Music Liste | verfasst 01.12.2021
Jahresrückblick 2021
Top 20 Compilations
Musik und erst recht die Menschen dahinter finden immer zueinander – notfalls auch über die Distanz, sei es nun räumliche oder doch zeitliche. Das waren die 20 besten auf Schallplatte veröffentlichten Compilations des Jahres 2021.
Text Sebastian Hinz, Kristoffer Cornils, Florian Aigner, Jens Pacholsky, Pippo Kuhzart, Lars Fleischmann, Christoph Benkeser, Tim Tschentscher , Übersetzung Sebastian Hinz
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Miteinander. Was für ein Wort, und was für ein Gefühl erst. In diesem Jahr war es erst gar nicht und dann nur in großen Dosen zu haben, bevor sich langsam abzeichnete, dass es entweder nicht mehr verantwortungsvoll oder schlicht illegal sein könnte, sich mit vielen Menschen in einem Raum einzufinden, um zum besten Moment im Set die verschwitzte Faust in die Höhe zu strecken und ein 360°-Grinsen in die Runde zu schicken. Aber immerhin: Das Miteinander selbst wurde in diesen letzten beiden Jahren neu gedacht und Zoom-Partys sind zum Glück nur die zermürbende Spitze eines Eisbergs neuer Arten und Weisen, gemeinschaftlich zu kommunizieren und zu agieren.

Überhaupt findet Musik, finden die Menschen dahinter, wieder zueinander. Das war schon immer so, wie einige der folgenden 20 Schallplatten beweisen: Subsubkulturen für balearischen oder japanischen Eso-Pop, klandestine Funk-Aufnahmen aus Kamerun während der Siebziger, schattenseitiger Italo Disco – jede noch so obskure Szene bekam in diesem Jahr das Spotlight auf sie gerichtet. Dazu gesellen sich Zusammenstellungen von Gruppen und Musiker:innen wie From Nursery to Misery, Germán Bringas, Leslie Winer oder Seefeel, die die Geschichte einiger zentraler und bisweilen doch (fast) vergessener Figuren neu erzählen können.

Sie stehen neben-, aber auch miteinander in dieser Liste: Als große Würdigungen von Errungenschaften, die bis heute nachwirken. Auch das tröstet auf eine Art, genauso wie es all die Compilations der Gegenwart tun, auf denen Menschen zueinander finden, um miteinander Musik zu machen, zu teilen und in eine Welt hinauszutragen, die sie dringend nötig hat. Kristoffer Cornils


DER VINYL-JAHRESRÜCKBLICK IM WEBSHOP VON HHV RECORDS.


From Nursery To Misery - Tree SpiritsVinyl LP From Nursery To Misery – Tree Spirits (Dark Entries)
Bei den beiden Sängerinnen von From Nursery To Misery handelte es sich um eineiige Zwillinge, die sich allen Ernstes Gina und Tina Fear nannten und gemeinsam mit Produzent Lee Stevens ihren neurotischen Goth-Synth-Pop am Ende der 1980er in fucking Essex aufnahmen – eh klar, dass Dark Entries irgendwann die Reissue-Dutys übernehmen würde. »Tree Spirits« (dieser Titel allein!) versammelt elf Stücke aus der relativ kurzen Schaffenszeit des Trios und bietet jede Menge Vibe-Verweigerung, quasi-mystischen Dilettantismus und, tja, einen Sack unwahrscheinlicher Hits. Hätte sich niemand besser ausdenken können, musste aber jemand neu auflegen. Kristoffer Cornils
 

Gabrielle Roth & The Mirrors – Selected Works (1985-2005)Vinyl LP Gabrielle Roth & The Mirrors – Selected Works (1985-2005) (Time Capsule)
Manchmal muss man keinen Frosch lecken, um Gott näher zu kommen, Gabriel Roth & The Mirrors auflegen reicht eventuell. Perkussives Schamanen-Getrommel in unesoterisch, das ist tatsächlich Musik, Kollabos mit Sun Ra, Sanders und anderen legen davon Zeugnis ab. 20 Jahre Musik sammelt Time Capsule mit den »Selected Works«, nach drei Songs spätestens trägt man Umhang und brennt hart Hölzer ab, da im eigenen Wohnzimmer. Pippo Kuhzart
 

