Music Review | verfasst 04.11.2011
Mark McGuire
Get Lost
Editions Mego, 2011
Text Sebastian Hinz , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
8.5
Nutzer (2)
9.0
Redaktion
Cover Mark McGuire - Get Lost

Und was machen die Götter? Sie machen und machen weiter und weiter. Im Falle von Mark McGuire müsste es heißen: Sie loopen und schichten und loopen und schichten. Seit vier, fünf Jahren bringt Mark McGuire in stiller Regelmäßigkeit Musik raus, auf CD-r und Kassetten zunächst, mit seiner Band Emeralds und auch solo, insgesamt wohl mehr als 30 Releases (wer zählt da noch mit?). Sein offizielles Debüt Living With Yourself erschien im letzten Jahr bei Editions Mego, gefolgt von der zweieinhalbstündigen Werkschau A Young Person’s Guide To Mark McGuire. Beide Veröffentlichungen zeigen einen jungen Musiker mit einer eigenständigen Ausdrucksform, der mal die Gitarren, mal die Synthesizer, mal beides kreisen lässt und mit dieser Technik Stück für Stück intensive Gefühlspanoramen erschafft. Von diesem Konzept rückt der Musiker aus Cleveland, Ohio auch auf Get Lost nicht ab. Aber inhaltlich hat sich etwas verändert: Wo Living With Yourself noch eine introvertierte, quasi-nostalgische Auseinandersetzung mit der Kindheit und Jugend war, ist Get Lost von einer die Welt bejahenden Offenheit geprägt. War Living With Yourself eine Erinnerung, ist Get Lost ein heilsamer, optimistischer Blick in die Zukunft. Das 41-minütige Album ist im Prinzip in zwei Hälften geteilt (auf Vinyl auch physisch als A- und B-Seite getrennt). Im Zentrum des ersten, aus fünf Tracks bestehenden Abschnittes, steht der Track Alma, dessen Melodie in der Folge als Alma (Reprise) wiederaufgenommen wird und in dem die Zeile »It must resolve,/ we try and evolve« als überhaupt erster Beleg für Gesang bei McGuire gelten darf. Diese Hälfte ist geprägt von der Gitarre, die Tracks wirken in Länge und Arrangement schon fast song- und weniger skizzenhaft. Man höre nur den Titeltrack und staune dann. Die andere Hälfte bildet das mehr durch synthetisierte Klänge bestimmte, abschließende Firefly Constellations, eine 20-minütige Meditation, ein Spaziergang in den Tag hinein, warm, funkenschlagend, klug. It’s a new dawn, it’s a new day. Diese schöne neue Welt ist riesig und Get Lost ein weiteres Argument für den Verbleib im Olymp.

Das Album Get Lost von Mark McGuire findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 20.06.2011
Mark McGuire
A Young Person's Guide To
Der 24-jährig Mark McGuire, Gitarrist der Emeralds, legt seine erste abendfüllende Werkschau vor.
Music Review | verfasst 14.07.2017
Mark McGuire
Ideas Of Beginning
Sechs lange Jahre konnte Mark McGuire sein Können nicht auf den Punkt bringen. »Ideas Of Beginning« ist daher eine Überraschung.
Music Review | verfasst 03.01.2013
Emeralds
Just To Feel Anything
Die Emeralds sind immer noch ein wenig anstrengend. Nur nicht mehr ganz so wie früher. Dafür bietet das Trio auch träumerische Momente.
Music Review | verfasst 12.07.2011
Mist
House
Weitere Neuigkeiten aus dem Universum der Emeralds. Nach Mark McGuire zeigt nun auch John Elliott sein Können abseits seiner Band.
Music Review | verfasst 20.02.2014
Mark McGuire
Along The Way
Mark McGuire hat sich für »Along The Way«, sein Debüt für Dead Oceans, viel vorgenommen. Ein wenig zu viel, wenn man den Rezensenten fragt.
Music Review | verfasst 20.12.2010
Mark Fell
UL8
Mark Fell hat für UL8 die Monitorbox namens Celestion UL8 als Quelle der Inspiration gewählt.
Music Review | verfasst 16.06.2011
Bruce Gilbert
This Way to The Shivering man
Bruce Gilbert schuf in der Verbindung von Experiment, Arrangement, Rhythmus und Popappeal ein musikalisches Zeugnis der Achtziger.
Music Review | verfasst 12.08.2011
Mika Vainio
Life (... It Eats You Up)
Wildes Gitarren-Geschrammel, verstaubte Industrial Beats, ein paar Filterschreie füllen die übrigen neun Titel sehr beliebig.
