Music Interview | verfasst 09.11.2015
Oneohtrix Point Never
Lügen aus dem Käseladen
Wären wir das Boulevard würden wir hier einen Aphex Twin-Diss ankündigen. Sind wir aber nicht und haben es jetzt trotzdem irgendwie getan. Daniel Lopatin über Soundcloud und Vinyl, Red Bull und seinen eigenen, speziellen Käseladen.
Text Kristoffer Cornils , Fotos Andrew Strasser , Übersetzung Sebastian Hinz
Onpbyandrewstrasser1

»Eigentlich macht es Spaß«, lacht Daniel Lopatin. »Ich mache das seit den letzten 24 Stunden und fange an, mein eigenes Album zu verstehen«, sagt er von einem komfortablen Stuhl aus, vor ihm ein großer Glastisch, der mit Süßigkeiten, Obst und leeren Gläser übersät ist. »Das« ist die übliche Promo-Tour, wie sie die meisten Musiker vor der Veröffentlichung von neuen Alben durchlaufen. Für die meisten eine lästige Aufgabe. Nicht für Lopatin jedoch, der es offensichtlich genießt, die Themen von »Garden Of Delete« (kurz: »GOD«), sein neues Album unter dem Oneohtrix Point Never-Moniker wieder und wieder zu erkunden.

Mit der Ankündigung des Albums durch eine Reihe von geheimnisvollen Blog-Posts von einem Alien namens Ezra über die fiktive »Hypergrunge«-Band Kaoss Rand, gab Lopatin Presse und Fans viel Stoff zum Nachdenken, nicht aber schlüssige Antworten. Umso erstaunlicher also, wie konventionell er die Promotion für sein zehntes Album angeht, die ihn in das Hinterzimmer des Design-Hotel geführt hat, wo wir schließlich doch einige Antworten erhalten haben.

Du hast von einer skulpturalen Qualität deiner Musik gesprochen oder dass du deine Alben gern in Form von Skulpturen veröffentlichen würdest.
Das klingt wie etwas, was ich sagen würde. [lacht] Abstrakte Skulpturen helfen mir über fremde Einrichtungen und Räume zu spekulieren. Wir alle wissen, was ein Stuhl ist, weil er designet wurde und einen Zweck hat. Aber was erleben wir, wenn wir eine Skulptur von Tony Smith anschauen? Wie können wir uns unsere Körper in diesen Skulpturen vorstellen, die völlig verdreht und verzerrt, vielleicht sogar unmöglich wären? Das ist für mich etwas, das Musik anstreben sollten. Ich versuche immer etwas zu schaffen, das sich so aufregend anfühlt wie eine abstrakte Skulptur.

Und warum veröffentlichst du es dann in einem konventionellen Format wie der Vinyl-LP?
Mit diesem Album wollte ich in Bezug auf das Hörerlebnis zwei Dinge zu erreichen. Einer war, dass es für mich ganz klar war, dass die Leute im Jahr 2015 einzelne Songs hören. Wenn du Taylor Swift magst, wirst du dir nur deine Lieblingssongs anhören oder ähnlichen Kram auf Spotify streamen. Also stellte ich mir mein Album im Kontext anderer Musik vor und dachte, dass wenn es so ist, hoffentlich jeder Track als eigene Einheit funktioniert. Im selben Moment wollte ich, dass es möglich ist, einen Schritt nach hinten machen und alles in seiner Gesamtheit zu sehen. Es ist totemisch, bildet ein Ganzes. Das liegt daran, dass ich mit dem 45minütigen Album aufgewachsen bin und zu Pink Floyds »The Dark Side Of The Moon« ausgeflippt war, weil es so scheiße geil als Bewegung funktionierte. Ich mache meine Platten mit der Idee einer solchen Bewegung im Kopf, glaube aber nicht, dass das der einzige Weg ist, sie zu hören. Ich glaube, das habe ich erreicht.

