Jahresrückblick 2017 – Top 50 Reissues

01.12.2017
Der Reissue-Markt als Wunschkonzert, 2017 fühlte es sich zuweilen so an. Unfassbar, welche Mengen an seltenen, obskuren und seltenen und obskuren Platten dieses Jahr neu aufgelegt wurden.
Der Überfluss hat das Reissue-Game erreicht. Man kann alles haben, wenn man nur ein bisschen wartet. Geschmackssichere Labels haben auch die hintersten Ecken sämtlicher Wantlists entstaubt, egal wie selten, obskur oder beides eine Platte war: Plötzlich konnte man sie kaufen, einfach so. Jagen war fürs Sammeln so oft mal gar nicht mehr nötig (außer für OG-Fetisch-Peepz), man brauchte sich nicht mehr in minimalbeleuchtete Hinterkammern begeben, um eventuell die Platte des Begehrens zu finden. Einfach auf der Couch warten, bis es klingelt und der Postbote sie bringt – zusammen mit dem Pulled Pork-Sandwich. Womit aber begründet sich die Fülle an äußerst interessanten Platten, die 2017 neu aufgelegt wurden? Eine Rolle dürfte sein, dass die DJ- bzw. inzwischen Selector-Kultur weiter an Einfluss gewonnen hat. In den hippsten Clubs und Bars der Großstädte, die sich an der Schwelle zwischen Underground und Mainstream befinden, sind die Plattentaschen längst nicht mehr mit zuortenbaren Genres gefüllt. Ihre Besitzer sind Nerds mit absolut diversem Musikgeschmack. Via dem Gesabber nach Track IDs und lüsternem Shazamen erfährt schließlich auch der Konsument (der ja inzwischen immer auch selbst DJ ist), von wem dieser Song mit den Gamelan-Percussions, Medizinmann-Vocals und Industriehafen-Synths war. Und möchte sich dann auch mit dem Besitz der Scheibe schmücken. So hat sich ein regelrechter Wettkampf entwickelt, wer den absurdesten Shit spielen kann. Ist doch klar: Beim jährlichen Treffen der Pokemon-Trainer zeige ich ja auch nicht meine Rattfratz-Karte, sondern meine Mew-Glitzersonderedition. Die Nachfrage ist da. Und, Junge, Junge, was wurde ihr dieses Jahr das entsprechende Angebot entgegen gestellt.


Al Massrieen
Modern Music
Habibi Funk • 2017 • ab 22.99€
Leichtfüßig und sehnsüchtig, schwungvoll und hypnotisch: Al Massrieen, das Bandgefüge um den ägyptischen Musiker Hany Shenoda, versetzt Signore Rossis Häuschen ins Nildelta. Und stellt eine Disko daneben. Die von dem Label Habibi Funk kompilierten Stücke reichen bis in die 1970er Jahre zurück, umkreisen Funk und Psychedelic Rock und stehen immer mit beiden Füßen auf der Tanzfläche. Und auch wenn sie nur bedächtig wippen: Dass der Antrieb dazu von weiter oben kommt, steht nie außer Frage. Auch, wenn man kein Wort versteht. Christian Neubert

Arturo Stalteri
…E Il Pavone Parlo Alla Luna
Soave • 1987 • ab 22.99€
Zwischen all den unmotivierten Neuauflagen italienischer Library Music-Platten, nach denen nun wirklich niemand jemals gefragt hat, rutschte Arturo Stàlteris obskurer Klassiker »…E Il Pavone Parlò Alla Luna« beinahe durch die kollektive Wahrnehmung. Es ist eine merkwürdige Platte, die keineswegs nach ihrem Veröffentlichungsjahr 1987 klingt, sondern nach staubiger serieller Musik, besoffenem Jazz und planlosem Romantizismus. Ziellosigkeit muss nicht immer etwas Schlechtes sein, hier ist sie wunderschön. Kristoffer Cornils

B12
Electro-Soma
Warp • 1993 • ab 24.99€
Nicht bloß eine fällige Würdigung eines der prägenden Duos aus Warps heroischer »Artificial Intelligence«-Phase, sondern fast schon richtiggehende Erinnerungsarbeit. Denn das Londoner Duo B12 stand trotz vorausschauender Überführung von Detroit-Traditionen in sanftere elektronische Vegetationszonen immer ein wenig im Schatten seiner prominenten Labelkollegen (Autechre Aphex Twin und so weiter). Dabei ist »Electro-Soma«, ihr erstes Album, ein Klassiker wie sie heute kaum noch gebacken werden. Synthetisch, rhythmisch, gut. Tim Caspar Boehme

Barney Wilen
Moshi
Souffle Continu • 1972 • ab 39.99€
Eine allgemein viel zu wenig beachtete Reissue, die hier auf Souffle Continu erschienen ist. Alleine das Label steht dafür, niemals in derselben Suppe zu löffeln wie alle anderen, sondern immer hinter dem Tellerrand zu diggen. Barney Wilens »Moshi« ist ursprünglich ein Album von 1972, auf dem der Franzose Einflüsse vertont, die er bei den Pygmäenstämmen gesammelt hat. Afrikanische Rythmen auf Blues-Traditionen und Jazz, mal ist space der place, mal der Küchentisch. Ein Album das man nur mit einem Adjektiv am besten beschreibt: weit. Philipp Kunze

