Music Review | verfasst 08.08.2014
Has-Lo & Castle
Live Like You're Dead
Mello Music Group , 2014
Text Fionn Birr
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.5
Redaktion
Cover Has-Lo & Castle  - Live Like You're Dead

Die Hiphop-Geschichtsschreibung hat es zig Mal bewiesen: Es gibt eine Handvoll unvergänglicher Formeln, die entgegen jeder Zeitrechnung und Modeerscheinung zuverlässig funktionieren. 9th Wonder wusste das, Kanye West weiß das und die Mello Music Group-Brüder Has-Lo und Castle wissen es auch. Folgerichtig speist sich ihr Kollabo-Album »Live Like You’re Dead« aus einem Haufen Oldschool-Zitaten, entspannten Funk-Loops und der Rückbesinnung auf die vergangenen Epochen zwischen 1988 und 1998. Die Zukunft des Rap mag in den Projektordnern anderer Musikschaffenden lauern, Gasface CSTL und der Philly-MC Has haben mit ihren Raps und Beats ohnehin ungleiche Absichten – und dafür jede Menge Spaß. Statt der Aussichtslosigkeit eines Chart-Erfolgs mit so einer Retro-Angelegenheit hinterherzuhecheln, machen sie es sich in der Comfort Zone der Golden Era bequem und geben die verkannten Genies (»The Uncomfortable Truth About Stardom«, »My Uncle«), huldigen in bester Sir-Mix-A-Lot-Tradition den gebärfreudigen Becken des weiblichen Geschlechts (»The Big Ol’ Ass«) oder vergackeiern Gangster-Rap-Phrasen mittels schwachköpfigen Freestyle-Einlagen (»Hennessey-Yak-Rap«). Die Schublade des krampfigen Comedy-Raps bleibt jedoch geschlossen, denn zwischen all den Humor-Hymnen bleibt auch Zeit für Malcom X-Zitate und die Reflexion über die eigenen Laster (»Stubborn Vice«). »Das machte das Album menschlicher«, kommentierte Has kürzlich in einem Interview. »Live Like You’re Dead« lebt so vor allem von der intimen Atmosphäre aus albernen Insiderwitzen, Selbstironie und dem Gefühl, es hier mit zwei Menschen zu tun haben, die einfach gerne Rap-Musik machen und hören. Word to Smudo, denn das war ja schon 1991 nicht verkehrt.

Das Album »Live Like You’re Dead« von Castle und Has-Lo findest du bei hhv.de auf CD
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 15.04.2011
Has-Lo
In Case I Don't Make It
Has-Lo beweist auf seinem Debüt, dass er in der Lage ist, musikalische Bilder zu zeichnen, die sich im Kopf des Hörers festsetzen.
Music Porträt | verfasst 22.08.2013
Castle
Das Kind im Rapper
Mit North Carolina assoziiert man nach wie vor Little Brother. Zehn Jahre nach deren Backpack-Inferno zeigt nun Castle, dass im »Tar Heel State« immer noch mehr als Billo-Synths und Styroporbecher zwischen Kick und Snare platziert werden.
Music Review | verfasst 25.03.2011
Apollo Brown
Clouds
Ganz in der Tradition von alter HipHop-beat-Tapes steht auch Apollo Browns neuester Streich.
Music Review | verfasst 22.05.2011
Oddisee
Odd Seasons
Oddisee führt uns auf 31 erfindungsreichen und einzigartigen Produktionen durch die vier Jahreszeiten.
Music Review | verfasst 18.09.2011
Oddisee
Rock Creek Park
Rock Creek Park ist ein nostalgischer Soundtrack des Sommers und eine Ode an den gleichnamigen Park in Washington, D.C.
Music Review | verfasst 18.10.2011
Hassaan Mackey & Apollo Brown
Daily Bread
Apollo Brown schließt sich mit dem Rapper Hassaan Mackey zusammen. Wer souligen Hip Hop mag, wird hier auf seine Kosten kommen.
Music Review
Spellling
The Turning Wheel
Ihre Songs sind Gebilde, die allerlei wunderliche Triebe sprießen lassen. Spellling legt mit »The Turning Wheel« ein neues Album vor.
Music Review
Miša Blam
Miša Blam I Oni Koji Vole Funky
Mit »Miša Blam I Oni Koji Vole Funky« geht das Label Discom weiter seinen Weg, »unbekannte Musik aus dem ehemaligen Jugoslawien« aufzulegen.
