Music Kolumne | verfasst 12.07.2013
Zwölf Zehner
Juni 2013
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Text Florian Aigner, Paul Okraj, Pippo Kuhzart

JUNI13-ZEHNER01Find it at hhv.de: CD Ich überlege nun schon seit knapp vier Wochen, ob Kanye West in seiner Karriere einen Track gemacht hat, der das Enigma mit pathologischem Messiaskomplex besser erfasst als »Hold My Liquor«. Bisher erfolglos. Uns Yeezus lässt hier Hip-Hops Indie-Go-To-Tränensack Justin Vernon mit oder besser gegen Chicagos erfolgreichstes Schmuddelkind harmonisieren. Gut, Versuche solcher vorsätzlichen Clash of Cultures gab es viele, es ist aber immer wieder West, West und nochmal West, der so was dank seiner prismenartigen künstlerischen Identität zusammenführt. Der große Shawn Carter lümmelte satt und ausgebrannt mit Chris Martin im Beach Chair, Kanye bekommt einen Tobsuchtsanfall, wenn das mit seinem Croissant in Paris (mit stummem S, bitte) zu lange dauert und irgendwie ist das zwischen all diesen megalomanischen Yeezy-Ismen wieder so unendlich traurig und zerrissen. Dabei könnte es doch so gemütlich sein auf dem Thron.

LISTEN

JUNI13-ZEHNER02Find it at hhv.de: CD-Deluxe Hova, »Picasso baby« und die Widersprüche, am besten doch gleich einspruchsfrei nachzulesen in der Rezension des Kollegen Kunze. Hova und die Kunst, der Basquiat am Esstisch, der Koons-Ballon, den er am liebsten steigen lassen würde, und die Warhols, ach, die sind doch einfach überall. Hova und die Frauen, liegt er doch jeden Morgen neben einer neuen Mona Lisa, bei der das Gesamtpaket einfach besser ist als bei dieser anderen Olle – nicht der von Slick Rick sondern der von diesem Da Vinci Guy. Und die andere Frau, mit der er doch einfach nur spazieren gehen würde, wären da nicht immer diese Menschen überall, wohlmöglich eben auch jener Grund, warum Jigga sich all dieser Ersatzbefriedigung bemächtigt. Vor allem aber auch: Hova und die Beats! Unstrittig, dass Timbaland sich hier dreist einfach an der Samplevorlage orientiert. Unstrittig aber auch, dass er damit auch den bombastischsten Primo-Beat seit Mathematics oder So Ghetto aus dem Ärmel schüttelt. Jay-Z und dieser Song, oh what a feeling.

LISTEN

JUNI13-ZEHNER03 Begründen wir das späte Erscheinen dieser Kolumne doch einfach damit, dass es es schon eines passenden Wetters bedurfte, das diesem lausbübisch infantilen Calypso-Groove gerecht wird – und das ist im unvergleichlichen Juli 2013 nun einmal Mitte Juli. Der ist ohnehin traditioneller Swimmers-Monat – spätestens seit Juli 2011, als der Kollege und und ich Andrew und Ari bei Relaxed Clubbing in Konstanz huldigten und (mindestens!)eine Top-3-Clubnacht des vergangenen Jahrzehnt erlebten. Schwelgen wir aber nicht weiter in Erinnerungen und lassen auch die Wetterunpässlichkeiten beiseite, aber was haben wir schon lange auf dieses Beautiful Swimmers Album gewartet! Diese Jungs muss man einfach gerne haben! Gerade deshalb, und ich verwette meinen Arsch darauf, das »Running Over« nichts weiter ist als eine nonchalante Kevin-Lyttle-Reminiszenz. You got me going crazy, You turn me on, Turn me on. Richtig, Kevin Lyttle. Habe ich schon behauptet, dass man die Jungs gern haben muss?

