Music Liste | verfasst 27.05.2021
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Text Andreas Brüning, Lars Fleischmann, Christoph Benkeser, Louisa Neitz, Harry Schmidt, Maximilian Fritz, Nils Schlechtriemen, Tim Tschentscher , Übersetzung Sebastian Hinz


Eine Übersicht sämtlicher exklusiver Record Store Releases findest du bei uns im Webshop.


Animal Collective - Prospect Hummer EPVinyl LP Animal Collective & Vashti Bunyan – Prospect Hummer EP (Domino)
»What’s going on?«, fragen Noah Lennox alias Panda Bear und Vokalistin Vashti Bunyan – letztere klar tonangebend – auf dem Opener von »Prospect Hummer« über zarten Gitarrenakkorden in trauter Eintracht. Selbiges dürften sich Hörer:innen denken, die Animal Collective vor allem aufgrund ihres Monolithen »Merriweather Post Pavilion« als kanonisch abgespeichert haben. Die eigentümliche Mischung aus Electronica, Indie und Psychedelic funktionierte aber schon auf dem Zeitdokument von 2005 vorzüglich, die nötige Portion Ulk, der sich mit gänzlich unironischer Schönheit paart, ausdrücklich miteingeschlossen. Maximilian Fritz
 

Beverly Glenn-Copeland - At Last!Vinyl LP Beverly Glenn-Copeland – At Last! (Transgressive)
Selten klang Beverly Glenn-Copeland furioser als auf »At Last« von 1980, das der Genre-Jongleur mit seinem Go-To-Pianisten Doug Riley aufnahm. Selbst aus dem nachdenklichen wie mantraartigen »Onward and Upward« quillt eine ungezügelte Intensität, die Bluesrock, Rock’n’Roll und Copelands einzigartige Stimme dennoch unter einen Hut zu bringen weiß. Dass intensiv feingliedrig nicht ausschließt, beweist jeder einzelne der vier Songs. Auch abseits des Gesangs tut sich genug, jede liebevoll eingespielte Tonspur ist es wert, aufmerksam verfolgt zu werden. Maximilian Fritz
 

Czarface - Czar NoirVinyl LP Czarface – Czar Noir (Silver Age)
Ein neues Schurkendrama in auditiver Comicform – pünktlich zum RSD 2021. Nachdem das Trio aus Esoteric, Inspectah Deck und 7L in diesem Jahr schon die kerngeile Kollab »Super What?« mit dem viel zu früh verstorbenen MF Doom posthum veröffentlichte, gibt’s nun mit »Czar Noir« neuen Antihelden-Boom-Bap von Czarace auf die Nüsse. Gepaart mit Blunt und Bildchen lässt sich so im Sommer mal wieder der makellose Style dieses Projekts zelebrieren, auf dunkler wie heller Seite. Cooler wird Rap von der Ostküste 2021 wohl kaum mehr werden. Nils Schlechtriemen
 

 Dashiell Hedayat - Obsolete Vinyl LP Dashiell Hedayat – Obsolete (Diggers Factory)
Haare bis zum Hintern, Dreck unter den Fingernägeln. Aber hey, hast du schon von dem Zeug probiert? Echt arg! Nimm lieber erstmal nur die Hälfte, nach drei Minuten schießt dich dieser brother from a different mother sowieso zum Mond. Dashiell Hedayat hatte sich mit »Obsolete«, seinem ersten und einzigen Album, in die französische Gong-Kommune verirrt – frühe Siebziger, die Welt so bunt wie ein Kaugummiautomat, auf dem Plattencover stand: »This record must be played as loud as possible, must be heard as stoned as impossible and thank you everybody!« Nun denn, jute Reise! Christoph Benkeser
 

Half Japanese - I Guess I'm Living: The Charmed Life TapesVinyl LP Half Japanese – I Guess I’m Living: The Charmed Life Tapes (Fire Records)
Als Half Japanese waren die Brüder Jad Fair und David Fair bereits Mitte der 1970er Jahre als Schlafzimmerduo aktiv. Mit Jad Fairs sympathisch gewöhnungsbedürftigem Gesang und ausgerüstet mit einer stets verstimmten Gitarre und rumpeligem Minimalschlagzeug veröffentlicht die Band seitdem in wechselnden Besetzungen und regelmäßigen Abständen ihren ganz speziellen Art-Punk. »I Guess I’m Living: The Charmed Life Tapes« ergänzt jetzt ihr 1988er Album »Charmed Life« um unveröffentlichte Songs und Versionen. Zum ersten Mal auf Vinyl. Andreas Brüning
 

Howard Roberts - OST Lord ShangoVinyl LP Howard Roberts – OST Lord Shango (Tidal Waves)
Ein Kleinod im Meer der Blaxploitation-Filme ist der 1975 in den Kinos angelaufene Streifen »Lord Shango«. Inszeniert von Ray Marsh nach einem Drehbuch von Paul Carter Harrison, wurde »Lord Shango« seinerzeit von Bryanston Pictures (»Deep Throat«, »Texas Chain Saw Massacre«, »Dark Star«) als Horror vermarktet, verhandelt aber eher das Verhältnis von Voodoo-Kult und Christentum in der Black Community. Entsprechend ist Howard Roberts’ Soundtrack eine recht einzigartige Mischung aus Gospel, Doo-Wop, Yoruba Drumming, Funk, Jazz und Latin, an der neben dem Howard Roberts Chorale Ella Mitchell (Sylvester, Peter Tosh), Chief Bey (Art Blakey, Pharoah Sanders), der Free-Jazz-Percussionist Milford Graves und der Aaron Staples Community Choir beteiligt waren. Tidal Waves sorgen zum RSD2021 für die erste Wiederveröffentlichung des gesuchten Sammlerstücks. Limitiert auf 500 Exemplare. Harry Schmidt
 


