Music Review | verfasst 29.07.2020
Earl Sweatshirt
Feet Of Clay
Warner, 2020
Text Till Wilhelm
Deine Bewertung:
7.8
Nutzer (4)
9.1
Redaktion
Cover Earl Sweatshirt - Feet Of Clay

Der Opener »74« symbolisiert schon recht gut, wofür dieses Projekt steht: Über einen rumpelnden Beat, dessen Sounds nicht immer als Instrumente zu erkennen sind, rappt Earl Sweatshirt einen Verse voller Wortspiele und Querverweise. Die Vocals setzen noch vor den Drums ein, die Zeilen, deren Flow vage bleibt, scheinen so aus ihm heraus zu fließen, es wirkt, als müsste er sich etwas von der Seele reden, um nicht daran zu ersticken. »Feet Of Clay« entstand in einer Phase, in der Thebe Kgotsile um seinen Vater trauerte. Wo schon das zuvor erschienene Album »Some Rap Song« Produkt einer mentalen Fragmentierung war, wird hier ein weiteres Bruchstück geliefert. Die EP setzt sich aus Songs zusammen, die nur selten die Marke von zwei Minuten Laufzeit knacken, die Samples sind ebenso obskur wie roh, der Mix ungleichmäßig. Sie fühlt sich beunruhigend an, weil Earl Sweatshirt selbst unruhig war. Ein Blick auf die Features deutet an, wo der 26-Jährige sich musikalisch einordnet. Sein aktueller Sound schwimmt in einer Blase des New Yorker Untergrunds, zu dessen größeren Figuren MIKE, Maxo und Navy Blue gehören. Dort ist er nicht nur Vorbild, sondern gleichzeitig ein ebenbürtiger Partner. »Feet Of Clay« ist demnach nicht nur ein weiterer Schritt in Richtung mentaler Heilung seiner Traumata, sondern auch ein weiteres akustisches Manifest, das gleichzeitig auf großen Plattformen stattfindet und sich diesen widersetzt.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 27.08.2013
Earl Sweatshirt
Doris
Rap-technisch und textlich klingt »Doris« nach einer Großtat. Musikalisch nach Waschmaschine.
Music Review | verfasst 27.03.2015
Earl Sweatshirt
I Don't Like Shit. I Don't Go Outside
Earls zweites Album verleitet nicht zu Lobeshymnen. Sondern dazu, still zu genießen, wie ungenießbar es ist.
Music Review | verfasst 07.01.2019
Earl Sweatshirt
Some Rap Songs
Unkonventionell und abenteuerlich ist »Some Rap Songs«, das neue Album von Earl Sweatshirt, geworden.
Music Review | verfasst 03.04.2007
DJ Vadim
The Soundcatcher
Das fünfte Album des nimmermüden DJ Vadim ist einmal mehr ganz großes Kino.
Music Review | verfasst 02.12.2010
2Mex
My Fanbase Will Destroy You
Zwei Jahre hat er sich für »My Fanbase Will Destroy You« Zeit genommen. Ungewöhnlich lange für 2Mex.
Music Review | verfasst 05.11.2010
7L & Esoteric
1212
Erstmals seit 2006 gibt’s das Gespann 7L & Esoteric wieder auf Albumlänge. Die Ansage: 12 Tracks, die alle als 12inch taugen sollen.
Music Review | verfasst 08.11.2010
Celph Titled & Buckwild
Nineteen Ninety Now
»Nineteen Ninety Now« transportiert den Vibe der 1990er Jahre perfekt in die Jetztzeit.
Music Review
Flock Of Dimes
Head Of Roses
»Head Of Roses«, das zweite Soloalbum von Wye Oak’s Jenn Wasner, beleuchtet weise die Liebe in Zeiten unendlicher Wahlfreiheit.
Music Review
Godspeed You! Black Emperor
G_d’s Pee AT STATE’S END
»G_d’s Pee AT STATE’S END« ist das siebente Album der Kanadier von Godspeed You! Black Emperor und ihr bestes seit langem.
Music Review
Luca Yupanqui
Sounds Of The Unborn
Pränatale Kinderarbeit? »Sounds Of The Unborn« von Luca Yupanqui ist das erste Album einer ungeborenen Künstlerin.
