Zwölf Zehner – Jahresrückblick 2013 (Teil 1)

30.12.2013
Streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap, Kanye und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2013 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.

Miley Cyrus – Wrecking Ball
Nennen wir das Kind mal bei Namen: »Wrecking Ball« ein unheimlich einprägsamer Song, eben einer, den man in der Champions League der Popliga auch erwarten sollte. Nimmt man ihn noch genauer unter die Lupe, ist man schnell erstaunt, wie detailverliebt und facettenreich der Song auch arrangiert ist. Und sind wir ganz ehrlich: Das Video, in dem Miley Cyrus hüllenlos auf einer Abrissbirne schaukelt, hat nicht nur unser aller Gemüter erregt, sondern war am Ende doch mehr sexy als skandalträchtig. Zudem war die gute Hannah Montana in ihrer grenzenlosen Selbstinszenierung als das Sexsymbol ihrer Generation hiermit wesentlich authentischer als die mit der Kunstszene schulterschlusssuchende Gaga. Während diese sich medienwirksam von Maria Abramovic in einem Selbsterfahrungstrip das Kiffen abgewöhnen lässt, zieht die gute Miley bei den MTV Music Awards in Amsterdam auf der Bühne genüsslich an einem Joint. Unberechenbar ist sie, diese Miley. Und falls das Video hier noch weiter auf Schleife liefe, wäre der Song am Ende wohlmöglich noch höher platziert. PO

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Big Sean – Control (feat. Jay Electronica and Kendrick Lamar)
»Control«war für uns zweifelsohne die einzige legitime Wahl im August. Punkt. Das liegt wenig bis gar nicht an Big Seans, uns gar nicht so unsympathischen, käsigen Punchlines, auch nicht an Jay Electronicas bestem Vers seit zwei Jahren und auch nicht an einem dieser No I.D. Beats, die es perfekt verstehen traditionalistische Loops mit einer fast schon Just Blaze’schen Wucht zu kombinieren. Nein, Control ist Hip Hop soziologisch so relevant wie zuletzt vielleicht »Ether« und das obwohl Kendrick Lamars Endlossvers, in dem er seinen Unmut über den Stand der Kunst mit ungewohnt heiserer The-Game-Delivery vorträgt, nicht halb so provokativ ist wie 95% Prozent des Outputs der Herren Kool Keith und Cam’Ron. Da aber größere Macht bekanntlich größere Verantwortung mit sich bringt, appelliert Herr Lamar hier eigentlich primär an den Sportsgeist derer, mit denen er in der letzten Zeit zusammengearbeitet hat und die momentan da sind wo oben ist. Dass Antworten auf Kendricks Herausforderung primär von abgehalfterten Mid-Millenium-Mixtape-Rappern erfolgten, ist ein bißchen so als würden sich auf eine Wutrede von Kalle Rummenigge nur Ewald Lienen und Ede Geyer zu Wort melden, zeigt aber, dass es hier für die Belle Etage nichts mehr zu diskutieren gibt. Und das hat man nun wirklich selten. FA

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Crack Ignaz – Elvis
Ich verstehe nicht viel auf Crack Ignaz »Elvis»«, den Rest musste ich mir doch tatsächlich via. Rapgenius erklären lassen. Doch selbst ohne Zuhilfenahme dieser Fremdmittel, gab es nicht viele andere Songs in diesem Jahr, die ich, ja, auf Anhieb gefühlt habe. Zum einen ist das natürlich der nonchalanten, irrwitzigen Rapdarbietung geschuldet, die Trap tatsächlich mit deutschen Texten füllt und zum anderen diesem Monster von einem Beat geschuldet, den der Wiener Lex Lugner aus der MPC schleudert. Für mich vielleicht sogar die Synth des Jahres, die sich zum Ende des Stücks mit all ihrer Melodie entfaltet, liebenswürdig mit all ihrer Infaltilität kokettiert und all diejenigen in Übersee vor den Kopf stößt, die sich seit Jahren am Sampling von Eurodance versuchen. PO

