Brother Ali – »The Truth Is Here«

17.10.2012
Foto:Thomas von Wittich
Brother Ali ist Albino. Durch die Ausgrenzung fand der Rapper zum Islam. Im Interview erzählt er, weshalb man Kritiker und Humanist sein muss, um ein Moslem zu sein. Er erklärt, warum der Islam in der westlichen Welt falsch verstanden wird.

Brother Ali ist Albino. Durch die Ausgrenzung fand der Rapper zum Islam. Seine Musik spricht von Menschlichkeit, sie trägt die schweren Gefühle des Blues und die knisternde Energie des Gospels in sich. Brother Alis Musik ist ehrlich, seine Stimme ist laut. Seit 2007 hörten die Fans in Amerika, Europa und Australien sie auf über 350 Konzerten. Im September erschien sein fünftes Album auf Rhymesayers: »Mourning In America And Dreaming In Color«. Es wurde gänzlich produziert von Jake One, nicht wie alle vorangegangenen von Labelpartner und Freund DJ Ant von Atmosphere. Es ist das Album geworden, das Ali immer machen wollte, und sein bisher kritischstes. Im Interview erzählt er, weshalb man Kritiker und v.a. Humanist sein muss, um ein Moslem zu sein. Er erklärt, warum der Islam in der westlichen Welt falsch verstanden wird und welche Message er für sein vorrangig weißes und privilegiertes Publikum hat. Er räumt mit dem Vorurteil auf, dass Musik verboten ist im Islam und wie das mit dem Auslegen des Koran so funktioniert.

Bist du gesellschaftskritisch, weil du ein Moslem bist? Oder bist du Moslem, weil du ein kritischer Mensch bist?
Brother Ali: Ich habe angefangen, mich für Politik und all das zu interessieren, weil ich als Albino immer ein Außenseiter war, und deshalb schon als Kind gezwungen war, mir selbst meine Gedanken über die Welt zu machen. Und die Ersten, die mich als menschliches Wesen akzeptiert haben, so wie ich bin, waren die Schwarzen. So kam ich schon als Kind in Kontakt mit der schwarzen Lebensweise, Kultur, Kunst, Spiritualität und Geschichte. Die Reichhaltigkeit der afrikanischen Traditionen steckt immer noch in ihnen, die Warmherzigkeit, die Natürlichkeit, die Gutherzigkeit. Das Leid, dem die Afrikaner durch die Weißen, und eigentlich auch durch die ganze Welt ausgesetzt waren, verlangte ihnen eine große Widerstandsfähigkeit, Kraft und auch Intelligenz ab. Mit diesen Lebensumständen konnte ich mich identifizieren, denn ich habe es am eigenen Leib erfahren, dass viele Weiße es gerade zu brauchen, andere zu diskriminieren, um sich als bessere Menschen, als Herrscher zu fühlen – bis heute. Deshalb sind mir Gerechtigkeit und Menschlichkeit so wichtig.

Findest du diese Menschlichkeit im Islam?
Brother Ali: Es reicht nicht, ein Mensch zu sein, um menschlich zu handeln. Dazu gehört vor allem auch Respekt vor dem Leben und der Würde eines Menschen. Wenn du weiß, christlich, hetero, männlich und vermögend zu sein hast, um menschlich behandelt zu werden, dann verliert jegliche Menschlichkeit ihren Wert. Das brachte mich zum Islam. Und es ist interessant, dass so gut wie jeder weiße Amerikaner, egal ob arm oder reich, der konvertiert ist, durch Malcolm X zum Islam kam. Denn sie haben alle erkannt, dass etwas furchtbar schief lief und immer noch läuft. Aber wir reden nicht darüber. Uns Weißen fehlt es an Eigenliebe und Selbstvertrauen für eine realistische Einschätzung unseres Denkens und Handelns. Wir sind gefangen in unserer Geschichte, die wir nicht verstehen.

