Music Review | verfasst 09.12.2016
Jessy Lanza
Oh No No No
Hyperdub, 2016
Text Kristoffer Cornils
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8.5
Redaktion
Cover Jessy Lanza - Oh No No No

Als Jessy Lanza im Jahr 2013 mit ihrem Album »Pull My Hair Back« debütierte, stand die passende Schublade sperrangelweit offen. Das Label Future R’n’B wurde auf alle Frauen draufgestickert, die inhaltlich mit sexuellen Ambiguitäten zwischen Sado- und Masochismus kokettierten und überdies noch Erinnerungen an andere Zeiten mit frischem Sound übertünchten. Bei Jessy Lanza waren das einerseits abgespeckte DIsco-Grooves und andererseits ein überraschender Hang zum kräftig-knackigen Footwork-Sound. Zwei Jahre später war von Future R’n’B keine Rede mehr und Lanza fand sich endlich mit DJ Spinn und Taso von der Chicagoer Teklife-Crew zusammen, um eine der tollsten Hyperballaden 2015 zu schreiben. Eben die beiden machen sich auch an einen Remix von »Could B U« von Lanzas Zweitwerk »Oh No«, mit dem sie sich Mitte 2016 als einmalige Zweideutige etablierte. Spinn und Taso basteln eine – für ihre Verhältnisse – gemäßigte Neuinterpretation des Originals mit viel Raum für Leerstellen und Akzenten auf den Harmonien des Tracks, die unter ihren Händen die knochentrockene Sprödigkeit gegen allumfassende Wärme eintauschen. Kein Aufreger, allemal aber eine schöne Angelegenheit. Noch toller und treffender kontert Disco-Retter Morgan Geist, der pars pro toto den zweiten Referenzpfeiler von Lanzas Klanguniversum verkörpert. Weil »Oh No« bereits die Junior Boys auf alle Zeit in ihre Schranken verwies, muss der Chef selbst ran und geht auf Downbeat-Kurs. So bekommt »I Talk BB« einen aufgeräumten Charakter, nah an der Zwangsneurose angesiedelt und doch innerlich brodelnd. Die Unbändigkeit von Lanzas Performance wird in die Spärlichkeit ihrer Musik eingefriedet – grandios. Nicht minder großartig ist DVAs Remix von »Going Somewhere«, die sich entlang seiner neueren Dystopie-Essays als [HI:EMOTIONS] als verknisterte ASMR-Session auf Burial-Vibes ausbreitet. Erzählerin ist ein über vergeisterten Synthie-Figuren, bleependen Blops und klapprigen Digital-Beats schwebendes Stimmengewirr, der Refrain: »I don’t think it’s working«. Was auch immer damit gemeint ist, der Track kann es ebenso wenig sein wie »Oh No No No« im Ganzen. Wo andere Remix-Pakete sich auf Serviceleistungen beschränken, interpretieren und verkehren Geist, die Teklifers und DVA das, was Lanza ihnen bietet. Die Wurzeln ihrer freundlich-radikalen Musik in Disco einerseits und Footwork andererseits liegen nun endgültig frei.

Die EP »Oh No No No« von Jessy Lanza ist bei Hyperdub erschienen.
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