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Arcade Fire – Reflektor
»Reflektor« ist der Vladimir Putin in unserer Liste: Die Mehrheit wollte ihn nicht, ›gewählt‹ wurde er trotzdem. Die Kollegen Okraj und Aigner machten den gewohnten pussy riot, wenn es um Arcade Fire geht, ich aber mag die komische kanadische Band und »Reflektor« (der Song) reiht sich für mich in deren lange Reihe an Großwerken ein. Alleine wie die ersten Töne das neun Jahre zurückliegende Album »Funeral« referenzieren! Wie dann die Nostalgie und die übliche Arcade-Fire-Weinerlichkeit von James Murphy Bongo-Disco abgelöst wird ist a) mutig und b) eine gelungene Neuerfindung. Vielleicht ist »Reflektor« Arcade Fires‘ »808s & Heartbreaks«: Für sich genommen hat es viele Schwächen, im Kontext des Gesamtwerkes der Band kommt es genau zu richtigen Zeit. Und der Titelsong ist auch ohne Kontext eine Offenbarung! PK

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Flatbush Zombies – Palm Trees
Warum Rapper diese infantile Freude über Sportzigaretten auch im vierten Genre-Jahrzehnt noch nicht abgelegt haben, ist mir zwar ein Rätsel, wenn man Half-Baked-Banalitäten aber innerhalb eines Verses mit durchaus interessanten Beobachtungen verknüpft wie die Flatbush Zombies, sind wir ganz Ohr. So ecchauffiert man sich hier auf »Palm Trees« korrekterweise über hellhäutige Botox-Trullas, die ungeniert das N-Wort benutzen und hach um Himmels Willen, dieser Beat. Mit viel Fantasie ist das 13 Till Infinity. Ja, im Ernst. FA

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Koreless – Sun
Ganz ehrlich: Das, was man so unter dem Genre »Beatmaking« subsumiert, war 2013 endgültig überstrapaziert. Da der Dilla-Verweis, hier hat man immerhin schon »Teaf Leaf Dancers« gehört und dort versucht man mit Bleeps und Bloops eigen zu klingen. Ich blase im Stile von Douglas Heffernan Luft durch die Hände Koreless kommt auch vom Beatmaking, hat sich mit seiner »Yugen EP« aber komplett vom Beat verabschiedet und klingt tatsächlich eigen. »Sun« ist einer dieser Songs, in denen Koreless die Synthies, einen nach dem anderen, in die Atmosphäre schießt, bis sie da oben ausglühen. PK

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FKA Twigs – How’s That?
Mit »How‘s That« fing er an, der Siegeszug der FKA Twigs. Unten Post-Dubstep, darüber Post-R&B. Das Ergebnis: sexy; zartes Vorspiel, wie fühlt sich das an?, aber das XXX steht schon in der Luft geschrieben. »That feels good in my…./so, so amazing / I want you in my….«. Huge Turn-On dieser Song, eben weil er genau am richtigen Punkt nicht ausdrückt, sondern abschweift. PK

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Legowelt – Elementz Of Houz Music (Actress Mix 2)
Dieser Actress wieder. Macht aus Legowelts verspielter Vorlage ein Technomantra, das trotz einer flurfreundlichen Bassline und relativ hohem Tempo eher wie eine sehr persönliche Reflektion der zweiten Detroiter Welle klingt, inklusive transzendenter Keys und Stimmen aus der Unterwelt. Actress war länger nicht mehr so nahe dran an der Peaktime und dennoch misstraut er dieser auch hier, wenn er jeden potenziellen Hands-In-The-Air-Moment bricht, indem er uns erneut nicht den einfachen Kick gönnt. Guuuude Laune auf Zwo und Vier kann jeder, im selben Moment Nietzsche und Derrick May zu assoziieren hingegen nicht unbedingt. FA

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Earl Sweatshirt – Molasses
Earl fickt gemeinsam mit Mr. Ich-Kenne-Nichts-Das-So-Schön-Ist-Wie-Du die Sommersprossen von deiner Bitch. »Molasses« ist allein deswegen ein Highlight, weil man RZA lange nicht mehr so politisch unkorrekt und schnoddrig gehört hat. Und dann ist da ja noch dieser Beat, der einen verzückt an »Liquid Swords« denken lässt… PK

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Jon Hopkins – How I live now
Jon Hopkins Album »Immunity« findet sich in so ziemlich allen Bestenlisten des Jahres. In unseren Songs des Jahres ist es allerdings nicht vertreten. Stattdessen haben wir Hopkins »How I Live Now« in unsere Liste gewählt, einen Song aus dem Soundtrack zum gleichnamigen Film. Hopkins stellt hier seine Virtuosität unter Beweis, die er auf seinem Album auf Techno und After-Party-Traurigkeit anwendet; hier jedoch ist es Klavier-Musik, die mit Techno u.ä. gar nichts zu tun hat, dafür umso mehr mit allen anderen Stimmungen dieses Lebens. PK

