Aesop Rock – »If I Can Do It, I’ll Do It«

13.07.2012
Ian Bavitz aka Aesop Rock gibt einen kurzen Crashkurs in Musikproduktion und spricht über sein sechstes Studioalbum »Skelethon« und seine Bewunderung für Kimya Dawson, die nun in einer gemeinsamen Platte mündet.

Dein neues Album »Skelethon« ist das erste, das du komplett alleine produziert hast…
Aesop Rock: …ja, das erste meiner eigenen Alben – ja, das ist es.

Auf welche Software und Tools stützt sich deine Produktion?
Aesop Rock: Die einzige Software, die ich benutze, ist Pro Tools. Oh nein, warte, ich habe angefangen BPM, eine Drum Machine von Motu, zu benutzen. Aber abgesehen davon habe ich einen ASR-10 als Sampler, einen Moog, einen Roland Fantom, ein paar Bässe und Gitarren. Ich benutze einfach eine Reihe Synthesizer und Instrumente, aber anfangen tue ich immer mit dem gleichen Sampler, den ich seit dem ersten Tag habe. Ich komme mit Software-Synthesizern und diesen Kram nicht so gut klar, ich bevorzuge einen soliden analogen Synthesizer, einen Sampler und einige Instrumente – damit kann ich arbeiten.

Fängst du mit dem Sampling an?
Aesop Rock: Ja, normalerweise beginne ich Sachen zu samplen, Vinyl, aber auch anderes. Ich sample eigentlich alles, verändere es ein bisschen, schneide es zurecht, lege andere Samples darüber oder spiele über die Samples. Ich habe ein paar Leute, die sehr gut ihre Instrumente spielen und dem Material die weitere Ebenen hinzufügen. Und zuletzt konstruiere ich die ganzen Sequenzen in Pro Tools.

Der Sampler ist also das Zentrum deiner Produktion geblieben?
Aesop Rock: Ich denke, das hat damit zu tun, wie alt ich bin und wie ich gelernt habe zu produzieren. Damals hatte man entweder eine MPC60, einen ASR-10 oder einen SP, ich hab mich für den ASR-10 entschieden. Es war der erste Sampler, den ich hatte und er steht noch heute in meinem Studio. Normalerweise beginne ich damit, Musik zu hören bis ich ein Stück finde, das mir gefällt und das ich dann loope. Das ist der erste Schritt. Darauf baue ich auf und manchmal nehme ich am Ende das Originalsample heraus und benutze nur das, was ich darüber gespielt habe.

»Normalerweise beginne ich damit, Musik zu hören bis ich ein Stück finde, das mir gefällt und das ich dann loope. Das ist der erste Schritt. Darauf baue ich auf und manchmal nehme ich am Ende das Originalsample heraus und benutze nur das, was ich darüber gespielt habe.« (Aesop Rock)

Zu »Skelethon« gibt es drei Trailer, in denen du eine tote Katze durch New York City schleifst. Wie sehr bist du an der visuellen Seite von Aesop Rock beteiligt?
Aesop Rock: Manchmal nehmen wir ein bisschen Geld in die Hand und arbeiten mit einem Regisseur, der wirklich weiß, was er tut, für ein offizielles Musikvideo zusammen. Aber selbst dann bin ich gerne am kreativen Prozess und dem Konzept beteiligt. Dieses Ding mit der toten Katze habe ich mit einem Freund mehr oder weniger zu Hause gemacht. Ich mache soviel ich kann, obwohl ich kein ausgebildeter Filmemacher bin. Im Moment haben wir z.B. ein Video an jedem Tag der Woche, in dem ich über die Songs des neuen Albums spreche. Die habe ich komplett selbst gemacht. Wenn ich es machen kann, mach ich es.

