Music Liste | verfasst 14.07.2016
Die 24 besten
Reissues des Jahres (bis jetzt)
Keine Compilations, sonst eigentlich alles. 24 Reissues, die aus dem redaktionsinternen, wutdemokratischen Verhandlungen als absolut unabdingbar herauskamen. Dann in Texte gegossen und alphabetisch sortiert.
Text Florian Aigner, Pippo Kuhzart, Kristoffer Cornils
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Es ist kein Geheimnis: die Re-Saturnisierung von Vinyl habt ihr primär euren Vätern zu verdanken, die sich dort zwischen lebensgroßem Andreas Bourani-Pappmaché und Ich+Ich-»Best-Ofs« immerhin noch einigermaßen geschmackssicher zum achten Mal »Beggar’s Banquet« kaufen und gleichzeitig dafür sorgen, dass euer auf 22 Stück limitiertes Calypsodronewavebliphouse-Whitelabel erst 2022 einen Termin im Presswerk bekommen hat.

ABER: Bei all dem First World-Gejammer über Record Store Day-Ungerechtigkeiten und der Fetischisierung von Vinyl als Deko-Gegenstand: so viele gute und jahrelang gewunschlistete Reissues wie in den letzten Monaten gab es noch nie, vor allem nicht aus der sogenannten Peripherie. Alleine aus Afrika und Asien hätten wir locker 24 essentielle Platten nennen können, die in der ersten Jahreshälfte 2016 wiederveröffentlicht wurden.

So fielen am Ende auf Grund dieser Obergrenze von African Head Charge bis ZYX dutzende Platten unter den Tisch, die ihr eurem Vater mitbestellen solltet. Die verbliebenen wurden aber im patentierten wutdemokratischen Verfahren redaktionsintern als absolut unverzichtbar deklariert und in alphabetische Reihenfolge gebracht. □ Florian Aigner

Ahmed Malek - Musique Originale De Films Find it at hhv.de: LP Wir verdanken diese Reissue Jannis »Jakarta« Stütz’ größtem Hobby. Der Labelchef ist seit jeher Kulturvermittler. Irgendwann um 2012 entdeckte er den arabischen Raum und seine Musik für sich. Besonders der algerische Musiker Ahmed Malek tat es Stütz an. Er machte eine Originalkopie seines Albums »Musique Original de Films« aus, traf sich mit Maleks Tochter, die ihn daraufhin unterstütze und veröffentlichte daraufhin dieses Werk des »algerischen Morricones« neu. Stimmungsgewaltig und doch leichtfüßig, klassisch und verspielt. Super Veröffentlichung. □ Philipp Kunze
 

Anna Homler & Steve Moshier - Breadwoman & Other Tales Find it at hhv.de: LP Das Album »Breadwoman & Other Tales« erhält gleich zwei Preise: Den für die merkwürdigste Ästhetik und den für die unglaubwürdigste Geschichte. Angeblich Mitte der 1980er Jahre auf Kassette erschienen, versammelt das über RVNG Intl. neu aufgelegte Album elektronische Krachmacher-Kompositionen von Anna Homler und Steve Moshier, über die Homler in einer ausgedachten Sprache singsangt. Ein bisschen bescheuert und noch viel mehr großartig. Industrial in poetisch, brutal und doch zärtlich. Wenn das fiktiv ist, bleibt die Realität eben ein bisschen langweiliger. □ Kristoffer Cornils
 

Beach Boys - Pet Sounds Find it at hhv.de: LP Es gibt Pop-Alben, die für die Musikgeschichte ungemein wichtig waren und es gibt »Pet Sounds«. Ein megalomanisches Großprojekt Brian Wilsons, der damit einerseits dem Rivalen Phil Spector und andererseits den Beatles ein Schnippchen schlagen wollte. Herausgekommen ist ein Album, das ungefähr so viele verschiedene inhaltliche Ebenen wie großartige Vokal-Harmonien hat: Unter jeder schmeichelhaften Akkordfolge tun sich menschliche Abgründe auf, die vormals nie und im Nachhinein nur selten in eine dermaßen stringente Form gebracht wurden. Unter dem Pflaster liegt der Strand, unter den Beach Boys ein allumarmender, reinigender Schmerz. Zwischendurch läuten die Fahrradklingeln. □ Kristoffer Cornils
 