LISTEN

JUNI13-ZEHNER04Find it at hhv.de: LP Ohne DJ Koze wäre die Welt ein schlechterer Ort und Bibios neustes Album bei mir endgültig auf dem Kompost gelandet, wo seine organischen Kräuter-Beats zurück zur Natur hätten finden können. Doch dann kam Kozes Fact-Mix. Da gefiel den Kollegen Okraj und Aigner ein Tracks ganz besonders dolle. Es war Bibios »You«, den wir dann sogleich in unserer Mitte aufgenommen haben. »You« ist das Highlight von »Silber Wilkinson«: Während viele der anderen Tracks substanzlos vor sich hin flattern, besinnt sich Bibio mit »You« auf den Sound von »Ambivalence Avenue«. Beat und Sample hat Bibio hier so zerhackt, das sie übereinander stolpern und dem Song trotzdem eine Grundharmonie geben. Dazu Streicher und Bläser und fertig ist der Sound, der uns an Bibio 2009 so begeisterte.

LISTEN

JUNI13-ZEHNER05Find it at hhv.de: 12inch That old real shit. Tuff Sherm macht das schon äußerst geschickt. Greift mit einem mehr als bekannten Vocal-Sample jedermanns Hip Hop Sozialisation direkt zu Beginn ab und hat dann mit einem eigentlich recht zickig programmierten Techno/House-Hybriden leichtes Spiel. Trilogy Tapes halt. That Old Real Shit.

LISTEN

 

JUNI13-ZEHNER06 Ich brauche zehn Dosen Red Bull, um meinen Energiehaushalt auf das Level zu bringen, nach dem Danny Brown und A$AP Rocky hier klingen. Nur sind die beiden nicht aufgeputscht, sondern im »Kush Coma«. Hier liegt ein brutales Missverhältnis vor. Aber genau deswegen ist das so toll. »My forehead‘s sweaty, my eyelid‘s heavy, I‘m feelin‘ like I ain‘t go make it« rappt Danny Brown und drückt damit genau aus, wie ich mich morgens fühle. Bei mir geht es in diesem Zustand mit 0,1 km/h in Richtung Espresso-Maschine, bei Danny und Rocky auf 130 bpm ins Weltall. Im Refrain treffen sie Daft Punk, die sich 20 Jahre lang die Birne in der Raumstadion weggekifft haben. Hymne!

LISTEN

JUNI13-ZEHNER07Find it at hhv.de: LP Da will man gar nicht an einen Zufall glauben, dass beim Hören dieses mächtigen okkulten Werks des Witch-House-Spektakels oOoOO die polnischen Brüder und Schwestern in Warschau zeitgleich einem Exorzisten frönen. Witch-House, endlich ist der Name mal Programm, der Teufelsaustreiber im Osten hätte auch in »The South»« so seinen Spaß. Zwei bestialische übergelagerte Synths auf einem Trapgedonner von Beat, aus dem die Hi-Hats feuern und diverse Vocalschnipsel dem Echo entsteigen, dass sich die Nackenhaare sträuben. Amen.

LISTEN

JUNI13-ZEHNER08Find it at hhv.de: 12inch Schon auf der wunderbaren 12inch im vergangenen Jahr, längst vergriffen und dieser Tage wiederbelebt, deutete sich an, dass diese mysteriösen Münchener Tambien-Kerle aus dem Umfeld des Fashion/Vinyl-Konglomerats von Public Posession/A Kind Of Guise ganz den perkussiven Elementen der House Musik zugewandt sind. Auf Sexalität führen sie Ihre Leidenschaft munter fort, kreiseln einen 303-Groove so lange um sich selbst, stets mit der Kickdrum am Anschlag, feuern Toms aus allen Rohren und entladen diesen schließlich in einem euphorischen Aufruf à la »Let yout body Free«, da hätte Danny Tenaglia anno 1995 im Twilo so seinen Spaß daran gehabt. Apropos 1995: damals wäre so etwas natürlich auf TRIBAL America erschienen, aber times, they are bekanntlich a changin, so sitzt der Stamm mittlerweile in München.

LISTEN

JUNI13-ZEHNER09 Warum Rapper diese infantile Freude über Sportzigaretten auch im vierten Genre-Jahrzehnt noch nicht abgelegt haben, ist mir zwar ein Rätsel, wenn man Half-Baked-Banalitäten aber innerhalb eines Verses mit durchaus interessanten Beobachtungen verknüpft wie die Flatbush Zombies, sind wir ganz Ohr. So ecchauffiert man sich hier korrekterweise über hellhäutige Botox-Trullas, die ungeniert das N-Wort benutzen und hach um Himmels Willen, dieser Beat. Mit viel Fantasie ist das 13 Till Infinity. Ja, im Ernst.

