2019 geht auch ein Jahrzehnt zuende und es war die Dekade, in der das Album langsam abgelöst wurde. Oder besser noch aufgelöst, im Stream zumindest, wie eine Brausetablette in Selters. Die 12″-Single gewann die Überhand und das ist doch schwer in Ordnung, wenn wir mal einen Blick über die zwanzig besten Schallplatten aus dem EP-Sortiment – zugegeben, eine 7″ haben wir mit reingeschmuggelt – werfen. Klar: Dance Music dominiert. Aber das ist doch nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Afrodeutsche, DJ Haram, Kali Malone und Acronym, Lanark Artefax, Mari Sekine und Lena Willikens, Mary Yalex, upsammy – diese und noch andere Produzent:innen beweisen, dass 2019 endgültig einen Wasserscheidenmoment auf dem Dancefloor markierte: the weird turn pro, alles ist erlaubt und muss es sogar sein. Und die Unterhaltung kommt dabei dank Erobique ebenso wenig zu kurz wie Verbeugungen Richtung Vergangenheit. Hier zeigt sich Mick Harris alias Scorn als weiterhin verlässliche Bank, dort wird Electro-Orientalismus aus den Achtzigern und hier libanesischer Disco aus den Siebzigern neu gehuldigt. Wenn 2019 dann doch nicht so ein starkes Albumjahr geworden wäre, wir hätten fast komplett mit unseren 12″s vorlieb genommen. Solange gilt dann auch fürs dritte Jahrzehnt dieses Jahrtausends: Die Mischung macht’s!







Es gibt nur einen geilen Alleinunterhalter auf dieser Welt und dass er mit seinem Genie so scheiße geizig ist, muss ihm hoch angerechnet werden. »Urlaub in Italien« und »Eine Überdosis Freude« sind seit ungefähr zwölf Jahrzehnten Standards in den Live-Sets von Erobique auf Platte wurden sie dennoch erst dieses Jahr gepresst – und zwar als Konzertmitschnitte, weil so eine Studioversion nicht ausreichend zum Mitgrölen animieren würde. Mille grazie ugualmente, Carsten!
Kristoffer Cornils












