wondercall-Cover samplet und noch allerlei anderen Schnickschnack in seine zähflüssigen House-Not-House-Arrangements packt. Irritieren will er, gelobt und gekauft wird er. Also zumindest von mir.
Die Engländer verkaufen uns bekanntermaßen etwa einmal pro Monat die Revolution in geflügelten Worten, aber verdammt nochmal, Logos‘ »Cold Mission« könnte tatsächlich wieder einer dieser Quantensprünge sein, die all things Dubstep nachhaltig ändert. Nun sind diese amorphen, minimalistischen Beats streng genommen definitiv eher Grim(m)e als Dubstep, aber da man unter diesen Begriff mittlerweile alles mit gutem Gewissen subsumiert, was nicht eins zu eins wie 90s Piano-House mit Vocal-Sample klingt, treiben wir die alte Kuh halt nochmal durch’s Dorf. «Cold Mission« ist eine Sensation, soviel steht fest, ob im größeren Kontext wie der frühe Dizzee oder Burial oder weniger nachhaltig wie die Purple-Boys um Joker und Guido, das wird sich zeigen. Solange: early adopten, besserwissen und in der Bahn das Fußvolk belächeln, das gerade Mount Kimbie entdeckt hat.

So und am Ende dann noch die britischste Tanzplatte von allen: West Norwood Cassette Library hat bereits auf einer Hand voll Maxis demonstriert, dass ihm Schubladen höchst zuwider sind, was auf »8 Track Cartridge« passiert, treibt diesen Genre-Clusterfuck aber auf die Spitze. Im einen Moment hüpft er mit Plüschkissen zu Dee-Lite, im nächsten setzt es Amen-Breaks, Acid-Lines, Autoscooter-Jungle und kontemplativen After Hour House. Kohärent ist das seltsamerweise trotzdem, einfach weil man diesem Derwisch in jeder Sekunde diese diebische Freude über seine Sauereien anmerkt.