Black Disco - Night Express Find it at hhv.de: LP Zwischen cremigem Philly-Sound, diasporischem Jazz-Funk und psychedelischem Easy Listening mag es Berührungspunkte geben, seltener aber wurden sie dermaßen eng und logisch verknüpft wie auf dem ursprünglich 1976 erschienenem »Night Express« von Black Disco. Musik zum Whiskynippen, Abshaken oder für die schwülstige Angespanntheit am Vorabend der Revolution. Ein großartiges künstlerisches Statement, das nicht ohne politische Implikationen daherkommt. They say it loud – ohne ein einziges Wort darüber zu verlieren. Was genau, werdet ihr nach den ersten Tönen des Titeltracks kapieren. □ Kristoffer Cornils
 

Bruno Spoerri - Langstraße zwischen 12 und 12 Find it at hhv.de: LP Skizzenhaft ist Bruno Spoerris Soundtrack zum filmhistorisch völlig untergegangenen Milieustudienstreifen »Langstraße zwischen 12 und 12« allemal, dabei aber stilistisch unglaublich reich. Wie der Film ein buntes soziales Kolorit zusammenbringt, so verblendet auch der Schweizer Komponist eine Vielzahl von Stilen über Bar-Jazz bis hin zu Rumpelrock, die ihrerseits von Brüchen und Twists geprägt sind. Kauzig, schön, psychedelisch – und meistens alles zugleich. Siehe »Strip Bar«, einem Highlights unter vielen. Kristoffer Cornils
 

Caroline K - Now Wait For Last Year Find it at hhv.de: LP Die 2008 verstorbene Caroline »K« Walters war eine übersehene Randfigur der britischen Industrial-Szene. Ihr 1987 veröffentlichtes Soloalbum »Now Wait For Last Year« aber entwickelte sich über die Jahre zu einer Art heiligem Gral unter Elektro-Krach-Nerds. Zwei CD-Reissues auf dem Label Klanggalerie folgend legt nun Blackest Ever Black die Platte neu auf Vinyl auf und rückt Caroline K damit in einen Kontext, in welchem ihre Musik wahnsinnig zeitgeistig klingt – insbesondere der elegische Überhit »Tracking With Close-Ups«. Wir hoffen bereits auf einen Ancient Methods-Remix. □ Kristoffer Cornils
 

Count Ossie - Tales Of Mosambique Find it at hhv.de: 2LP Über zwei Dinge muss man hinweg sehen, um die Neuauflage dieses Albums genießen zu können: Count Ossies fundamentalistische Tendenzen und das potthässliche Artwork, da fehlt wirklich nur noch, dass sich im abgebildeten Gesicht eine Afrika-Karte abzeichnet. Der Rest auf »Tales from Moazmbique« stimmt friedlich, allerdings nicht in Relation sondern wirklich: FRIEDLICH. Gesang, Niyabinghi-Trommeln, dort ein Bläser, hier ein Örgelchen, mit seinen jazzigen Anleihen absolut revolutionär für den damaligen Reggae. Cover vernichten, Platte auflegen, Unkraut jähten, und hier und da eine Pause machen, um den »most high« anzubeten. □ Philipp Kunze
 

Daniela Casa - Sociéte Malade Find it at hhv.de: LP Das Traurige zuerst: Daniela Casa hätte bekannter sein müssen und älter werden sollen. Die italienische Komponistin war eine Pionierin was abstrakte, elektronische und experimentelle Pop-Musik anbelangt, mixte Jazz mit Drone, ach, machte einfach alles. Mit nur 42 Jahren verstarb sie. Nun zum Erfreulichen: Dieser Zusammenstellung an Songs. Dagored Records widmet sich mit »Societa Malata« (1975) Casas bedachter Seite, 11 Tracks, Xylophon, Bongos, Gitarren-Soli, Synths. Selten, dass so viele Ideen auf einem Haufen so unkompliziert klingen. □ Philipp Kunze
 

