Music Essay | verfasst 22.03.2018
Jazz aus Japan
Vom Importschlager zur Innovation
Gleich zwei neue Compilations widmen sich dem Jazz aus dem Land der aufgehenden Sonne. Dort musste das Genre einen langen Weg hinlegen, bevor es sich von seinen Vorbildern befreien und etwas Ur-eigenes schaffen konnte.
Text Anna Gyapjas
Soj_japanese_magazin_artikel_1024px_685px
Rubriken_sticker_detail_02

Jazz-Pianist Horace Silver tat es im Jahr 1962 mit »The Tokyo Blues«, sein Kollege Dave Brubeck zog zwei Jahre später nach mit »Jazz Impressions of Japan«, selbst Duke Ellington spielte sie ein unter dem Titel »The Far East Suite« ein: Kompositionen inspiriert vom Land der aufgehenden Sonne. Spektakulärer als die exotischen Aufnahmen der Jazzlegenden ist jedoch der Kontext, in dem sie entstanden: das Ringen der Japaner selbst um Jazz, eine Geschichte im Spannungsfeld zwischen Imitation und Innovation, sie erzählt von einem schleichenden Kulturwandel, der das Selbstverständnis japanischen Musiker umkrempeln sollte.


Schallplatten mit japanischem Jazz findest du bei hhv.de.


Der Jazz kam übers Meer
Auf Ozeandampfern, die vor dem Ersten Weltkrieg zwischen Yokohama und San Francisco, Hong Kong und Shanghai pendelten, spielten Boardbands die neuesten Stile, etwa den Ragtime. Erfolgreich an Deck waren damals noch Musiker von den Philippinen. Die USA besetzten deren Heimat seit 1902, mit den musikalischen Spielarten waren sie dadurch bekannt und vertraut. Diese viel geachteten »Väter der japanischen Jazzmen« importierten Noten und selten sogar Bluesaufnahmen, aus ihrem Spiel speiste sich die Euphorie um Tanzmusik zwischen den Weltkriegen. Besonders der symphonische Stil von Paul Whiteman erfreute sich im damaligen Japan großer Beliebtheit, der »Jazzkönig« prägte den Geschmack der Einwohner weit mehr als etwa der hot jazz von Louis Armstrong. Die Musiker, die ihre Spielpraxis meist in der Armee oder auf den Schiffen gesammelt hatten, spielten in vollen Tanzlokalen, Plattenfirmen stellten sich ihre eigenen Orchestren zusammen, um der Nachfrage nach Jazz gerecht zu werden.

War das Genre in den 1920er und 1930er Jahren noch der Sound des Aufbruchs, verebbte die kollektive Begeisterung, als sich das Land politisch radikalisierte, nationale Kräfte an Macht und das Militär an Einfluss gewannen. Fortan war Jazz als unmoralische »enemy music« gebrandmarkt, die den kulturellen Verfall symbolisierte – bis die Herrschenden umschwenkten und begannen, die Musik als Propagandainstrument für ihre Werte zu begreifen. Zwischen diesen beiden Polen navigierten die Jazzmusiker Japans und versuchten, mit »salon music« das Genre am Leben zu halten. Diese mildere, zensorengefälligen Spielart unterhielt die Arbeiter in den Fabriken und schaffte es sogar ins Staatsradio.

Erst abgehängt, dann angepasst
Das Dahinplätschern hatte ein jähes Ende, als nach Ende des Zweiten Weltkrieges die US-amerikanischen Streitkräfte im Land stationiert wurden. Denn was die Soldaten aus ihrer Heimat mitbrachten, hatte nichts mehr mit dem Big-Band-Sound der Vorjahre zu tun. Was die Musiker in den Truppen spielten, war herber, hektischer, komplizierter, als alles, was die japanischen Musiker zuvor gehört hatten. Die Entwicklung des Bebop und Cool Jazz war an ihnen vorbeigezogen, nun schien es den japanischen Jazz-Fans, als müssten sie eine neue Sprache lernen. Das Gefühl, musikalisch abgehängt worden zu sein, dominierte. Trotz – oder gerade wegen – des Drucks erwiesen sich die einheimischen Jazzmusiker als lernbegierig und anpassungsfähig. Flexibel in den Stilen mussten sie ohnehin sein: Zu Hunderten tummelten sie sich täglich an Bahnstationen, auf Lastwagen wartend, die sie aufgabelten und in US-Stützpunkte, in die Vergnügungslokale der Soldaten fuhren.