LISTEN

 

JUNI13-ZEHNER10Find it at hhv.de: 12inch Ach was hat der Cosy Cos wieder den Schalk im Nacken. Nachdem bei Pampa in letzter Zeit häufiger Matinee-House auf der Agenda stand, kuratiert Kotzalla nun also eine mit Nu-Beat und Italo-Käse kokettierende Cover-Version von – ja genau – Eye of the Tiger. Oh doch. Geil? Geil!

LISTEN

 

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 30.12.2013
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2013 (Teil 1)
Streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap, Kanye und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2013 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.
Music Kolumne | verfasst 09.10.2012
Zwölf Zehner
September 2012
Willkommen im Oktober. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat September musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 31.12.2013
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2013 (Teil 2)
Streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap, Kanye und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2013 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.
Music Kolumne | verfasst 05.03.2014
Zwölf Zehner
Februar 2014
Willkommen im März. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Februar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 09.07.2014
Zwölf Zehner
Juni 2014
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 08.12.2016
Jahresrückblick 2016
Top 50 Alben
Vielleicht ist es das Einzige, das man zu einer Liste mit Schallplatten zu diesem Jahr 2016 sagen kann, in der man nicht einfach nur über Musik reden kann: dass es bereichert, diesen 50 Alben (und 2 Mixtapes) zuzuhören.
Music Review | verfasst 30.11.2010
Kanye West
My Beautiful Dark Twisted Fantasy
Kanye West besinnt sich auf seine alte Stärken, besinnt sich auf große Popmomente und geht damit wieder ein, zwei Schritte nach vorne.
Music Review | verfasst 31.08.2011
Jay-Z & Kanye West
Watch The Throne
Jigga und Kanye bauen sich hier kein Denkmal. Sie scheinen stattdessen leichtfüßig das bereits erreichte auszukosten – ein Spektakel
Music Kolumne | verfasst 01.07.2011
Zwölf Zehner
Juni 2011
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 04.12.2011
Zwölf Zehner
November 2011
Willkommen im Dezember. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat November musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 03.05.2012
Zwölf Zehner
April 2012
Willkommen im Mai. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat April musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 06.07.2012
Zwölf Zehner
Juni 2012
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 12.09.2012
Zwölf Zehner
August 2012
Willkommen im September. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat August musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 12.11.2012
Zwölf Zehner
Oktober 2012
Willkommen im November. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Oktober musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 06.02.2013
Zwölf Zehner
Januar 2013
Willkommen im Februar. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Januar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 12.11.2014
Zwölf Zehner
Oktober 2014
Willkommen im November. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Oktober musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 12.10.2011
Danny Brown
XXX
Danny Brown zelebriert auf seinem Album »XXX« genau den Lebensstil, vor dem Mama und Papa immer gewarnt haben
Music Review | verfasst 10.10.2013
Danny Brown
Old
»Nuts, Bananas« – es reichen weder Schalenfrüchte noch Obst, um zu beschreiben, welcher Irrsinn hier abgeht.
Music Review | verfasst 04.10.2016
Danny Brown
Atrocity Exhibition