DJ Screw - 3 N Da Mornin Find it at hhv.de: LP Ein Traum von mir: ich hänge mit Z-RO und irgendwelchen anderen Schnupfen-Boys auf DJ Screws Couch (no Danish design) ab und zocke Playstation. Screw geht wie immer mit Schlüssel schlafen und wacht zwei Tage nicht auf (Codein), weshalb die Schnupfen-Posse und ich eingesperrt bleiben und unseren Magen zwei Tage mit Chips zumüllen und unsere Seele mit heißen Playstation-Spielen. »3 in Da Morning« (1996) zu hören, kommt der Realisation dieses Traums noch am nächsten. Gab’s als Kassette, gab’s als CD, gibt’s jetzt endlich auch auf LP. □ Philipp Kunze
 

Exploit - Crisi Find it at hhv.de: 2LP Sind wir ehrlich: auf einem Flohmarkt würde man die Scheibe des billigen Cover-Artworks wegen einfach überblättern. Was ein großer Fehler wäre. Die Original-Platte von 1972 der dreiköpfigen Prog-Rock/Jazz-Band Exploit aus Rom ist so gut wie nicht existent und auch die Repress aus dem Jahre 1989 taucht in etwa so selten irgendwie auf wie Mewtu bei #PokémonGo. Selbst die Neuauflage von »Crisi« ist auf 500 Stück limitiert. Wer Vinyl als Spekulationsobjekt sieht, sollte zuschlagen. Musikalisch geht natürlich auch etwas. Liebhaber werden die A-Seite bevorzugen, auf der sich die Band von ihrer proggigen Seite zeigt. Es gesellen sich kommerziellere Songs auf der B-Seite hinzu, Hang zum stereotypen Eisdielen-Rock/Pop nicht von der Hand zu weisen. □ Philipp Kunze
 

  Hailu Mergia & Dahlak Band - Wede Harer Guzo Find it at hhv.de: 2LP Selbst in den schlimmsten Zeiten tanzt irgendwo jemand. Äthiopien befand sich 1978 im Krieg mit Somalia, es herrscht der »Rote Terror«, über der Adis Abeba wurde eine Ausgangssperre verhängt. Destruktivität allerorts und doch entsteht im Ghion Hotel etwas Neues. Hailu Mergia musiziert mit der Dahlak Band, die seinen hypnotisierenden Orgel-Sound um Soul und Funk anreichert. Wunderschöne Musik die da entstand – und beinahe verloren ging. Die Sessions wurden auf Tape aufgenommen, Hailu Mergias eigene Kopie (mutmaßlich) die letzte diente also Grundlage für die Vinyl-Version von »Wede Harer Guzo«. Was damals in Zeiten von großem Terror entsteht, hilft heute Wunder, wenn es darum geht dem winzigen Terror des Alltags für eine Runde Zwiebeln schneiden zu entkommen. □ Philipp Kunze
 

J Dilla - Donuts Find it at hhv.de: 2LP J Dilla starb viel zu früh und sein Abschiedswerk ist viel zu kurz. Das war es auch schon mit der Kritik an diesem in allen Farben und Formen kursierenden Album, dessen zigste Wiederveröffentlichung ebenfalls wenig Anlass zum Meckern gib. Es gibt schließlich vermutlich kaum ein Exemplar dieser Platte, die nicht völlig abgegrabbelt ist. Denn so kurz die kongenialen Samplingmeisterstücke von »Donuts« (2005) auch sind: Gerade das weckt das Verlangen, sie immer wieder auf dem Regal zu ziehen und die Grooves Umdrehung für Umdrehung abzuschleifen. Zum zehnten Jubiläum nun auch als Gatefold-Version. □ Kristoffer Cornils
 

Lil Wayne - Tha Carter II Find it at hhv.de: 2LP and RSD-2LP »The Carter II«, das ist Lil Wayne in der Zwischenphase. Eine Zeit, in der er den Titel best rapper alive nicht unberechtigt für sich einforderte. Hier war er noch zu einem großen Teil der grimmige N’Awlins-Hot Boy, aber auch nur noch zwei Jahre davon entfernt, sämtliche Tassen aus seinen Schränken zu entfernen und schwerelos zum Mars aufzusteigen. Auf »The Carter II« kaute Weezy noch reihenweise die Messerklingen ab, Lollipop war später. Konzentrierter hat er in seiner Karriere nur noch selten gerappt. Das Album aus dem Jahre 2005 enthält außerdem neben einem der wenigen richtig fetten Runners-Beats (die, die »Hustlin’« produziert haben) auch den letzten und vielleicht einzig brauchbaren Auftritt von Robin Thicke. □ Philipp Kunze
 