Music Review | verfasst 14.09.2011
Philipp Quehenberger
UffUff
Der Österreicher Philipp Quehenberger meldet sich mit einem neuen Stück zurück. Daneben gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten.
Music Review | verfasst 30.09.2011
Bill Orcutt
How The Thing Sings
Bill Orcutt hat wieder seine ramponierte Gitarre vom Dachboden geholt und arbeitet an einer Variante von postmodernem Blues.
Music Review
Hareton Salvanini
Xavana, Uma Ilha Do Amor
Mad About legt den Soundtrack zu »Xavana, Uma Ilha Do Amor« des brasilianischen Komponisten Hareton Salvanini neu auf.
Music Review
Osees
Protean Threat
»Protean Threat« von Osees (auch bekannt als Thee Oh Sees) ist eine Platte für Leute, die sich noch Nietengürtel um die Hose schnallen.
Music Review
Anna von Hausswolff
All Toughts Fly
Wolkengebirge bis in den Kosmos, Höllenkreise ohne Auswege: Anna von Hauswolffs viertes Album »All Thoughts Fly« ist erschienen.
Music Review
Satoshi & Makoto
CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2
Klingt wie ausgedacht? Vielleicht. Vor allem aber ist Satoshi & Makotos zweites Album »CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2« wunderbar nerdig.
Music Review
Arca
&&&&&
Start des Postgenres: Arcas »&&&&&« war Prototyp für die Generation Deconstructed Clubmusic.
Music Review
Suso Sáiz & Suzanne Kraft
Between No Things
Auf dem Album »Between No Things« haben sich die Musiker Suso Sáiz und Suzanne Kraft für neun Meditationen zusammengetan.
Music Review
Drew McDowall
Agalma
Unwirkliche Räume modulierter Schönheit: Coils Drew McDowall veröffentlicht mit »Algama« einen neues Album.
Music Review
Nicolas Jaar
Cenizas
Mit »Cenizas« baut Nicolas Jaar weiter an seinem Bild vom großen Komponisten unter den Laptopmusikern.
Music Review
Little Brother
May The Lord Watch
»May the Lord Watch«, das Comeback-Album von Little Brother ist absolut nicht zeitgemäß, aber davon völlig unbekümmert.
Music Review
The Heliocentrics
Telemetric Sounds
»Telemetric Sounds«, das zweite Album von The Heliocentrics binnen eines Jahres ist dunkler, wütender, getriebener und dreckiger.
Music Review
Fabiano Do Nascimento
Preludio
»Preludio«, das dritte Album des jungen Gitarristen Fabiano Do Nascimento ist eine sehr sexy spartanische Angelegenheit.
Music Review
Acid Pauli
MOD
Mit Synthesizern fordert Martin Gretschmann unter seinem Acid-Pauli-Alias auf »MOD« weniger zum Tanzen als zum Lauschen auf.
Music Review
Helge Schneider
Mama
»Mama« heißt das neue Album von Helge Schneider und es ist liefert gewohnt unfehlbare musikalische Ergüsse.
Music Review
Admas
Sons Of Ethiopia
Alles löst sich in schönster Schwermut auf: Zur Reissue des äthiopischen Synthesizer-Schatzes »Sons Of Ethiopia« von Admas von 1983.
Music Review
Kairon; IRSE!
Polysomn
Seit ihren ersten Releases gelten Kairon; IRSE! als Shoegaze-Sensation. Nun haben die Finnen mit »Polysomn« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Lucrecia Dalt
No Era Sólida
Mit »No Era Sólida« reißt die Kolumbianerin Lucrecia Dalt sämtliche Grenzen ein. Es kommen unerforschte Gebiete zum Vorschein.
Music Review
Bad Stream
Sonic Healing
Auf seinem neuen Album »Sonic Healing« verarbeitet Frittenbuden-Gitarrist Martin Steer den Schlaganfall seiner Mutter musikalisch.
Music Review
The Weeknd
After Hours
The Weeknds bekanntes Narrativ aus Hedonismus, Depression, Drogen verwickeln sich auf »After Hours« in nicht neuen, aber süßen R&B-Fäden.
Music Review
Dukes Of Chutney
Hazel
Mit wirklich gutem Dream-Pop haben Dukes Of Chutney mit ihrem Album »Hazel« jüngst auf Beats In Space debütiert.
Music Review
Larry Heard
Sceneries Not Songs Vol.1
Mit »Sceneries Not Songs Vol.1« wird Larry Heards erstes Album unter Klarnamen aus dem Jahre 1994 veröffentlicht.
Music Review
Disclosure
Energy
2013 haben Disclosure, so heißt es, House gerettet. Mit ihrem neuen Album »Energy« schließen sie ihn wieder an die Beatmungsmaschine an.
