Music Essay | verfasst 12.02.2016
Beyoncés »Formation«
»Get what's mine, take what's mine«
Beyoncé fordert in »Formation«, dass niemand mehr erschossen wird. In zweiter Instanz liefert sie allerdings Ideen zur Selbstermächtigung, die zu einer Sache nicht beitragen werden: Dass niemand mehr erschossen wird.
Text Pippo Kuhzart
Beybey

Traurig, was in den trüben Gewässern unserer Zeit Wellen der Begeisterung schlagen kann. Beyoncé spricht sich im Song »Formation«, dem dazugehörigen Video, und ihrem Auftritt in der Halbzeit des Super Bowls für Ermächtigung aus; Ermächtigung der afroamerikanischen Bevölkerung – und Ermächtigung der Frau.

Dass das prima ist: keine Frage. Black Panther-Referenzen während des weltweiten TV-Events schlechthin zu bringen, einen Song nur für Afroamerikaner zu machen und gleichzeitig White America aufzufordern, das sich so gerne der schwarzen Kultur bedient, diese dann bitte schon auch als Ganzes anzunehmen und mitsamt Afro, corn bread, Jackson 5 nostrils etc. zu schätzen, ist richtig, ist wichtig.

Aber es ist kein Wunder, dass Beyoncé sich gerade jetzt politisiert. Jüngst hat Nicki Minaj ihr vorgemacht, dass es nicht mehr zwangsweise unpopulär ist, sich den Term »Feministin« auf die Fahne zu schreiben (zum Glück). Gleichzeitig hat Kendrick Lamar vorgefühlt, wie weit man mit politischer Meinung im Pop gehen kann, ohne sich selbst zu marginalisieren. Das Feld ist geräumt; das Risiko, an Popularität einzubüßen, lange nicht mehr so groß wie noch vor Jahren. Jetzt, wo es die Revolution vielleicht immerhin auf YouTube schafft, hat Beyoncé ihr erstes provokantes Video veröffentlicht.

»Stop shooting us« steht da auf einer Wand. Davor Beyoncé, die macht, was sie immer gemacht hat: sich perfekt in Szene setzen. Im Kontext der seit jeher optimal inszenierten Pop-Maschine Beyoncé ist dieser Slogan nicht mehr als ein kleine Kante, die ihre Designer der makellosen corporate identity hinzugefügt haben.

Schüchterne Symbole einer Vorzeige-Kapitalistin
Toll, dass Beyoncé ihre riesige Bekanntheit nutzt, um überhaupt mal etwas zu sagen. Schwach, wie wenig sie sagt. Schrecklich, wie rückständig aber vor allem wir sind, am anderen Ende der Leitung, für die das Gesagte noch so große Besonderheit besitzt.

Was sagt sie überhaupt? Sie zeigt über Symbole, wie die Politik der Weißen die Schwarzen in New Orleans erst hat ertrinken lassen, um die Überlebenden danach einfach zu vergessen. Black Lives Matter, sagt sie. Leider ist das einem Großteil einer dummen, rassistischen Welt immer noch nicht klar – und deshalb ist es wichtig, es immer wieder zu betonen. Aber begnügen wir uns jetzt wirklich damit? Ist das ein Grund, Beyoncé zur Pop-Prophetin zu erheben?

»Formation« pikst doch höchstens ein bisschen, tut nicht wirklich weh; das wagt sich doch nur mit dem kleinen Zehen aus den Fängen des Systems, das sie bezahlt. Und nicht nur dass, im Endeffekt ruft der Text im Verlauf sogar dazu auf, genau dieses System noch zu füttern.

»Wenn Chance nutzen weiterhin bedeutet, die Beste, Schönste, Tollste zu werden, werden wir nie damit aufhören, uns zu erschießen.« »You can be the next black Bill Gates in the making«. Damit will sie natürlich denjenigen Mut machen, die in einer beschissenen Gesellschaft immer noch die beschissensten Karten haben. Und das beste, was dabei rauskommen kann, ist Reichtum und Macht? Na toll. Auch du hast die Chance die Beste, die Reichste, die Mächtigste zu werden. Natürlich brauchen wir Chancengleichheit, natürlich war es ein qualvoller Weg bis die USA (immerhin) ihren schwarzen Präsidenten hatten.