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A$AP Rocky – Ghetto Symphony (feat. Gunplay & A$AP Ferg)
Nicht nur aufgrund des seltsamen Samplematerials erinnert »Ghetto Symphony« latent an Hands On The Wheel Auch die Chemie, die A$AP Rocky und Gunplay hier entwickeln, ist mit dem Übertrack des letzten Jahres durchaus vergleichbar. Dat PMF referiert eingangs über die nicht von der Hand zu weisenden Ähnlichkeiten mit Andres Vortragstechnik, beklagt sich über (nicht besonders konsequentes) Cockblocking und er lässt es sich nicht nehmen zu betonen, dass man durchaus den Beischlaf in einem Hyundai vollziehen und dennoch mit seinem Outfit in die Vogue kommen kann. Schön, da ist uns doch warm ums Herz. Gunplay gibt dann in der zweiten Strophe routiniert den Psychopathen, der er vermutlich auch ist und auch für die feilgebotenen zwei Dutzend verschiedenen Betonungstechniken verteilen wir mindestens vier von fünf Fitzcarraldos. Dass dann da auch noch A$AP Ferg ungelenk durch die Koda stolpert ist zu vernachlässigen, wobei zumindest dessen Stimmlage gen Ende noch einen ganz netten Kontrast ergibt. So, jetzt sollten wir vermutlich noch erwähnen, dass dieser Beat der verdammt Wahnsinn ist, richtig? FA

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Samo DJ – Tai Po Kau
Ich habe schon ein paar Minuten gewartet, bis ich die richtigen Zeilen für diesen Track schreiben konnte. Gefunden habe ich sie nicht. Denn: ich hab’ die Worte nicht. Wie ein kluger Mann auf Discogs bereite weise resümiert: This record has it all. Hat sie! Wie kann man es sich anders erklären, das ein gewisser Samo DJ hier nach zwei Minuten auf »Tai Po Kau« eines stoischen, ryhtmischen Grooves, der von klaustrophoben Effekten begleitet wird, die Bassdrum für sage und schreibe drei Minuten rausnimmt und die Panflöten einkehren lässt, ehe der Track neue Fahrt aufnimmt und im Einklang mit dieser betörenden, synthgeschwängerten Melodie nach vorne proggt. PO

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John Roberts – Calico
Wenn es einen Track gibt, der als Bindeglied zwischen »Glass Eights« und »Fences« taugt, dann ist das »Calico«, ein weiterer Geniestreich John Roberts’. Die melancholische Tiefe des Erstlings wird hier mit verqueren Breakbeats kombiniert, die mit Techno flirten, jedoch nie ganz ihre Schwere ablegen, egal wie viele perkussive Elemente Roberts bis Minute 5 addiert. Am Ende verlässt er sich dann schließlich wieder auf sein sensibles Ohr und lässt die wunderschöne, asiatisch-klingende Grundmelodie als Koda den Kehraus machen. So bleibt John Roberts der sympathische Feingeist, der es wie kein anderer momentan schafft roh und gleichzeitig extrem distinguiert zu klingen. FA

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Bibio – It ‘s You
Ohne DJ Koze wäre die Welt ein schlechterer Ort und Bibios neustes Album bei mir endgültig auf dem Kompost gelandet, wo seine organischen Kräuter-Beats zurück zur Natur hätten finden können. Doch dann kam Kozes Fact-Mix. Da gefiel den Kollegen Okraj und Aigner ein Tracks ganz besonders dolle. Es war Bibios »You«, den wir dann sogleich in unserer Mitte aufgenommen haben. »You« ist das Highlight von »Silber Wilkinson«: Während viele der anderen Tracks substanzlos vor sich hin flattern, besinnt sich Bibio mit »You« auf den Sound von »Ambivalence Avenue«. Beat und Sample hat Bibio hier so zerhackt, das sie übereinander stolpern und dem Song trotzdem eine Grundharmonie geben. Dazu Streicher und Bläser und fertig ist der Sound, der uns an Bibio 2009 so begeisterte. PK