German Bringas - Tunel Hacia TiVinyl LP Germán Bringas – Tunel Hacia Ti (Smiling C)
Germán Bringas sieht Farben, wenn er Töne hört und das wird zur Grundlage seiner eigenen Stücke. »Tunel Hacia Tí« versammelt Stücke aus den Jahren 1991 bis 2000, die Visible-Cloaks-ähnliche, super slicke Synth-Sounds mit gniedeligen Jazz-Freakouts zusammenbringen. Über 16 Tracks hinweg entstehen viele Reibungspunkte, wird Bringas’ expressives Saxofonspiel bisweilen sogar geradezu atonal – aber das liegt eben daran, dass er seiner eigenen Logik folgte, an den Standards westlicher Kompositionslehre vorbeihuschte und mit einem Köpper rein ins Meer der Farben sprang. Kristoffer Cornils
 

James Bernard – Unreleased Works Vol.1 Acid DreamsVinyl LP James Bernard – Unreleased Works Vol.1 Acid Dreams (A Strangely Isolated Place)
Manchmal braucht es einfach dieses »Früher war alles besser«-Gefühl. Wenn das dann noch gänzlich ohne erkalteten Nikotingeruch, abgestandenem Kaffee und Schnee von gestern einhergeht, darf das auch gefeiert werden. James Bernards Erstveröffentlichung seiner »Acid Dreams« aus den 1990er Jahren ist ein herzzerreißendes, erinnerungsschwangeres und zugleich unglaublich frisches Album, das die ganze kindliche Explorationslust und naive Verspieltheit der elektronischen Musik von damals widerspiegelt. Alterslose Musik ohne Klickzahl-Attitüden. Jens Pacholsky
 

José Carlos Schwarz & Le Cobiana DJazz – Lua Ki Di NosVinyl LP José Carlos Schwarz & Le Cobiana Djazz – Lua Ki Di Nos (Hot Mule)
»Lua Ki Di Nos« bietet Fahrstuhlmusik. Also, in dem Sinne, als dass es mit José Carlos Schwarz & Le Cobiana Djazz rauf und runter geht, erst freudestrahlend und endorphinglühend der Sonne entgegen und dann wieder depressionsschwer und eiszapfig in ein tiefes Loch. Guinea-Bissau war Anfang der 1970er von Unruhen geprägt und sie schlagen sich auch in diesen Folk-Modernisierungen nieder, eingesungen von einem späteren Stadt-Guerilla. All das und noch mehr steckt in diesen elf Songs: Geschichte mit all ihren Aufs und Abs. Kristoffer Cornils
 

Leslie Winer - When I Hit You You'll Feel ItVinyl LP Leslie Winer – When I Hit You You’ll Feel It (Light In the Attic)
Wieso hat man aus dem Leben von Leslie Winer noch keinen Film gemacht? Sie wurde als Baby verkauft (!), modelte als Teen für Dio. Später war William S. Borroughs ihr Mentor, Jean-Michel Basquiat ein Freund mit Benefits und New York ihre Base. Dass sie die »Mother of Trip-Hop« genannt wurde, hat damit zu tun, dass sie vor Massive Attack oder Portishead über Beats hauchte, bei denen es einem die Schublade auch ohne dem Einfluss von Drogen raushaut. Light in the Attic hat »When I Hit You – You’ll Feel It« zusammengestellt. Die Watsche teilt man sich selbst aus. Christoph Benkeser
 