Aber, was wollen wir in Zukunft aus unseren Chancen machen?

Wenn »Chance nutzen« weiterhin bedeutet, die Beste, die Schönste, die Tollste zu werden, werden wir nie damit aufhören, uns zu erschießen. Nie damit aufhören, uns im Kreis zu drehen. Es ist eine Krankheit, Menschen über Superlative zu beschreiben; ein Geschwür, das unter alle dem wuchert, dass Beyoncé hier anprangert; der Motor für Neid und Missgunst, die Schere, die die Möglichkeit von Einheit zerschneidet, die Motivation für Mord und Totschlag.

»Formation« tut nichts dafür, dieses zu heilen. Eher im Gegenteil.

»I dream it, I work hard, I grind ’til I own it« heißt es da, »get what’s mine (take what’s mine), I’m a star (I’m a star)«. Das ist nichts als eine weitere Umschreibung des amerikanischen Traums, dieser ekligen Arbeits- und Ausbeutungsethik, in der der pursuit of happiness längst zum pursuit of success geworden ist.

Auch Beyoncé betont: Ich bin reich, mächtig und sexy und du kannst das auch schaffen. Alles gut gemeint. Weil viel zu vielen immer noch die Chance verwehrt wird, das auch sein zu können. Aber wann fangen wir an uns zu fragen, was wir außerdem sein könnten? Außer reich, mächtig und sexy. Solange wir bestreben, von jedem Attribut den Superlativ zu erreichen, solange werden wir uns weiterhin gegenseitig verletzen.

Der amerikanische Traum, so wie er hier ausgelegt und vorgelebt wird, beinhaltet vor allem die Missachtung eines ganz wunderbaren Gebots: »Die Freiheit des Einzelnen hört dort auf, wo die Freiheit des Anderen beginnt.«

So erschießen wir uns weiterhin gegenseitig
Noch einmal: Wir können froh sein, dass ein Popstar dieses Kalibers wenigstens mal wieder das Maul aufmacht. Aber zufrieden sein, wie weit ihr Blick geht, können wir nicht.

»Oft führt ausgleichende Gerechtigkeit eben nicht zu einem Ausgleich, sondern zu einer Spirale aus Ungerechtigkeit.« Am Ende dreht es sich auch um »…,Swag«. Was verändert weniger die Gesellschaft als swag? Nichts. Vor black consciousness ist »Formation« vor allem Selbstdarstellung. Der Stinkefinger nicht mehr als ein bisschen edginess im Sexappeal, ein bisschen Aufholen zu Rihanna, die doch auf so laszive Art keine Ficks gibt und so ihre Fans gewinnt. Es geht mit fortschreitender Dauer von »Formation« auch nur um das Ego, wie es in jedem erfolgreichen Ami-R&B nur um Ego geht. Und um Geld. Das sind nicht die Ideen, die dazu beitragen werden, dass endlich niemand mehr erschossen wird. Sie sind das Fundament am Ursprung von allem Beschissenen (neben der Angst).

Darüberhinaus geht es in »Formation« darum, stolz auf seine Herkunft sein zu dürfen. Ein Gefühl, das den Afroamerikanern viel zu lange mit Ketten und Peitschen verwehrt wurde, und das auch heute noch ständig bedroht wird. Es muss zurückerobert werden. Diese Forderung bringt »Formation« kraftvoll auf den Punkt – und das ist gut so.

In zweiter Instanz aber fehlt dem Song der Weitblick.

Wann fangen wir an – die Rezipienten und/oder der nächste große Pop-Star – einen Schritt weiter zu denken? Sich gegen Missstände zu stellen, das ist die eine Sache, sie am Ursprung anzupacken, das ist die andere. Sich zu empören, »lass mich das sein, was ich bin« ist dringend notwendig (ob es jetzt um Hautfarbe, Geschlecht oder sonst was geht) – wirklich revolutionär wäre es aber, im nächsten Atemzug zu sagen: Egal, was ich bin, wo ich bin, ich werde dich einladen, dass auch du sein darfst, was du bist.

