Review

The Game

Jesus Piece

Geffen • 2012

Als Tony Soprano beginnt, die moralische Verantwortung eines Mafiosis zu hinterfragen, geht er zum Psychiater. Jayceon Taylor hingegen findet sein Seelenheil in der Bibel. Die Widersprüchlichkeiten zwischen religiösem Glauben und den folgenreichen Verführungen, die das Straßenleben bereithält, machte The Game, kurz vor Abgabe seines fünften Albums, zum thematischen Überbau und brachte das vorherige Material als »Sunday Services« unter die Jünger. »Jesus Piece« greift etliche christliche Motive auf, doch trotz Titeln wie »Pray«, »See No Evil«, »Hallelujah«, »Church« und »Heaven’s Arms« zeigten sich die amerikanischen Sittenwächter wenig begeistert von dem Bandana-tragenden, Ice-bestückten Black Jesus, der das Cover zieren sollte. Das gewohnte Namedropping von The Game beschränkt sich zum Glück nicht aufs Transzendentale, sondern lässt ihn immer noch den neuesten irdischen Gossip der urbanen Welt kommentieren. Er segnet die Ehe zwischen Kanye und Kim ebenso ab, wie die Liaison seines Ziehvaters Dre mit dessen Neuem, Kendrick Lamar. Der erlesene Westcoast-Messias jongliert als Gast mit Silben und bekräftigt, neben den starken Sechzehnern von J. Cole, Lil Wayne, Rozay und Pusha T, seine momentane Ausnahmestellung. Im schlüssigen und zeitgemäßem Soundbild von »Jesus Piece«, das Cool & Dre, Boi-1da, Black Metaphor und Jake One bereit stellten, finden sich gleich zwei Samples des englischen Indie-Duos Florence and the Machine. Eine moderne, abwechslungsreiche und pumpende Beantwortung der Gretchen-Frage.

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Jesus Piece
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