Madlib - Shades Of Blue Find it at hhv.de: 2LP Es bleibt zu Madlibs »Shades Of Blue« von 2003 ungefähr genauso viel zu sagen wie zu J Dillas »Donuts« oder »Paul’s Boutique« von den Beastie Boys: herzlich wenig. Allein schon, weil mit der Sample-Orgie straight outta Blue Note back catalogue schon alles gesagt war. Was sich als lauschiger Lounge-Sound bei Bonobo weiterüberlebte, markierte indes immerhin nicht das Ende von Otis Jackson Jr.s Konductor-Fähigkeiten. Unübertroffen bleibt es dennoch – und damit ist eben auch schon alles gesagt. □ Kristoffer Cornils
 

Manuel Göttsching - E2-E4 Find it at hhv.de: LP Krautrock blieb nicht lange das Geisteskind von kommunardisch organisierten Vollbärtlern, die lieber 16 Minuten statt der genormten dreieinhalb die Gitarren jaulen ließen. Klaus Schulze versteckte sich in riesigen Synthesizer-Türmen, sein Ash Ra-Kollege Manuel Göttsching folgte bald und nahm im Jahr 1981 in nur einem Tag ein Album auf, welches für die folgenden 35 stilprägend war. Ohne »E2-E4« hätte es Detroit Techno in dieser Form nicht gegeben und die Welt würde ein bisschen anders klingen. Nicht die schlechteste Tagesleistung, raunt die atypisch beschäftigte Belegschaft heute, wenn sie mit der Suite das Montagmorgenclosing abschließen. □ Kristoffer Cornils
 

Marijata - Pat Thomas presents.. Find it at hhv.de: LP Wer den Blog Voodoo-Funk verfolgt, der hat seit fünf Jahren Anlass, die Reissue von »Pat Thomas introduces Marijata« aus dem Jahre 1976 zu erwarten. Jetzt ist sie endlich da, die Neuauflage eines Albums, das nur so von Power strotzt. Grimmiger Funk, karibische Upfliftment-Vibes und durchaus auch Pop-Allüren. Peace-Zeichen treffen auf geballte Fäuste, Treibenlassen auf vorpreschende musikalische Wucht. □ Philipp Kunze
 

Ryo Kawasaki - Selected Works from 1979 to 1983 Find it at hhv.de: 12inch Der Katalog des japanischen Jazz-Gitarristen Ryo Kawasaki ist länger als die Speisekarte in einem billigen China-Restaurant. Während viele schon verzagen, sich dort für ein Gericht zu entscheiden, haben es die Menschen von NuNorthern Soul geschafft, fünf Tracks aus Kawasakis Schaffen rauszupicken, die seinem Schaffen gerecht werden. Musik, die gleichzeitig hell und dunkel ist, manchmal italo-schund-movie-ost-leichtfüßig dann mit dem Schwermut von Jazz. Will man immer und immer wieder hören. Muss man auch, um dahinter zu steigen. Philipp Kunze
 

Source Direct - The Crane Find it at hhv.de: 12inch Das Amen Break als vielleicht allerorts stilprägendstes Sample – von Gangsta Rap bis Jungle – unterliegt einem Schweinezyklus: Zuletzt war vor zwei, drei Jahren wieder viel Breakbeat im Techno zu hören, das hat sich jedoch gelegt. Source Direct aber feiern ihr eigenes Comeback und die Neuauflage ihres massiven Bangers »The Crane« von 1996 unterstreicht nur, wie zeitlos diese schnappatmende Panik-Musik von Jim Baker und Phil Aslett, der damals noch Teil des Projekts war, geblieben ist. Knicklichter raus, Apokalypse nach Sonnenuntergang! □ Kristoffer Cornils
 

