Music Kolumne | verfasst 04.10.2011
Zwölf Zehner
September 2011
Willkommen im Oktober. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat September musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Text Florian Aigner, Paul Okraj

Zwoelf Zehner, September 2011 - 01 - L.I.E.S.Find it at hhv.de: 2LP Achtung, es folgt eine verklärte Anekdote. Mitte Juli besuchte euer Kolumnisten-Duo Aigner/Okraj mal wieder ein DJ-Set dieser beiden Typen aus Washington, D.C. Die Beautiful Swimmers spielten eines ihrer bisher härtesten Sets, beständig über 120 BPM und ganz im Zeichen systematisch durchnummerierter, in den frühen Achtzigern gebauter Drumcomputer. So weit, so geil. Was aber passierte als sich dieses gequälte Vocalsample über die mit einer wissenden Lücken programmierte Bassdrum legte, um dann nach zwei Minuten in einer der unfassbarsten Synth-Spuren der letzten Jahre zu explodieren, würde jedem Summer Of Love-Klischee gerecht werden. Um euch an dieser Stelle weitere Bromance-Details zu ersparen, sei nur noch erwähnt, dass sich Aigner und Okraj – ganz Profis – direkt nach diesen viereinhalb Minuten geschworen hatten, jenen zu diesem Zeitpunkt noch unbetitelten Track eines Tages auf die Eins zu packen. Das ging, der Future Times Compilation Vibe 2 sei Dank, nun schneller als befürchtet. Und wir dachten, Legowelts Comeback Dust Remix wäre schon gut gewesen…

Zwoelf Zehner, September 2011 - 02 - Kollegah Hinter mokkabraun getönten Fenstern sitzt der Boss im fetten Beamer, cruist durch die Streets und vercheckt gestrecktes Pep an Ghetto Dealer. Und da der Kofferraum gleich sechshundertsiebzig Hektoliter umfasst, bleibt Platz für jede Menge Hoes, Fitnessgeräte und Coka-Packets, die der multitaskfähige Pimp natürlich gleichzeitig bedienen kann. Was soll er denn auch machen, er ist nun mal der Beste und revolutioniert und definiert Battlerap mal wieder neu und hievt es auf eine neue Stufe. Nicht mehr, nicht weniger. Fertig aus, Micky Mouse, Nikolaus. Mit angespannten Sixpack ziert er die Men†˜s Health Titelseite, Kritik beantwortet er mit intensiven Pimpslaps (oder ballert gleich täglich rum wie Alkoholiker) und zwinkert nebenbei deiner Mutter zu, lädt sie in den Hummer zu Doktorspielen ein wie ein gewisser Guttenberg. Er kann nicht anders, schließlich war ihr Minirock knapper als Trinkwasser in Kinshasa.
An alle Realkeeper, die sich am bombastischen Beat stören und dem deutsch-kanadischen Cobrakopf fehlenden Flow konstatieren: Beim Battlerap geht es keinesfalls nur um Flows, sondern vielmehr um die drückendsten Punchlines. Diese reiht Kollegah auf Bossaura auf insgesamt 112 Bars Reihe an Reihe, überragt mit intelligenten Wortspielen/-bildern zuhauf und bedient zugleich einen stringenten Storytelling-Aufbau. Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau, mit minimalem Aufwand, wie Disney-Zeichner.

Zwoelf Zehner, September 2011 - 03 - RustieFind it at hhv.de: 12inch Nach dem ersten Hören von Ultra Thizz fällt es einem wie Schuppen von den Augen, warum die heutige Jugend alles weder knorke, noch geil sondern schlichtweg laser findet. Diese fluoreszierende Synth, die hier euphorisch Beifall klatschend angekündigt wird, ist nämlich dermaßen von Halluzinogenen durchleuchtet, dass sie keine Gefangenen macht und auf der Tanzfläche Jung und Alt gleichermaßen – Vorsicht, Lieblingswort – zerberstet. Und um gleich den soziokulturellen Link zur aktuell omnipräsenten Retromania-Debatte herzustellen: Natürlich bedient sich Rustie hier den aufgeladenen Gefühlen des Glam-Metals der Achtziger und schlägt gleich mehrere Haken zu Van Halen und co. Manche mögen das Future Vintage nennen. Oder wie es gleich der knackigste Soundcloud-Kommentar des Monats auf den Punkt bringt: »Next level vintage future made from some crystaline substance from space, designed to be listened to at full bass in a Cadillac Escalade with 5 15" speakers. Dubstep is dead. This is next level vintage future. Thanks Rustie.«