Auch, wenn es noch tausend Jahre dauern sollte, warum nicht jetzt schon fragen: Stolz und Herkunft, wozu? Was passiert, wenn man beides in Verbindung zuhauf empfindet, sieht man ja gerade in Europa. Beziehungsweise hat man immer überall gesehen. Zu was führt schon Stolz? Zu einem Selbstbewusstsein, dass die äußere Bestätigung braucht. Ein gärendes, giftiges Konstrukt; wenn es nicht gefüttert wird, schlägt es in Hass um.

Wir über-identifizieren uns mit Dingen, über die wir keine Kontrolle haben. Die Kontrolle aber wollen wir. Also imaginieren wir sie uns einfach. Wenn wir aber merken, dass wir sie nicht haben, schmerzt es uns, verletzt es uns; wir suchen Schuldige, machen uns besser, stärker und schöner; danach kämpfen wir, damit uns so etwas nicht mehr passiert. Dieses Verhalten wird nicht dazu beitragen, dass niemand mehr erschossen wird.

Selbst, wenn sie sich für ihre Verhältnisse weit nach vorne lehnt, ist Beyoncé mit ihrem Song noch rückständig. Wir sind alle rückständig, solange wir in Stolz denken, in Herkunft und Rasse. Das steckt so viel Abgrenzungsgebaren drin, soviel krampfhafte Selbstdefinition. Um diese zu bewahren, diese zu verteidigen, töten wir.

Mit Scheiße auf Scheiße zu schmeißen, macht den Haufen auch nicht kleiner.
Wenn er mich gut fickt, dann führe ich ihn eventuell ins Red Lobster aus. Beyoncé dreht das ekelhafte Macho-Verhalten einiger vieler Männer um und zeigt: Wir Frauen können das genauso. »Selbst, wenn sie sich für ihre Verhältnisse weit nach vorne lehnt, ist Beyoncé mit ihrem Song noch rückständig.« Alles fair – und komplett kontraproduktiv. Denn oft führt ausgleichende Gerechtigkeit eben nicht zu einem Ausgleich, sondern zu einer Spirale aus Ungerechtigkeit. So hält man das Riesenrad der Scheiße nicht an, so montiert man ihm einen weiteren Wagen.

Pop braucht halt steile Thesen, um Pop bleiben zu können. Ohne Ambivalenz, ohne Einfühlungsvermögen wird er so immer nur kurzfristig etwas verändern, langfristig mit seiner selbstverliebten Zunge aber nur die Spirale einschmieren und früher oder später wieder am Arsch der Dinge ankommen.
Beyoncé - Lemonade Find it at hhv.de on EU-LP, US-LP und CD
Mit »Formation« liefert Pop weiterhin nur Parolen, kein universelles Verständnis. So baut er keine Brücken, sondern weitere Grenzen. So befeuert er nur ein Gedankengut, das in gut und schlecht, schwarz und weiß, Frau und Mann unterscheidet und dann nicht selbst weiter denkt. So errichtet er Pole.

Man würde ja hoffen, dass zwischen den Polen die goldene Mitte erstrahlt. Aber nicht mit uns. Stattdessen klafft zwischen ihnen die Kluft immer größer, tobt zwischen ihnen der Krieg. Wir können ja weiterhin davon träumen, der nächste Bill Gates in the making zu sein.

Aber wenn das der Traum ist, den träumen wir wollen, werden wir auch weiterhin Menschen erschießen.