Mario Rui Silva - Stories From Another Time 1982-1988Vinyl LP Mario Rui Silva – Stories From Another Time 1982-1988 (Time Capsule)
Allzu viel Rosé war nicht dieses Jahr, der Sommer einfach zu unverbindlich. Wenn aber, dann zu Mario Rui Silvas »Stories From Another Time 1982-1988«. Akustische Gitarren-Baladen und zentralafrikanische Grooves wechseln sich ab, immer in der perfekten Balance aus Dolce Vita und Schwermut. Spätestens beim dritten Track dieser Compilation lernt man hörenderweise, dass Angola eine portugiesische Kolonie war, aber auch die Nachbarschaft zum Kongo ist auf vielen Tracks im Ton festgeschrieben. Wenn dann auf Song 8 noch der große Francis Bebey im Geiste vorbeischaut, hat man in dieser Compilation die schönste Erinnerung an einen läppschen Sommer. Pippo Kuhzart
 

MLO - OumuamuaVinyl LP MLO – Oumuamua (Music From Memory)
Ein Track von MLO eröffnete die Compilation auf »Virtual Dreams (Ambient Explorations In The House & Techno Age, 1993-1997)«, weshalb es nur folgerichtig ist, dass Music From Memory nun eine Werkschau des britischen Duos folgen lässt. Peter Smith und John Tye arbeiteten zwar nur wenige Jahre unter diesem Namen zusammen und doch beweist »Oumuamua«, wie weit die beiden kamen. Denn far out sind diese bereits von einigen EPs bekannten sowie bisher unveröffentlichte Stücke allemal: Irgendwo links von Orbital und Global Communication eroberten sie den luftleeren Raum. Kristoffer Cornils
 

Ruthann Friedman - Hurried Life: Lost Recordings 1965-1971Vinyl LP Ruthann Friedman – Hurried Life: Lost Recordings 1965-1971 (Tompson Square)
Sie schrieb Songs für weiße Buben, die damit berühmt wurden, während man Ruthann Friedmann ein paar neue Gitarrensaiten spendierte. Schlechtes Karma für die Buben. Sonnenschein für Friedmann. Dass die »Goddess of Astral Folk«, wie man Friedmann später bezeichnete, auch Solo-Ambitionen hatte, konnte ja niemand wissen. Vor allem nicht die Buben. Die mussten trotzdem einsehen, dass Friedmans Stimme zwischen Mitchell und Guthrie zu gut war. Für die Welt. Und alle Buben. Christoph Benkeser
 

Tangled Shoelaces - Turn My Dial (M Squared Recordings And More, 1981-84)Vinyl LP Tangled Shoelaces – Turn My Dial (M Squared Recordings And More, 1981-84) (Chapter Music)
Tangled Shoelaces nannten ihr erstes Album »In The Land Of The Lollypop Men« – ein Titel, den man genauso wörtlich nehmen muss wie den Bandnamen. Schließlich waren die fünf Australier keine zwölf als sie sich gründeten. Sie nahmen Songs auf, bevor sie im Stimmbruch landeten. Deshalb krächzten sie wie Wiener Sängerknäblein zu Surf-Pop ins Mikro. Bis sie die Dead Kennedys mit auf Tour nahmen. Dort lernten sie das Leben kennen. Und lösten sich auf. Man muss das gesehen, nein besser: gehört haben. Auf 22 Songs von »Turn My Dial«, das Chapter Music auflegt. Christoph Benkeser
 


DER VINYL-JAHRESRÜCKBLICK IM WEBSHOP VON HHV RECORDS.


Various Artists – And Felt Like…Vinyl LP Various Artists – And Felt Like… (Knekelhuis)
Selbst jemand mit so einem makellosen »track record« wie Mark van de Maat aka Knekelhuis muss sich im Zweifel immer noch mit jeder Veröffentlichung beweisen. Und das gelingt auf dieser handverlesenen Compilation noch besser als sonst: »And Felt Like…« ist so krass up-to-date, ein grandioses Spiegelbild abseitiger Musik, die en passant so fantastisch tanzbar sein kann. Ob Avslutas »Mono No Aware« oder Philipp Otterbachs »When The Fish Travels…«: alles absolute Experimental-Spitzenklasse. Lars Fleischmann
 