Du hast die Geschichte aber verstanden?
Brother Ali: Als wir Malcolm X hörten, spürten wir tief im Inneren die Wahrheit seiner Worte. Wir verstanden uns durch seine Worte endlich selbst und wollten nicht mehr mit der uns selbst erhöhenden Selbsttäuschung leben. Malcolm X eröffnete uns, dass der einzige Weg, die weiße Vorherrschaft auf der Welt zu beenden und durch einen allumfassenden Humanismus zu ersetzen, der Islam ist. Malcolm X brachte uns dazu, uns weiter zu informieren, weiter zu lesen und schließlich zu glauben. Durch ihn orientierten wir uns an Idealen wie Gleichberechtigung und Freiheit. Uns war und ist die Wahrheit wichtiger als unsere Gefühle. Der Islam vermittelte uns, dass das Leben wertvoll ist.

Das ist nicht das Erste, woran man beim Islam denkt.
Brother Ali: Der Islam geht davon aus, dass der Mensch nur deshalb in der Lage ist zu lieben, weil er auch zu hassen imstande ist. Aber der Islam geht auch davon aus, dass es eher in der Natur des Menschen liegt, zu lieben. Um Menschen entgegenzutreten, die extrem hasserfüllt sind, haben wir uns für die Liebe entschieden, für Menschlichkeit und den Glauben. Dieser Glauben beruht jedoch außerdem auf der Forderung, auch seinen Intellekt immer weiter zu entwickeln. Der Fortschritt von Wissenschaft und Technik ist wichtig. Und Intellektualität steckt nicht nur in den Gedanken, sondern auch in den Gefühlen. Spiritualität und ein gesunder, aufgeschlossener Geist gehen Hand in Hand.

»Es gibt ein paar Sachen, die, sagen wir mal, verstehe ich nicht. An diesen Punkt kommt jeder, der sich für eine Religion entscheidet, denke ich. Das ist die große Herausforderung für jeden Einzelnen.« (Brother Ali)

Es gibt also widersprüchliche Stellen im Koran und jeder kann frei für sich entscheiden, für welche Seite er sich entscheidet?
Brother Ali: Ja, das macht die Schönheit des Islam aus. Es gibt vom Grundsatz her keine zentralisierte Kirche wie etwas beim Katholizismus, bei dem der Papst die Deutungshoheit besitzt. Ich entscheide selbst, welcher Deutung ich zustimme, welche zu mir passt. Gleichzeitig kann ich aber auch die anderen Meinungen akzeptieren und muss ihren Vertretern nicht sagen, dass sie falsch liegen. Ich gehe dann davon aus, dass sie den Koran mit der gleichen Aufrichtigkeit studiert haben, wie ich selbst, dass sie aufgrund ihrer Lebensumstände, aber zu anderen Schlussfolgerungen gekommen sind.

Gibt es Verbote im Koran, die dir missfallen?
Brother Ali: Hmm, also es gibt ein paar Sachen, die, sagen wir mal, verstehe ich nicht. An diesen Punkt kommt jeder, der sich für eine Religion entscheidet, denke ich. Das ist die große Herausforderung für jeden Einzelnen. Aber wir messen uns mit dem Buch, nicht das Buch an uns. Wenn ich das Buch lese und es ergibt nicht gleich einen Sinn für mich, dann frage ich mich, ob ich es nicht vielleicht verstanden habe, ob meine Einstellung vorher die falsche war oder mir jemand etwas Falsches erklärt hat.

Das heißt, letztendlich wirst du deine Sichtweise der des Koran anpassen?
Brother Ali: Also, der Koran ist ein Buch für alle Menschen aus allen Zeiten. Das heißt, es werden dort auch Situationen und Kulturen beschrieben, die nicht meiner entsprechen. Es gibt Stellen, an denen ich mir denke: Das raffe ich nicht! Aber dann mache ich mir klar, dass dort nicht über mich geredet wird, sondern über Menschen, bei denen das zu deren Kultur gehört. Ich bin nach westlichen Moralvorstellungen erzogen worden und möchte deshalb nur eine Frau haben. Aber wenn es Kulturen gibt, in denen die Mehrfachehe praktiziert wird und vielleicht sogar ein stabiles und gesundes soziales Gebilde dabei entsteht, dann ist das für mich in Ordnung.

Was ist das Ziel des gläubigen Moslems?
Brother Ali: Der Koran ist ein universelles Buch und verlangt von seinem Leser zu jedem Zeitpunkt das Beste aus sich und seiner Situation herauszuholen. Wir wurden von Gott geschaffen, um der Perfektion Mohammeds nach zu streben. Wir streben danach, ausgeglichen zu sein, gerecht, freundlich, liebevoll, herzlich. Es geht aber auch darum den Schwachen gegen die Starken beizustehen, den Armen gegen die Reichen. Solange wir danach streben, sind wir auf der guten Seite.

