12 Releases nach denen du beim Record Store Day 2026 Ausschau halten solltest

12.03.2026

Record Store Day. Mehr als 700 Releases. Da gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen. Zum Glück gibt es eine unbeugsame Musikredaktion, die sich dieser Aufgabe annimmt. Hier sind die Highlights des RSD 2026: Außerweltliches, Chaotisches, Wuchtiges und jede Menge Raritäten.

Agustin Pereyra Lucena
Ese Dia Va A Llegar
Far Out • 2026 • ab 33.99€

Oh, eine argentinische Antwort auf das Album Getz/Gilberto? Agustín Pereyra Lucenas Platte Ese Dia Va a Llegar von 1975 beginnt ganz als Hommage. Für »Hace Pocos Años« überlässt der Gitarrist die Melodie einem weichen Saxofon, das an Stan Getz’ Bossa-Nova-Phase erinnert. Und es geht sogar mit einer Version von »Chica De Ipanema« weiter. Pereyra Lucena zupft die Melodie zurückgenommen, fast bescheiden, seine Improvisationen zeugen von hohem Respekt vor dem Material, wilde Fingerfrickelei verbietet er sich. Überhaupt zeigt er sich mit seiner kleinen Band wunderbar beherrscht, ob bei brasilianischen Klassikern oder Eigenkompositionen.

Tim Caspar Boehme
Alabaster DePlume
Dear Children Of Our Children, I Knew / Cremisan
International Anthem • 2026 • ab 29.99€

Diese EP rahmt, einem Prolog und Epilog gleich, Alabaster DePlumes Album A Blade Because A Blade Is Whole (2025). Während die in einem Brooklyner Studio mit Bassist Shahzad Ismaily und Schlagzeuger Tcheser Holme aufgenommenen fünf Instrumental-Tracks von Dear Children ... die Live-Energie der US-Tour einfangen – die kontemplativ-knisterige Wärme von DePlumes Saxofon trifft auf schwebenden Drive –, haben die drei elegischen Tracks des Prologs Cremisan von 2024, bisher nur digital erschienen, eine deutlich wehmütigere Anmutung.

Stephanie Grimm
Cecil Taylor Unit
Fragments
Jazz Detective/Elemental • 2026 • ab 84.99€

Ein Free-Jazz-Monster steigt nach Jahrzehnten aus der Versenkung auf. Die bisher unveröffentlichte Live-Aufnahme vom Pariser Jazz Festival 1969 präsentiert auf drei LPs zwei verschiedene Versionen von Cecil Taylors Mammut-Komposition »Fragments Of A Dedication To Duke Ellington«. Der Pianist Cecil Taylor, die Saxofonisten Sam Rivers und Jimmy Lyons sowie Schlagzeuger Andrew Cyrille verbinden intensive, chaotische High-Energy-Improvisationen mit komponierten Strukturen und klingen dabei wie ein gigantisches Noise-Orchester.

Albert Koch
Ethel Cain
Inbred
Daughters Of Cain • 2026 • ab 35.99€

Wer Ethel Cain mit ihrer letztjährigen doomy Drone-Platte kennengelernt hat, dürfte überrascht sein von ihren musikalischen Anfangstagen. Zum RSD erscheint ihr ursprünglich 2021 veröffentlichtes Mini-Album Inbred erstmals auf Vinyl. Auf nur sechs Tracks wird die Bandbreite einer außergewöhnlichen Künstlerin mehr als deutlich. Songs zwischen zart gedachtem Goth-Pop, verschlepptem Trip-Hop und nebeligem Americana geben sich größte Mühe, ein Talent anzuteasen, das bis heute außergewöhnliche Musik abliefert.

Christopher Hunold
Flying Lotus
1983
Ninja Tune • 2006 • ab 32.99€

Mit seinem Debüt 1983 hob Flying Lotus instrumentalen Hip-Hop auf ein neues Level: ein Kosmos aus Beats, beeinflusst von Jazz, Funk und Soul – und es ist wirklich ein Kosmos. Im Inneren dieses Sternenhaufens schlägt bereits der Puls, der die späteren Alben von FlyLo und den Sound seines eigenen Labels Brainfeeder auszeichnet. Ab hier ging es nicht mehr nur um Klang und Rhythmus, ab hier ging es im Genre um Spiritualität und Außerweltliches. Vielleicht nicht der Urknall schlechthin, aber definitiv ein Big Bang für diesen Ansatz.