Nach Abzug der Amerikaner im Jahr 1952 wurde das Land vom »Jazz Boom« ergriffen. Allen voran schlug das Herz der japanischen Jugend für kokujin jazz, also schwarzen Jazz. Afroamerikanische Stars wie Horace Silver und Art Blakey galten als das Ideal, dem die Fans huldigten und die Musiker nacheiferten – in den wie Pilze aus dem Boden schießenden Theatern, Bars und Tanzlokalen der Städte und im Fernsehsender NHK, dem Hauptarbeitgeber der Jazzmusiker. Eine Schlüsselrolle spielten auch die jazu kissa, Cafés so klein wie Schatullen mit so vielsagenden Namen wie Duke oder Blackbird. Den kostspieligen Import amerikanischer Platten übernahmen die Eigentümer. In glamourösem Ambiente und meditativer Andacht lauschten meist nur eine Handvoll Jazzliebhaber dem neusten Schrei und notierten die Partituren, die sie hörten.

Akiyoshi & Watanabe: Mutter und Vater des japanische Jazz
So auch Toshiko Akiyoshi. Sie sollte zu einer Pionierin des japanischen Jazz werden. Eigentlich hatte sie eine klassische Klavierausbildung genossen. Aber nachdem sie Teddy Wilsons »Sweet Loraine« gehört hatte, wusste sie, dass der Jazz ihre neue Heimat werden würde. Mit ihren Bands hatte sie zunächst Schwierigkeiten, Engagements zu bekommen, weil sie nicht das spielten, was tanzbar war – sondern etwas Eigenes. 1953 scoutete der kanadische Pianist Oscar Peterson sie, als sie tagsüber in einem jazu kissa spielte. Erste Aufnahmen folgten, 1956 schickte ihr das Berklee College of Music Flugtickets, um ihr Talent fördern zu dürfen. Auf ihrem Debütalbum »Kogun« (1974) finden sich ihre ersten Kompositionen, die Einflüsse japanischer Musik und einen »horizontalen« statt der in westlicher Tradition üblichen, vertikalen Aufbau der Musik wagen. Heute gehören zu den zahlreichen Auszeichnungen ihres Werkes u.a. 13 Grammy-Nominierungen.

Ende der 1960er Jahre wuchs das respektvolle Rezipieren in den jazu kissa an zu einer regelrechten Ehrdarbietung der amerikanischen Jazzlegenden. Art Blakey, der mit seinen Jazz Messengers 1961 im Land gastierte, verglich den betriebenen Werbeaufwand mit dem der Beatles. Sogar eine kaiserliche Audienz wurde ihnen zugestanden. Das zweite Konzert, das einen prägenden Eindruck auf die japanische Jazzgemeinschaft machte, war der Besuch des Miles Davis Quintett drei Jahre später. Im Zuge des »rainichi rush« – rainichi heißt so viel wie »komm’ nach Japan« – reisten viele amerikanische Größen wie Thelonius Monk oder Dave Brubeck an. Die dortige Fangemeinde dürstete es nach dem Original, sie trugen sogar die in Übersee üblichen ivy-league-Looks.