Zwischen Vollrausch und Depression: »Atrocity Exhibition« von Danny Brown ist sehr gelungen.
Music Review | verfasst 22.11.2019
Danny Brown
Uknowhatimsayin¿
Mit »Uknowhatimsayin¿« huldigt Danny Brown dem guten alten Hip-Hop der Neunziger. Themen wie Drogensucht oder Depression sucht man vergebens
Music Bericht | verfasst 25.06.2013
Danny Brown
Live am 20.6. im Bi Nuu in Berlin
Danny Brown hat sich seit seinem viel gefeierten »XXX« zu einem der originellsten zeitgenössischen Rapper stilisiert, doch dass diese Originalität an Bedingungen geknüpft ist, das konnte man vergangenen Donnerstag im Bi Nuu erleben.
Music Review | verfasst 11.01.2013
A$AP Rocky
LongLiveA$AP
Wie klingt das Debütalbum eines Rappers, dem man einen 3-Millionen-Dollar-Vorschuss in die Designerjeans geschoben hat?
Music Porträt
Kommerz Records
Sich selbst das Bein stellen
Jonathan und Lukas Nixdorff haben sich einen Kindheitstraum erfüllt: Vor wenigen Wochen gründeten sie Kommerz Records. Dort erscheint nun das erste Release, »Kommerz Season 1: Anti-Virus«.
Music Porträt
Light In The Attic
Alles ist erleuchtet
Seit fast 20 Jahren bringt das in Seattle beheimatete Plattenlabel Light In The Attic Licht ins Dunkel jener Releases, die im Schatten stehen. Dass sie von Beginn an auf Vinyl setzten, zubilligt dem Label heute die Rolle eines Vorreiters.
Music Porträt
Jason Molina
Gone But Not Forever
Soeben sind unveröffentlichte Aufnahmen von Jason Molina veröffentlicht worden. Mit Songs: Ohia oder Magnolia Electric Co. wollte er sein Leben als Momentaufnahme festhalten. Doch es löste sich auf wie die Gespenster, an die er glaubte.
Music Kolumne
Records Revisited
Raekwon – Only Built 4 Cuban Linx… (1995)
Nach »Enter the Wu-Tang (36 Chambers)« haben sich die Clan-Mitglieder solo ausprobiert. Erst Method Man, dann Ol’ Dirty Bastard, schließlich Raekwon. Sein 1995 releastes »Only Built 4 Cuban Linx…« zählt zu den Meisterwerken des Hip-Hop.
Music Porträt
Jockstrap
Viel Klang, viel Geräusch
Das Londoner Duo Jockstrap veröffentlicht ihre Schallplatten bei Warp. Ihre Songs sind in Werbungen von Chanel und Dior zu hören. Taylor Skye und Georgia Ellery spielen sich auf der zweiten EP »Wicked City« passgenau die Bälle zu.
Music Liste
Jay Glass Dubs
10 All Time Greek Favs
»Soma« heißt auf Griechisch Körper und an den richtet sich die Musik von Jay Glass Dubs. »Soma« heißt sein neues Album. Das war die Chance den Griechen nach 10 Schallplatten zu fragen, die ihn geformt haben. Er antwortet griechisch.
Music Kolumne
Record Revisited
Elliott Smith – Elliott Smith (1995)
Die neunziger Jahre waren ein lautes Jahrzehnt, doch sie gaben uns auch die Musik von Elliott Smith. Dessen zweites Album »Elliott Smith« setzte einen stillen, inwendigen Kontrapunkt zum Weltgeschehen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Closer (1980)
Joy Divisions Album »Closer« war ein Zwischenschritt, ein halbherziges, halbbeseeltes Statement von vier jungen Männern auf ihrem Weg in neue Untiefen. Nur einer aber wollte, konnte nicht vom Fleck kommen.
Music Porträt
WeWantSounds
Ansteckende Leidenschaft
Den Grund für die Label-Gründung trägt WeWantSounds im Namen. Seit 2015 veröffentlicht der Pariser Zweimannbetrieb persönliche Lieblingsmusik aus den Siebzigern und Achtzigern. Bei der Auswahl spielen Genre- und Landesgrenzen keine Rolle.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Arca – KiCK i
»KiCK i« soll das erste von vier neuen Arca-Alben sein. Während sich einer unserer Autoren dazu auf dem Shakti-Kissen lümmelt, surft der andere auf Soundcloud das Reggaetón-Tag ab und bewundert der Dritte das Songwriting der Platte.
Music Essay
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2020