Beverly Glenn-Copeland
Keyboard Fantasies
Seance Centre • 2017 • ab 20.99€
Das Label Séance Centre hat dieses Jahr einen hervorragenden Job gemacht. Zwei Releases haben die Kanadier überhaupt erst veröffentlicht. Beide finden sich in dieser Liste wieder. Den Anfang, auch zeitlich gesehen, macht »Keyboard Fantasies« von [Beverly Glenn-Copeland](https://www.hhv-mag.com/de/glossareintrag/5378/beverly-glenn-copeland.) Seit ihrer Erstveröffentlichung im Jahr 1986 hat diese Musik nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt, und wird es, von Zeitlosigkeit beseelt, auch in den nächsten 30 Jahren nicht tun. Zwischen Wehmut und Demut balancierend finden diese Songs eine erbauende, selbstbewusste Sprache. An dieser Stelle konnte sie mich schon einmal trösten. Sebastian Hinz

Blahzay Blahzay
Blah Blah Blah Black Vinyl Edition
Tuff Kong • 1996 • ab 26.99€
Das italienische Label Tuff Kong Records hat es sich neben Releases von eigenen Künstlern zur Aufgabe gemacht, vor allem längst vergriffene Rap-Klassiker aus den Neunzigern wieder liebevoll und neu gemastert aufzulegen. In diesem Jahr widmeten sie sich unter anderem dem 1996 erschienenen »Blah Blah Blah« von Blahzay Blahzay. PF Cuttin und Outloud aus New York City sollte sich in der Hip Hop-Historie zwar nur mit diesem einen Album verewigen, doch die darauf vertretenen »Danger« oder »Pain I Feel« dürften auch heute noch auf keiner amtlichen 90s-Rap-Party fehlen. Benjamin Mächler

Charles Hayward / Gigi Masin
Les Nouvelles Musiques De Chambre Volume 2
Modern Classic • 1989 • ab 23.99€
Der eine hat sich einen Namen mit avantgardischem Rock gemacht, der andere wurde weniger bekannt, hat aber Bemerkenswertes im Grenzgebiet von Jazz und, nun ja, New Age vorgelegt: Der britische Schlagzeuger Charles Hayward und der italienische Elektroniker Gigi Masin einigen sich auf ihrem Split-Album »Les Nouvelles Musiques De Chambre Vol. 2« auf Ambient als gemeinsamen Nenner. Bei Hayward etwas geräuschhafter, unterstützt von Field Recordings, während Masin lockere minimalistische Figuren auf Basis elektronischer Sequenzen wählt. Sein zauberhaftes »Clouds« wurde indirekt sogar zum Klassiker – als beliebte Sample-Vorlage. Tim Caspar Boehme

Coil
Time Machines
Dais • 2017 • ab 29.99€
Psychotrop ist eigentlich immer gut. Also jedenfalls bei Musik kann man da wenig falsch machen. Noch weniger bei Coils »Time Machines«, das die Post-Industrial-Magier auf vier verschiedene Halluzinogene zurecht schneiderten. Mit Drones, die dem geneigten Bewusstsein die eine oder andere Erweiterung verpassen helfen. So wenig ereignete sich bei ihnen vorher und nachher sonst kaum, dafür ändert sich im Detail dann doch eine Menge. Statisch sind nicht einmal die Grund-Brumm-Elemente, hier ist alles Veränderung. Man wandelt sich praktisch mit den Obertönen. Eine lohnenswerte Erfahrung, die auch nach knapp 20 Jahren noch keine Altersbeschwerden zeigt. Tim Caspar Boehme

Livy Ekemezie
Friday Night
Odion Livingstone • 1983 • ab 27.99€
Schlagerproduzent Christian Bruhn hatte seinen außerirdischen Soundtrack zur Zeichentrickkultserie »Captain Future« schon fast wieder vergessen, als ein obskures OST-Label ihn Mitte der 1980er Jahre veröffentlichte. Die Platte wurde schnell zu einer der gesuchtesten Cosmic Disco-Raritäten der Bundesrepublik und ist trotz Bootlegs und Nachpressungen bis heute schwer zu finden. So ist auch diese aktuelle Reissue schon wieder vergriffen, lieferte aber mit Bonus Tracks und Half Speed-Master endlich die ultimative Version des Dancefloor-Klassikers. Niklas Fucks

Cosey Fanni Tutti
Time To Tell (Deluxe Edition)
C.T.I. • 1983 • ab 27.99€
Cosey Fanni Tutti setzte sich dieses Jahr mit einer eher unspannenden Biographie über ihr maximal spannendes Leben einigermaßen in die Nesseln – zumindest bis Ende November. Da wurde »Time To Tell« wiederveröffentlicht, ein legendäres Tape, dessen Titelstück Inspiration für ganze Karrieren, von Tropic of Cancer angefangen über Mushy bis hin zu Johnny Jewels kältesten Momenten, gewesen sein durfte. Florian Aigner

