Music Review | verfasst 18.05.2018
Luis Pérez
Ipan In Xiktli Metztli, México Mágico Cósmico, El Ombligo de la Luna
Mr. Bongo, 2018
Text Pippo Kuhzart , Fotos © Mr Bongo
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
9.2
Redaktion
Cover Luis Pérez - Ipan In Xiktli Metztli, México Mágico Cósmico, El Ombligo de la Luna

Mal ganz sachlich vorneweg: Auf Mr. Bongo -Reissues ist Verlass. Auch dieses Release kommt mit der perfekten Replik des Original-Artworks, selbst das Sheet mit den Anweisungen für ein perfektes Hörerlebnis beinhaltet die Neuauflage. Wer Luis Pérez’ »Ipan In Xiktli Metztli, México Mágico Cósmico, El Ombligo de la Luna« (one time for SEO) kennt, der sitzt eh schon seit Monaten in einem extra auf 35 Grad Celsius hochgeheizten Zimmer und freut sich bewusst in die Wirbelsäule atmend auf dieses Album.

Für alle anderen folgt nun die Erklärung. Zuerst einmal muss man sagen, dass die Reissue fast ein bisschen zu spät kommt. Die vergangenen Jahre waren voller musikalischer Dschungel-Interpretationen, auch viele kontemporäre Alben versuchten bunte Vögel und fette Kondenstropfen in ihre Songs einzuarbeiten. Musik als Fluchtmittel, sowieso; immer öfter evoziert sie dabei aber auch Fast-Real-Orte, entwirft das Bild einer bekannten Fremde. Man kann das durchaus ein bisschen über haben. Man sollte aber auf keinen Fall den Fehler machen, irgendwas vom empfundenen Überdruss auf Ipan In Xiktli Metztli zu beziehen. Das alles hier ist a) keine Exotik als Selbstzweck und b) halt auch einfach straight fire so.

Pérez, geboren 1951 in New Mexico, verbrachte aber seinem 20sten Lebensjahr eine Menge Zeit damit, die Instrumente von Mesoamerika zu studieren. In Mexiko lernte er direkt von den Eingeborenen. Seine Musik stammt von solch geschichtsträchtigen Instrumenten, selbst eingespielt und gesamplet, von den Kulturen der Maya, Nahuatl, Mazateco und Wixarika. Was Ipan schließlich als Endergebnis ist, ist viel mehr als nur Geschichtsunterricht mit ein bisschen mehr Schweiß. Das ist ehrfürchtige Musik, das sind Geräusche von Menschen, die sich in Präsenz einer höheren Macht wähnen. Von Gott oder der Natur oder beidem. Zutiefst spirituelle Musik, sie wirkt, als könne sie keinen klaren Urheber haben. Entstanden im Raum. Irgendwas mit Zeit, nicht linearer. Als sei sie Kanalisation von Tönen, die einfach da waren und sind. Und sein werden. Sie klingt gleichzeitig als käme sie aus gefallenen Reichen, wie sie klingt, als sei sie Transmission von Zivilisationen aus der Zukunft.

Wer’s gerne ein weniger bodenständiger hat (fair enough, liebe Leute): Ipan klingt, als hätte ein südamerikanischer Stamm die Berliner Schule erfunden. Kosmischer kann Musik kaum noch werden. Sinneserweiternder Stuff, wer’s gehört hat, ist ein besserer Mensch.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 29.06.2020
Dee Dee Bridgewater
Afro Blue
1974 nur in Japan veröffentlicht, bekommt »Afro Blue«, das Debüt von Dee Dee Bridgewater jetzt eine zweiten Anlauf auf Mr Bongo spendiert.
Music Review | verfasst 22.07.2020
Tadao Sawai, Kazue Sawai, Takeshi Inomata, Norio Maeda, Hozan Yamamoto
Jazz Rock
Mr Bongo veröffentlicht das zuerst 1973 veröffentlichte »Jazz Rock« des Koto-Spielers Tadao Sawai und weiterer Mitstreiter erstmals neu.
Music Review | verfasst 08.12.2020
Rammellzee & K-Rob
Beat- Bop
Mr Bongo hat »Beat-Bop«, die von Basquiat gestaltete, womöglich sogar produzierte EP von Rammellzee & K-Rob aus dem Jahr 1983, neu heraus.
Music Interview | verfasst 31.03.2017
Mr Bongo Records
»Gute Musik, die die Menschen haben sollten«
»Stell dir vor, du wachst neben dieser einen Platte auf, die du schon ewig suchst.« Wir haben uns von Graham Luckhurst und Gareth Stephens von Mr Bongo etwas über das wohl dienstälteste Reissue-Label der Welt erzählen lassen.
Music Liste | verfasst 31.03.2017
Mr Bongo Records
10 Essentials
Mr Bongo legt seit über einem Jahrzehnt rare Schätze aus fernen Ländern neu auf. Gar nicht so einfach, da den Überblick zu bewahren. Deshalb haben wir für euch die zehn wichtigsten Releases des Labels zusammengestellt.
