Music Kolumne | verfasst 09.05.2019
Aigners Inventur
Mai & Juni 2019
Kann nur der Aigner: sich mit 70 Puls von Alt-Rap über Genderthemen zum Tod vorarbeiten. Unser Kolumnist über neue Alben von allen Wichtigen und über eine Trommeltruppe aus dem Breisgau, denen jemand Lean ins Bananenweizen gekippt hat.
Text Florian Aigner

Vinnie Paez TragedyWebshop ► LP Ich rege mich eigentlich nur noch einmal pro Schaltjahr über Rap auf, aber wenn Vinnie Paz & Tragedy Khadafi ihr gemeinsames Album mit dem Refrain eröffnen: »You need to get back inside the closet / ‘Fore we unleash the rockets c’mon stop it« dann ist das kein raubeiniger QB Throwback, sondern Infowars kompatibler Alt-Rap, bei dem sich mir der Magen umdreht. Musste mal gesagt werden zu Beginn, weiter mit stabilem 70er-Puls.
 

Quelle Chris – GunsWebshop ► 2LP Quelle Chris ist gegen derlei Tumbheiten glücklicherweise imprägniert. Ähnlich schon wie auf seiner Zusammenarbeit mit Jean Grae, ist »Guns« ein konzeptionell und lyrisch höchst ambitioniertes Album, das 2003 sicher mehr Beachtung gefunden hätte als 2019, auch weil die Beats gar nicht erst vorgaukeln für die Streaming-Ära gewappnet zu sein.
 

Genesis PWebshop ► LP Das war’s auch schon mit Sprechgesang, es sei denn man sieht in Genesis Breyer P-Orridge den seltsamsten Slam-Poeten des Hier und Jetzt. Gemeinsam mit Carl Abrahamsson hat Genesis P-Orridge noch vor der aktuellen gesundheitlichen Eskalation ein minimalistisches Spoken Word Album inszeniert, das sich von Beatpoesie über nonbinäre Genderthematiken zu Vätterchen Tod vorarbeitet. Selbstverständlich im klassischen Duktus der TG/Psychic TV-Ikone. Ob »Loyalty Does Not End With Death« subtile Aufarbeitungen der komplizierten Vorwürfe Cosey Fanni Tuttis beinhaltet, ist derweil weniger klar.
 

sunn o life metalWebshop ► 2LP Personell kaum weniger kontrovers aufgestellt, musikalisch aber ebenso unumstritten: Sunn O))), die auf »Life Metal« endlich ihre Drones von Steve Albini polieren lassen. Natürlich bleibt das O’sche Sounddesign hierbei erhalten, 25-minütige Riff/Delay/WhiteNoise-Orgien sind längst Inzane Johnny Memes geworden, aber wer sonst macht denn auch Drone, der den Madison Square Garden tragen könnte und in all seiner brutalistischen Direktheit trotzdem nicht einfältig wirkt?
 

basinski on timeWebshop ► LP Direkt zum nächsten Säulenheiligen. Es gab bereits Ende März wieder ein neues Album von William Basinski, es ist wie eigentich alle Basinski-Releases solide bis toll, aber eigentlich brauchte ich nur eine Gelegenheit um an dieser Stelle nochmal Kollege Cornils’ Schwank loszuwerden, dass er von Basinski im Interview gefragt wurde, wo denn der nächste Gucci-Laden sei.
 

Interbellum februariWebshop ► LP Vrystaete veröffentlichen weiterhin nur Alben, die veröffentlicht werden MÜSSEN. Was jedes Label zwar als Philosophie für sich reklamiert, scheint bei den Holländern aber tatsächlich so zu sein. Nach der genrefickenden Uboot-Häckselei von Bebe Fang mag »Februari« von Interbellum beinahe konventionell klingen (leicht angegamelanter Psycho-Ambient mit verhuscht-minimalem Percussion-Einsatz ist seit circa 30 Jahren schon das bevorzugte Refugium für jeden Kunststudenten mit Augenbrauenverspannung), aber in dieser Qualität bekommt man das dann doch eher selten.
 


Die Schallplatten aus Aigners Inventur findest du im Webshop von HHV.


sea urchin bokehWebshop ► LP Weiter mit Sea Urchin, deren Konzept schrulligste Library-Tropen mit Dub-Produktionstechniken in ein blubberndes Moor zu werfen, eigentlich niemals funktionieren sollte. Aber auch »Tahtib«, veröffentlicht über – hach – Bokeh Versions, ist wieder direkt das Beste, was in diesem Post-Exotica-Dings dieses Jahr passiert ist.
 