Suso Saiz - Odisea Find it at hhv.de: 2LP Bei Music From Memory kann man sich darauf verlassen, dass sie sehr geschmackssicher die beste Musiker des jeweiligen Künstlers für ihre Retrospektiven wählen. »Odisea« präsentiert das Werk des spanischen Musik-Vordenkers und Multiinstrumentalisten Suso Saiz. Selten, dass man so wenig denken muss, um die Klänge eines Musik-Denkers genießen zu können. Hier klappt das – weil beim Hören nichts mehr klappen muss. Music For Air ohne Ports. □ Philipp Kunze
 

TCP - TCP Find it at hhv.de: LP LOLige Funfrage zum Einstieg: Was ist die Schnittmenge zwischen TCP und Tabaluga? Die Antwort: ein Album von Peter Maffay. Der veröffentlichte 1986 ein Album namens »Tabaluga und das leuchtende Schweigen«. Mit an Bord war der amerikanische Musiker Tony Carey. Der hat Poprock produziert und als Planet P Prog-Rock und als TCP… Ja, was eigentlich? Tanzmusik mit östlichen Einflüssen mit Stadionrock-Gitarren vielleicht. Jedenfalls ist das selbstbetitelte Album von 1984 eines, für das man nur schwer einen Vergleich finden kann. Ein außergewöhnliches Werk, außergewöhnlich rar, jetzt wieder zu haben und ganz sicher Teil des nächsten Sets deines Neighbourhood-DJ mit der eklektischen Plattensammlung an einem Donnerstagabend in einer Szenebar near you. Wer’s genauer wissen will: die Liner Notes sind so informativ wie sie unterhaltsam sind! □ Philipp Kunze
 

The Underground Sound Of Romes – Secret Doctrine Find it at hhv.de: 12inch Sonnenaufgangsmusik à la Orbital, Klimper-Ambient für den Chill-Out-Room, und vor allem Deep House, Deep House, Deep House. Der Sound von The True Underground Sound Of Rome zieht viele Genre-Register und wirkt auch 25 Jahre später so aktuell wie selten: Solche feinen, wattigen, Streicher-verdickten Sounds gibt es aktuell nur von ewigen Größen zu hören. Eine tolle, multifunktionale und auch auf der häuslichen Couch gut platzierte Wiederentdeckung, die vielleicht sogar DJ Sprinkles ein Lächeln entlocken könnte. Aber wer weiß das schon genau. □ Kristoffer Cornils
 

Video-Aventures - Camera (In Focus) Find it at hhv.de: LP Camizole hatte eh schon ziemlich wahnsinnige Musik gemacht, Krautrock halt, den Kopf in den Wolken, die Finger am Synth. 1978 trennte sich die Band. Zwei der Mitglieder, Dominique Grimaud und Monique Alba, blieben zusammen und gründeten Vidéo-Aventures. Noch wahnsinnigere Musik. Die Instrumentals sind völlig meschugge. Entweder trötet es, flimmert, knistert, oder zirpt, Tauben, Züge, auffällig atmende Franzosen, Kunst halt. □ Philipp Kunze
 

Vivien Goldman - Resolutionary (Songs 1979-1982) Find it at hhv.de: LP Vivien Goldman: Journalistin, Akademikerin, bestangezogene Frau der Welt und zwischen 1979 und 1982 zugleich eine der tollsten Post-Punk-Künstlerinnen in dieser vor Großartigkeit schier platzenden Szene. Ob solo (etwa mit »Launderette«) oder gemeinsam mit Eve Blouin als Duo Chantage trieb sie die Vermählung von bleichem Mittelschichtspunk und jamaikanischen Reggae- und Dub-Sounds voran. Dreist, vulgär und ein bisschen visionär. Das Label Staubgold hat ihr mit »Resolutionary« gebührende Ehre erwiesen. □ Kristoffer Cornils
 