Hier werden persönliche Anekdoten zu programmatischen Allegorien: Aigners Inventur verabschiedet sich schlussendlich mit einem Wimmern in die Sommerferien. Es ist schließlich 2020.
Music Porträt
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2020
50 best Vinyl Records so far
Wahrscheinlich wird man in 40 Jahren zwei Fragen beantworten müssen: Was man 2020 selbst gegen das Leid und die Ungerechtigkeit getan und welche Platten man gehört hat. Bei der Beantwortung der zweiten Frage, können wir behilflich sein.
Music Porträt
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Porträt
Roy Ayers
Vibrationen zum Wohlfühlen
Er zählt zu den meistgesampelten Musikern der Gegenwart. Mit Songs wie »Everybody Loves The Sunshine« wurde Roy Ayers, der im September seinen 80. Geburtstag feiert, zur Legende. Auf Jazz Is Dead sind nun neue Songs von ihm erschienen.
Music Porträt
Sven Wunder
Wer bin ich?
Es kursieren gerade zwei Alben, die Liebhabern des Rare Groove Freudentränen in die Augen treiben. Das eine, »Doğu Çiçekleri«, spricht seine musikalische Sprache mit türkischen Akzent, »Wabi Sabi« mit japanischem. Doch wer ist Sven Wunder?
Music Kolumne
Records Revisited
Prefab Sprout – Steve McQueen (1985)
Eigentlich wollte Paddy McAloon Priester werden, Menschen von den Worten Gottes berichten. Stattdessen gründete er eine Band. 1985 veröffentlichten Prefab Sprout »Steve McQueen«, das wahrscheinlich schönste Popalbum der Achtziger Jahre.
Music Porträt
upsammy
Das Kleine im Großen
Die Niederländerin Thessa Torsing hat unter dem Pseudonym upsammy in den letzten Jahren die gefragtesten Dancefloors bespielt. Aber auch ihre eigenen Soundproduktionen haben über transkontinentale Wege hinaus Gehör gefunden.
Music Interview
Gary Bartz
»Wir sehen die Realität nicht mehr«
Der Grammy-prämierte Sopransaxophonist Gary Bartz stand mit Miles Davis, Art Blakey und Max Roach auf der Bühne. Jetzt hat er mit der britischen Band Maisha eine Platte aufgenommen – und Neues entdeckt.
Music Kolumne
Records Revisited
Quasimoto – The Unseen (2000)
Vor zwanzig Jahren schloss sich Madlib in den Keller von Peanut Butter Wolf ein und kam als gelbes Alien mit Schweineschnauze raus. Lord Quas war geboren und »The Unseen« hat das Character Design im Hip-Hop auf eine neue Stufe gehoben.
Music Porträt
Dekmantel
Unendliche Ferien
Seit über zehn Jahren löst Dekmantel aus Amsterdam als Label, Festival und Veranstalter die Quadratur des Kreises: Innovation und Untergrund mit Qualität zu verbinden. Ein Ende? Auch in Krisenzeiten nicht in Sicht.
Music Liste
Rafael Anton Irisarri
10 All Time Favs
Ambient? Vielleicht. Aber mit Splittern von Metal, Neo-Klassik und anderem. Rafael Anton Irisarri malt mit dickem Pinselstrich überwältigende Klanggemälde. Für uns hat der US-amerikanische Komponist seine Einflüsse offengelegt.
Music Interview
Eloquent & Knowsum
Jaylib auf LSD
Eloquent und Knowsum, das ist eine Liason, die sich angedeutet hat. »JLALSD« heißt das gemeinsame Album. Das Akronym steht für Jaylib auf LSD. Wir sprachen mit beiden über ihre Zusammenarbeit, »Champion Sound« und das Streben nach Glück.
Music Porträt
Motohiko Hamase
Gemeinsam mit der Welt allein
Motohiko Hamase beendete seine Karriere in der Jazz-Szene Japans so schnell, wie sie begonnen hat. In einem Zeitraum von knapp einem Jahrzehnt veröffentlichte er fünf Alben mit ausgesprochen wundersamer Musik. Ein Porträt.
Music Porträt
Kaitlyn Aurelia Smith
Freundlichkeit durch Klang verbreiten
Ihre Musik ist wie ein langer, ruhiger Fluss aus Strom: Kaitlyn Aurelia Smith macht mit Synthesizern und Stimme Musik, die mehr auf Entspannung als auf Anspannung setzt. Ihr neues Album erweitert diesen Weg durch Körperbewegungen.
Music Porträt
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?
Music Porträt
Roza Terenzi
Rave in der Zeitkapsel