Das bedeutet trotzdem, das ein designtes Produkt am Ende steht. Warum nicht wie Aphex Twin 80 Tracks auf Soundcloud rausballern?
Weil es mich sechs Monaten braucht, um acht Tracks zu machen und ich nicht daran interessiert bin, den Menschen meinen Müll zu zeigen. Ich denke, das Format hängt mit wirtschaftlichen Fragen zusammen. »Alle lieben den Käse, den ich verkaufe, und kommen zu mir. Egal, was der Markt tut.«. ( Ohneohtrix Point Never) Wir wissen nicht, wie Streaming in drei Jahren aussehen wird. Wir wissen nicht einmal, wie man Streaming monetarisieren kann, um Artists zu bezahlen. Warum also auf Soundloud veröffentlichen? Ich traue Soundcloud nicht. Es ist nur ein weiteres Rädchen in dieser Maschine, die versucht, sich über sich selbst im Klaren zu werden, morgen aber schon ausgelöscht werden könnte. Ich weiß aber, was eine Platte ist und ich komme mir nicht archaisch vor, weil ich daran glaube.

Machst du aber wirklich viel Geld mit Plattenverkäufen?
Kommt drauf an. Ich sehe mich als ein Nischengeschäft. Meine Musik funktioniert auf einer kleinen Business-Ebene. Da sind Leute, die meine Musik unterstützen, so gut sie können, mit den Formaten, die ich anbieten kann. Ich versuche nicht, eine Million Exemplare zu verkaufen, weshalb meine Fehlerquote viel kleiner ist. Ich werde gewissermaßen psychologisch geschützt. Ich habe meinen kleinen Käseladen, alle lieben den Käse, den ich verkaufe, und kommen zu mir. Egal, was der Markt tut.

Gleichzeitig hast du den Score für den Film »The Bling Ring« geschrieben und Auftragsarbeiten angenommen. Geschah das aus finanziellen Gründen?
Wenn du etwas für Geld tust, geschieht das immer aus finanziellen Gründen! [lacht] Ich habe Rechnungen zu bezahlen. Ich weiß auf jeden Fall Nein zu sagen und nehme tendenziell nur Projekte an, die eine Art von interessanter künstlerischer Herausforderung darstellen.

Du hast, wie viele andere, für Red Bull gearbeitet und an der Red Bull Music Academy teilgenommen. Es gab diesbezüglich einen interessante Paradigmenwechsel – vor zwanzig Jahren hätten die meisten das wohl nicht getan, um sich nicht zu kompromittieren.
Das ist so archaisch! Es ist mittlerweile unmöglich, ohne irgendeine Art von Investition von irgendjemandem irgendetwas zu machen. Ist es für mich wichtig, ob das ein Mineralwasserunternehmen, ein Institut für bildende Künste oder ein Plattenlabel ist? Nicht wirklich. Solange es keine Intervention darstellt, die mir das Gefühl gibt, ich müsse ein Produkt verkaufen, habe ich kein Problem damit. Das ist nicht mal etwas Neues, viele Komponisten arbeiteten für die Kirche. Sie hatten die Fertigkeiten, die Kirche macht es ihnen möglich, Musik zu machen und jetzt haben wir Bach! Sitzen wir aber jetzt da und sagen: »Schon scheiße, dass er sich zur Marke gemacht hat?«

Der Unterschied ist, dass Bach gläubiger Christ war.
Das stimmt, aber bedeutet es irgendetwas für die Kunst, die wir hören, wenn jemand ein gläubiger Wasauchimmer ist? Ich höre die »Brandenburgischen Konzerte« ohne von der Idee, dass er diese Musik aus seiner christlichen Mission heraus gemacht, beeinflusst zu werden. Vielleicht stellt das für viele Leute die Grundlage ihrer Erfahrung da. Andere aber haben nie ein einziges Wort über eine Arbeit gelesen, haben keinen kunsthistorischen Kontext dafür, fangen dann aber an zu weinen, wenn sie sie hören.