Zwoelf Zehner, September 2011 - 04 - EvidenceFind it at hhv.de: 2LP Irgendwann zur Mitte von The Epilogue bringt es Evidence auf den Punkt: »That all depends how you break it down and chop it.« Und ohne sein aktuelles Album Cats & Dogs in irgendeiner Weise schmälern zu wollen, hat ein gewisser Christopher Edward Martin genau hingehört, die Maxime verwirklicht und dem LA-Rapper auf dem letzten Stück des Albums prompt die Show gestohlen. Dieser besinnt sich nämlich von seinem Signature-Sound der letzten Jahre zurück und erinnert an die goldenen Zeiten vor der Jahrtausendwende. Heißt: Keine wild über die MPC gestreuten Drum- und Samplepatterns, sondern ein äußerst schüchternes Drumkit, das das einfach geloopte, cineaistische Sample nach vorne scheppert. Ist das wirklich Premo? Letzte Zweifel werden spätestens mit Einsatz der obligatorischen Cuts beseitigt. »Hit em!«

Zwoelf Zehner, September 2011 - 05 - Raw Interpreter Wer sich hinter dem Pseudonym Raw Interpreter versteckt, war bei Redaktionsschluss noch nicht zu klären, aber klangästhetisch würde dessen EP Vintage Power wunderbar in das Livejam/Restoration-Umfeld passen. An den für diese Labels charakteristischen, ungehobelten Retro-House-Sounds mit wüst scheppernden, live getriggerten Drums und bösen Acid-Lines arbeitet sich der Debütant auf der A-Seite sehr gekonnt ab. Die wirkliche Sensation ist aber dann eindeutig die B-Seite, die wesentlich weniger toolig daherkommt, dafür aber mit äußerst slickem Sample-Einsatz kokettiert. Dub Surrender rekontextualisert dort einen Boogie-Track, indem er dessen monströse Bassline auf klassische House-Drumpatterns treffen lässt und mit dem lasziven Vocalsample zu spontanen Dry-Humping-Sessions einlädt. Oder, um es mit dem Mann zu sagen, über den sich die meisten vermutlich schon drei Absätze zuvor echauffiert haben: boah, das ballert, Alter!

Zwoelf Zehner, September 2011 - 06 - Jay Simon Dass R&B gerade wieder schwer en vogue (no pun intended) ist, dürfte euch in zwei, drei Wochen sogar das Zeit-Magazin nahe legen. Umso schöner, dass Jay Simon es nicht nötig hat, sich auf aktuelle Hipster-Kinkerlitzchen einzulassen. Stattdessen debütiert der Jungspund aus Washington, D.C. auf Kyle »The Funky Zahnspange« Halls Wild Oats Label mit einem simplen Edit des Schmonzetten-Klassikers You Used To Hold Me, der nicht den üblichen Fehler begeht und sich für seine Vokals schämt. Stattdessen stellt Simon Faith Evans’ Lamento ins Zentrum eines schön torkelnden Midtempo-Grooves, der es unmöglich macht zu entscheiden, ob man denn nun gerade einen Uptempo Hip Hop Beat oder Slow Jam House feiert.

Zwoelf Zehner, September 2011 - 07 - Hud MoFind it at hhv.de: 12inch Hudson Mohawke verwandelt Janet Jacksons Hi-NRG-Dance-Pop-Single Pleasure Principle Marke 1987 (bezaubernd wie sie hier tanztechnisch ihrem großen Bruder nacheifert) in eine Hi-NRG-Dance-Pop-Single Marke 2011. Wuchtige Drums, flimmernde Synths, galoppierende Handclaps und epische Offzeiten bei treibenden 117 Beats per Minute. Ein wundersamer Remix, der gleichsam den Weg in die Zukunft ebnet und offen aufdeckt, dass es der heutigen Dancemusik allerorten an überzeugenden Vocals fehlt.