Music Kolumne | verfasst 01.12.2017
Jahresrückblick 2017
Top 50 Reissues
Der Reissue-Markt als Wunschkonzert, 2017 fühlte es sich zuweilen so an. Unfassbar, welche Mengen an seltenen, obskuren und seltenen und obskuren Platten dieses Jahr neu aufgelegt wurden.
Music Review | verfasst 15.07.2016
Arthur Verocai
Arthur Verocai
Ein Wunder des multipolaren Pop: Arthur Verocais Debüt von 1972 ist wieder auf Schallplatte erhältlich.
Music Review | verfasst 28.03.2017
Various Artists
Original Sound Of Mali
Das Label Mr Bongo erinnert mit der Compilation »Original Sound Of Mali« an die reiche Tradition des afrikanischen Landes erinnert.
Music Review | verfasst 12.06.2017
Gaby Hernandez
Spirit Reflection
Tiefe, Rätsel, Sinnlichkeit, an einer nur scheinbar glatten Oberfläche: Gaby Hernandez veröffentlicht ihr Album »Spirit Reflection«.
Music Review
Pauline Anna Strom
Angel Tears In Sunlight
»Angel Tears In Sunlight« sollte das erste Album von Pauline Anna Strom nach 30 Jahren werden. Kurz vor Veröffentlichung ist sie verstorben.
Music Review
Tindersticks
Distractions
Lenkt die Liebe vom Leben oder das Leben von der Liebe ab: Tindersticks haben mit »Distractions« ein spannendes Album veröffentlicht.
Music Review
The George Otsuka Quintet
Loving You George
WeWantSounds macht mit »Loving You Geroge« eine Live-Aufnahme des The George Otsuka Quintets aus dem Jahr 1975 wieder verfügbar.
Music Review
Nancy Sinatra
Start Walkin' 1965-1976
»Start Walkin‘ 1965-1976« vereint die wichtigsten Songs von Nancy Sinatra und ist in diesem umfassenden Paket ein Pop-Schmankerl.
Music Review
Moggi (Piero Umiliani)
News! News! News!
»News! News! News!«, das Piero Umiliani vor 40 Jahren unter seinem Pseudonym Moggie veröffentlichte, wurde neu aufgelegt.
Music Review
Egyptian Lover
1986
Kraftwerk kann sich schleichen: Egyptian Lover lässt nicht locker und veröffentlicht mit »1986« neue Musik.
Music Review
Roots (Barney Rachabane)
Roots
»Roots«, das 1975 eingespielte Album des südafrikanischen Saxofonisten Barney Rachabane, wurde bei Frederiksberg wiederveröffentlicht.
Music Review
21 Savage & Metro Boomin
Savage Mode II
»Savage Mode II« von 21 Savage und Metro Boomin löst das Versprechen ein, dass die beiden 2016 auf ihrem Erstling heraufbeschworen haben.
Music Review
Stella Chiweshe
Ambuya!
Stella Chiweshes Musik entstand unter Widrigkeiten. Das Reissue ihres Debütalbums setzt folgerichtig ein Ausrufezeichen hinter dessen Titel.
Music Review
Omar Khorshid
With Love
Das 1978 im libanesischen Exil entstandene Album »With Love« des ägyptischen Gitarristen Omar Khorshid wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Al Wootton
Maenads
Mit »Maenads« kehrt der hochaktive Al Wootton auf sein Label Trule Records zurück. Die vier Tracks strömen eine ahnungsvolle Atmosphäre aus.
Music Review
Conny Frischauf
Die Drift
Lustig und nachdenklich, albern und rätselhaft: die Musik von Conny Frischauf auf »Die Drift« lässt auf eine Fortsetzung hoffen.
Music Review
Condry Ziqubu
Gorilla Man
Sehr sexy geballte Energie gegen Gewalt: Afrosynth veröffentlicht auf »Gorilla Man« Stücke des südafrikanischen Musikers Condry Ziqubu.
Music Review
Black Country, New Road
For the First Time
Black Country, New Road ist die Band der Stunde in Großbritannien. Ihr Debüt »For the First Time« ist soeben bei Ninja Tune erschienen.
Music Review
Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou Dahomey
Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou Dahomey
Tout puissant! Auf Superfly wurde das selbstbetitelte 1972er Album von Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou Dahomey wiederveröffentlicht.
Music Review
Laurent Petitgirard
Suite Epique
»Suite Epique« des französischen Komponisten Laurent Petitgirard, erstmals 1972 erschienen, wurde jetzt bei Superfly wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Somewhere Between: Mutant Pop, Electronic Minimalism & Shadow Sounds Of Japan 1980-1989
Japan in den 1980er Jahren, 14 unerhörte Songs. Zur neuen Compilation »Somewhere Between« auf Light In The Attic.
Music Review
Various Artists
Profondo Nero
Mit der Dekmantel-Compilation »Profondo Nero« beleuchtet der DJ Cinema Royale die dunkle Unterseite des Italo-Disco-Hypes.
Music Review
Witch
Introduction
Rockmusik aus Sambia: »Introduction«, das Debüt von Witch aus dem Jahr 1972, wurde bei Now-Again aufgehübscht und wiederveröffentlicht.
