Music Interview | verfasst 26.10.2007
Wu-Tang Clan
Alles dreht sich im Kreis
Nach zahlreichen Releases aus dem Wu-Tang-Umfeld, kehrt auch der Clan zurück.
Text Julian Gupta
120-wutangclan2007-www.hhv-mag.com

Nach zahlreichen Releases aus dem Wu-Tang-Umfeld, kehrt auch der Clan zurück. Zu Beginn dieses Jahres wurde ein weiteres Album ankündigt. Die Erwartungen daran sind enorm. Im Netz kursieren haufenweise Tracklists. Die Fachpresse in Form des Rolling Stones vermutet, dass »8 Diagrams« düsterer und aggressiver werden wird als alle bisherigen Alben. Wie das fünfte Wu- Tang-Album am Ende wirklich klingen wird, bleibt abzuwarten. Bei dem letzten Auftritt ihrer Europatour im Stuttgarter Reitstadion reißen die acht verbliebenen Wu- Tang-Mitglieder jedenfalls in bester Manier die Hütte ab. Höhepunkt einer emotionalen Show: Der kurze Regenschauer während der ODB-Erinnerungseinlage. Großes Kino. Im Gespräch nach dem Auftritt präsentiert sich Method Man redefreudig, wenngleich er nur zögerlich Auskunft über das neue Album geben will. Aber auch da gibt es ja Mittel, um nachzuhacken.

HHV: Es scheint so, als wiederhole sich Geschichte: Zu dem Zeitpunkt, als ihre euer erstes Album veröffentlicht habt, waren viele Heads der Meinung, Rap sei langweilig. Heute ist diese Meinung wieder weit verbreitet. Wie siehst du das?
Method Man: Das finde ich eine sehr interessante Beobachtung. Es scheint in der Tat immer wieder gleich abzulaufen. Als drehe sich das ganze Musikgeschäft immer im Kreis. Momentan sind wieder sehr viele Leute unzufrieden, wie es mit der Musik gerade läuft. Andererseits gibt es auch im Augenblick Künstler, die viele Platten verkaufen. Also muss es da auch Leute geben, die deren Veröffentlichungen feiern und kaufen.

HHV: Verkaufszahlen werden ja heute vermehrt als Qualitätsmaßstab für die Arbeit von Musikern herangezogen. Da bringt uns zu der oft gestellten Frage, wie wichtig das Plattenverkaufen für einen Künstler selbst sein sollte?
Method Man: Ich denke Plattenverkäufe sind wirklich am wichtigsten. Es geht doch einfach darum, dass du oft gehört wirst, weil du nur dann eine Bewegung hinter dir hast, wenn dich die Leute überhaupt wahrnehmen. Es gibt viele Underground-Bands, die irgendwann viele Alben verkauft haben und trotzdem immer noch oder wieder underground sind. Andere Underground-Gruppen werden irgendwann bei Major-Labels releasen. Wir reden ja immer noch vom Musikgeschäft und da läuft es nun mal so.

HHV: Wie war es für dich eigentlich wieder als Mitglied einer Gruppe ein Album aufzunehmen? Ist es nicht schwieriger mit sieben anderen Personen auf einen Nenner zu kommen – zum Beispiel was Texte angeht?
Method Man: Es war eigentlich wie immer – mit dem entscheidenden Unterschied, dass man eben viel weniger Arbeit hat, als bei einem Solo-Release. Auch was die Themenfindung für Songs angeht, war eigentlich alles einfach. So lange man in der hood lebt und am Boden bleibt, ist alles cool und man findet immer ein Thema über das man schreiben kann.

HHV: Warum gibt es eigentlich im Vorfeld des neuen Albums so wenig Informationen?
Method Man: Das sind größtenteils Maßnahmen der Industrie. Ich kann aber verraten, dass das Album nach Wu-Tang klingen wird und mit keinem anderen Release da draußen vergleichbar sein wird. Ganz einfach.