Yasuaki Shimizu - Kakashi »Kakashi« ist ein großes Meisterwerk im Konjunktiv. Das Mariah-Mitglied Yasuaki Shimizu schaffte damit 1982 einen ganz eigenen Sound, der zwischen Anime-Jingle, Minimal Music, Jazz und den kuriosen Pop-Interpretationen des landsmännischen Yellow Magic Orchestras changierte. Hätten das doch damals mehr Menschen gehört, würden es doch heute mehr Menschen zum Vorbild nehmen. Dann wäre zumindest eine größere Neuauflage erschienen. Alles Konjunktiv, der Indikativ aber lautet: »Kakashi« ist eine der tollsten Platten der Welt. □ Kristoffer Cornils
 

Dein Kommentar
2 Kommentare
14.07.2016 13:50
doomschnitzel:
Schön, dass die Source Direct in die Liste gefunden hat. Leider ist das Preview im HHV Shop in der falschen Geschwindigkeit - zumindest jetzt im Moment. Vielleicht kann man das ja nochmal berichtigen..
― antworten
15.07.2016 13:18
Sebastian Hinz:
Hey Doomschnitzel, danke für den Hinweis. Wir checken das mal.
― antworten
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Record Store Day 2020 – 3rd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 24.10.2020 findet nun der dritte von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 120 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Sade
Magie ohne Mysterium
Mit dem Box-Set »This Far« wird das Gesamtwerk von Sade neu veröffentlicht. Viel ist das nicht. Aber Sängerin Helen Folasade Adu ist nicht nicht nur der größte Superstar, der nie einer werden wollte – sondern singt nur, wenn sie es will.
Music Kolumne
Records Revisited
Godspeed You! Black Emperor – Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven (2000)
Das zweite Album des Projekts Godspeed You! Black Emperor ist ein Werk voller Widersprüche und Zweifel. Vor allem liefert es den Soundtrack zur Komplexität menschlicher Existenz im aufkeimenden Dogmatismus.
Music Porträt
Derya Yıldırım
Im Namen der Menschlichkeit
Für Derya Yıldırım ist Musik in erster Linie Ausdruck menschlicher Beziehungen. Mit der Grup Şimşek verbindet sie die Musik ihrer anatolischer Heimat mit unzähligen anderen Klängen und Melodien, die die Menschen erden.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Gastarbeiter*innen Musik
Parallel zur Genese des Anadolu Pop entwickelt sich in der BRD eine virile Infrastruktur. Diese »Gastarbeitermusik« hat das öffentliche Bewusstsein stets nur gestreift. Der wirtschaftliche Austausch hätte ein kultureller sein können.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Anadolu Pop
Altın Gün, Derya Yıldırım & Grup Şimşek oder Gaye Su Akyol: mehr und mehr Bands beziehen sich wieder auf den Sound des Anadolu Pop, der sich in den 1960er Jahren in der Türkei formierte. Aber ist es ein Revival? Wir klären auf.
Music Kolumne
Records Revisited
Mouse On Mars – Iaora Tahiti (1995)
Mit ihrem zweiten Album »Iaora Tahiti« haben Mouse On Mars schließlich den letzten überzeugt, dass schlaue Electronica in den Neunzigern durchaus auch aus good ol’ Germany kommen kann. In diesen Tagen wird das Album 25 Jahre alt.
Music Kolumne
Records Revisited
Radiohead – Kid A (2000)
Zwischen Bigotterie und Blasphemie liegt oft nur »Kid A«. Das vierte Album von Radiohead erschien am 2. Oktober 2000, tauschte Gitarren gegen Synthesizer – und begann mit einem Fehler.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Tolouse Low Trax – Jumping Dead Leafs
Der Mann, der einen Sound geprägt hat, ist zurück mit einem Langspieler. Die drei Männer, die nichts geprägt haben, sind zur Stelle, um sich über ihn zu unterhalten. Das ist natürlich eine tolle Sache.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 2nd Drop
Weitere 12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 26.9.2020 findet nun der zweite von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 150 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Interview