Roza Terenzi stellt die Dance-Vergangenheit auf den Kopf und bürstet mit Jungle-Breaks und Eso-Techno drüber. Auf ihrem Debütalbum »Modern Bliss« landet sie endlich in der Zukunft.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2020
Befreit sich von kaukasischer Clumsiness, hat Tiktok verstanden, züchtet Sauerteig und checkt’s einfach: Aigners Inventur im Lockdown. Verstörender Scheiß für verstörende Zeiten.
Music Porträt
Soviet Grail
Kollektives Gedächtnis
Zwischen Jazz-Experimenten, elektronischem Sowjetbrutalismus und psychdedlischem Underground gräbt Sergey Klimov nach Schätzen, für die Musiker im Gefängnis landeten. Mit Soviet Grail begibt er sich in die sowjetische Musikvergangenheit.
Music Liste
ADULT.
10 All Time Favs
Seit mehr als 20 Jahren machen ADULT. nun Musik. Und sie haben noch immer keinen Bock auf simple Zuschreibungen, Sonnenlicht, Selbsttäuschungen. Dafür hatten sie Bock uns Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Interview
Quelle Chris
Das Chaos akzeptieren
Er ist der produktivste Sonderling des Rap-Undergrounds. Und er hat einen Lauf. Mit »Innocent Country 2« macht Quelle Chris dort weiter, wo er mit »Guns« aufgehört hat – und begegnet der Hoffnungslosigkeit mit positiver Angst.
Music Liste
Peaking Lights
10 All Time Favs
In diesen Tagen erscheint auf Dekmantel das neue Album »E S C A P E« der Peaking Lights. Wir hatten die Gelegenheit Aaron Coyes und Indra Dunis nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Mobb Deep – The Infamous (1995)
1995 zieht sich Hip-Hop die Kapuze ins Gesicht – Mobb Deep bringen mit »The Infamous« den Hardcore nach New York City und zerschießen die Szene ohne Hoffnung auf ein Morgen.
Music Kolumne
Records Revisited
Hiroshi Yoshimura – Green (1986)
»Green« von Hiroshi Yoshimura ist ein Meilenstein der japanischen »kankyō ongaku«. Besser gesagt ein Meilenstein des Ambient überhaupt: Kein anderes Album legte dermaßen schonungslos offen, dass es sich bei ihm um eine Simulation handelte.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Yves Tumor – Heaven To A Tortured Mind
Zuerst war die Euphorie groß: Yves Tumor bringt eine neue Schallplatte raus! Dann stellte sich Ernüchterung ein. Was tun als Fan, wenn der neue Release eines geliebten Musikers enttäuscht? Nur eine Frage in der neuen Vinyl-Sprechstunde.
Music Kolumne
Records Revisited
Nightmares On Wax – Smokers Delight (1995)
Hip-Hop ohne Rap: Mit »Smoker’s Delight« brach für Nightmares On Wax eine neue Ära an. Zum Soloprojekt von George Evelyn mutiert, war das zweite Album der Bleep-Pioniere der Auftakt für geloopte Entspannungspolitik mit Langzeitwirkung.
Music Porträt
Patricia Kokett
Teil seiner eigenen Bewegung
Patricia Kokett vermischt Rave mit Mystizismus, futuristischen Industrial mit schamanistischem Rauschen. Der Litauer Gediminas Jakubka, der sich auf der Bühne in Patricia verwandelt, balanciert zwischen Grenzen. Ein Orientierungsversuch.
Music Liste
Jeff Parker
10 All Time Favs
Jeff Parker ist kein Neuling. Und dennoch meint man, er starte gerade erst durch. Jetzt ist sein Album »Suite for Max Brown« erschienen. Also haben wir ihn gebeten 10 Schallplatten zu nennen, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Bitches Brew (1970)
Raus aus dem Jazzkeller, rauf auf die Rockbühnen – mit »Bitches Brew« wurde Miles Davis zu »Electric Miles« und braute den psychedelischen Trunk für alle, die nicht wussten, dass sie Jazz geil finden.
Music Kolumne
Records Revisited
Ol Dirty Bastard – Return To The 36 Chambers (1995)
1993 begann eine Erfolgsgeschichte. Mit »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)« produzierte der Wu-Tang Clan einen Meilenstein und nachfolgend zahlreiche Klassiker des Genres. Darunter: »Return To The 36 Chambers« von Ol‘ Dirty Bastard.