–––––––––––
Vielleicht kann zwischen zwei Seiten doch etwas Gutes entstehen? Hier geht’s zur Gegendarstellung

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Essay | verfasst 12.02.2016
Beyoncés »Formation«
»Stop shooting us«
Beyoncés »Formation« ist mehr als reine Selbstdarstellung, es ist eine Gegendarstellung. Die fällt differenzierter aus, als es auf den ersten Blick scheint.
Music Review | verfasst 18.11.2011
Drake
Take Care
Stimmungsvoll und eigen und doch ungeheuer eingängig: Drake gelingen hier gleich mehrere Spagate und so das beste Rap(related)-Album 2011.
Music Essay | verfasst 01.10.2015
Wreck Yoself!
Die neue Lust an der Selbstzerstörung
Die Utopien sind aufgebraucht, der Medizinschrank bis zum Zerbersten voll. Rapper sind vom Glauben abgekommen und auf Drogen hängengeblieben. Wir gucken ihn gerne dabei zu – die Kaputtesten sind die Erfolgreichsten. Was ist los?
Music Kolumne | verfasst 25.07.2012
Aigners Inventur
Juni & Juli 2012
Letzten Monat im wohlverdienten Urlaub holt unsere Kolumnist vom Dienst das Verpasste nach und setzt sich mit der Veröffentlichungsflut, die die letzten beiden Monate brachten, auseinander.
Music Kolumne | verfasst 05.09.2012
Aigners Inventur
August 2012
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Holy Other, Max Herre, Rick Ross, Four Tet und JJ Doom.
Music Kolumne | verfasst 31.10.2012
Aigners Inventur
Oktober 2012
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Kendrick Lamar, Bat For Lashes, Andy Stott und Daphni.
Music Kolumne | verfasst 27.03.2013
Aigners Inventur
März 2013
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Justin Timberlake, DJ Koze und Function.
Music Kolumne | verfasst 05.06.2013
Aigners Inventur
Mai 2013
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Mount Kimbie, Daft Punk, The-Dream und Vampire Weekend.
Music Kolumne | verfasst 31.07.2013
Aigners Inventur
Juni / Juli 2013
Nach einer kurzen Urlaubspause setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Ka, J.Cole, Hade & DWFL, David Lynch und Disclosure.
Music Kolumne | verfasst 13.06.2014
Aigners Inventur
Mai 2014
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: The Roots, SD Laika, Joakim und zwei Fatimas.
Music Kolumne | verfasst 12.09.2018
Aigners Inventur
September 2018
Nebenkostennachzahlungen bei Eminem, Instagram-Tutorials von Travis Scott, Tapetenanalyse mit YG: mal wieder keine Ahnung was der Aigner hier macht, aber dank Djrum hört die Inventur dann doch irgendwann auf ihre niedrigen Instinkte.
Music Kolumne | verfasst 07.12.2016
Jahresrückblick 2016
Hat das Album ausgedient?
Groß angekündigt, gar nicht angekündigt: viele Alben sorgten dieses Jahr für besonders Aufsehen. Was hieß eigentlich im Jahr 2016 noch Album? Wir werfen ein Blick auf den Krieg der Formate und müssen dabei auch über eins reden: Geld.
Music Kolumne | verfasst 08.12.2016
Jahresrückblick 2016
Top 50 Alben
Vielleicht ist es das Einzige, das man zu einer Liste mit Schallplatten zu diesem Jahr 2016 sagen kann, in der man nicht einfach nur über Musik reden kann: dass es bereichert, diesen 50 Alben (und 2 Mixtapes) zuzuhören.
Music Liste | verfasst 04.08.2017
Ausklang | 2017KW31
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Review | verfasst 18.08.2010
Sylvia Striplin
Give Me Your Love
Verheißungsvoll blitzt die nackte Schulter unter dem opulenten weißen Pelz auf dem Cover von Give Me Your Love hervor.
Music Review | verfasst 14.03.2011
Charles Bradley & the Menahan Street Band
No Time For Dreaming
Mit 60 Jahren veröffentlicht Charles Bradley sein Debütalbum.
Music Review | verfasst 15.03.2011
Blawan
Bohla EP
Alle Songs der Bohla EP schöpfen ihre treibende Kraft aus einer Mischung von Drums und Acid Lines.
