Music Review | verfasst 22.07.2015
Jessy Lanza, DJ Spinn & Taso
You Never Show Your Love EP
Hyperdub, 2015
Text Peter Gebert
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Redaktion
Cover Jessy Lanza, DJ Spinn & Taso - You Never Show Your Love EP

Footwork kann ja so einiges, aber sexy steht nicht weit oben auf der Liste. Also auch nicht: warm und verführerisch. Von daher musste man nach der Pause, die Jessy Lanza nach ihrem unwiderstehlichen Konsens-Album »Pull My Hair Back« eingeschoben hat, nicht mit der Wendung rechnen, dass sie ihren kongenialen Koproduzenten Jeremy Greenspan auf ihrem nächsten Lebenszeichen durch ein Teklife-Gespann ersetzt. Aber so kommt das, wenn man Teil derselben Label-Familie Hyperdub ist. Wozu hat man die sonst. Nun lassen DJ Spinn und Taso in keinem Moment Zweifel daran aufkommen, dass »You Never Show Your Love« eine Ballade ist. Ihr federleichtes Gerüst deutet Juke nur an, lässt von den Beats quasi nur noch den Schaum übrig. Stattdessen wölben sie Nachtlicht über die leeren Straßen, auf denen am Ende Gitarre und Keys, jede auf ihrer Seite, einsam in die gleiche Richtung nach Hause gehen, zusammen und doch getrennt. Und dann, am Ende der Instrumentalversion und ihrer erschütternder Ausgeleertheit: getrennt und doch zusammen. Wohin die Reise mit DJ Rashad noch hätte gehen können, zeigt der nicht weniger punktgenaue Teklife-Mix, in dem er mit DJ Spinn aus der Ballade eine wahre »Bailade« schmiedet: eine Verwandlung, die man ihr nicht zugetraut hätte. Auch diese Version lässt die Battlegrounds hinter sich, stattdessen feiert hier ein Jungle-artiges Fieber seine Wiederauferstehung auf dem Dancefloor, getrieben vom rasenden Puls genau jener klassischen Sorte Synths, deren gleißendem Schein auch Mark Fell verfallen ist. Apropos Mark Fell: Was wirklich im Gedächtnis bleibt, ist das zugehörige Video mit den Skydancern. Wo jene bei Mark Fell das Clubgewitter spiegeln, geben sie hier, genauso fußlos und tongue-in-cheek, die Schatten luftiger Coolness einer jungen Dame, vor der man sich in Acht nehmen muss, deren Verletzlichkeit vielleicht vergiftet ist, vor allem aber: in der womöglich der Star schlummert, den ihr offen aber sparsam angedeuteter Glamour inszeniert. Wie kommen wir da wieder runter? Mit dem zuvor auf der Hyperdub-Jubiläumscompilation erschienenen »Fuck Diamond«-Remix des Pariser 50Weapons-Außenpostens Bambounou, als halbschattiger Percussion-Workout genau die Sorte Track, die man gerne auf Vinyl in andere hineindreht.

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