Action Bronson
»Nichts könnte mich davon abhalten, mein Leben zu lieben«
Action Bronson meldet sich zurück. Das ist erstaunlich, denn die Musik ist nur ein Teil im Leben des New Yorkers, der auch Maler, Tänzer, Olivenöl-Tester, Schauspieler und anderes ist. Wir hatten die Gelegenheit zu einem Gespräch.
Music Kolumne
Records Revisited
Kate Bush – Hounds Of Love (1985)
Auf ihrem selbstproduzierten, fünften Studioalbum erklimmt Kate Bush den Gipfel ihres Autoren-Art-Pops. Ihre Synthese von digitaler Klanggestaltung und Folk-Elementen zeitigt ein Album, das einem Jahrhundertroman gleichkommt.
Music Porträt
Melody As Truth
An der Schwelle von Sound und Stille
Mit seinem Label Melody As Truth bewegt sich Jonny Nash zwischen Balearic und Ambient. Die Reise führt von New Age zu einer neuen Art von Weltkammermusik. Er selbst spricht vom »Erforschen von Raum und Timing«.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober
Der Sommer ist vorbei, die Welt ja sowieso, da wird selbst unser Kolumnist emotional. Er gibt seinem Haustier einen Namen und legt sich zu Enya in die Badewanne. Aigners Inventur ist zurück. Ganz, ganz wild.
Music Porträt
Larry Heard
Von der Luftgitarre zur Clubhymne
Larry Heard gilt als einer der Gründungsväter von Chicago House. Mit »Can You Feel It« prägte er das Antlitz von Deephouse. Stets blickte er über den Tellerrand der Clubmusik hinaus. Begonnen hat er seine Karriere jedoch als Luftgitarrist.
Music Kolumne
Records Revisited
Aesop Rock – Float (2000)
Statistisch gesehen ist Aesop Rock der eloquenteste unter allen Rappern. Stilistisch gesehen musste er zuerst behaupten, um im Feld der elaborierten Hip-Hopper zu etablieren. Dahingehend war »Float« von 2000 eine erstes Ausrufezeichen.
Music Interview
Kelly Lee Owens
»Wir verkörpern Emotionen«
Mit »Inner Song« veröffentlichte die walisische Musikerin ihr zweites Album, das mit einer Hand die Tränen nach dem Closing-Set aus den Augen wischt und mit der anderen das Fenster in den Alltag aufstößt. Ein Gespräch.
Music Liste
Harmonious Thelonious
10 All Time Favs
Mit »Plong« rüttelt Stefan Schwander an den Grundfesten der Clubmusik. Sein neues Solo-Album als Harmonious Thelonious lässt Alltagsgeräusche ein unheimliches Eigenleben entwickeln. Uns hat er erzählt, welche 10 Platten ihn geformt haben.
Music Interview
Nubya Garcia
Verwobene Erinnerungen
Die Saxophonistin Nubya Garcia ist Teil der regen Londoner Jazzszene. An ihrem Instrument ist sie eine der energetischsten Musikerinnen der Welt. Ansonsten ruht sie in sich. Sie ist so cool, wie die Musik, die sie spielt. Ein Interview.
Music Porträt
Pierre Schaeffer
In allem steckt Musik
Lange Zeit war es kaum vorstellbar, dass Musik durch anderes als Instrument und Stimme entstünde. In den Händen Pierre Schaeffers jedoch wurde der Tonträger zur Basis der Komposition. Vor 25 Jahren starb der Pionier der elektronischen Musik
Music Liste
Record Store Day 2020 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 29.8.2020 findet nun der erste von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind mehr als 350 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Liste
Jonathan Bree
10 All Time Favs
Jonathan Bree versteckt sein Gesicht hinter einer Latexmaske. Nun ja. Aber das ist nicht das bemerkenswerteste an dem Neuseeländer. Denn er ist vor allem ein erstklassiger Songwriter. Uns hat er erzählt, welche 10 Platten ihn geformt haben.
Music Porträt
Kommerz Records
Sich selbst das Bein stellen
Jonathan und Lukas Nixdorff haben sich einen Kindheitstraum erfüllt: Vor wenigen Wochen gründeten sie Kommerz Records. Dort erscheint nun das erste Release, »Kommerz Season 1: Anti-Virus«.
Music Porträt
Light In The Attic