Emmanuelle Parrenin
Maison Rose
Souffle Continu • 1977 • ab 26.99€
Eine schnörkelige Arthouse-Chanson-Platte aus dem Jahr 1977? So weit, so Rotwein. Die eigentliche Sensation aber ist das völlig aus der Reihe fallende »Topaze«, ein Stück, das klingt, als hätte Emmanuelle Perrenin vor 40 Jahren schon genau gewusst, worauf Red Light Radio und NTS heute hinauswollen. Florian Aigner

Geinoh Yamashirogumi
OST Akira
Milan • 2017 • ab 42.99€
Für den »Akira«-Soundtrack haben die Musiker von Geinoh Yamashirogumi ein gewaltiges Fass aufgemacht: Der Score lässt traditionell japanische Musik auf afrikanische Rhythmen treffen, schiebt ihr Chorgesänge und elektronische Elemente unter und lässt sie in sphärischer Entrücktheit schweben oder mit pathetischer Schwere kollidieren. Das fesselt auch losgelöst vom Film. Geinoh Yamashirogumi haben ein halbes Jahr an den Aufnahmen gebastelt und mit dem Soundtrack Musik von zeitloser Tragweite geschaffen. Christian Neubert

Gal Costa
India
Mr Bongo • 1973 • ab 23.99€
In dieser Form ist das in diesem Jahr von Mr Bongo wiederaufgelegte »Índia« der brasilianischen Sängerin und Vorreiterin der Ende der 1960er Jahre initiierten, Tropicália genannten Bewegung Gal Costa ein kleines Wunder. Es ist nämlich in dieser Form eigentlich nie erschienen. Das Original-Artwork wurde 1973 von der brasilianischen Militärregierung nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung zensiert und verboten. Gilberto Gil und Caetano Veloso, die beide unter anderem neben Arthur Verocai oder Rogério Duprat an der Platte mitwirkten, waren zu dieser Zeit bereits wieder aus dem Gefängnis entlassen und nach London ins Exil geflüchtet. Gal Costa blieb und kämpfte weiter mit den Waffen der Kunst und eben auch mit den Waffen der Frauen. Zum Beispiel auf dem Titelstück, einem leidlichen Schlager, ursprünglich aus chauvinistisch-männlicher Perspektive dargeboten, dreht sie das Stück in eine dato unerhörte homoerotische Perspektive: »India of brown skin, with her little mouth I want to kiss.« Musikalisch manchmal schon sehr mit dem Mainstream schmusend, bleibt das Werk als Gesamtes, gerade auch in Zeiten von #metoo, ein starkes Statement der Selbstermächtigung. Sebastian Hinz

Giovanni Cristiani
Alpha Percussion
Mondo Groove • 1985 • ab 19.99€
Drummer bilden oft die Schlusslichter in Band-Hierarchien. Percussionisten laufen da maximal unter »ferner liefen«. Doch auch wenn er lediglich das Schlaginstrumente-Arsenal bedient: Der 1953 geborene Komponist Giovanni Christiani ist in jedem Musikstudio der Alphamann. Wer’s nicht glaubt, hört das ursprünglich 1985 als Library Music eingespielte Album »Alpha Percussion«. Und fällt dann eh vom Glauben ab. Christian Neubert

Heilige 3 Koenige
Heiraten Und Mehr EP
Mond Musik • 2017 • ab 17.99€
1982 wurde ja so manches Rad neu erfunden. Nicht so hier. Heilige 3 Könige rollen einfach, das ist pervers perfekter Synth-Pop. Wer etwas von dem Begriff hält, dürfte das Guilty Pleasure nennen und der Rest wird einfach nur darum bitten, »Heiraten« jetzt sofort nochmal hören zu dürfen. Manchmal ist Fun halt ein Labsal. Philipp Kunze

Hiroshi Yoshimura
Music For Nine Postcards
Empire Of Signs • 1982 • ab 29.99€
In der japanischen Zen-Tradition darf die reine Lehre auch mal reine Leere sein und Ambient ist deswegen ein insbesondere von japanischen KünstlerInnen zur Perfektion getriebenes Genre. Neben »Pier & Loft« ist »Music For Nine Postcards« das zweite Album des Produzenten Hiroshi Yoshimura, welches in diesem Jahr neu aufgelegt wurde. Sein Debüt aus dem Jahr 1982 wirkt wie eine krasse Antithese zum Turbo-Yuppie-Lifestyle des Jahrzehnts: in sich gekehrt, zärtlich und angenehm leer. Fantastisch. Kristoffer Cornils

Idris Muhammad
Turn This Mutha Out
Soul Brother • 1977 • ab 20.99€
Idris Muhammads »Could Heaven Every Be Like This« ist ein unbestrittener Klassiker unter Leuten, für die der Slap Bass kein absolutes Ausschlusskriterium für absolut alles ist. »Turn This Mutha Out« ist sowas von lupenreiner Disco-Jazz-Funk, genau die Musik, die heute weiße Menschen auf allen Partys hören, und dabei für einige Stunden das Gefühl haben, alles sei ausgefüllt mit Liebe. Philipp Kunze

