Review

Dustin Wong & Takako Minekawa

Savage Imagination

Thrill Jockey • 2014

Ein Großteil der Alben, die einem so im Laufe des eigenen Werdegangs im Musikjournalismus erreichen und für sich beanspruchen, experimentell, ja vielleicht sogar avantgardistisch zu sein, ist Mist. Wichtig dabei: Es gibt Leute, die können sowas offen zugeben, auf die jene Leute dann herabschauen, die das nicht offen zugeben können. (Bis heute soll es ja Menschen geben, die nicht verstehen, dass ein gutgemachter Popsong vielleicht sogar das schwerere Stück ist, weil eben zahllose Songschreiber schon jede Phrase tausendmal abgegriffen und jeder Dur-Melodie den Sonnenschein eingepflanzt haben.) Wenn sich nun Dustin Wong und Takako Minekawa in ihre gemeinsamen Wohnungen setzen, um dort Musik zu machen, dann wird es viele Leute geben, die glauben, dass dieses Album ganz weit vorne ist. Ist es aber nicht. Denn die zweite Kollaboration der beiden Musiker »Savage Imagination« ist tatsächlich mehr ein Spiel, ein Ausloten von Sounds. Was Wong und Minekawa aber können, ist dazwischen noch Melodien zu finden, die funktionieren. »Ancient Aluminium Forest« zerlegt jede Struktur, dreht sich im Kreis und bleibt doch irgendwie hängen. Das passiert beim dreiteiligen »Dimension Dive« nicht. Da sägen die beiden Musiker nur an Konventionen und Hörgewohnheiten, aber das ist einfach nichts, was spannend wäre. Es fehlt letztendlich an Atmosphäre, an einem Gefühl und sei es nur das der Unsicherheit, um dieses Album zu packen, um in dem Sound zu verschwinden, dabei ist »Savage Imagination« nicht einmal sonderlich verkopft. SurfRock-Anleihen von der Band Ponytail, bei der Wong mitspielt, sind noch vorhanden wie in »Dioramasaurus«. Trotzdem fehlt einfach was, das bleibt, das begeistert, obwohl das hier kein Mist ist. Nur eben auch nicht wirklich angenehm zu hören.