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Seven Davis Jr. – One
Ob Funkineven, Kutmah, fLako oder younameit – in diesem Jahr 2013, das hoffentlich seinen Durchbruch markieren sollte, gingen sie ihm alle auf dem Leim. Kein Wunder bei diesem Stilhybrid aus House, Funk, Soul und diesen rauchig bluesartigen Vocals, die an eine Kreuzung aus Prince, Peven Everett, den Sa-Ra Creative Partners und Masters at Work denken lassen. Vielleicht zu viel des Namedroppings und der Begeisterung, aber nimmt man Seven Davis Jr.‘s »One« exemplarisch aus der Fülle der Stücke heraus, die er in diesem Jahr via Soundcloud oder Bandcamp präsentierte, so kommen 2014 ganz große Dinge auf uns zu. PO

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Generation Next – Lamborghini Dreams
Detroit – in unserer romantisierten Vorstellung trifft man sich dort, pleite aber sexy, zum BBQ, setzt Kinder im Vorschulalter an den Maschinenpark, echauffiert sich über die da oben, hört nebenher VG-Platten und kreiert aus dem Stegreif Magie für die alte Welt. Dass diese herzlich naive Vorstellung im Hause Strickland nicht ganz so weit weg ist von der Realität, wissen wir zumindest annähernd und wenn Big Stricks Sohnemann mit 16 nun seine erste EP veröffentlicht, die er sich nicht mit der Verwandtschaft teilt, hören wir natürlich besonders genau hin. »Lamborghini Dreams« (was sonst?!) erscheint (natürlich) über 7 Days Ent, das Label des biologischen Erzeugers von Generation Next, und jeder der vier Tracks ist für sich genommen eine Sensation. Der Titeltrack aber, mit dieser federleichten Italo-Figur, ließe sich direkt als eines, der nicht gerade seltenen, Highlights auf einem weiteren familieninternen Label vermerken: FXHE. Ja, so gut ist der kleine Strickland. Fast schon beängstigend. FA

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Young Dro – FDB
Was haben wir nicht im Chor ›gesungen‹! Die Hook von Young Dros »FDB« ist konkurrenzlos die tollste des Jahres. Seien es die perfekt gesetzten Pausen, die zu etlichen Turnovers bei einer gemeinsamen Partie NBA 2k geführt haben, weil seine Konzentration darauf verwendete, im richtigen Moment einzusetzen (»NAH, FUCK THAT BITCH!«) oder die Intonation (»my shoe GAME?«) – bessere Laune hatte ich dieses Jahr nur noch bei Miesmuscheln in Knoblauch-Weißwein-Soße am Hafen einer kleinen Stadt in Frankreich, deren Namen nicht schön war. PK

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Sweatson Klank – Contemplate
Es braucht schon einiges an Phantasie um Prodigys darwinistische QB-Philosophie mit Pool-Prokrastination zusammenzubringen, aber Sweatson Klank (yep, that dude formely known as Take) gelingt genau das auf bewundernswert grazile Art und Weise. Alles an »Contemplate« atmet Dolce Vita, seien es die eleganten Synths, die im ersten Moment so klingen als hätte Four Tet tatsächlich »Sky & Sand« geremixt (Note to self: diesen Vergleich bitte direkt wieder aus dem Gedächtnis streichen) oder die Trap vorgaukelnde, aber Floating Points fühlende Drum-Programmierung. Und dazu dann eben der in der Hölle residierende 96er-Prodigy, der sich im Rattenloch zurücklehnt und schaut wie sich die Welt dreht. Der Sommertune für Thugs mit Feelings und Galeristen, die »Drop A Gem On Em« nie vergessen konnten. FA

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Tropic Of Cancer – Court Of Devotion
Frau Lobo hat sich durchaus Zeit damit gelassen, das Highlight des aktuellen Tropic Of Cancer Albums zu veröffentlichen. Bereits vor über einem Jahr hauchte sie die kaum verständlichen Lyrics von »Court Of Devotion« für das Kunstprojekt Room 205 ins Mikro, flankiert von Bestattungsunternehmens-Deko und dieser Bernard Sumner Gedächtnis-Gitarre, so unterkühlt, so unnahbar, sprich so großartig wie immer. Album kaufen, ist klar. FA