Kombiniert mit dieser Imitationsfreude drohte die uneingeschränkte Begeisterung für das afroamerikanische Vorbild aber auch das vereinzelte Interesse an Innovation zu ersticken. Es brauchte erst den Weggefährten Toshiko Akiyoshis, Saxophonisten Sadao Watanabe, der ihr in die USA gefolgt war: »Als ich brasilianische und afrikanische Musik, auch andere Annährungen an Jazz hörte, wurde mir klar, worauf es ankommt: Gefühl. Die beste Musik ist die, die vom Leben kommt.«

Um diese Erkenntnis bereichert, kehrte er zu einer Zeit zurück in seine Heimat, in der alles nach Stillstand klang: Aufgrund von Drogendelikten war die Verwaltung immer weniger geneigt, amerikanischen Musikern Visa auszustellen. Es ergab sich ein Vakuum. Der renommierte Watanabe war fest entschlossen, es mit einer selbstbewussten Generation junger Musiker auszufüllen. Mit Musikern – unter ihnen der Komponist Masabumi Kikuchi als Schlüsselfigur –, die keine Furcht mehr hatten, dass ihr eigenes Original neben dem Vorbild aus den USA verblassen könnte.

J-Jazz: Deep Modern Jazz From Japan 1969-1984 Webshop ► Vinyl 3LP Kein Wunder also, dass sich Zusammenstellungen dieser Tage vor allem auf die Jahre nach Watanabes Rückkehr konzentrieren, etwa »J-Jazz: Deep Modern Jazz From Japan 1969-1984« (BBE Music), für die Tony Higgins und Mike Peden in ihren eigenen Archiven nach Modalem und Fusion Jazz gegraben haben. Tony Higgins weiß um die kulturhistorische Relevanz dieser Ära: »Individualität ist ein relativ fremder Begriff in Japan, in der Kultur hatte die Gruppe Vorrang sowie die Erhaltung ihrer Harmonie«, erklärte er im Interview. »Die Musik der späten Sechziger bis in die Siebziger Jahre hinein ist der Versuch, sich als Einzelner zu behaupten ohne den Zusammenhang der Gruppe zu sprengen.« Auch gründeten sich in dieser Zeit auf Jazz spezialisierte Indielabels wie Three Blind Mice und East Wind.

Spiritual Jazz Volume 8: Japan, Part 1 Webshop ► Vinyl 2LP | 2LP Mit »Spiritual Jazz Volume 8: Japan Pt. 1 & Pt.2« steuerte das Haus Jazzman jüngst eine Veröffentlichung bei, die einen Überblick über den Reichtum des japanischen Jazz geben will. Die musikalische Selbstfindung im japanischen Jazz habe sich vor allem im Spiritual Jazz gespiegelt. Tatsächlich habe es keinen Coltrane gebraucht, um Musik als Form für das Göttliche zu begreifen, erklärt der Plattenladeninhaber und Produzent Yusuke Ogawa, der für die Compilation verantwortlich zeichnet. Ob Wabi-Sabi, ein ästhetisches Konzept, das eng mit dem Zen-Buddhismus verknüpft ist oder die Idee vom Yaoyorozu no Kami, nachdem alles auf dieser Welt von Göttern bewohnt ist: »Diese Konzepte machen Jazz spirituell im japanischen Sinne.«

Various Artists - The Three Blind Mice 45 Box Webshop ► Vinyl 6LP Indes empfiehlt BBEs Mike Peden: »Three Blind Mice ist ein tolles Label für den Anfang, Pressungen der zweiten und dritten Generation sind nicht nur erschwinglich, sondern auch leicht aufzuspüren.« Die späten Veröffentlichungen von Sadao Watanabe, Terumasa Hino und Masabumi Kikuchi seien auch nicht zu teuer, auch gäbe es gerade ein Revival von High-End-Neuveröffentlichungen von Klassikern wie Hiroshi Suzukis »Cat« oder Akira Ishikawas »Electrum«. Erst 2017 hat sich bei Modulor das Label Le Très Jazz Club gegründet, das sich auf japanischen Jazz spezialisiert hat.

Allgemein bleibt festzuhalten: Auf den neuaufgelegten Platten mit Jazz aus Japan aus den späten 1960er bis zu den frühen 1980er Jahren hört man förmlich, wie die Szene ihrem Minderwertigkeitskomplex entwächst. Spieltechnisch bewandert und fachkundig aufgezeichnet bieten Produktionen dieser Ära einen guten Eindruck der Ansätze, Jazz auf japanische Art zu denken – und das jenseits der Entlehnung volksmusikalischer Elemente oder des Einsatzes regionaler traditioneller Instrumente.