Audio- und Videoschnitt haben ja viele Gemeinsamkeiten. Schlussendlich geht es um Komposition, oder?
Aesop Rock: Ja, Videoschnitt ist eine Welt mit der ich in den letzten Jahren vertrauter geworden bin. Es ist nicht wirklich verschieden von Programmen wie Pro Tools, bei dem man ja auch an eine Timeline gebunden ist und Dinge auf diese Timeline kopiert und schneidet. Wenn man Audiomaterial gut schneiden kann, ist Videoschnitt eine sehr ähnliche Idee – solange man die rhythmischen Fähigkeiten hat.

Im Zusammenhang mit deinem neuen Album heißt es oft, dass es noch mehr »Indie« ist als alles andere was wir von dir kennen. Vermutlich wegen des gitarrenlastigeren Anti-Folk-Einflusses durch die Kollaboration mit Kimya Dawson…
Aesop Rock:* Was Kimya betrifft: Ich bin einfach seit Ewigkeiten ein großer Fan ihrer Musik. Für jemanden wie mich, der viele Jahre mit dem Schreiben von Lyrics zugebracht hat, war Kimya immer jemand wirklich aufregendes in diesem Bereich. Eines Tages haben wir uns dann getroffen und ich habe ein paar Sachen auf ihrer letzten Solo-Platte gemacht und sie hat auf einem Track meines neuen Albums gesungen und dann haben wir tatsächlich eine ganze Platte gemeinsam aufgenommen. Die wird wahrscheinlich irgendwann Anfang des nächsten Jahres kommen … [unter dem Bandnamen The Uncluded – Anm. d. Red.]

Das sind großartige Neuigkeiten, Ian! Ich habe gerade wieder »Jorge Regula« von den Moldy Peaches gehört. Ihre Stimme klingt unfassbar gut auf der Aufnahme.
Aesop Rock: Die eine Sache ist »Kannst du gute Lyrics schreiben?« und eine andere Sache ist »Verstehst du, zu was deine Stimme in der Lage ist?« Ich denke sie ist einer dieser Menschen, die ein wirklich gutes Gespür dafür hat, wie ihre Stimme klingt, für was sie am Besten ist und wie man sie richtig benutzt.

Sie hat vermutlich diesen kindlichen Gesang, bei dem sie ein ganzes Solo-Instrument durch ein schüchternes Da-de-da ersetzt, erfunden…
Aesop Rock: (lacht) In letzter Zeit wurde in jedem Fall viel Kimya imitiert. Schwer zu sagen, was sie erfunden hat, aber in jeder Fernsehwerbung gibt es jemanden, der versucht so wie Kimya zu klingen.

Lass uns noch mal über deine Performances sprechen. Du hast einen dermaßen kontinuierlichen Flow und eine unglaublich wortreiche energetische Art zu rappen. Hast du ein bestimmtes Ritual, dass dich vor einer Show in diesen Zustand bringt?

Aesop Rock: Nicht wirklich. Alles was man am Ende tun kann, ist viel zu proben. Ich arbeite seit Jahren live mit dem gleichen Typen zusammen, Rob Sonic und DJ Big Wiz sind zwei meiner engsten Freunde. Wir sind seit Jahren zusammen auf Tour und sehr gewöhnt aneinander, ich denke das gibt mir viel Sicherheit.

Werden deine Texte manchmal abstrakt auf der Bühne? Kommst du an einen Punkt, an dem du nicht mehr wirklich weißt was du sagst, einen Punkt an dem Worte mehr zu Sounds als zu Bedeutungen werden?
Aesop Rock: Ich verstehe vollkommen, was du meinst. Ich denke, es ist unmöglich, das zu vermeiden, wenn man viele Shows macht. Man wird nicht immer mental an den Entstehungsort der Texte zurück versetzt, man kann nicht immer diese emotionale Verbindung herstellen. Oft hast du dreißig Shows gespielt und stehst vor der nächsten und musst verdammt nochmal da durch kommen. Bis zu einem gewissen Grad wird es dann Sport, ja. Und ich bin mir vollkommen im Klaren darüber, dass niemand alles, was ich sage, verstehen wird in einem Live-Kontext. Es gibt viele Texte, bei denen, wenn man wirklich wissen will was abgeht, die Platte hören sollte.

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