Ingleton Falls
Champagne In Mozambique
Isle Of Jura • 2017 • ab 18.99€
»Champagne In Mozambique«. Ingleton Falls. Was für eine merkwürdig betörende Nummer das Ganze. Ursprünglich 1991 in Newcastle entstanden, klingt das am ehesten noch nach African Head Charge, eher aber, als habe einem ein Medizinmann die falsche Droge gegeben und damit genau das Richtige bewirkt. Philipp Kunze

Jan Jelinek
Loop-Finding-Jazz-Records Black Vinyl Edition
Faitiche • 2001 • ab 24.99€
Neben Autechres »Amber« ist Jan Jelineks »Loop-finding-jazz-records« vermutlich die beste Workflowoptimierungsplatte aller Zeiten. Aufgenommen im Geiste des schmutzigen CD-Samplings von Oval und Co. und positioniert vor dem Background slicker Minimal-Techno-12”s mit flacher Kick ist dieses endlich in erweiterter Neuauflage erhältliche Album immer noch die beste aller Hintergrundtechnoplatten diesseits von Biosphere Ein schäumender, rauschiger Fluss, der nie enden will – und das auch nicht sollte. Kristoffer Cornils

Joe Henderson & Alice Coltrane
The Elements
Concord • 1974 • ab 25.99€
Joe Henderson & Alice Coltrane gemeinsam auf einem Album, das die beiden »The Elements« tauften – da weiß man, was einen erwartet: spiritueller Jazz. Hier in seiner angenehm unabgehobenen Ausprägung (trotzdem himmlisch), rhythmisch und ohne krampfhafte Verrenkungen. Essentielles Album für alle, die auch der Meinung sind, dass der Weg zum Higher State manchmal auch einfach nur geradeaus nach oben führen darf. Philipp Kunze

Jon Hassell
Fourth World:02 Dream Theory In Malaya
tak:til • 2017 • ab 19.99€
Unglaublich, wie avanciert diese Platte ist. Jon Hassell hat die Erkundungen seiner »Possible Musics«, die er gemeinsam mit Brian Eno angestellt hatte, auf seinem Soloalbum »Dream Theory in Malaya: Fourth World Volume Two« noch einmal erweitert und radikalisiert. Die Idee einer abstrakten ethnischen Musik wird konsequent geschreddert, Hassells ohnehin verfremdete Trompete in subatomare Partikel zerlegt, die an Vorformen von Glitch denken lassen. Die Repetition erzeugt ihre eigene unbewusste Syntax aus minimalen Differenzen und Verschiebungen. Ja, Traumgeschehen könnte so klingen. Tim Caspar Boehme

Jorge Reyes / Antonio Zepeda
A La Izquierda Del Colibri
Emotional Rescue • 1986 • ab 17.99€
Jorge Reyes & Antonio Zepeda sind die geilsten und »El Hacedor De Lluvia« nur die Spitze des Hunee-Essential-Mix-Berges. Aber anstatt über dubiose Kanäle und fiese Zöllner Reyes’ Vodoo-Periode in den Achtzigern für großes Geld zu importieren, kann man auch einfach den guten Dudes von Emotional Rescue ein Bier ausgeben: dafür, dass sie diese schamanistische Gateway-Drug 2017 endlich auch dem Spätzle State Of Mind zugänglich gemacht haben. Florian Aigner

K. Leimer
Land Of Look Behind
Palace Of Lights • 1982 • ab 19.99€
Huch! Ein Soundtrack zu einem Film, der die Beerdigung von Bob Marley im Mai 1981 zum Thema hat, und es ist nicht ein Ton Reggae darauf zu hören. Für diese Entscheidung möchte ich schon mal niederknien. K. Leimer, dessen Werk in den letzten Jahren auf RVNG Intl. und Autumn aufgearbeitet wurde, zeichnete sich für die erstmals 1982 veröffentlichte Musik von »Land Of Look Behind« verantwortlich. Statt dem Offensichtlichen setzte er auf Percussion und Synthesizer, auf Freiheit und Sehnsucht. Sebastian Hinz

Laraaji
Celestial Vibrations
Soul Jazz • 2017 • ab 24.99€
Auch auf die Gefahr hin, als Esoterik-Anhänger zu erscheinen: Diese Musik tut Gutes mit einem. Eine elektrische Zither, ein Delay und dazwischen viel Raum für die Harmonien, die sich unter seinen Fingern auftun, sind alles, was Laraaji auf seinem Debütalbum »Celestial Vibration« benötigt, um seinen Hörern die Ohren für den Grundton des Weltalls zu öffnen. Oder so ähnlich. Kosmisch ist die Angelegenheit allemal. Hier hat jemand den Schlüssel zu etwas gefunden. Und es ist von freundlichem Wesen. Tim Caspar Boehme