Music Review
Jimi Tenor
Deep Sound Learning (1993-2000)
Bureau B hat unveröffentlichtes Material von Jimi Tenor geborgen und unter dem Titel »Deep Sound Learning (1993-2000)« veröffentlicht.
Music Review
Robbie Basho
The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12
Robbie Basho gilt als Pionier der Steel Guitar. Jetzt wurde das tolle »The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12« wiederveröffentlicht.
Music Review
Rogér Fakhr
Fine Anyway
Mit »Fine Away« hat das Label Habibi Funk Songs des libanesischen Songwriters Rogér Fakhr zusammengestellt und wiederveröffentlicht.
Music Review
S. Fidelity
Fidelity Radio Club
»Fidelity Radio Club« von S.Fidelity ist eine Melange aus Now-School-Rap, House und Funk, die den Produzenten als Schlüsselfigur entdeckt.
Music Review
Various Artists
Belong To The Wind
Ein Mix aus Peyote-Saft am Canapé und Kerzenschein beim Schlager-Open-Air: »Belong To The Wind« versammelt obskuren Psychrock der Siebziger.
Music Review
Tomaga
Intimate Immensity
Tomaga haben jetzt ihr letztes Album veröffentlicht. »Intimate Immensity« ist der Abschluss und der Höhepunkt dieses tollen Londoner Duos.
Music Review
Niko Tzoukmanis
Hope Is The Sister Of Despair
Erstmals 2013 erschienen, ist »Hope Is The Sister Of Despair« von Niko Tzoukmanis jetzt auf Libreville Records wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Robert Cotter
Missing You
»Missing You«, 1976 veröffentlicht und von Robert Cotter mit Musikern von Chic aufgenommen, wurde auf WeWantSounds wiederveröffentlicht.
Music Review
Gary Bartz, Adrian Younge & Ali Shaheed Muhammad
Jazz Is Dead 006
Diesmal haben sich Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad den Saxophonisten Gary Bartz für »Jazz Is Dead« auf die Bühne geholt.
Music Review
Gotham (Talib Kweli & Diamond D)
Gotham
»Gotham« heißt das gemeinsame Werk von Talib Kweli und Diamond D, welches ganz der Stadt New York City gewidmet ist, ohne zu verklären.
Music Review
Roc Marciano
Mt. Marci
»Mt. Marci«, Roc Marcianos Album aus dem letzten Jahr, ist nun endlich auf Vinyl erschienen.
Music Review
Steve O'Sullivan
Green Trax
Eine höchst aufschlussreiche Irrfahrt in die Techno-Historie: »Green Trax« versammelt Perlen des britischen Produzenten Steve O’Sullivan.
Music Review
Selda Bağcan
Selda
Das 1973 entstande Album »Selda« von Selda Bağcan ist eines der schönsten Zeugnisse türkischer Musik. Jetzt wurde es wiederveröffentlicht.
Music Review
Nils Frahm
Graz
Mit fast 12 Jahren Verspätung erscheint nun erstmals das in »Graz« aufgenommene Debütalbum von Nils Frahm.
Music Review
Michel Banabila
Wah-Wah Whispers
Mit »Wah-Wah Whispers« veröffentlicht das Hamburger Label Burea B zwischen 2013 und 2020 entstandene Stücke des Musikers Michel Banabila.
Music Review
Irena & Vojtěch Havlovi
Melodies In The Sand
»Melodies In The Sand« versammelt Stücke aus drei Jahrzehnten des tschechischen Musikerpärchens Irena und Vojtěch Havlovi.
Music Review
Various Artists
Edo Funk Explosion Vol.1
Analog Africa gräbt mit »Edo Funk Explosion Vol.1« den explosiven Sound des nigerianischen Bundesstaats Edo in den 1970er Jahren aus.
Music Review
Moor Mother & billy woods
BRASS
Moor Mother & billy woods… und noch ein gutes Dutzend mehr: Camae Ayewa dominiert »BRASS«, aber alle anderen dürfen auch mitreden.
Music Review
Various Artists
Silk Road Journey Of The Armenian Diaspora (1971-1982)
Darone Sassounian hat sieben Stücke für die Compilation »Silk Road Journey Of The Armenian Diaspora (1971-1982)« zusammengestellt.