HHV: Eine der wenigen bekannten Tatsachen ist die, dass RZA euer Album diesmal nicht komplett alleine produziert hat…
Method Man: RZA hat zumindest die meisten Tracks produziert. Für uns ist einfach die Liebe zu HipHop und zur HipHop-Nation das entscheidende. Und das bedeutet für uns, auch offen für andere Producer und Musiker zu sein. RZA hatte aber trotzdem das Ruder in der Hand, was die Beats angeht. Vielleicht bei drei Tracks haben andere Künstler mitgewirkt. Und die sind völlig zu Recht auf dem Album. Easy Mo Bee ist eine Old School Legende, außerdem ist DJ Scratch dabei und bei einem Lied hat Nile Rodgers von Chic die Gitarre eingespielt.

HHV: Was wird thematisch auf diesem Album passieren? Die letzten Alben aus dem Wu-TangUmfeld waren teilweise recht politisch…
Method Man: Unser Album wird nicht besonders politisch sein. Aber eigentlich ist jede Geschichte aus dem Ghetto in ihrem Kern politisch. Wir erzählen auf »8 Diagram« eben vom Leben und struggle im Ghetto. Nach vierzehn Jahren im game haben wir immer auf jeden Fall noch genügend auf Lager.

HHV: Es gab da ja diese Aussage von RZA: »How can HipHop be dead, when Wu-Tang is forever?«
Method Man: Ich glaube RZA hat das im Februar diesen Jahres gesagt. Die Leute reden heute noch darüber, was ja nur beweist, dass da etwas hängen geblieben ist.

HHV: Was hältst du denn von dem Ursprungsstatement. Offensichtlich war die Aussage von Nas in euren Augen ja falsch?
Method Man: Zunächst ist es einmal egal, wie ich zu dieser Aussage stehe. Prinzipiell halte ich Nas für einen schlauen Kerl. Alle Welt redet über ihn und sein Statement. Sogar wir beiden hier in diesem Interview, in dem es ja eigentlich um Wu Tang geht.

HHV: Stimmt schon, aber wenn ich ehrlich bin, finde ich, dass diese Diskussion schon ihre Berechtigung hat. Ghostface sprach in diesem Zusammenhang ja sogar vom »Rotten Apple«. Auch wenn sie mittlerweile abgeebbt ist, finde ich schon, dass aus New York momentan vergleichsweise wenig herausragende oder sagen wir interessante Releases kommen…
Method Man: Das liegt daran, dass du unterbewusst beeinflusst wurdest. Es läuft doch so. Da muss nur eine Person kommen und sagen New York-Rap ist scheiße und dann setzt sich diese Meinung immer mehr durch, bis alle schließlich diese Meinung teilen. Ich sehe das so. Hör dir Musik ohne Vorurteile an. Manche Alben werden dir gefallen, andere nicht. Sei aber trotzdem vor allem immer open minded.

HHV: Das hört sich an, als seien die Medien Schuld.
Method Man: Naja, wir wissen, dass der Eastcoast-Westcoast-Beef vor allem von den Medien verursacht wurde. Natürlich spielen aber immer auch die Labels eine große Rolle bei solchen Sachen. Das Hauptproblem ist aber die große Anzahl der gutgläubigen, dummen Leute. Egal, was du ihnen erzählst, sie werden es dir glauben und dir blind folgen.

HHV: Als ich mich mit Oh No von Stonesthrow unterhalten habe, fragte ich ihn, wo man das beste weed bekommt. Er meinte Cali. Das tat mir als Europäer weh. Was sagst du?
Method Man: Amsterdam. Die Holländer wissen einfach, wie man vernünftig Gras anbaut. The Dutch got it locked. Besseres Gras als in Amsterdam bekommst du nicht. Leider war ich bei unserer Show dort nicht dabei.

HHV: Wie fühlt es sich eigentlich an, Musikgeschichte geschrieben zu haben und als Legende gehandelt zu werden?
Method Man: Ich bin eine Legende? Gib mir noch sechs Jahre, dann bin ich vielleicht eine Legende. Dann wäre ich 20 Jahre dabei. Wenn ich danach noch zehn Jahre im Spiel bleibe, darfst du mich sogar Ikone nennen…

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