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Osunlade – Camera Shy
»Camera Shy«. Kein anderes Stück auf »A Man With No Past Originating The Future«, dem mittlerweile siebten Osunlade-Album, verdeutlicht in derart prägnanter Art, zu welchen Großtaten der Mann so eigentlich imstande ist: Ein kristallines Xylophonspiel, das von einem vorsichtigen Groove umgarnt wird, ehe verstörende Shynthies etwas Massives ankündigen, das schließlich in einem Tenorgesang (sic!) aufgeht und schließlich mit einem stampfenden Afro-Groove die Zügel loslässt. Ganz großes Kino, leider in der öffentlichen Wahrnehmung nur stiefmütterlich behandelt und bei weitem besser als die Remixe von Andrés oder Oskar Offermann. PO

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A$AP Ferg – Shabba
Filter auf die Synths, alles bloß kein Filter auf den Bass und dick Hall auf die Adlibs: A$AP Ferg knotet sich keine komplizierte Schlaufe um seine Fäuste, um einem auf die Fresse zu hauen. Sein Sound wird schnell eintönig, aber wenn alle einen Song wie »Shabba« im rechten Moment auspacken würden, so würden die Umsätze von Energy-Drink-Herstellern in den Keller gehen. Neben Reifenquietsch- und Vogelzwitscher-Adlibs war Fergensteins hallendes »Oöööööööahh« mein Lieblings-Adlib dieses Jahr und Rocky-Features gehören eh zu den meist unterschätztesten Ereignissen des Jahres. PK

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Camp Inc. – The Land
Endlich, endlich, finally! Was habe ich auf diesen Track gewartet, so dass dieser endlich auf Vinyl veröffentlicht wird. Nun gut, das Digitalrelease ging zwar im Okvober vor, ehe Camp Inc‘s The Land dann im Januar 2014 auch auf 12inch zu haben sein wird. Ich freue mich dennoch wie Holle. Damals nämlich, vor zwei Jahren ungefähr, hörte ich diesen Track zum ersten Mal bei einem DJ Set von Camp Inc im Kölner Gebäude 9 und war vom Fleck weg begeistert wie irritiert. Was zum Teufel war das, das in dieser grandiosen Art und Weise mit seinen stotternden 707-Gedonnner und dieser humorvollen Bassline zur Hochzeit von Acid und Italo ansetzte und selbst von Adonis’ Überklassiker »No Way Back«, das auf diesen Track folgte, nicht die Butter vom Brot nehmen ließ. Das war einer dieser Momente. Wenige Tage später wurde ich auf Soundcloud fündig, erfuhr, dass das stück gar selbst von Camp Inc stammt und auf den Projektnamen »Deutschland Gotta Disco« hört. Welch ein Name, welch ein Statement. Soviel dazu. Jetzt ist sie da. Zugeben, durch die Namensänderung zu »The Land« geht dem Stück etwas an Charme verloren. Deutschland braucht immer noch Disco. Dank Leuten wie Camp Inc. schaue ich aber optimistisch in die Zukunft. PO

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Bill Callahan – Small Plane
»I really am a lucky man«. Das ist erstens schön zu hören und zweitens noch viel schöner zu hören, wenn es jemand mit Bill Callahans Genügsamkeit sagt. »Small Plane« ist einer von vielen Songs auf dem großartigen »Dream River«, die nicht nach einer eingängigen Melodie suchen und so scheinbar im Verlaufe des Songs zu sich selbst finden. PK

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Jessy Lanza – 5785021
Jessy Lanzas »Pull My Hair Back« war vielleicht der überraschendste Konsens-Hit des Jahres. Einen bestimmten Song für diese Liste auszuwählen war nicht leicht. Wir haben uns dann für diesen Song mit den Zahlen entschieden (»5785021«), weil ich (Kunze) mich durch ihn (den Song) ein Stück näher an der Erfüllung einer meiner Träume fühle: Julio Bashmore produziert für New/Indie/Post-R&B-Sternchen. Hach! PK

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oOOOoO – The South
Da will man gar nicht an einen Zufall glauben, dass beim Hören dieses mächtigen okkulten Werks des Witch-House-Spektakels oOoOO die polnischen Brüder und Schwestern in Warschau zeitgleich einem Exorzisten frönen. Witch-House, endlich ist der Name mal Programm, der Teufelsaustreiber im Osten hätte auch in »The South»« so seinen Spaß. Zwei bestialische übergelagerte Synths auf einem Trapgedonner von Beat, aus dem die Hi-Hats feuern und diverse Vocalschnipsel dem Echo entsteigen, dass sich die Nackenhaare sträuben. Amen. PO

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