Laszlo Hortobagyi
Transreplica Meccano
Lullabies For Insomniacs • 2017 • ab 18.99€
Viele kaufen ja Platten auch (und vor allem?!) für den Distinktionsgewinn. Was eh nicht klappt, weil sich Bubble-intern alle dieselben kaufen, aber das sei mal dahingestellt. Izabel (die reine Nennung des Vornames ist hier übrigens kein Waldemar Hartmann, sondern hat sich einfach so durchgesetzt) versorgt mit ihrem Platenlabel Lullabies For Insomniacs jedenfalls seit einiger Zeit zuverlässig all jene, die sich nach dem Motto the weirder, the better ihre Neuanschaffungen entscheiden. Und, was ist weirder als ein Ungar – Ungarn für uns ja eh schon eher so unbeschriebene Blätter, die Städte haben ja auch so komisch lange Namen, was unter anderem daran liegt, dass das Ungarische knapp 30 verschieden Kasus hat und diese am Substantiv über Suffixe angezeigt werden -, der sich für seine Musik in Indien inspirieren ließ? Außer dem Besuch bei einem alkoholkranken Kanadier mit einem Faible für Stabheuschrecken in der Mittagspause eines Blockseminars fällt mir wenig ein. Philipp Kunze

Zazou / Bikaye / CY1
Noir Et Blanc (Remastered)
Crammed • 1983 • ab 18.99€
Wer Füße hat, kommt bei »Friday Night« von Livy Ekemezie ums Tanzen nicht herum. Die nigerianische Boogie-Sensation von 1983 war bisher Menschen mit vierstelligem Plattenbudget vorbehalten, wurde nun aber zum ersten Release des Reissue-Labels Odion Livingston. Gerade im oft dubiosen Bereich tanzbarer westafrikanischer LPs ist es ein Lichtblick: Es sitzt in Lagos und ist bisher das einzige nigerianische Label, das vom Hype um die Musikgeschichte des Landes profitiert – hoffentlich nicht das letzte. Niklas Fucks

Luis Delgado
Vathek
Emotional Rescue • 1986 • ab 17.99€
Als ob das jemals jemand gedacht hätte, aber ey, am Deadline-Tag frisst der Teufel Pommes: sollte irgendjemand 2017 noch nicht gelbfiebrig genug gewesen sein, gäbe es jetzt dank Emotional Rescue die Möglichkeit in diesem Tribal-Revival den unfickbaren Ayahuasca-Schamanen ins Lagerfeuer zu pfeffern. Luis Delgados »Las Reflexiones del Califa« klingt wie Peter Giger mit Psychose und ist damit natürlich easily mit das Beste, was dieses Jahr passiert ist. Florian Aigner

Bereits 1990 klärte ein Ukrainer in Barcelona, was passiert, wenn man die Berliner Schule mit der gniedeligen Lässigkeit der spanischen Ambient-Speerspitze um Suso Saiz und seine Grabaciones Accidentales-Spezis vertraut gemacht hätte, sich aber immer diese slawische Ungreifbarkeit behält. Das interessierte vor der Reissue ganze 36 Personen, Iury Lechs »Musica Para El Fin De Los Cantos« wird nun aber mit 27 Jahren Verspätung nachträglich völlig zurecht zu einem Genre-Klassiker. Florian Aigner

»Music Works For Industry« erschien ursprünglich 1983 und kokettiert mit kapitalistischen Mindsets, die Marc Barreca in einer tristen, industriellen Soundlandschaft spiegelt. Das Album ist dazu auch noch derart repetitiv und rhythmisch, dass man es wie Kommentar auf Fließbandarbeit lesen kann. Man kann das auch sein lassen und sich in jedem zweiten DJ-Mix fragen, was das jetzt nochmal für ein geiler Song ist, sich erinnern, und sauhappy sein, die Platte mit dem Song zu Hause zu haben. Philipp Kunze

Maria Rita
Brasileira
Optimo Music Selva Discos • 1988 • ab 19.99€
Was auch nie jemand gedacht oder je für möglich gehalten hätte: In Brasilien gab es eine virale Post-Punk-Szene. Entlang deren Randbereichen bewegte sich auch Maria Rita Stumpf und nahm neben Bossa Nova noch die Sounds der afrikanischen Diaspora mit auf, als sie 1988 ihr erstes und einziges Album Brasileira veröffentlichte. Zwischen wavigen Grooves, allerhand kalkuliertem Exotismus und Stumpfs gellendem Gesang entspinnt sich ein Dialog, wie er eindringlicher nicht sein könnte. Kristoffer Cornils

Marijata
This Is Marijata
Mr Bongo • • ab 23.99€
»This Is Marijata« ist ein unfassbares Album. Egal, aus welcher Stimmungslage der Track gerade kommt: no filter! Rau, raw, funky wie der viel zitierte Mutterficker und melancholisch wie der einsame Papa. 2 1/2ste Reissue jetzt, sie war dringend nötig. Philipp Kunze