Music Review
Various Artists
Borta På Vinden (Swedish Rock Funk & Youth Center Disco 1976-1982)
»Borta På Vinden«Mika Snickars und Kool DJ Dust veröffentlichen die Compilation »Borta På Vinden« mit schwedischer Disco-Musik.
Music Review
Linda »Babe« Majika
Don't Treat Me So Bad
»Don’t Treat Me So Bad«, das erstmals 1988 veröffentlicht Debütalbum von Linda »Babe« Majika, wurde jetzt bei Be With wiederveröffentlicht.
Music Review
Harmonious Thelonious
Plong
Der Düsseldorfer Harmonious Thelonious veröffentlicht mit »Plong« ein neues Album, das erste für Bureau B.
Music Review
Vladimir Dubyshkin
Pornographic Novel
Musik, die etwas heraufbeschwört, was gerade nicht ist: zum Rave von Vladimir Dubyshkin auf »Pornographic Novel«.
Music Review
Jonathan Fitoussi
Plein Soleil
»«Mit »Plein Soleil« erweist sich Jonathan Fitoussi als würdiger Erbe von Pionieren wie Alan Parsons, Vangelis oder auch Jean-Michel Jarre.
Music Review
Angel Olsen
Whole New Mess
Mut zur Lücke: Die amerikanische Songwriterin Angel Olsen interpretiert »Whole New Mess« ihr eigenes Material nur mit Akustikgitarre neu.
Music Review
The Meridian Brothers
Cumbia Siglo XXI
Die Meridian Brothers arbeiten sich erneut an Kolumbiens Hauptexport ab. »Cumbia Siglo XXI« wird von Lo-Fi-Charme und DIY-Spirit getragen.
Music Review
Fuzzy Duck
Fuzzy Duck
Be With veröffentlicht das selbstbetitelte, einzige Album der britischen Progressive-Rocker Fuzzy Duck aus dem Jahr 1971 neu.
Music Review
Kelly Lee Owens
Inner Song
Nach den drei härtesten Jahren in ihrem Leben veröffentlicht Kelly Lee Owens mit »Inner Song« ihr zweites Album. Es ist großartig.
Music Review
George Clanton & Nick Hexum
George Clanton & Nick Hexum
Chefvapourist George Clanton und dessen geistiger Vater Nick Hexum haben eine gemeinsame Platte gemacht. Was dabei wohl herausgekommen ist?
Music Review
The Microphones
Microphones in 2020
Nach 17 Jahren meldet sich Phil Elverum mit seinem Projekt The Microphones zurück. Wie klingen »Microphones in 2020«?
Music Review
Adrian Younge, Ali Shaheed Muhammad & Marcos Valle
Jazz Is Dead 3
Auf »Jazz Is Dead 3« haben Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad diesmal Marcos Valle zu Gast.
Music Review
Arşivplak
Mirror. Turkish Disco Folk
Arşivplak? Wer das ist, weiß niemand. Sicher ist: Die neue Edit-Sammlung »Mirror« widmet sich türkischer Musik der Siebziger und Achtziger.
Music Review
Bright Eyes
Down in the Weeds, Where the World Once Was
»Down in the Weeds, Where the World Once Was«, ein Titel zur Zeit? Nein, das neue Bright-Eyes-Album steckt in der Vergangenheit fest.
Music Review
Sault
Untitled (Black Is)
Musik hat die Kraft zur Veränderung. Man hätte es fast vergessen können. Doch dann kamen Sault und mit ihnen »Untitled (Black Is)«.
Music Review
Takako Mamiya
Love Trip
Das einzige Album der japanischen Sängerin Takako Mamiya, »Love Trip« von 1982, wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Ennio Morricone
Nuovo Cinema Paradiso
Im Juli ist Ennio Morricone gestorben. Nun häufen sich die Releases. Eine ist der Soundtrack zu Giuseppe Tornatores »Nuovo Cinema Paradiso«.
Music Review
Electric Wizard
Dopethrone
»Dopethrone«, das Highlight der zugedröhnten britischen Doomrocker von Electri Wizard, wurde jetzt auf Schallplatte wiederveröffentlicht.
Music Review
DJn4
Tales Of Z
Wer hätte gedacht, dass Walter Moers einst als Inspirationsquelle für Freiform-Clubmusik dienen würde? Über »Talez Of Z« von DJn4.
Music Review
Protomartyr
Ultimate Success Today
Protomartyrs »Ultimate Success Today« ist musikalisch wie lyrisch hundertprozentig zeitgeistiger Sound zum Aufbegehren.