Schallplatten mit japanischem Jazz findest du bei hhv.de.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 02.08.2019
Naosuke Miyamoto Sextet
Step!
1973 standen die Zeichen im japanischen Jazz auf Aufbruch. In diesem Jahr nahm das Naosuke Miyamoto Sextet »Step!« auf.
Music Porträt | verfasst 12.11.2018
Charles Mingus
Wiederentdeckte Wut
Amir Abdullah staunte nicht schlecht, als ihm die Witwe von Jazz-Drummer Roy Brooks, Tonbänder eines Konzertes von Charles Mingus zeigte, das dieser 1973 in Detroit gegeben hatte. Es wurde Zeit für eine Wiederentdeckung.
Music Porträt | verfasst 14.05.2020
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?
Music Kolumne | verfasst 22.02.2013
Records Revisited
Ornette Coleman's The Shape Of Jazz To Come, 1959
»The Shape of Jazz to Come«, die dritte Veröffentlichung von Ornette Coleman, ist eines der einflussreichsten Werke der Jazzgeschichte. Sie wird dennoch zu selten gehört, zu selten gesamplet, zu selten erwähnt.
Music Review | verfasst 07.02.2019
Mitsuaki Katayama Trio
First Flight
»First Flight«, das Debüt des Mitsuaki Katayama Trios, ist das Werkeines cleveren Arrangeurs und eines begnadeten Schlagzeugers
Music Review | verfasst 17.07.2019
George Otsuka Quintet
Physical Structure
Mit »Physical Structure« vom George Otsuka Quintet wurde jetzt via Le Trés Jazz Club ein mächtiger Fusion-Wurf aus dem Jahr 1976 geborgen.
Music Review | verfasst 01.11.2017
Various Artists
Jukebox Mambo Vol.3
Seit 2012 stellt DJ Liam Large die »Jukebox Mambo«-Reihe zusammen und dokumentiert nun erneut die Bandbreite dieser ungewöhnlichen Klänge.
Music Review | verfasst 21.02.2018
Various Artists
J-Jazz: Deep Modern Jazz From Japan 1969-1984
»J-Jazz: Deep Modern Jazz From Japan 1969-1984«, eine Compilation aus dem Hause BBE, bringt uns japanischen Jazz näher.
Music Review | verfasst 05.03.2018
Nat Birchall
Cosmic Language
Spiritueller Jazz, so schön wie seine großen Vorbilder. Am Ende aber doch anders. Weil europäischer.
Music Review | verfasst 01.03.2019
Infinite Spirit Music
Live Without Fear
Der legendäre Ruf, der diesen Aufnahmen von »Life Without Fear« und seinen Interpreten Infinite Spirit Music vorauseilt, ist berechtigt.
Music Review | verfasst 03.10.2019
Various Artists
J-Jazz Deep Modern Jazz From Japan 1969-1983 Vol.2
Weiter 15 Jazzstücke aus dem Land der aufgehenden Sonne bietet die neue Compilation »J-Jazz Deep Modern Jazz From Japan 1969-1983 Vol.2«.
Music Review | verfasst 26.11.2019
Sokratis Votskos Quartet
Sketching The Unknown
Jazzman veröffentlicht mit »Sketching The Unknown« das tolle Debüt der griechischen Jazzer vom Sokratis Votskos Quartet.
Music Review | verfasst 12.05.2020
Various Artists
Spiritual Jazz Vol.11: SteepleChase
Mit dem neuesten Teil ihre »Spiritual Jazz«-Reihe werfen Jazzman einen Blick auf das dänische Jazzlabel SteepleChase.
Music Review | verfasst 22.01.2021
Various Artists
Spiritual Jazz 13: NOW!
Nach einem halben Dutzend Ausgaben widmet sich »Spiritual Jazz 13: NOW!« nun den aktuellen Tendenzen des titelgebenden Genres.
Music Review | verfasst 17.03.2017
Various Artists
Spiritual Jazz 7: Islam
»Spiritual Jazz 7« gewährt einen Einblick in die komplexe Verknüpfung zwischen Jazz, afro-amerikanischer Geschichte, Emanzipation und Islam.
Music Kolumne | verfasst 01.12.2017
Jahresrückblick 2017
Top 50 Albums