Metro Area
Metro Area 15th Anniversary Remastered
Environ • 2017 • ab 26.99€
Im weiten Feld der Dance Music kann nur ungefähr jedes tausendste Album überhaupt etwas reißen, weil funktionale Musik sich eben schlecht zu Erzählbögen zusammen zimmern lässt. Metro Areas selbstbetiteltes Debüt aus dem Jahr 2002 war nicht einmal das: ein Album. Sondern vielmehr eine Ansammlung bereits veröffentlichter EPs mit Bonusmaterial. Keine Understatement-Geste, mitnichten: Die Wave-lastige Disco-Platte des Duos gehört zu den schönsten LPs, welche die gesamte Szene je erleben durften, und die darauf versammelten Basslines reißen auch jetzt noch die Lamellen jeder Clubglasfront hoch, wenn mal wieder Nachmittagsschichtsboogie angesagt ist. Darauf drei KiBa! Kristoffer Cornils

Michel Banabila
Trespassing
Seance Centre • 2017 • ab 24.99€
Kommt es überhaupt noch rechtzeitig? Das kanadische Label Séance Center hat einen Mispress aus den Werken zurückbekommen, weshalb die Neuauflage von Michel Banabilas »Trespassing« weiter auf sich warten lässt. Sollte es nicht mehr in diesem Jahr erscheinen, ist es die beste beinahe in diesem Jahr erschienen Reissue. Und sollte sie noch vor dem 31.12. eintreffen eben einer der besten. Vor allem, weil sie nicht nur eine Werkschau des niederländischen Experimental-Elektronikers enthält, sondern auch dessen schwer gesuchtes Album »Marila« als Ganzes. Philipp Kunze

Tomorrow's People
Open Soul
Melodies International • 1976 • ab 29.99€
Ist Minimalismus, wenn man ein paar Töne wiederholt? In diesem Sinne ist die japanische Perkussionistin Midori Takada ganz bestimmt eine Minimalistin. Doch irgendwie funktioniert die Wiederholung bei ihr anders als bei dessen Hauptvertretern. Ist einerseits weniger rigide, andererseits fast noch transformativer. Was die zierlich-resolute Musikerin an ihrer Marimba zelebriert, hat etwas Verträumtes, zugleich ritualistisch Durchorganisiertes. Man kann sich darin verlieren, auch in den Vogelstimmen, die sich auf »Through the Looking Glass« mitunter zwischen geflüsterte Flötentöne mischen. Eine Platte wie ein Lebewesen. Tim Caspar Boehme

Moodymann
Forevernevermore
Peacefrog • 2000 • ab 25.99€
Eigentlich traurig, dass Peacefrog dieser Tage lediglich seiner Nachpressungen wegen ins Gespräch kommt. Irgendwie jedoch haben sie sich das ja selbst eingebrockt: Nach Theo Parrish, Luke Slater, John Beltran und Moodymann kann eben nur noch herzlich wenig überzeugen. Und tatsächlich klingt »Forevernevermore« noch 17 Jahre später wie die irrwitzige House-Party, auf die du immer noch nicht eingeladen wirst, weil deine Hosenbeine in den Tennissocken stecken. Moodymann at his best. Kristoffer Cornils

Moondog
Moondog
Legacy • 2017 • ab 25.99€
Eigentlich hatte ich zu diesem Album schon alles hier gesagt Aber gut, in Kurzform nun noch einmal für alle Schlafmützen: Moondog ist einer der wichtigsten und zugleich unbekanntesten Begründer der Minimal Music. Sir Philip Glass wäre ohne Louis Thomas Hardin womöglich nie auf seine repetitiven Pattern gekommen. John Zorn und Steve Reich wären ohne seine Musik sicherlich nur halb so spannend. Und das Album »Moondog« lässt dich erfahren, warum das so ist. Now, go listen! Jens Pacholsky

Mulatu Astatke
Mulatu Of Ethiopia Deluxe Edition
Strut • 2017 • ab 27.99€
The Birth of Ethio Jazz. Mulatu Astatke stellt sich der Welt auf seinem Debütalbum »Mulatu of Ethiopia« vor, zugleich präsentiert er die Blaupause des von ihm höchstselbst entwickelten Ethio Jazz Funky geht es los, doch die Harmonien und Melodien, die er auf seinem Vibraphon hervorklöppelt, sind von Anfang an seine. Leicht schief für die angelsächsisch sozialisierten Jazz-Hörer, dafür bei geneigter Haltung umso entwaffnender. Man kann es nicht oft genug sagen: Die Sache ist gut fürs Herz. Tim Caspar Boehme

O.A.S.I.
Il Cavaliere Azzurro
Soave • 2017 • ab 9.99€
Das Reissue-Game fühlte sich spätestens Zwosiebzehn an wie ein Wunschkonzert. Auch das außergewöhnliche Album »Il Cavaliere Azzuro« der italienischen Multimedia-Performance-Künstler O.A.S.I. erschien einfach. Theoretischen Überbau gibt es vielen zu diesem Album, man kann sich von der Musik aber auch einfach direkt darüber hinweg tragen lassen. Spätestens mit B1 erwischt einen die ganze Wucht dieses Albums, das New Age, Tribal und Kosmische Musik durch eines verbindet: Bewegung. Logisch, aber wurde wenigstens doch noch was zur Theorie gesagt. Philipp Kunze

