Music Review | verfasst 29.07.2020
Earl Sweatshirt
Feet Of Clay
Warner, 2020
Text Till Wilhelm
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Redaktion
Cover Earl Sweatshirt - Feet Of Clay

Der Opener »74« symbolisiert schon recht gut, wofür dieses Projekt steht: Über einen rumpelnden Beat, dessen Sounds nicht immer als Instrumente zu erkennen sind, rappt Earl Sweatshirt einen Verse voller Wortspiele und Querverweise. Die Vocals setzen noch vor den Drums ein, die Zeilen, deren Flow vage bleibt, scheinen so aus ihm heraus zu fließen, es wirkt, als müsste er sich etwas von der Seele reden, um nicht daran zu ersticken. »Feet Of Clay« entstand in einer Phase, in der Thebe Kgotsile um seinen Vater trauerte. Wo schon das zuvor erschienene Album »Some Rap Song« Produkt einer mentalen Fragmentierung war, wird hier ein weiteres Bruchstück geliefert. Die EP setzt sich aus Songs zusammen, die nur selten die Marke von zwei Minuten Laufzeit knacken, die Samples sind ebenso obskur wie roh, der Mix ungleichmäßig. Sie fühlt sich beunruhigend an, weil Earl Sweatshirt selbst unruhig war. Ein Blick auf die Features deutet an, wo der 26-Jährige sich musikalisch einordnet. Sein aktueller Sound schwimmt in einer Blase des New Yorker Untergrunds, zu dessen größeren Figuren MIKE, Maxo und Navy Blue gehören. Dort ist er nicht nur Vorbild, sondern gleichzeitig ein ebenbürtiger Partner. »Feet Of Clay« ist demnach nicht nur ein weiterer Schritt in Richtung mentaler Heilung seiner Traumata, sondern auch ein weiteres akustisches Manifest, das gleichzeitig auf großen Plattformen stattfindet und sich diesen widersetzt.

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