Music Porträt | verfasst 14.07.2020
WeWantSounds
Ansteckende Leidenschaft
Den Grund für die Label-Gründung trägt WeWantSounds im Namen. Seit 2015 veröffentlicht der Pariser Zweimannbetrieb persönliche Lieblingsmusik aus den Siebzigern und Achtzigern. Bei der Auswahl spielen Genre- und Landesgrenzen keine Rolle.
Text Stefan Mertlik , Übersetzung Sebastian Hinz
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Die Schallplatten von WeWantSounds findest du im Webshop von HHV Records


Wewantsounds – 2020 (01) Label Watch »Wir wollen niemandem vorschreiben, was gute Musik ist«, sagt Matt von WeWantSounds und fügt hinzu: »Vielmehr wollen wir Menschen mit unserer Leidenschaft anstecken.« Zusammen mit Elvin betreibt er das französische Reissue-Label seit 2015. 30 Platten aus den Siebzigern und Achtzigern gingen seitdem mit dem kreisrunden WeWantSounds-Logo erneut in den Handel. Erfolgreiche Veröffentlichungen wie »Orient« des japanischen Keyboarders Hiroshi Sato presst das Label mit Auflagen bis zu 3.000 Exemplaren.
»Musik zu veröffentlichen, die wir mögen, ist die Essenz des Labels«, sagt Matt. Dabei wolle sich WeWantSounds auf kein spezielles Genre festlegen. Auf ihrer Facebook-Seite beschreibt das Duo den eigenen Katalog als »smart sounds«. Der Begriff hat wenig zu bedeuten, wie Matt zugibt. Es ginge ihnen nicht darum, die Hörerinnen und Hörer mit seltenen Fundstücken zu beeindrucken. Vielmehr wollen die Label-Betreiber ihre Kundschaft mit bereits bewährter Musik versorgen, die fernab des jeweiligen Herkunftslandes jedoch wenige Menschen kennen.

Als Beispiel nennt Matt die Alben von Akiko Yano. Vier Platten der japanischen Jazz- und Pop-Sängerin hat das Label bereits wiederveröffentlicht. In ihrem Heimatland feierte die Musikerin vor 40 Jahren beachtliche Erfolge. Matt vergleicht ihre Popularität mit der französischen Schlagersängerin Françoise Hardy, Kate Bush oder auch Nina Hagen. Über die Grenzen des Inselstaates hinaus hatte Yano aber nur einen Liebhaberstatus inne. »Die Musik ist so gut, dass sie auch außerhalb von Japan gehört werden muss«, freut er sich über die Möglichkeit, die ihm WeWantSounds dazu gibt.

Neben Akiko Yano hat das Label weitere japanische Künstler wie Yukihiro Takahashi und Ryuichi Sakomoto neu aufgelegt. Den Zugang zu fernöstlicher Jazzmusik erhielten Elvin und Matt allerdings nicht nur durch Eigenantrieb: »Elvins Frau stammt aus Japan, sie hat uns beim Einstieg in diese musikalische Welt geholfen.« Ein Reissue-Label, das sich auf japanische Platten ausgerichtet hat, sei WeWantSounds trotzdem nicht. Auch in anderen Länder wie dem Libanon habe das Duo Freundschaften geknüpft, die bei den Entdeckungsreisen helfen.
»Wir wollen niemandem vorschreiben, was gute Musik ist. Vielmehr wollen wir Menschen mit unserer Leidenschaft anstecken.« (Matt (WeWantSounds)) »Mit unserem Label wollen wir zeigen, was für Musik an anderen Flecken der Erde entstanden ist«, bringt es Matt auf den Punkt. Arabische Musik bedient das Label mit zwei Alben der libanesischen Sängerin Fairuz. Eine der ersten Veröffentlichungen von WeWantSounds war ein Bossanova-Sampler mit Künstlern aus Rio de Janeiro. Ihre eigene musikalische Sozialisation lassen Matt und Elvin mit Film-Soundtracks von Ennio Morricone und Mikis Theodorakis und französischer Pop-, Jazz- und Soul-Musik einfließen. Bei der Auswahl gehen sie nach »Bauchgefühl« vor. Wichtig sei nur die Vielfalt. Zwei japanische Alben in Folge kommen nicht infrage.

Damit noch mehr Menschen Zugang zur Musik erhalten, nutzen WeWantSounds neben Vinyl auch Download, Streaming und Compact Disc. 90 Prozent der Verkäufe entfallen aber auf Vinyl. Der Griff zur Schallplatte lohnt sich nicht nur aufgrund des Stils und Klangs. Matt und Elvin bestücken die Hüllen mit umfangreichen Booklets. Für diese kontaktieren sie die Künstlerinnen und Künstler oder Hinterbliebenen. »Wenn wir eine Platte veröffentlichen, möchten wir auch die Geschichte dahinter erzählen«, sagt Matt. Mit den Liner Notes wollen sie sich nicht an Experten richten, sondern den Zugang zur Musik erleichtern.
Auf Matts Plattentellern lande derzeit wieder viel französische Musik aus den späten 1970ern. Aber auch Fleetwood Mac und Mac DeMarco freuen sich über ein paar Umdrehungen. Als einen »guten Mix aus verschiedenen Stilen« bezeichnet der Franzose seine private Auswahl. Diese Einstellung überträgt er auf die Label-Arbeit: »Wir wollen viele Türen öffnen und den Katalog damit interessant halten.« Er möge keine Trends, da diese nach ein paar Jahren vergessen sind. Eine gute Platte bestehe den Test der Zeit, weshalb die meiste Musik im WeWantSounds-Katalog mehr als 40 Jahre auf dem Buckel hat. Zu Matts persönlichen Favoriten zählt das selbstbetitelte Debütalbum der Soul-Sängerin Alice Clark von 1972.


Die Schallplatten von WeWantSounds findest du im Webshop von HHV Records

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