V.A. - Cameroon Garage FunkVinyl LP Various Artists – Cameroon Garage Funk (Analog Africa)
Es ist schon bemerkenswert, dass die 1970er im Fokus so vieler Compilations stehen, die Musik vom afrikanischen Kontinent in den Fokus nehmen. »Cameroon Garage Funk« versammelt Stücke, die mehr als zehn Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes in der Hauptstadt Yaoundé in einer Kirche – der Titel täuscht – aufgenommen wurden, und das weitgehend im Schnellverfahren und innerhalb kürzester Zeit. Während Manu Dibango den Makossa in die Welt importierte, zeigte sich der Underground hier von seiner wilden Seite. Das allein macht aus dieser Compilation eine wichtige (musik-)geschichtliche Lektion. Kristoffer Cornils
 

GOST: A Spiritual Exploration Into Greek Soundtracks (1975-1989)Vinyl LP Various Artists – GOST: A Spiritual Exploration Into Greek Soundtracks 1975-89 (Into The Light)
Es ist eine reichlich bizarre Zusammenstellung, die das Label Into the Light im Frühling dieses Jahres präsentierte. »GOST: A Spiritual Exploration Into Greek Soundtracks 1975-89« versucht nicht, das Disparate in einen Fluss zu bringen, sondern lässt 17 merkwürdige Nummern jeweils für sich selbst existieren. Leiernder Funk mit Flöten-Soli on top, pathetischer Instrumental-Synth-Pop, ratternder Industrial oder völlig benebelte Klangabstraktionen: Hier passt nichts zueinander und wirkt deshalb in der Gänze umso großartiger. Wenn jetzt noch jemand die Filme dazu nachliefern würde… Kristoffer Cornils
 

Various Artists - Habibi Funk: An Eclectic Selection Part 2Vinyl LP Various Artists – Habibi Funk: An Eclectic Selection Part 2 (Habibi Funk)
Seit 2015 bringt uns Jannis Stürtz mit seinem Label Habibi Funk die Vielfältigkeit und Qualität der arabischen Musik seit den 1970er Jahren nahe. Und schenken wir der neuesten Label-Compilation »Habibi Funk – An Eclectic Selection Of Music From The Arab World Part 2« Glauben, dann wird sich das auch nicht so schnell ändern. Wir hören Funk von Sal Davis, Disco von Najib Alhoush, Garage-Rock von Fadoul, Tijuana-esque-Brass-Sounds von Ahmed Malek, Reggae von Ibrahim Hesnawi. Die heimlichen Hits dieser Compilation kommen allerdings von zwei Beiträgen mit weiblichen Stimmen, von Douaa und Zohra. Sebastian Hinz
 

Various Artists – La Ola Interior: Spanish Ambient And Acid Exoticism 1983-1990Vinyl 2LP Various Artists – La Ola Interior: Spanish Ambient And Acid Exoticism 1983-1990 (Bongo Joe)
Eine kleine Tour durch den fruchtbaren Untergrund Südeuropas während der Achtziger gefällig? Bitteschön. Was die zwanzig Tracks auf »La Ola Interior: Spanish Ambient & Acid Exoticisms 1983-1990« über 70 Minuten versammeln, ist ein weiteres Zeugnis der endlosen Möglichkeiten, die sich durch die Verbindung von westlicher und fernöstlicher Musiktradition ergeben. Beseelt von amerikanischem Minimalismus, Hassels »4th World Music«, Krautrock und experimentellen Tape-Recordings, verschwimmen hier totgeglaubte Tropen in pulsierenden Panoramen und ergeben Visionen, die bis heute vibrieren. Nils Schlechtriemen
 

V.A. - Oz Echoes: DIY Cassettes And Archives 1980-1989Vinyl LP Various Artists – V.A. – Oz Echoes: DIY Cassettes And Archives 1980-1989 (Efficient Space)
2017 haben Efficient Space mit der Compilation »Oz Waves« einen ersten Blick auf die australische DIY-Szene der 1980er Jahre geworfen. Nun, vier Jahre später, vernehmen wir den Widerhall. »Oz Echoes: DIY Cassettes And Archives 1980​-​1989« stellt weitere zehn in dunklen Kellern und auf staubigen Dachböden zusammengeklaubte, umwerfend charmante Tracks zusammen. Fünf davon unveröffentlicht. Mit »I Cried All Winter« von (toller Name) Shanghai Au Go-Go ist auch der Soundtrack zum nächsten Winter-Lockdown drauf. Muss man lieben. Sebastian Hinz
 

