Music Review | verfasst 06.08.2019
Tim Jackiw
Many Moons
Offworld, 2019
Text Christoph Benkeser
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7.9
Redaktion
Cover Tim Jackiw - Many Moons

Raus aus den Sandalen, rein in den Spacesuit. Wir fliegen zum Mond, mal bisschen nach dem Rechten sehen. Da Astronautenfutter aber scheiße schmeckt und der ganze Technikkram ohne Youtube-Tutorials ziemlich schwer zu schnallen ist, hat Houston ein Problem. Schließlich ist Neil Armstrong tot und Buzz Aldrin ein alter Mann. Wer könnte da oben denn sonst ein paar Flaggen zum Flattern bringen? Tim Jackiw, ein australischer Psychonaut mit zwei Jahrzehnten Berufserfahrung im Synthesizer-Schrauben, käme zwar infrage, hat aber auch keinen Bock. Dafür überlässt er uns einen Soundtrack, bei der sich die Mission Control vor Freude auf dem Boden wälzt. Ja, ist denn das die Möglichkeit – zum Mond fliegen, ohne Fantastilliarden in ein Weltraumprogramm zu pulvern, das uns gerade mal mit ein paar flackernden Bildern in der Glotze beglückt? Geht! Meint zumindest Major Tim. Und der kennt sich aus. Schon in den späten 1990er jAhren beamte sich Tim Jackiw mit dem von Jason Martin und ihm gegründeten Offworld Records durch interstellare Räume und produzierte auf analogen Gerätschaften Disketten voller Musik, die das Zeug hatte, diplomatische Beziehungen mit dreiköpfigen Außerirdischen aufzunehmen. Blöd nur, dass sich damals keiner für verträumten Space-Kram mit One-Small-Step-For-Man-Klanglandschaften und Giant-Leap-For-Mankind-Beats aus der Detroiter Schule interessierte. Heute sieht das anders aus. Nach Veröffentlichungen auf Slow Life und Deeptrax Records steigen zuletzt wieder mehr Testballone auf. »Many Moons« ist da nur der erste Teil einer vergessenen Reise. Mal sehen, was passiert, wenn wir unsere Proteinpillen schlucken und den Helm aufsetzen.

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