Music Review
Ali Farka Touré
Red Album
Das als »Red Album« titulierte Debüt des malischen Gitarristen Ali Farka Touré wurde jetzt bei World Circuit wiederveröffentlicht.
Music Review
Prequel
Love (I Heard You Like Heartbreak)
»Love (I Heard You Like Heartbreak)« ist sieben Jahren nach seiner ersten EP Prequels Debüt-LP auf Rhythm Section International ab.
Music Review
Retrogott & Nepumuk
Metamusik
Der Funk schwebt über den Dingen. Mit »Metamusik« haben Retrogott und Nepumuk ein gemeinsames Album auf Sichtexot veröffentlicht.
Books Review
Christian Elster
Pop-Musik Sammeln
Der Ethnologe und Kulturwissenschaftler Christian Elster hat sich in einer Monographie mit dem »Pop-Musik Sammeln« beschäftigt.
Music Review
El Michels Affair
Yeti Season
El Michels Affair viben sich auf »Yeti Season« mit Stil und Expertise durch die Jahreszeit des Schneemenschen.
Music Review
Irakli
Major Signals
Nach einer Reihe von EPs veröffentlicht der Berliner Produzent und Staub-Mitveranstalter Irakli sein Debütalbum auf »Major Signals«.
Music Review
Electric Jalaba
El Hal (The Feeling)
Die in London lebenden Marokkaner Electric Jalaba sind jetzt bei Strut untergekommen und veröffentlichen dort ihr neues Album »El Hal«.
Music Review
Lazy Jones & Hazenberg
Unter Einem Berg
»Unter einem Berg« von Lazy Jones & Hazenberg klingt so vertraut, dass sie geeignet für das ständige Tippen der Wiederholungstaste ist.
Music Review
Lana Del Rey
Chemtrails Over The Country Club
Mit »Chemtrails Over The Country Club« spinnt Lana Del Rey ihr große Kapitalismus-Cinema-Popkunst weiter.
Music Review
Gianni Brezzo
The Awakening
Unter dem Alias Gianni Brezzo veröffentlicht der Kölner Marvin Horsch mit »The Awakening« ein Album auf Jakarta Records.
Music Review
Nico Mecca
Floppy Computer
Irgendwo zwischen Kraftwerks Autobahn und Mort Garsons Gewächshaus: Periodica Records veröffentlicht »Floppy Computer« von Nico Mecca.
Books Review
Marie Staggat & Timo Stein
HUSH - Berlin Club Culture In A Time Of Silence
Fotografin Marie Staggat und Autor Timo Stein halten in »HUSH« den andauernden Ausnahmezustand in Bild und Wort fest.
Music Review
Panoptique
How Did You Find Me?
Diese Musik schreit nach Kontakt: Panoptique haben ihr neues Album »How Did You Find Me?« bei Macadam Mambo veröffentlicht.
Music Review
Reymour
Leviosa
Abwechslungsreiches Debüt: Das Schweizer Synthpop-Duo Reymour veröffentlichen mit »Leviosa« auf Knekelhuis ihr erstes Album.
Music Review
Grandbrothers
All the Unknown
Mit »All The Unknown« erweitern die Grandbrothers ihre Klangpalette. Es gelingt ihnen dennoch ein in sich kohärentes Album.
Music Review
Gabrielle Roth & The Mirrors
Selected Works (1985-2005)
»Selected Works (1985-2005)« versammelte elf Stücke der amerikanischen Tänzerin und Schamanistin Gabrielle Roth auf einer Schallplatte.
Music Review
Sarah Davachi
All My Circles Run
Mit »All My Circles Run« kehrte Sarah Davachi erstmals dem Synthesizer den Rücken zu. Jetzt hat die Komponistin die LP neu veröffentlicht.
Music Review
Maulawi
Maulawi
1973 aufgenommen, niemals veröffentlicht: Nun ist erstmals »Maulawi« von Maulawi Nururdin veröffentlicht worden.
Music Review
Nadia Struiwigh
Oooso
Die Niederländerin Nadia Struiwigh hat mit »Oooso« vier neue Tracks auf Nous’klaer Audio veröffentlicht. Und das mit einigem Gewinn.