Alles ist erleuchtet
Seit fast 20 Jahren bringt das in Seattle beheimatete Plattenlabel Light In The Attic Licht ins Dunkel jener Releases, die im Schatten stehen. Dass sie von Beginn an auf Vinyl setzten, zubilligt dem Label heute die Rolle eines Vorreiters.
Music Porträt
Jason Molina
Gone But Not Forever
Soeben sind unveröffentlichte Aufnahmen von Jason Molina veröffentlicht worden. Mit Songs: Ohia oder Magnolia Electric Co. wollte er sein Leben als Momentaufnahme festhalten. Doch es löste sich auf wie die Gespenster, an die er glaubte.
Music Kolumne
Records Revisited
Raekwon – Only Built 4 Cuban Linx… (1995)
Nach »Enter the Wu-Tang (36 Chambers)« haben sich die Clan-Mitglieder solo ausprobiert. Erst Method Man, dann Ol’ Dirty Bastard, schließlich Raekwon. Sein 1995 releastes »Only Built 4 Cuban Linx…« zählt zu den Meisterwerken des Hip-Hop.
Music Porträt
Jockstrap
Viel Klang, viel Geräusch
Das Londoner Duo Jockstrap veröffentlicht ihre Schallplatten bei Warp. Ihre Songs sind in Werbungen von Chanel und Dior zu hören. Taylor Skye und Georgia Ellery spielen sich auf der zweiten EP »Wicked City« passgenau die Bälle zu.
Music Liste
Jay Glass Dubs
10 All Time Greek Favs
»Soma« heißt auf Griechisch Körper und an den richtet sich die Musik von Jay Glass Dubs. »Soma« heißt sein neues Album. Das war die Chance den Griechen nach 10 Schallplatten zu fragen, die ihn geformt haben. Er antwortet griechisch.
Music Kolumne
Record Revisited
Elliott Smith – Elliott Smith (1995)
Die neunziger Jahre waren ein lautes Jahrzehnt, doch sie gaben uns auch die Musik von Elliott Smith. Dessen zweites Album »Elliott Smith« setzte einen stillen, inwendigen Kontrapunkt zum Weltgeschehen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Closer (1980)
Joy Divisions Album »Closer« war ein Zwischenschritt, ein halbherziges, halbbeseeltes Statement von vier jungen Männern auf ihrem Weg in neue Untiefen. Nur einer aber wollte, konnte nicht vom Fleck kommen.
Music Porträt
WeWantSounds
Ansteckende Leidenschaft
Den Grund für die Label-Gründung trägt WeWantSounds im Namen. Seit 2015 veröffentlicht der Pariser Zweimannbetrieb persönliche Lieblingsmusik aus den Siebzigern und Achtzigern. Bei der Auswahl spielen Genre- und Landesgrenzen keine Rolle.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Arca – KiCK i
»KiCK i« soll das erste von vier neuen Arca-Alben sein. Während sich einer unserer Autoren dazu auf dem Shakti-Kissen lümmelt, surft der andere auf Soundcloud das Reggaetón-Tag ab und bewundert der Dritte das Songwriting der Platte.
Music Essay
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2020
Hier werden persönliche Anekdoten zu programmatischen Allegorien: Aigners Inventur verabschiedet sich schlussendlich mit einem Wimmern in die Sommerferien. Es ist schließlich 2020.
Music Porträt
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2020
50 best Vinyl Records so far
Wahrscheinlich wird man in 40 Jahren zwei Fragen beantworten müssen: Was man 2020 selbst gegen das Leid und die Ungerechtigkeit getan und welche Platten man gehört hat. Bei der Beantwortung der zweiten Frage, können wir behilflich sein.
Music Porträt
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Porträt
Roy Ayers
Vibrationen zum Wohlfühlen
Er zählt zu den meistgesampelten Musikern der Gegenwart. Mit Songs wie »Everybody Loves The Sunshine« wurde Roy Ayers, der im September seinen 80. Geburtstag feiert, zur Legende. Auf Jazz Is Dead sind nun neue Songs von ihm erschienen.
Music Porträt
Sven Wunder
Wer bin ich?
Es kursieren gerade zwei Alben, die Liebhabern des Rare Groove Freudentränen in die Augen treiben. Das eine, »Doğu Çiçekleri«, spricht seine musikalische Sprache mit türkischen Akzent, »Wabi Sabi« mit japanischem. Doch wer ist Sven Wunder?