Kritisiert wird in der Gesamtsicht, dass Unternehmen zu Ko-Autoren unserer Kultur und Subkulturen werden, was viele als sehr problematisch erachten.
Das kann es durchaus sein. Ich weiß nicht, ob du danach fischt, dass ich zugebe, dass meine Musik von Red Bull vereinnahmt wurde, aber…

Tue ich nicht. Es scheint nur für mich interessant, weil dein Album sich auf Grunge bezieht. Das Narrativ von Grunge ist das der letzten Rock-Revolution…
…und die war es nicht! Das war eine totale Erfindung. Hast du jemals von »Grunge speak« gehört?

Nein.
Es gab diese Sekretärin bei Sub Pop, die keine Lust mehr auf Journalisten hatte und ihnen die Definitionen von coolen Grunge-Wörtern erklärte. »Ist es für mich wichtig, ob das ein Mineralwasserunternehmen, ein Institut für bildende Künste oder ein Plattenlabel ist? Nicht wirklich.« ( Ohneohtrix Point Never) Die haben das dann gedruckt und gesagt: »Schaut, wie die coolen Grunge-Kids sprechen!« Für mich ist das die perfekte Metapher für das, was Grunge war: eine Erfindung der Musikindustrie. Sie erschufen dieses ganzheitliche Gefühl und verkauften es den Leuten. Deshalb macht es mir so viel Spaß, mit diesen Ideen zu spielen. Für mich geht es darum die illusionistische Natur all diese Scheiße weiterzudenken und sie zurückzuerobern.

Was genau zurückzuerobern?
Die Lüge. Grunge ist ein historisiertes Ding. Geschichte wird immer hergestellt, weil sie von bestimmten Personen geschrieben wird. Selbst die Sprache ist für mich, von einer William S. Burroughs-Perspektive aus betrachtet, eine Lüge. Sie ist ein Virus. Seine Methode der Rückeroberung war, das Virus zu manipulieren. Für mich ist es nur eine spielerische Art und Weise, mich mit interessantem Kram zu unterhalten.

Du spielst auf die Art und Weise an, wie du das Album angekündigt hast. Das saß irgendwo zwischen Werbekampagne, wie wir sie von Warp kennen – etwa im Fall von Boards Of Canada und Aphex Twin – und Konzeptualismus.
Du machst eine Platte und wartest dann für Monate, und ich bekomme in dieser Zeit immer Panik. Ich dachte, entweder lasse ich ein paar Leute Musikvideos machen oder ich unterhalte mich selbst auf produktive Weise. Was mir nicht aufging, wie stark es damit eine virale Marketing-Kampagne parodierte. Das fiel mir nicht auf, bis ich merkte, dass es zu dieser seltsamen Dynamik kam, die den Leuten den Glauben daran austrieb, ein organisches Ding zu bekommen. Das hat mich umso mehr begeistert. Die Verwirrung über die Ursprünge der Sachen und die Doppeldeutigkeit der Urheberschaft ist super interessant gewesen.

Das ist wie das, was du über Burroughs und wie Sprache als Virus wahrgenommen werden kann gesagt hast. Du hast eine Lüge geschaffen.
Genau, und dann setzte es diese anderen Lügen in Bewegung und begann, neue Arbeit zu schaffen. Unabhängig davon, ob das gut oder schlecht ist, ist es Arbeit, und das ist interessant.

Das sagt uns eine Menge darüber, wie diese Mechanismen funktionieren. Du spielst viel mit Rock-Tropen, die auf dem Mythos des Rockstars basieren, aber die ganze Sache ging nach hinten los und du wurdest selbst zu einer Art Rockstar.
[lacht] Ja, das ist irgendwie komisch. Ich habe nie darüber nachgedacht. Ich fühle mich nicht mal ansatzweise wie einer. Die Dinge, die ich in Bewegung gesetzt habe, mündeten in diesen seltsamen Mutationen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich das getan habe, und du solltest denken, dass nun ein bisschen sorgfältiger sein werde, wenn ich mich unterhalten möchte, aber ich kann einfach nicht anders. Ich denke, es ist nur Langeweile.

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