Music Review
Shame
Drunk Tank Pink
Wer hinter den Krach blickt, entdeckt eine Fülle an Details: die britischen Rocker Shame präsentieren mit »Drunk Tank Pink« ein neues Album.
Music Review
Biosphere
Angel's Flight
Gerade ist das Beethoven-Jahr vorüber, da veröffentlicht Biosphere mit »Angel’s Flight« auf dem »String Quartet No.14« basierende Musik.
Music Review
Various Artists
Berlin Atonal – More Light
2020 setzte auch das Berlin Atonal aus und kondensiert das geplante Programm nun in eine Compilation von außergewöhnlicher Geilheit.
Music Review
Hieroglyphics
Hiero Oldies Vol.1
Bis auf Kassette und digital erschienen, gibt es »Hiero Oldies Vol.1« der kalifornischen Rapcrew Hieroglyphics nun auch auf Schallplatte.
Music Review
Yu Su
Yellow River Blue
Auf ihrem Albumdebüt »Yellow River Blue« verfolgt die im kanadischen Vancouver beheimatete Musikerin Yu Su eine klare Idee.
Music Review
Tiziano Popoli
Burn the Night / Bruciare la Notte. Original Recordings, 1983-1989
Mit »Burn the Night / Bruciare la Notte« wird dem disparaten Schaffen des italienischen Eigenbrödlers Tiziano Popoli ein Denkmal gesetzt.
Music Review
Various Artists
Two Synths A Guitar (And) A Drum Machine
»Two Synths A Guitar (And) A Drum Machine« versammelt an die Achtziger angelehnten Post-Punk, der zum Tanzen einlädt.
Music Review
Emmanuelle Parrenin & Detlef Weinrich
Jours de Grève
Die Folklegende Emmanuelle Parrenin & Detlef Weinrich alias Tolouse Low Trax haben mit »Jours de Grève« ein wunderliches Album abgelegt.
Music Review
François De Roubaix
Les Secrets De La Mer Rouge O.S.T.
erstmals wird die Musik zur TV-Serie »Les Secrets De La Mer Rouge O.S.T.« von François De Roubaix auf Schallplatte veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Spiritual Jazz 13: NOW!
Nach einem halben Dutzend Ausgaben widmet sich »Spiritual Jazz 13: NOW!« nun den aktuellen Tendenzen des titelgebenden Genres.
Music Review
Various Artists
Cuba: Music and Revolution 1975-85
Gilles Peterson und Stuart Baker haben mit »Cuba: Music and Revolution 1975-85« die innovativen Momente der Zeit zusammengetragen.
Music Review
Conrad Schnitzler
Paracon (The Paragon Session Outtakes 1978-1979)
»Paracon (The Paragon Session Outtakes 1978-1979)« umfasst zehn unbekannte Stücke von Conrad Schnitzler aus seiner besten Phase.
Music Review
Ibrahim Khalil Shihab Quintet
Spring
Beschwingt und sonnendurchflutet: das erste Mal seit 40 Jahren wird »Spring« des südafrikanischen Ibrahim Khalil Shihab Quintets aufgelegt.
Music Review
Aminé
Limbo
Wie tief kann man gehen, ohne einzuknicken: der amerikanischer Rapper Aminé probiert’s auf seinem neuen Album »Limbo« aus.
Music Review
Badge Époque Ensemble
Future, Past & Present
Das kanadische Badge Époque Ensemble hat mit »Future, Past & Present« ein neues Albumveröffentlicht.
Music Review
Jorge Navarro
Navarro Con Polenta
Das Album »Navarro Con Polenta« des argentinischen Jazzpianisten Jorge Navarro aus dem Jahr 1977 wurde auf Altercat wiederveröffentlicht.
Music Review
Kurt Vile
Speed Sound Lonely KV (EP)
Mit »Speed Sound Lonely KV (EP)« hat Kurt Vile eine neue Platte draußen. Mit Zeitgeist hat die nichts zu tun. Was für eine Erleichterung.
Music Review
Pierre Henry
Un Monde Lacéré
Die Museen sind geschlossen. So kannst du in Ruhe eine Platte wie »Un Monde Lacéré« von Pierre Henry auflegen.
Music Review
Dan Kye
Small Moments
Wer das nicht geil findet, werfe die erste Kokosnuss: Jordan Rakei hat als Dan Kye das Album »Small Moments« veröffentlicht.
Music Review
Lindstrom & Prins Thomas
III
Nach elf Jahren erscheint aus Samlltown Supersound mit »III« ein neues, gemeinsames Album der beiden Norweger Lindstrom & Prins Thomas.
Music Review
Pierre Elitair
Digitsed Cassettes
Die Verrücktheiten der seit 40 Jahren ausgestrahlten Radioshow von Pierre Elitair können nun auf »Digitised Cassettes« gehört werden.
Music Review
Sparkle Division
To Feel Embraced
Über Jahre ließen Preston Wendel und William Basinski ihre LP »To Feel Embraced« Staub ansetzen. Zum Glück besannen sie sich eines Besseren.