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Joni Mitchell - Joni Mitchell Archives Vol.1Vinyl LP Joni Mitchell – Joni Mitchell Archives Vol.1 (Rhino)
Von ersten Aufnahmen bei einem Radiosender in ihrem Heimatsort Saskatoon und Tapes für den Geburtstag ihrer Mutter bis hin zu Auftritten in Philadelphia sowie Toronto und Demo-Versionen aus New York, wo sie in den 1960er Jahren wohnte. »Joni Mitchell Archives Vol.1« ist ein Sammelsurium verschiedenster Schnappschüsse in dem musikalischen Werdegang der Folk-Ikone. Von Coverversionen traditioneller Folk-Songs aus 1963 folgt das Box-Set biografisch den ersten Schritten der Kanadierin bis zu ihrem Debütalbum 1968. Joni Mitchells einzige Begleiterin durch sechs Stunden ausgewählter Etappen ist die akustische Gitarre, die ihre zunehmend ausgefeilteren Lyrics umschlingt. Louisa Neitz
 

Michel Legrand - OST La PiscineVinyl LP Michel Legrand – OST La Piscine (WeWantSound)
Der Soundtrack zu »La Piscine« vom großen Maestro (und Mehrfach-Oscar-Preisträger) der Filmmusik, Michel Legrande, ist stilbildend und legendär – und hat den etwas platten Plot dieses Films gerettet. Seine Jazz-Einlagen leben in einer Wolke des »joie de vivre«, mondäner Charme und Sexyness. Die Streichereinlagen bringen ordentlich Spannung mit und ja, man darf sich aus dem Fenster lehnen: Legrande hat mit seinem Soundtrack Romy Schneider zum Weltstar gemacht. Die RSD-Edition kommt mit einer zusätzlichen Vinyl 7inch mit Filmmusik zu Jacques Derays »Un Homme Est Mor«. Lars Fleischmann
 

Pat Thomas - Stage TwoVinyl LP Pat Thomas – Stage Two (Tidal Waves)
Der ghanaische Sänger, Songschreiber und Produzent Pat Thomas arbeitete zusammen mit Ebo Taylor und Formationen wie den Blue Monks, den Satellites und den Sweet Beans. »Mr. Golden Voice of Africa« veröffentlichte so zwischen 1974 und 2019 mehr als zwanzig Alben zwischen Highlife, Funk, Reggae, Soul, Afrobeat und Afropop. Eines seiner bekanntesten ist das mit seiner Band Marijata eingespielte »Stage Two« von 1976, das zum record Store Day 2021 erstmals auch außerhalb des afrikanischen Kontinents auf Vinyl erscheint. Andreas Brüning
 

Renaldo & The Loaf - Long Time Coming: Live In ViennaVinyl LP Renaldo & The Loaf – Long Time Coming: Live In Vienna (Blocglobal)
Steck die Melvins mit Steve Stapleton, zwei indischen Schlangenbeschwörern auf Acid und der Prügel-Stimmung eines südenglischen Pubs nach zwei Uhr früh in ein Pint, schütte es dir ins Gesicht – und du bist noch immer nicht ansatzweise bei dem, was Renaldo & The Loaf 2018 auf einer Wiener Bühne abzogen. Damals spielten die britischen Underground-Opas ihr erstes Konzert nach 38 Jahren. Völlig abgefahren, aber wahr: »Long Time Coming: Live In Vienna« schreddert so hart in die sogenannte Gegenwart, das man sich fragen muss, ob alte weiße Männer nicht doch die besseren Menschen sind. (Gewagte These, Anm.d.Red.) Christoph Benkeser
 

Roisin Murphy - Crooked MachineVinyl LP Roisin Murphy – Crooked Machine (Skint)
Ist es Disco? Ist es Indie? Ist es Indie-Disco? Mit dem letzten Prädikat verhält es sich wie Tech-House: Kaum jemand zieht sich diesen Schuh mutwillig an – zumindest nach 2012. Róisín Murphy allerdings steht schon seit Jahren so sehr über den Dingen, dass ihr das herzlich egal sein dürfte. »Crooked Machine«, auf dem der damalige Produzent Parrot alias Crooked Man Róisín Machine aus dem letzten Jahr neu denkt, schlägt eben deutlich heftiger Richtung Club aus als das Original und diktiert der treuen Gefolgschaft der Irin mit mechanischen Four-to-the-Floor-Salven die Gangart. Maximilian Fritz
 

Salah Ragab & Cairo Jazz Band - Egypt StrutVinyl LP Salah Ragab & Cairo Jazz Band – Egypt Strut (Strut)
Nicht umsonst gilt Salah Ragab als Pionier des ägyptischen Jazz. Als einer der ersten verband der Multiinstrumentalist und Schlagzeuger amerikanische Jazz-Improvisationen mit nordafrikanischer Folklore. 1968 gründete er als Leiter des Departments für Militärmusik die Cairo Jazz Band, ein Ensemble aus den besten Instrumentalisten Ägyptens. »Egypt Strut« trägt jetzt das Frühwerk von 1974 in einer umfassenden Sonderausgabe zusammen: Lebhafte Big-Band-Arrangements zwischen Free Jazz und Hard-Bop, rhythmisch, roh und komplex.Tim Tschentscher
 


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A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
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2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
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Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
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Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
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Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
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Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
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Records Revisited
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