Bibio – RibbonsWebshop ► 2LP Bibios »Ribbons« ist, was passiert wäre, wenn Caribou sich für Bob Dylan statt 115BPM entschieden hätte, aber vielleicht reicht es auch einfach zu behaupten, dass Toro Y Moi genau so klingen würde, wenn er Sufjan Stevens’ Roadie geworden wäre. Musik für Menschen, die träumen wollen, aber beim Versuch doch immer wieder nur im Asos-Sale landen.
 

Georgia – TimeWebshop ► 2LP Georgia bleiben dafür vollkommen unkalkulierbar, auf das eben so gelobte repetitive Mantra in der letzten Sprechstunde folgt nun mit »Time« ein Album, das bewährte Tempi und Drumpatterns fast gänzlich links liegen lässt, seifige Synths mit Footwork kombiniert, Hippietribal die Utopien klaut und jede Ambientstelle feixend in Dissonanz auflöst. Killer.
 

dj nate take off timeWebshop ► LP Ich bin mir nicht sicher, ob man das so sagen darf, aber für mich persönlich war DJ Nate der eigentliche Rashad – sprich mein ordnender Bezugspunkt in einem Genre, das ich immer nur peripher verfolgt habe, in dem einem aber eine einzige Figur das Gefühl gibt, alles wichtige mitzubekommen. Das ist natürlich Humbug, es gibt hunderte gute Footwork-Releases, die ich deswegen verpasst habe, aber »Take Off Time« holt mich wieder pünktlich vor der Haustür ab, während ich auf dem Bürgersteig 165x »PlanetMuPlanetMuPlanetMu / FootworkbackFootworkbackFootworkback« brülle.
 

logos imperial flood Webshop ► LP Mit Logos ist das dagegen immer so eine Sache: manchmal ist vollkommen klar, dass hier einer das Fundament für UK’sche Clubmusic für das Jahr 2035 gießt, aber auch gar nicht so selten nestelt er sich unentschlossen durch manierierte Rephlex-Clicks&Cuts und austauschbare Warp-Flächen. Auf »Imperial Flood« manifestiert sich dieses Dilemma so deutlich wie nie zuvor, aber ignorieren sollte diese Platte bitte trotzdem keiner.
 

ryan treanor ataxiaWebshop ► LP Ähnliches gilt für Rian Treanor, der auf »Ataxia« mehrmals das Tor zur rhythmischen Erleuchtung aufstößt, aber diese Momente nur selten konservieren kann. »Ataxia« ist in seinem Snobbismus manchmal dezidiert unfunky und -relatable, dann aber auch wieder pures SND-Genietum. Mit etwas weniger Bevormundung des Hörers hätte das ein großes Album werden können.
 


Die Schallplatten aus Aigners Inventur findest du im Webshop von HHV.


raymonde vlekWebshop ► 2LP Raymondes allererste Maxi versauert im Shop immer noch mit 20% Discountoption, vielleicht weil niemand herausgefunden hat, auf welcher Geschwindigkeit sie denn nicht klingt wie eine Trommeltruppe aus dem Breisgau, denen irgendjemand Lean ins Bananenweizen gekippt hat. Auch »Ce Qui Est En Bas, Est Comme Ce Qui Est En Haut : Ce Qui Est En Haut, Est Comme Ce Qui Est En Bas « macht es einem nicht einfach, so dickköpfig wie der Franzose hier mikroszenebewährte Trommeleien sabotiert und Harmonien zerschießt. Wer allerdings immer schon wissen wollte wie Dont DJ mit eitrigen Mandeln klingen würde, wird hier so glücklich wie ich.
 

karamika 2 0Webshop ► 2LP Black Merlin spielt unterdessen weiter alle Genres einmal durch. Mit der Düsseldorfer Allzweckwaffe Gordon Pohl bildet er zum zweiten Mal auf Albumlänge Karamika. Snarelose 120er-Mantras, K-Hole-Chugging auf 87BPM, eine erfrischend kitschige Bristolballade als Brücke zu schürfwundigem Techno – der Nikola Jokić unter den Alben in diesem Monat.
 

lsw lifestyle westWebshop ► LP Nochmal Düsseldorf, aber quietschiger: LSW ist ein Projekt aus dem Candomble-Umfeld und damit schon mindestens die dritte Generation an Salon-Absolventen, die aus der Düsseldorfer Instanz nur die richtigen Schlüsse für ihre eigene Musik gezogen haben. Augenzwinkerd auf Discogs mit dem Genretag Schlager selbst verbrannt, ist das neben der aktuellen Neuzeitliche Bodenbeläge-Platte mit Abstand der gelungenste Versuch die dadaistische NDW-Tradition ins memeifizierte Jahr 2019 zu übersetzen und »Goldketten aus Fett / Geld wie Dreck« jetzt schon die Hook des Jahres.
 