Okay Temiz / Johnny Dyani
Witchdoctor's Son
Matsuli • 2017 • ab 26.99€
Ich seh’ schon, ich wurde dieses Jahr redaktionsintern als Schamanenflüsterer gecastet. Schon ok und für »Witchdoctor’s Son« vermutlich auch notwendig, Okay Temiz und Johnny Dyani reizen nämlich die psychedelischen Anteile auf dieser wahnwitzigen, perkussiven Spiritual Jazz Platte voll aus. Lohnt sich aber trotzdem: nach 42 Minuten fehlt dir jegliche Orientierung, der Kopf irgendwo fiebrig in einer Gasse in Istanbul, die wackligen Knie schleppen sich auf den Flughafen in Lagos und dein Herz ist überall, nur nicht in Kassel. Florian Aigner

Pharoah Sanders
Izipho Zam (My Gifts)
Everland Jazz • 1973 • ab 20.99€
Wem müssen wir eigentlich dafür danken, dass Jazz seinen Ruf als Pantoffelheldenzeitvertreib abgeschüttelt hat – Kamasi Washington etwa? Der Hype der Jetztzeit fördert auch Schätze aus der Vergangenheit hervor. Pharoah Sanders ging mit seinen stolzen 77 Lenzen in diesem Jahr nicht nur auf große Tour, sondern ließ mit »Izipho Zam (My Gifts)« ein Highlight aus einer seiner produktivsten Karrierephasen wieder auflegen. Fiebriger, spiritueller Jazz zum Sonntagmorgenkaffee. Fehlt nur noch das überüberfällige »Pharoah«-Reissue. Kristoffer Cornils

Oratorium
Oratorium
Tramp / The Artless Cuckoo • 1972 • ab 17.99€
Oratoriums selbstbetitelte LP ist definitiv ein Zeugnis für die Schönheit der Schöpfung. Sie wurde 1972 live in einem Altarraum eingespielt und ist so etwas wie die Quadratur des Rosenkranzes. Originalpressungen dieses abgefahrenen Zeitzeugnisses in Sachen Christenkrautrock gehen schon mal für 500 Euro weg. Was nicht verwundert: Zur Rettung des Seelenheils spottet die Platte jedem Ablassbrief. Sie ist durchgängig beseelt und auf jene Weise schamlos, die nur wahre Glaubensverfechter drauf haben. DJ Scientist hat sie neu aufgelegt. Danke! Christian Neubert

Poligam
Poligam LP
Wiener Brut • 2017 • ab 24.99€
Poligam ist tollster Austro-Synthwave. Verschmierter Lippenstift, verkleidet, verballert und fast unmöglich darauf klar zu kommen. Jeder Song ein neuer Trick, kein Ärmel, um das Ass zu spielen, aber alles sticht, »sei ein Arsch und lass dich ficken«. Philipp Kunze

Richard Horowitz
Eros In Arabia
Freedom To Spend • 1981 • ab 23.99€
Blase oder nicht: Der Reissue-Markt scheint der am härtesten umkämpfte zu sein. Umso erstaunlicher die Quote, die Pete Swanson und Jed Bindeman für 2017 vorweisen können: vier Releases auf Freedom To Spend, viermal Muss, zweimal OMGYESFINALLY-Gebrüll. Am meisten vielleicht für Richard Horowitz und »Eros In Arabia«, einem unfind- und unmitfickbaren 1981er-Kuriosum aus der Hassell’schen Fourth World, inklusive einer 22-minütigen Tantra-Massage zum Abschluss und dem verwegensten Proto-Wolf-Müller-Track überhaupt. Florian Aigner

Other People Place, The
Lifestyles Of The Laptop Cafe
Warp • 2001 • ab 28.99€
Es war nach den ersten Drexciya auf Clone nur eine Frage der Zeit, bis »Lifestyles of the Laptop Cafe« wieder das Tageslicht erblicken würde und dann kam es umso besser: Auch die The Other People Place-Split mit DJ Stingray wurde neu aufgelegt und mit Jack Peoples »Laptop Cafe« grüßt James Stinson ein weiteres Mal aus dem Grab. Zu seinem definitiven Meisterwerk »Lifestyles« wurde an anderer Stelle schon genug gesagt , ansonsten gilt es zu schweigen zu genießen und sich auf Lab Rat XL-Archäologie vorzubereiten. Kristoffer Cornils

Thelonious Monk
OST Les Liasons Dangereuses
Sam • 2017 • ab 69.99€
Besser kann man einen 100. Geburtstag gar nicht begehen. Thelonious Monk bekommt zu diesem Jubiläum ein bisher unveröffentlichtes Album als würdigen Glückwunsch, mit lange Zeit verschollen geglaubten Aufnahmen zu Roger Vadims Spiefilm »Les Liaisons Dangereuses«. Keine neuen Stücke, dafür exzellente Versionen seiner längst zu Standards geadelten präzise kantigen Kompositionen, darunter »Well, You Needn’t« oder »Crepuscule With Nellie«. Eine würdige Gelegenheit, Grandioses noch einmal neu zu entdecken. Tim Caspar Boehme