Björn Bischoff
Half Japanese
We Are They Who Ache With Amorous Love
Fire • 2026 • ab 37.99€

Kochlöffel auf Kochtöpfen. So klingt das – und so soll es klingen. Half Japanese, 1974 gegründet von den Brüdern Jad und David Fair, haben aus Dilettantismus immer schon eine Methode gemacht. Dann, 1989/90: Das Chaos wird Konzept. We Are They Who Ache With Amorous Love ist das Ergebnis – 18 Songs, 25 Minuten, Van Morrison gecovert, Little Richard gecovert, Daniel Johnston dabei. Kurt Cobain hörte es mit Kopfhörern in Shopping Malls – Platz 37 seiner Lieblingsalben. »If people could hear this music right now, they'd melt.« Jetzt erstmals wieder auf Vinyl.

Sebastian Hinz
I-Roy
Crisus Time
Charly • 1976 • ab 38.99€

Virgin, 1976: Das Label von Mike Oldfield und Tangerine Dream entdeckt Jamaika. Mit der Front Line Series bringt es jamaikanische Künstler auf den britischen Markt. Crisis Time von IRoy ist das Dokument dieser Kollision: Toasting als Ausdrucksform, Stimme als Instrument, gleichwertig mit den Dub-Rhythmen darunter. Yowls, Bays, Screams. Ein Vorgriff auf Dancehall. 50 Jahre später, neu aufgelegt auf Charly, remastered, mit Liner Notes von Reggae-Autor John Masouri. IRoy verstarb 1999 obdachlos und verarmt in Kingston.

Sebastian Hinz
Ludus
The Seduction
Lantern Rec. • 1981 • ab 45.99€

Habt ihr noch ein Maximum-Joy-Shirt im Schrank und führt es regelmäßig spazieren? Dann solltet ihr euch vom zeit- wie farblosen, bassgetriebenen, leicht jazzy Post-Punk von Ludus buchstäblich verführen lassen und Seduction zum diesjährigen RSD in den Warenkorb legen. Songs wie »My Cherry Is In Sherry« stehen jeder Tanzfläche dieser Erde, die gern mit angespitzten Gitarren und treibenden Drums versorgt wird. Es hat seine Gründe, warum britischer No Wave in den frühen 80ern im Wochentakt für Pflichtkäufe sorgte. Ludus sind einer dieser Gründe.

Christopher Hunold
Ngozi Family
Gate Crash '78
Now-Again • 2026 • ab 36.99€

Ohne Ngozi Family kein Zamrock. Gitarrist Paul Ngozi und Schlagzeuger/Sänger Chissy »Zebby« Tembo prägten nicht nur die unabhängige Musikszene Zambias, sondern den Sound einer ganzen Musikrichtung. Gate Crash ’78 vereint die typisch rau verzerrten, ostinatischen Gitarrenriffs mit polyrhythmischem Groove. Gerade seine extrem energetische, riffgetriebene Gitarrenästhetik verleiht dem lange vergessenen Album eine außergewöhnliche klangliche Wucht.

Aline Bosche
Pavement
Perfect Sound Forever
Matador • 2026 • ab 27.99€

Mit Perfect Sound Forever von 1991 kommt eine echte Rarität in die Record Stores. Als eigenständige EP werden diese sieben Tracks, aufgenommen von Ur-Drummer Gary Young, sogar zum ersten Mal überhaupt wieder aufgelegt. Damals noch als Trio vereinen Pavement hier Westcoast Hardcore, Lo-Fi und DIY, wobei in Songs wie »Debris Slide« bereits der einzigartige Pavement-Pop-Appeal erkennbar ist, den Malkmus, Kannberg und Young kurze Zeit später auf dem Debüt Slanted and Enchanted zum ersten Mal ausformulieren werden.

Martin Silbermann
Troubleman
Time Out Of Mind
Far Out • 2026 • ab 33.99€

Beim britischen Produzenten Mark Pritchard gehören Stilmixe und -brüche aller Art zum Tagesgeschäft. Unter dem Pseudonym Troubleman geht er auf dem Album Time Out of Mind von 2004 seinen Vorlieben für brasilianische Bossa-Anwandlungen und fein aus Samples collagierten Easy-Listening-Nummern mittleren und höheren Tempos nach. Teils mit klappernden Breakbeats, besonders schön aber in ausgeruhten Songs wie »Without You« mit dem sandigen Falsett von Steve Spacek als Gast über hingetupftem Bass.

Tim Caspar Boehme
Xmal Deutschland
The Complete Peel Sessions
4AD • 2026 • ab 34.99€

Xmal Deutschland gehören zu den eigenwilligsten Bands, die das 4AD-Universum der 1980er geprägt haben: eine deutsche Post-Punk-Gruppe, die im britischen Underground plötzlich zentrale Resonanz fand. The Complete Peel Sessions versammelt erstmals ihre BBC-Aufnahmen von 1982–1985. Sie machen Momentaufnahmen einer Band im rasanten Aufbruch hörbar. Die Sessions zeigen, wie präzise und direkt ihr schattenhaftes Sounduniversum funktionierte und warum sein Nachhall bis heute spürbar bleibt.

Ania Gleich
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