Zwoelf Zehner, September 2011 - 08 - Octo OctaFind it at hhv.de: 12inch Auch ohne naiv zitierender Sampledelica (vergleiche den Vormonat auf der Numero 1) oder dekorativen Farbspektakel (vergleiche den Vormonat auf der Numero 3) bleibt das Label 100% Silk auch im Monat September über allem erhaben und weiß auch mit vergleichsweise biederer Kunst auf den oberen Plätzen mitzumischen. Octo Octa tritt den Beweis an und seziert auf I†˜m trying mit einem ganz kurzen Schnitt die Seele aus Amerie†˜s 1thing, bettet sie in verspielte Chords, die im Fortgang des Tracks sich ein Duell mit den Cowbells liefern und zum Schluss tranceartige Zustände erreichen. Was wohl im Oktober auf uns wartet?

Zwoelf Zehner, September 2011 - 09 - The-Dream Natürlich könnten wir an dieser Stelle zum x-ten Mal den gleichen Liebesbrief an Terius Nash schreiben, ihn für seine Gabe loben mit den simpelsten lyrischen Mitteln mehr Emotionen zu transportieren als Conor Oberst und Daniel Johnston zusammen, erneut 200 geglückte Prince-Referenzen in sechs Minuten nachweisen oder hervorheben, dass Wake Me When It’s Over genau das ist, was 808s & Heartbreaks sein wollte. Oder wir machen’s kurz und sagen: Wir können (immer noch) nicht ohne ihn.

Zwoelf Zehner, September 2011 - 10 - Juk JukFind it at hhv.de: 12inch Wüsste man es nicht besser, könnte man Winter Turn Spring als die Quintessenz des neuen Four Tets bezeichnen. Die eigenen musikalische Vergangenheit wird mit fachmännisch sezierten Gitarrenlicks und brüchigen Vocalsamples verarbeitet, bevor ein funktionaler 2-Step die neu entdeckte Peaktime-Affinität illustriert. Wenn sich dann nach gut zweieinhalb Minuten noch eine feist bratzende Bassline Platz schafft, kann man endgültig die Killerphrase Best of all worlds aus der Plattitüden-Schublade kramen. Blöd nur, dass Four Tet Winter Turn Spring zwar via Text unter die Leute bringt, der Urheber aber auf einen gänzlich anderen Namen hört. Ein Hoch auf diese Form des Narzissmus.

Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 19.10.2011
Aigners Inventur
September/Oktober 2011
Wie üblich macht unser Kolumnist vom Dienst auch in dieser Ausgabe vor großen Namen nicht Halt. So dürfen sich Phonte, Emika, James Blake, Radiohead und Apparat Watschen abholen. Warum es trotzdem ein guter Monat war, lest ihr hier.
Music Kolumne | verfasst 06.03.2013
Zwölf Zehner
Februar 2013
Willkommen im März. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Februar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 28.11.2012
Zwölf Zehner
November 2012
Willkommen (fast) im Dezember. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat November musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 25.09.2011
Apathy
Honkey Kong
Natürlich sind manche Punchlines hier hart an der Grenze. Dennoch: Apathy gelingt mit Honkey Kong ein richtig gute Rapalbum.
Music Kolumne | verfasst 06.07.2012
Zwölf Zehner
Juni 2012
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 12.09.2012
Zwölf Zehner
August 2012
Willkommen im September. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat August musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 11.08.2014
Zwölf Zehner
Juli 2014
Willkommen im August. Etwas spät, aber es war ja auch Urlaub. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juli musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 02.05.2011
Zwölf Zehner
April 2011
Willkommen im Mai. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat April musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 04.06.2014
Zwölf Zehner
Mai 2014
Willkommen im Juni. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Mai musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 01.07.2011
Zwölf Zehner
Juni 2011
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 07.03.2012
Zwölf Zehner
Februar 2012
Willkommen im März. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Februar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 30.04.2011
Reks
Rhythmatic Enternal King Supreme
Reks beweist auf seinem von Producern wie DJ Premier, Pete Rock oder Alchemist musikalisch untermaltem Album, dass er spitten kann.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 50 Albums
Lockdown-Limbo, dann Lockerungen – erst gar nichts, dann alles auf einmal. Dazwischen? Musik. Viele großartige Alben erschienen dieses Jahr. Das waren die 50 besten auf Schallplatte veröffentlichten Alben des Jahres 2021.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 12inches
12inches werden meistens, aber nicht immer für den Club hergestellt. Ein Blick auf die 20 besten Schallplatten dieser Art im Jahr 2021 zeigt, dass nicht nur Dance Music neu gedacht wurde – sondern auch ruhige Kontrapunkte gesetzt wurden.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 50 Reissues
Neues Jahr, neue Liste von Visionen von Zukünften, die bisher noch nicht Realität geworden sind. Diese 50 Schallplatten träumten in diesem Jahr aus der Vergangenheit am lautesten von einem besseren Morgen.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Compilations
Musik und erst recht die Menschen dahinter finden immer zueinander – notfalls auch über die Distanz, sei es nun räumliche oder doch zeitliche. Das waren die 20 besten auf Schallplatte veröffentlichten Compilations des Jahres 2021.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Tapes
Jetzt hat also auch der Mainstream die Wertschöpfungsmöglichkeiten des Magnetbands entdeckt: scheiße oder geil? Uns zumindest egal, wir schieben uns lieber Tapes von obskuren Labels und unter dem Radar fliegenden Artists in den Walkman.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Books
Von der ultimativen 2Pac-Oral-History hin zur Daft-Punk-Neulektüre und den B-Seiten der Musikgeschichte: Diese Bücher prägten ein Jahr, dessen erste Hälfte uns jede Menge Zeit zum Lesen bescherte.
Music Kolumne
Records Revisited
Autechre – Chiastic Slide (1997)
Mit ihrem vierten Album als Autechre verabschiedeten sich die beiden Mancunians aus der Referenzmenge und begannen ihre einzigartige Reise in ungehörte Klänge und massige Grooves.
Music Porträt
Dengue Dengue Dengue
Guest Mix
Die peruanischen Dengue Dengue Dengue zwirbeln Hula-Hoop-Ryhtmen in den Club. Für uns haben sie exklusiv diesen 60-minütigen Mix zusammengestellt, mit Musik, zu der man die Pfeile spitzt, an Fröschen leckt und beim Trommelkurs brilliert.
Music Liste
RSD Black Friday 2021
12 Releases, nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day Black Friday 2021 angekündigten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Porträt
Chillhop Music
Die Magie des passiven Lauschens
Chillhop ist Musik für eine Welt, in der alle hören, aber niemand zuhört. Das niederländische Label hat trotzdem Erfolg. Und weiß auch, warum.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2021
Er wäre gerne der Typ, der immer die wildesten Puffer Jackets in den Supreme-Videos trägt. Ist aber nur unser Kolumnist. Ja, die sad’e Jahreszeit beginnt. Immerhin nicht mit schlechter Musik: Hier ist die neue Ausgabe von Aigners Inventur.
Music Porträt
Faust
Warum isst du denn nicht Mohrrüben?
Die Hamburger Band Faust war vor 50 Jahren einer der seltenen Fälle, in denen eine Plattenfirma, wenn auch unwissentlich, Künstler unterstützte, deren Musik sehr anders klang als die bis dahin bekannten Rock-Entwürfe.
Music Kolumne
Records Revisited
Stars Of The Lid – The Tired Sounds Of (2001)
Die monumentalste Stille aller Zeiten: Mit »The Tired Sounds Of« schufen Stars Of The Lid im Jahr 2001 eines der wichtigsten Ambient-Alben. Sie verpassten dem Genre mit diesen zwei Stunden an Sounds, Drones und Loops eine neue Tiefe.
Music Interview
Torky Tork
»Ich liebe den Spagat zwischen alt und neu«
Torky Tork ist bislang eher als der Mann im Hintergrund bekannt. Jetzt hat der Berliner Beatmaker ein eigenen Produceralbum aufgenommen. Er hat die Beats geschliffen, Wandl, Döll, Lugatti oder Doz9 haben gerappt. Zeit für ein Gespräch.
Music Porträt
Holy Hive
Introspektive Leichtigkeit
Mit »Float Back To You« legte das New Yorker Trio Holy Hive 2020 ein Folk-Soul-Balsam für das wundgescheuert blankliegende Nervenkostüm vor. Auf dem selbstbetitelten Nachfolger setzen sie den eingeschlagenen Kurs fort.
Music Liste
Palmbomen II
10 All Time Favs
Bilder und Musik ließen sich bei Palmbomen II nie voneinander trennen. Mit »Make A Film« liefert er nun die Musik für die Bewegtbilder, die von uns noch gedreht müssen. Welche Musik ihn in Sachen Filmmusik inspirieren, verrät er hier.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.