Art Interview | verfasst 13.06.2013
Eliot Lee Hazel
Der Fremde
Eliot Lee Hazels Fotografien von Musikern und Bands sind meistens körnig, rau und reich an Filmsprache und amerikanischen Symbolen. Der Brite hat mit nur 21 Jahren bereits Yeasayer, Thom Yorke, Ariel Pink und Cat Power vor der Linse gehabt.
Text Grashina Gabelmann , Fotos Eliot Lee Hazel , Übersetzung Julia Hinz
Seine Fotografien sind oft körnig, rau. Sie sind durchdrungen von Filmsprache und amerikanischen Symbolen. Wenn er Musiker wie Ariel Pink fotografiert, dann inmitten eines zerbrochenem Fernsehers sitzend, einen mit Junk gefüllten Einkaufswagen schiebend, auf den Gleisen entlang gehend oder nachdenklich aus dem Fenster eines verfallenen Hauses schauend. Diese Bilder sind entweder in übersättigten Orange- oder Blautönen fotografiert, die an Andy Warhols großzügigen Einsatz von Farbe erinnern oder mit natürlichem Licht und einer hinzugefügten rauschenden, polaroid-artigen Schicht. Sowohl die Farbskalen als auch die Motive könnten amerikanischer nicht sein. Dennoch: Eliot Lee Hazel ist Brite. Der in Newcastle Upon Tyne geborene ist erst vor kurzem in die Vereinigten Staaten gezogen. »Wenn ich in England leben würde, sähen meine Bilder höchstwahrscheinlich anders aus,« vermutet er. Vielleicht liegt es an seinem Ausländerstatus, dass die stereotype Symbol- und Bildsprache seines Aufenthaltslandes so dominant ist. Vielleicht ist es nur die Art und Weise des 21-Jährigen die visuelle Geschichte seiner Wahlheimat zu erforschen und ein Weg sich mit einigen seiner amerikanischen Protagonisten – wie Yeasayer, Cat Power und Mars Volta – zu verbinden. Spontaneität und Energie sind kontinuierlich in seine Aufnahmen eingebettet, dazu kommt ein Gefühl von Vertrautheit und Leichtigkeit, was von dem Fakt herrühren könnte, dass Hazel nie Fotografie studiert hat, sondern es ihn lediglich reizte, seine Freunde abzulichten. »Einige von ihnen waren Musiker und der Ball kam ins Rollen, bis immer mehr Musiker fragten, ob ich sie fotografieren könne«. Sein Arbeitsprozess läuft ziemlich gechillt ab, wie man es bei einem Twen, der wirklich liebt was er macht, erwarten würde: »In 90 Prozent der Fälle, habe ich eine zufällige Idee am Tag der Aufnahme. Manchmal bringt ein Musiker eine Idee mit und dann arbeite ich damit.«

»Wenn ein Musiker seine künstlerische Persönlichkeit ausdrücken will, während er diskret etwas über sein Privatleben offenbart, dann wäre vor Hazel Kamera der richtige Ort dafür.« Hazels Fotografien sind cinematisch. Es sind mehr als nur geradlinige Bandfotos, die für Promozwecke verwendet werden. Wenn ein Musiker seine künstlerische Persönlichkeit ausdrücken will, während er diskret etwas über sein Privatleben offenbart, dann wäre vor Hazel Kamera der richtige Ort dafür. Hazel selbst sieht allerdings keinerlei Verbindung zwischen dem Kino und seiner Arbeit: »Ich mag Filme und ich mag Theater, aber das spielt keine große Rolle in meiner Fotografie, obwohl die Leute oft dazu tendieren dies zu denken.« Mag sein, dass es wirklich keine Rolle spielt, aber es überzeugt mich nicht; vielleicht beinhalten Hazels Fotos unterschwellige Botschaften des Ästhetizismus, die mit dem Kino so geschickt verwoben sind, dass nicht mal der Fotograf selbst davon Notiz nimmt. Eines ist allenfalls sicher: Hazel ist ein Geschichtenerzähler.

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