Music Review
Various Artists
No Photos On The Dancefloor! Vol.1
Die Compilation zur Ausstellung »No Photos On The Dancefloor!« zeigt, zwischen 1992 und 2006 war Techno in Berlin vielseitiger als gedacht.
Music Review
Flamingo Pier
Flamingo Pier LP
Zeit für gute Laune: das neuseeländische Dreigespann Flamingo Pier legt auf Soundway sein Debütalbum vor.
Music Review
Loveshadow
Loveshadow
Das bei Music From Memory veröffentlichte Debüt des kalifornischen Duos Loveshadow ist ein Album zum Liebemachen am Strand.
Music Review
Loscil
Clara
Wie der Blick in den nächtlichen Sternenhimmel: der kanadische Musiker Loscil hat mit »Clara« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Mind Maintenance
Mind Maintenance
Joshua Abrams und Chad Taylor nehmen Gimbri und Mbira zur Hand und üben sich als Mind Maintenance in Gelassenheit.
Music Review
Mad Voice
Drogen / Ohne Liebe Leben
Wiener Brut veröffentlicht die 1982er Single »Drogen / Ohne Liebe Leben« von Mad Voice neu. Da dreht sich der goldene Reiter im Kreis.
Music Review
Resilient Vessels
Live At The Cell
Vier Musiker haben sich im letzten Jahr zusammengetan um als Resilient Vessels mit »Live At The Cell« ein fulminantes Jazzalbum aufzunehmen.
Music Review
Michal Turtle & Suso Saiz
Static Journey
Schlagzeuger Michal Turtle und Gitarrist Suso Saiz haben sich für eine innere Reise und das Album »Static Journey« zusammengefunden.
Music Review
Hailu Mergia & The Walias Band
Tezeta
»Tezeta«, das ursprünglich 1975 nur auf Kassette erschienene erste Album von Hailu Mergia, ist nun bei wiederveröfffentlicht worden.
Music Review
Mndsgn
Rare Pleasure
Mit »Rare Pleasure« beendet Mndsgn seine Verwandlung vom Beatmaker zum Songwriter. Schmusiger RnB zwar, aber inhaltlich komplex.
Music Review
Guilherme Lamounier
Guilherme Lamounier (1973)
Das zweite Album von Guilherme Lamounier, ein Meisterwerk des brasilianischen Psychedelic-Folk, wurde bei Mad About wiederveröffentlicht.
Music Review
Skee Mask
Pool
Im diffusen Genrebrei zwischen IDM, Techno und Dub klingt niemand wie Skee Mask. Sein neues Album »Pool« unterstreicht die Ausnahmestellung.
Music Review
Renata Lú
Renata Lú
Renata Lú ist eine der unbekannten Stimmen Brasilien. Ihr selbstbetiteltes Debüt aus dem Jahr 1971 wurde bei Mad About wiederveröffentlicht.
Music Review
Pan Daijing
Jade
Kurze Meditationen über die Qual: Pan Daijing aus Shanghai legt mit »Jade« ihr zweites Album vor.
Music Review
The Frank Derrick Total Experience
You Betcha!
»You Betcha!«? Noch nie gehört? Solltest du aber! Das Album The Frank Derrick Total Experience gilt unter Jazz-Heads zurecht als Klassiker.
Music Review
Les Filles De Illighadad
At Pioneer Works
Musik aus Niger, eingespielt in New York: »At Pioneer Works« ist das erste Album der Filles de Illighadad seit langem.
Music Review
Panta Rex
Lefty
Panta Rex meldet sich mit der EP »Lefty« auf Noorden zurück, der Name ist Programm: Dem Dancefloor wird sich von dessen Außenrand genähert.
Music Review
Sons Of Kemet
Black To The Future
Sons Of Kemet haben mit »Black To The Future« einen weiteren Fingerzeig dahingehend veröffentlicht, was Afro-Jazz heute bedeutet.
Music Review
José Mauro
A Viagem Das Horas
José Mauro lebt! Wusste auch niemand, als sein Debütalbum neu aufgelegt wurde. Nun folgt das Reissue von »A Viagem Das Horas« auf Far Out.
Music Review
Various Artists
Extra Muros: Italy
Die Kollaborations-Compilation »Extra Muros: Italy« brachte fünf Musiker*innen – Benoit B Dena, Dona, Eva Geist und Jolly Mare – zusammen.