Tomorrow's People
Open Soul
Melodies International • 1976 • ab 29.99€
Von allen Algorithmen-gesponserten YouTube-Hits der vergangenen Jahre war »Open Soul« der zugleich eingängigste und enigmatischste. Wenig ist über die Band Tomorrow’s People bekannt, ihr (lenden-)saftiger Disco-Soul-Funk muss zwangsläufig sich sprechen und tut das, wie im Titeltrack, auch gerne mal 20 Minuten lang. Der helle Wahnsinn. Der einzige Skandal an der Geschicht’: Das überwältigende Original-Artwork wurde durch ein paar totalegale Kritzeleien ersetzt. »It Ain’t Fair«, indeed. Trotzdem: Danke, Floatie. Mach ruhig weiter so, wir haben 2017 eh das Gefühl für angemessene Reissue-Budgets komplett verloren Kristoffer Cornils

Vono
Dinner für 2
Bureau B • 1982 • ab 23.99€
Wenn man den ganzen Tag ohne sinnstiftende Tätigkeit neben sich begattenden Straßenkötern am Rande des Dschungels verbringt, kommt es als große Erfrischung, wenn jemand davon singt, wie geil es tief drinnen ist (im Dschangel). Bureau B hat Vonos Blödel-Minimal-Meisterwerk »Dinner Für 2« neu aufgelegt: naive Synth-Akkordfolgen, Frosch im Hals, Hai im Unterholz. Wenn die Welt im Allgemeinen und Deutschland im Speziellen geiler wäre, dann wäre das hier Karnevalsmusik geworden. Philipp Kunze

Westberlin Maskulin (Taktloss & Kool Savas)
Hoes, Flows, Moneytoes Black Vinyl Edition
Fick Die Biaaatch Rekordz / Essah / HHV • 2017 • ab 19.99€
Die Beats auf Vierspur aufgenommen, Lo-Fi pur und der krasse Gegenentwurf zum aufpolierten Sound, den man gerade von den großen Vorbildern aus den USA gewohnt war. Zwei Typen, Kool Savas und [Taktloss](https://www.hhv-mag.com/de/feature/8488/das-phanomen-taktloss-der-undertaker-des-deutschrap,) mit überlebensgroßen Egos ausgestattet, die sie vor dem inneren Auge der zumeist infantilen Zuhörer wie rappende Endgegner aussehen ließen. Inhaltlich ging es halt darum, Bitches zu ficken und wacke MCs zu töten. Es gab ja Ende der Neunziger auch nirgendwo ein vernünftiges Foto der beiden, geschweige denn ein Musikvideo. Kurzum: Es rankten sich Mythen um Westberlin Maskulin. Wer damals nicht eines der zigfach kopierten Tapes von »Hoes, Flows, Moneytoes« besaß, hatte vielleicht eine Vinylpressung vom PDNTDR-Sublabel Home Recordings ergattert. Alle anderen, die Discogs- oder eBay-Preistreibern nicht das Geld in den Rachen werfen wollten, kamen endlich in diesem Jahr in den Genuss. Benjamin Mächler

Yasuaki Shimizu
Kakashi
Palto Flats • 2017 • ab 24.99€
Immer wieder wurde »Kakashi« in den letzten Jahren neu aufgelegt, immer wieder mussten wir in die Röhre schauen: Yasuaki Shimizus bahnbrechendes Post-Minimal-Jazz-Electronica-Album aus dem Jahr 1982 tröpfelte nur in Kleinstauflagen Richtung Öffentlichkeit, soll heißen: Discogs-Median-Olymp. Nun können sich auch Record-Nerds mit lahmem Triggerfinger und ausgebranntem Discogs-Budget freuen: Palto Flats hat sich um eine leicht erhältliche Auflage dieses Albums gekümmert. Zurecht, denn diese sonderbare LP ist für alle da und sollte von allen gehört werden. Kristoffer Cornils

Zazou / Bikaye / CY1
Noir Et Blanc (Remastered)
Crammed • 1983 • ab 18.99€
Viel wurde über »Noir Et Blanc« schon geschrieben, Kraftwerk und DAF treffen Fela Kuti zum Beispiel. Aber keiner hat es schöner gesagt als mein Kollege Aigner, der, wenn er ein Album wäre, die Nummer 1 in sämtlichen Listen meiner Jahrescharts wäre. Ein Herz also für mein Boo und ein Zitat von ihm zum Abschluss für euch, liebe Leser: »Zazou, Bikaye & CY1 haben da halt 1983 auf Crammed ( <3 <3 <3 ) dermaßen koordinatendurchsuppten Zeitlupen-Highlife mit Downtown-Post-Was-Weiß-Ich bumsen lassen, dass David Byrne wahrscheinlich heute noch direkt anfängt, Krokodilstränen zu verdrücken«. Philipp Kunze


Du findest die Top 50 Reissues 2017 bei uns im Webshop Eh klar.