Various Artists –  Profondo Nero: Italo Disco & Synth-Pop 1983-1989Vinyl LP Various Artists – Profondo Nero: Italo Disco & Synth-Pop 1983-1989 (Dekmantel)
Das vorherrschende Bild der 1980er in Italien ist entweder in Guadagnino-Töne getaucht oder neongrell ausgemalt – in Farben, wie sie Italo Disco stolz nach außen trug. Das allerdings überpinselt großzügig die sehr realen ökonomischen und politischen Krisen wie auch die sozialen Missstände des Landes zu dieser Zeit. Und es gibt auch die düsteren Untertöne von Italo Disco. Die von Cinema Royale für Dekmantel zusammengestellte Compilation »Profondo Nero« versammelt Sternstunden von »Leftfield Italo Disco«, wie der DJ es nennt. Was auch heißt, dass Robert Sandrinis irrsinniges Cover von »Eyes Without a Face« endlich wieder für einen erschwinglichen Preis zu haben ist. Kristoffer Cornils
 

Various Artists – Ritmo Fantasía: Balearic Spanish Synth-Pop, Boogie And House (1982-1992)Vinyl LP Various Artists – Ritmo Fantasía: Balearic Spanish Synth-Pop, Boogie And House (1982-1992) (Soundway)
Sollten die Nachbarn fragen, das ist Musik für Leinenhosen, Pornobalken und die untergehende Abendsonne. Wenn Casio-Synthesizer quengeln und Hüftknochen knacksen, muss man nur noch den Klappstuhl ins Wohnzimmer stellen, ein Bayern-Handtuch drüberlegen und sich den Selbstbräuner ins Gesicht klatschen – schon beamt man sich für 30 Flocken ans Meer. »Ritmo Fantasía: Balearic Spanish Synth-Pop, Boogie And House (1982-1992)« ist, was der Titel verspricht. Eine laszives Saxophon-Solo mehr, bei dem man sich den Arsch mit Seide abwischt. Christoph Benkeser
 

Various Artists – Somewhere Between: Mutant Pop, Electronic Minimalism & Shadow Sounds Of Japan 1980-1989Vinyl LP Various Artists – Somewhere Between: Mutant Pop, Electronic Minimalism & Shadow Sounds Of Japan 1980-1989 (Light In The Attic)
Der beste Teil der Japan-Reihe von Light In The Attic. »Somewhere Between: Mutant Pop, Electronic Minimalism & Shadow Sounds Of Japan 1980-1988« ist kein City Pop. Trotz sehr unterschiedlicher Stile und musikalischer Herangehensweisen passen die Stücke zueinander, die innere Logik stimmt. Großartig wie nach dem poppigen Auftakt das Mkjawu Ensemble rein tröpfelt, um dann vom vom Minimal-Trio RNA-Organism abgelöst zu werden, deren Stück hier wie ein gelungenes Interlude gesetzt wurde. Die Wantlist ist danach ein bisschen kleiner, der Wissenschatz größer, genau die Ausbeute also, die man von so einer Compilation haben will. Pippo Kuhzart
 

V.A. - The Key To Our Love Vol.2Vinyl LP Various Artists – The Key to our Love Vol.2 (Symphonical)
Wie eine Schachtel Pralinen: Die Compilation **»The Key to our Love Vol.2« des britischen Reissue-Labels Symphonical wühlt tief in Sweet-Soul-Sphären der späten 1960er und frühen 1980er und packt zehn schmerzend-süße Independent-Raritäten in ein schönes kleines Set. Zwischen tiefergelegten Lowride-Hymnen und zurückgelehnten Chicano-Perlen findet sich unter anderem der The-Ledgends-Klassiker »A Fool For You«, den Madlib einst auf »Piñata« geflippt hat. Kaum etwas hatte in diesem Jahr einen ähnlich hohen Replay-Faktor. Tim Tschentscher
 


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José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.