Music Review
Bruxas
Muscle Memory
Jacco Gardner und Nic Mauskovic sind Bruxas, »Muscle Memory« ist das Debüt des Psych-Disco-Projekts und sowieso die Platte des Sommers.
Music Review
Mustafa
When Smoke Rises
Jamie xx, Sampha, James Blake und Drake als Feature-Gäste? Nur auf Mustafas »When Smoke Rises«, einem eindringlich-erzählerischen Album.
Music Review
Sandra Sa
Vale Tudo
Brasilianischer Boogie Funk bleibt entwaffnend und Sandra Sas 1983 veröffentlichtes Album »Vale Tudo« eines seiner Meisterwerke.
Music Review
Drab Majesty
Unknown To The I
»Unknown to the I« bietet den idealen Einstieg in das Universum des Duos Drab Majesty: Verträumter New Wave in drei Stücken.
Music Review
Fly Pan Am
Frontera
»Frontera« von Fly Pan Am ist in dramaturgischer Hinsicht vorhersehbar aufgebaut und doch das beste Album der Constellation-Band überhaupt.
Music Review
Mdou Moctar
Afrique Victime
Mdou Moctars Domino-Debüt »Afrique Victime« ist gleichzeitig von Eddie van Halen und Neokolonialismus inspiriert. Und unerhört eindringlich.
Music Review
Arovane
Atol Scrap
22 Jahre hat es gedauert, bis mit »Atol Scrap« von Arovane eine der besten deutschen Electronica-LPs der 1990er auf Vinyl erscheint.
Music Review
Massimiliano Pagliara
Connection Lost Pt.3
Der dritte Teil von Massimiliano Pagliaras »Connection Lost«-Serie ist wieder einmal überragend ausgefallen, bleibt aber ambivalent.
Music Review
McKinley Dixon
For My Mama And Anyone Who Look Like Her
McKinley Dixon kann kein unbeschwertes Leben führen, drüber rappen aber allemal. »For My Mama And Anyone Who Look Like Her« bietet einiges.
Music Review
Alessandro Cortini
Scuro Chiaro
Alessandro Cortini dreht auf »Scuro Chiaro« den Gefühlsregler gewohnt hoch. Es ist aber auch eines seiner abwechslungsreichsten Alben.
Music Review
Various Artists
GOST: A Spiritual Exploration Into Greek Soundtracks (1975-1989)
Die auf Into The Light erschienene Compilation »GOST« versammelt wundersame Filmmusik aus Griechenland.
Music Review
P!OFF?
P!OFF?
Von ihrem Debüt verkauften P!OFF? im Jahr 1982 gerade einmal 600 Exemplare. Zum Glück hat Bureau B die Platte wieder aufgelegt!
Music Review
Umwelt
Fear On The Dark Planet
Umwelt ist immer Underground geblieben. Seine EP »Fear On The Dark Planet« für Midnight Shift ist hoffnungsvoller als ihr Titel verspricht.
Music Review
Trees Speak
PostHuman
Brauchen wir noch Neuauflagen vergangener Epochen? Wenn sie so einnehmend klingen wie auf Trees Speaks »PostHuman«: gerne doch.
Music Review
Jayda G
DJ-Kicks
Erst die Tunes, dann die Vibes, am Ende der Cooldown: Die DJ-Kicks-Ausgabe von Jayda G ist konventionell aufgebaut und steckt voller Perlen.
Music Review
St. Vincent
Daddy's Home
Die Vorab-Singles zu St. Vincents mittlerweile sechstem Album »Daddy’s Home« waren verwirrend, das Album als Ganzes ist es aber keineswegs.
Music Review
Sun Ra
Lanquidity
Die als umfassendes Reissue erhältliche »Lanquidity« könnte Sun Ras beste LP sein, hätte er nicht so viele andere Meisterwerke hingelegt.
Music Review
Roland P. Young
Hearsay I-Land
Mitte der 1980er legte sich der Jazzmusiker Roland P. Young eine neue Identität als Popper zu, die auf »Hearsay I-Land« dokumentiert wird.
Music Review
The Master Musicians Of Joujouka
Live In Paris
»Live In Paris« wurde 2016 aufgenommen und erscheint ein halbes Jahrhundert, nachdem die Welt den Master Musicians of Joujouka anheim fiel.