Music Review | verfasst 18.05.2009
Ryan Leslie
Ryan Leslie
Auf diesem Album bietet Leslie eine Mischung aus New Jack Swing-Referenzen, Soulpop und einer winzigen Prise Electronica an.
Music Review | verfasst 13.09.2012
Frank Ocean
Channel Orange
Frank Oceans Album hat unter der Flagge der Homosexualität überall Bestnoten erhalten. Die hat das Album in dem Ausmaße aber nicht verdient
Music Review | verfasst 20.09.2013
The Weeknd
Kiss Land
Hier wäre mehr drin gewesen und gleichzeitig lebt das Album davon, dass es darum gar nicht geht.
Music Review | verfasst 17.04.2014
SZA
Z
SZA macht tatsächlich Rhythm And Blues. Verschließt sich dabei aber nicht den neusten Entwicklungen von R&B. Also was fehlt?
Music Review | verfasst 20.02.2015
Future Brown
Future Brown
Future Brown arbeiten sich durch Bass- und Clubmusik aus Europa, Afrika, Südamerika und den USA. Dabei gelingt ihnen ein Kunststück.
Music Review | verfasst 05.09.2017
Raphael Munnings
Opportunity Knockin' - 7"
Alston veröffentlicht »Opportunity Knockin’«, die 1972 veröffentlichten Single von The Beginning Of The End’s Raphael Munnings, neu.
Music Review | verfasst 11.03.2019
Nick Waterhouse
Nick Waterhouse
Auf seinem Album entwickelt Nick Waterhouse eine Wut und Energie, die wir so noch nicht von dem Songwriter aus San Francisco kannten.
Music Porträt | verfasst 07.03.2011
Amos Lee
Untypischer Top-Seller
Mission Bell, das vierte Album des amerikanischen Singer/Songwriters Amos Lee, landete überraschend an der Spitze der Billboard-Charts.
Music Porträt | verfasst 26.03.2011
The Weeknd
Betäubter Rhytmus, tiefer Blues
The Weeknd haben R&B wieder eine Nische geschaffen. Die beiden Kanadier haben moderne musikalische Phänomene von Künstlern wie James Blake abgeguckt und sie auf ein Genre übertragen, dass zum Großraum-Dissen-Sound verkommen war.
Music Porträt | verfasst 10.06.2011
Syl Johnson
Underdog wider Willen
Würde man Personen nach ihren liebsten Funk&Soul-Künstlern fragen, so wäre sein Name eher nicht gefallen. Gleiches gilt für die Frage nach den meist gesampleten Künstlern aller Zeiten. Dabei müsste Syl Johnson beide Bestenlisten anführen.
Music Porträt | verfasst 16.05.2012
Nick Waterhouse
Weil es Rhythmus und Blues hat
Waren die Genzen zwischen alt und neu bislang noch halbwegs kenntlich, sind sie jetzt ins Unkenntliche verwischt. Nick Waterhouse sieht aus wie Buddy Holly und spürt der Authentizität in der Musik nach.
Music Porträt | verfasst 22.10.2013
Jessy Lanza
Sie und Er
Was haben Chart-R&B und Warp Records gemeinsam? Nichts möchte man denken. Wären da nicht Jessy Lanza und Junior Boy Jeremy Greenspan, die aus R&B, Disco, Post-Alles und Electro-Pop das sexieste Album des Jahres gemacht haben.
Music Essay | verfasst 11.03.2015
The Moving Still
Kelelas »A Message«
Kelela ist mit das Interessanteste, was R&B derzeit zu bieten hat. Mit »A Message« ist es der Sängerin aus L.A. gelungen, den bildlichen Ausdruck für das zu finden, was ihre Musik so faszinierend macht.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.
Music Porträt
Dark Entries
Zwischen Disco, Goth und Porno-Soundtracks
Seit 2009 betreibt Josh Cheon sein Label für Undergroundiges aus den 1980er Jahren und solches, das es werden will. Nächstes Jahr wird er über 300 Schallplatten dort veröffentlicht haben. Wir stellen euch das Label aus San Francisco vor.
Music Interview
Makaya McCraven
»Ich grabe Sound aus«
Makaya McCraven ist einer der Jazzmusiker dieser Tage. Nicht nur seine Heimatstadt Chicago, sondern die ganze Welt scheint sich an dem freien Umgang mit dem Jazzerbe in seiner Musik zu inspirieren. Wir hatten die Chance zum Interview.