Trjj – Music Compilations: 12 DancesWebshop ► LP So unbrauchbar philosophieseminarig sich der Promotext für »Music Compilation: 12 Dances« liest: das ist höööööchstwahrscheinlich bisher die beste Platte auf Stroom, die sich exklusiv auf neues Material stützt. Sollte als Kaufempfehlung eigentlich reichen, aber komm’, einen hab ich noch: wenn sich die Kompakt-Vision von Techno, Ambient und Pop nicht zwischenzeitlich in gärigem Kitsch erschöpft hätte, wären wir exakt bei Trij als Best Case gelandet.
 

Dirk De Saever – Collected 1984-1989 (Extended Play)Webshop ► LP Zum Abschluss dann doch zweimal noch das Archiv: Die New Beat Enzyklopädare von Musique Pour La Danse haben es irgendwie geschafft eine ganze LP mit unveröffentlichtem Dirk DeSaever Material zu sichten. Neben der dringend notwendigen Reissue seiner flurfixierten White House White Sachen wirkt »Collected 1984-1989 (Long Play)« vor allem ääääh weird. Da DeSaever aber selbst innerhalb eines so funktionalen Genres wie New Beat immer wirkte wie ein subversiver Provokateur, überrascht es vielleicht auch nicht hier fünfvierteltaktigen Schamanenindustrial und bleiernen gotischen Prototechno zu finden.
 

Geins't Nait Archives 1/3Webshop ► LP Eine ganze Weile lang begegneten einem Geins’t Nait vor allem als Herzensangelegenheit von Vladimir Ivkovic, nun aber hat sich Low Jacks Editions Gravats der Archiverwaltung angenommen und veröffenlicht den ersten Part einer dreiteiligen Serie. Minimale Lynndrum-Riddims, spooky ass Spoken Word Passagen, Industrial einmal als Mit- statt Gegenspieler, mit anderen Worten eine Platte, die in jedes Jahr passt, obwohl sie nur Material enthält, das zwischen 1986 und 1993 entstanden ist.
 


Die Schallplatten aus Aigners Inventur findest du im Webshop von HHV.

Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 20.04.2011
Aigners Inventur
März 2011
Auch in diesem Monat klärt Aigners Inventur wieder die wirklich essentiellen Fragen der Menschheit: Fürchtet Pusha T wirklich das Fegefeuer? Vermittelt Frank Ocean zwischen Tyler und Bieber? Ist die Welt tatsächlich aus Plastik?
Music Review | verfasst 05.11.2010
7L & Esoteric
1212
Erstmals seit 2006 gibt’s das Gespann 7L & Esoteric wieder auf Albumlänge. Die Ansage: 12 Tracks, die alle als 12inch taugen sollen.
Music Review | verfasst 01.06.2011
Ill Bill & Vinnie Paz
Heavy Metal Kings
Wer Ill Bill und Vinnie Paz kennt, der weiß was ihn erwartet: Düstere, brachiale und energetische Raps.
Music Review | verfasst 25.09.2011
Apathy
Honkey Kong
Natürlich sind manche Punchlines hier hart an der Grenze. Dennoch: Apathy gelingt mit Honkey Kong ein richtig gute Rapalbum.
Music Review | verfasst 18.10.2012
Vinnie Paz
God Of Serengeti
Größtenteils geht es auf »God of the Serengeti« um Selbstdarstellung, Größenwahn und Battle-Raps.
Music Review | verfasst 22.10.2018
Army Of The Pharoahs
The Torture Papers
Das Debüt der Army Of The Pharoahs hatte seinen festen Platz im Hardcore Hip-Hop schon 2006 wegen der verdammt souveränen Texte verdient.
Music Review | verfasst 25.01.2016
Geins't Naït + L. Petitgand
Oublier
Laurent Petitgand hat seine Industrial-Kombo Geins’t Nait wiederbelebt und beweist auch auf »Oublier« ganz neue, wunderbare Ausdrucksweisen.
Music Review | verfasst 16.11.2011
Quelle Chris
Shotgun & Sleek Rifle
Detroit ist und bleibt ein raues Pflaster und Quelle Chris ist nach Guilty Simpson und Danny Brown der nächste Beweis dafür.
Music Review | verfasst 21.08.2013
Quelle Chris
Niggas Is Men
Quelle Chris’ erstes Release bei der Mello Music Group mag vieles sein, leichte Kost ist es jedenfalls nicht.
Music Review | verfasst 08.11.2013
Quelle Chris
Ghost At The Finish Line
Quelle Chris geht weiterhin mit sich und der Realität rücksichtslos und in durchweg überzeugender Darbietung ins Gericht.
Music Review | verfasst 18.04.2019
Quelle Chris
Guns
Spätestens mit seinem neuen Album »Guns« hat sich Quelle Chris zur softesten und doch irgendwie lautesten Stimme im Rap entwickelt.
Music Bericht | verfasst 22.04.2014
Blu, Dag Savage, Quelle Chris & Denmark Vessey
Live am 15.4. in der Alten Feuerwache in Mannheim
Diese Entourage liest sich wie das Who-is-Who des Indierap: Blu, Exile, Johaz, Quelle Chris und Denmark Vessey waren gemeinsam auf Tour durch Deutschland. Bei ihrem Stopp in Mannheim waren wir dabei.
Music Interview | verfasst 30.04.2020
Quelle Chris
Das Chaos akzeptieren
Er ist der produktivste Sonderling des Rap-Undergrounds. Und er hat einen Lauf. Mit »Innocent Country 2« macht Quelle Chris dort weiter, wo er mit »Guns« aufgehört hat – und begegnet der Hoffnungslosigkeit mit positiver Angst.
Music Review | verfasst 05.09.2018
Black Merlin
Oba Enka EP
Präzise produziert, tanzbar, clubtauglich, aber keine Zaubereri diesmal: Zur neuen »Oba Enka EP« von Black Merlin.
Music Review | verfasst 23.11.2018
Black Merlin
Kosua
Für »Kosua« begab sich Black Merlin in den Urwald Papua-Neuguineas und zeichnete das Konzert von Insekten, Vögeln, Pflanzen und Winden auf.
Music Review | verfasst 29.01.2019
Black Merlin
Kode
Black Merlin müsste eigentlich so etwas wie der Endgegner im Die Orakel-Game sein. Mit »Kode« beweist er sich aber als treuer Sidekick.
Music Review | verfasst 16.02.2015
Mumdance & Logos
Proto
Jeder Sound setzt Seelen in eine Schockstarre und Tanzflächen in grimmiges Raven. »Proto« von Mumdance & Logos ist erbarmungslos.
Music Bericht | verfasst 30.06.2015
Grime Revisited (Teil 2)
Auf Raves wiedergeboren
In Teil 1 unseres Features haben wir zurück geblickt: Wo kommt Grime her, was ist Grime, wo war Grime zwischenzeitlich? Im zweiten Teil stellen wir fest, dass Grime wieder da ist. Und wie. Aber was macht diesen neuen Grime aus?
Music Liste | verfasst 10.12.2015
Jahresrückblick 2015
Die 50 Alben des Jahres
Wir haben ein-, um- und aussortiert. Am Ende stehen die für uns besten/wichtigsten Alben des Jahres. Bei unsere Auswahl haben wir gemerkt: Sie sagen auch etwas darüber aus, wie das Jahr 2015 für uns war.
Music Review | verfasst 17.09.2010
DJ Nate
Da Trak Genious
Let da Beat build! Es stottert, es klimpert, es jackt, es brummt, alles wild durcheinander. Ja, das ist der heiße Scheiß, da bestehen keine zwei Meinungen.
Music Review | verfasst 22.04.2011
Bibio
Mind Bokeh
Langsam aber sicher verabschiedet sich Bibio von seinem Dasein als Autor verhuschter Folksongs.
Music Review | verfasst 06.05.2013
Bibio
Silver Wilkinson
Bibios neues Album ist ein sanfter Hauch in Richtung Sonne. Der Sound entwirft ein naives Bild einer heilen Blümchenwelt.
Music Review | verfasst 18.03.2014
Bibio
Green EP
Wie auf seinem letzten Album zeigt sich Bibio auch auf »Green EP« von seiner verträumten und folkigen Seite.
Music Review | verfasst 12.04.2019
Bibio
Ribbons
»Ribbons« von Bibio funktioniert als 50-minütiges Gesamtwerk, das vor vorne bis hinten die warme Stimmung der Zweisamkeit einfängt.
Music Interview | verfasst 04.04.2011
Bibio
Abstrahierte Realität
Stephen Wilkinsons Herangehensweise an elektronische Musik bleibt einzigartig tiefgreifend. Philipp Kunze traf sich mit dem introvertierten Engländer, um über dessen Musik und seine Hintergründe zu reden.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.
Music Essay
Small In Japan
Die Vinyl-Nation, die keine ist
Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.