Review

Action Bronson

Mr. Wonderful

Atlantic • 2015

Gastauftritt bei David Letterman eine eigene Web-TV-Show mit Millionen Views, zwei Welttourneen und nun das Majoralbum »Mr. Wonderful«: Action Bronson hat es binnen fünf Jahren vom Gelegenheitsrapper zum Superstar geschafft, der auch abseits des Rapkontextes bestens funktioniert. Wie kein Zweiter kombiniert er dabei Authentizität mit Entertainerqualitäten und Just-Don’t-Give-A-Fuck-Attitüde und dieser Erfolgsformel bleibt er glücklicherweise auch auf dem Langspieldebüt für Atlantic/Vice treu. »I got a brand new car/I got a jazz guitar« trällert uns Bronsolini im von Mark Ronson produzierten Opener entgegen. Über klassische Bronson-Cuts von vertrauten Beatlieferanten und geisteskranken Absurditäten vom ewigen Sidekick Big Body Bes geht es weiter zu den ersten Juwelen »Terry« und »Actin Crazy«, die bereits im Vorfeld aufs Album einstimmten und definitiv herausstechen. Vor allem auf letzterem liefert Drakes Hausproduzent Noah »40« Shebib auf einer seiner seltenen Fremdproduktionen mit rückwärts geflipptem Sample erstklassig ab. Soweit, so klassisch, denn das groteske Interlude »Thug Love Story 2017 The Musical« stimmt auf den musikalischeren Mittelteil des Albums ein, bei dem Action es sich nicht nehmen lässt, einfach mal einen kompletten Song zu singen. Das klingt schräg und wird Fans der ersten Stunde irritieren, aber der Freigeist lässt sich in kein Korsett stecken (no pun) und pfeift auf Normen und Regeln. Weiter zu »Baby Blue«, dem offenkundigen Hit der Platte mit Schunkelappeal und idealer Unterstützung von Chance The Rapper. Producer Oh No verwurstet dann raren deutschen NDW-Rock auf »Only in America« als perfekten Vorboten zum krönenden Albumabschluss »Easy Rider«, das trotz der frühen Auskopplung im Sommer 2014 nichts von seiner Magie verloren hat. So kommt diese kurzweilige Achterbahnfahrt an verschroben witzigen Lines, bunter Instrumentierung und unsinnigen Einfällen nach knapp 50 Minuten zum Ende und man fühlt sich bestens unterhalten. Action Bronson überlässt die tiefgründigen Messages den Kendricks und J. Coles dieser Welt, dieses Naturtalent will entertainen und das ist ihm auf exzellente Art und Weise gelungen!