Die musikalischen Statements wurden dieses Jahr nicht mit Ausrufezeichen gemacht. Sondern mit Kommata und Gedankenstrichen. Kaum große Mäuler, aber viel dahinter. Wenig Hits, viel Musik.
Music Review | verfasst 18.04.2019
Pharoah Sanders
Africa
Auf »Africa« von 1987 finden Pharoah Sanders, Idris Muhammad, John Hicks und Curtis Lundy zusammen und spielen grandiose Musik.
Music Liste | verfasst 03.07.2019
Polnischer Jazz
Eine Einführung in 10 Schallplatten
Die polnische Jazzszene gilt als eine der wichtigsten und kreativsten in Europa. Sie changiert heute zwischen oberflächlichen Konventionen und versteckten Brüchen. Eine kleine Spurensuche.
Music Kolumne | verfasst 08.03.2013
Records Revisited
Gil Scott-Heron's Small Talk At 125th And Lenox, 1970
Als Gil Scott-Heron im Sommer 1970 auf Drängen des Produzenten Bob Thiele ein kleines New Yorker Studio betrat, war er Autor. Wenige Stunden später verließ er das Studio als Musiker.
Music Porträt | verfasst 06.11.2015
Matthew Halsall
Mehr als ein Trompeter
Auf seinem nun fünften Album fordert Matthew Halsall sich neu heraus. Kein Wunder, schließlich hat er für seine Musik auch ein großes Ziel.
Music Interview | verfasst 10.05.2016
Gilles Peterson
»Das ist nicht bloß Musik für mich«
Gilles Peterson ist Sammler, DJ, Musiker und vor allem: Musikbotschafter in der ganzen Welt. Jetzt erscheint seine neue Zusammenstellung, Zeit mal mit ihm über die schönste Nebensache der Welt zu reden: Vinyl.
Music Interview | verfasst 25.05.2018
Kamaal Williams
Zurück zum rawen Shit
Gemeinsam mit Yussef Dayes veröffentlichte er vergangenes Jahr mit »Black Focus« einen Fan-Liebling. Jetzt ist Henry Wu aka Kamaal Williams solo zurück. Seine Musik ist von vielen Stilen inspiriert. Von nichts mehr aber als vom Glauben.
Music Essay | verfasst 24.06.2019
Britischer Jazz
On The Hot Spot
Der Jazz auf den Britischen Inseln steckt 2019 im Generationenumbruch. Neue Talente von Manchester bis London revidieren festgefahrene Konventionen und loten selbstbewusst die Grenzen des Genres aus. Warum gerade jetzt?
Music Kolumne | verfasst 17.08.2019
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
Music Porträt | verfasst 20.09.2019
Brownswood Recordings
Aufbruch & Umbruch
Brownswood ist die Keimzelle einer Szene, die gegen Genrekonventionen und einen rückwärtsgewandten Zeitgeist rebelliert. Entsprechend fächert DJ und Radiomoderator Gilles Peterson seinen Labelkatalog deutlich internationaler auf als andere.
Music Porträt | verfasst 07.07.2020
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Interview | verfasst 16.06.2020
Gary Bartz
»Wir sehen die Realität nicht mehr«
Der Grammy-prämierte Sopransaxophonist Gary Bartz stand mit Miles Davis, Art Blakey und Max Roach auf der Bühne. Jetzt hat er mit der britischen Band Maisha eine Platte aufgenommen – und Neues entdeckt.
Music Porträt | verfasst 30.06.2020
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Essay | verfasst 09.07.2020
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Review | verfasst 03.04.2007
DJ Vadim
The Soundcatcher
Das fünfte Album des nimmermüden DJ Vadim ist einmal mehr ganz großes Kino.
Music Review | verfasst 23.01.2011
Pugs Atomz
The Decade
Bezüglich der Motive von Pugs Atomz muss man sich nun wirklich keine Sorgen machen: Pugs Atomz ist HipHop.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.