Die Wahrheit spielt eine herausragende Rolle in deinen Texten und auch einige deiner Releases tragen »truth« im Namen. Hast du die Wahrheit gefunden?
Brother Ali: Wenn ich von »Wahrheit« spreche, dann ist das immer auch eine Botschaft an mich selbst. Ich hatte diese Jahre, in denen ich ständig von »truth, truth, truth« gesprochen habe und es war für mich eher ein Memo an mich selbst. Ich wollte immer sagen und repräsentieren, was ich für wahr halte, auch wenn das einigen Menschen nicht gefällt, auch wenn ich dadurch in Schwierigkeiten kommen würde, auch wenn ich dadurch als unzeitgemäß abgestempelt würde. Ich habe mich der Ehrlichkeit verpflichtet und »The Truth Is Here« wurde zu meinem Slogan. Er sollte mich daran erinnern, zu jeder Zeit nach der Wahrheit in den Dingen zu schauen.

Warst du früher ein unehrlicher Mensch?
Brother Ali: Es fängt im Kleinen an. Zum Beispiel habe ich am Anfang mal das Wort »Schwuchtel« in einem Text benutzt. Ich habe nicht über Schwule geredet, aber auch nicht darüber nachgedacht, wie verletzend dieses Wort ist. Ich habe diesem Fakt nicht genügend Beachtung geschenkt. So etwas wollte ich dann vermeiden, ich wollte alles viel bewusster machen. Doch nur weil ich etwas für richtig halte, möchte ich meine Wahrheit nicht jedem aufdrücken. Auch bescheiden und tolerant gegenüber den Wahrheiten anderer zu bleiben, gehört zu dieser Verpflichtung, die ich durch diesen Slogan eingegangen bin.

Man stößt bei Recherchen über den Islam immer wieder auf das Verbot von Musik. Was ist da dran?
Brother Ali: Der Koran sagt nur an fünf Stellen etwas über die Dinge, die im Islam verboten sind. Musik wird dabei nicht ausdrücklich genannt. Aber er redet über die »zwecklose Rede«, also Kommunikation ohne gute Absichten, einen sinnvollen Zweck. Es gibt Textstellen, an denen Figuren, die dem Propheten Mohammed nahe stehen, diese zwecklose Rede in die Nähe der Musik rücken oder sie damit gleichsetzen, aber Mohammed selbst hat das nie getan. Mohammed fordert an einer Stelle ein Mädchen dazu auf, statt einem Loblied auf ihn, wieder ihr vorheriges Lied zu singen. An einer anderen Stelle verbittet er sich eine fröhliche Feiermusik. Und an wieder einer anderen Stelle weist er seine Begleiter zurecht, die auf einem afrikanischen Freudenfest zur Befreiung der Sklaven, den Beteiligten verbieten wollen, ihre Musik zu spielen, da sie ihnen unangenehm ist. Mohammed weist darauf hin, dass es ihre Kultur ist und es ihnen als Fremden nicht zustehe, ihnen zu sagen, was sie zu tun und zu lassen haben.

Ob Musik – und vor allem welche – verboten ist, ist also Auslegungssache?
Brother Ali: Wenn wir über gute und schlechte Musik sprechen, dann geht es um den Effekt, den diese Musik auf uns hat. Es hängt also von jedem selbst ab. Das ist der große Vorteil am Islam: Wir können uns aussuchen, welcher Geschichte wir uns verbunden fühlen und woran genau wir glauben wollen. Wenn jemand glaubt, dass Musik ihn von seinem Weg abbringen wird, ein guter Mensch zu sein, und keine Musik hören will, dann ist das sein gutes Recht. Aber für mich ist Musik Teil meines Wesens. Das allererste Mal, dass ich vom Koran hörte, war durch Musik, durch Rakim. Das erste Mal, dass ich von Malcolm X hörte, war durch KRS-One. Das erste Mal, dass ich Malcolms Stimme hörte, war durch Public Enemy.

Stimmt es, dass der Koran alles verbietet, was den Geist betäubt oder ablenkt? Gehört da auch Popmusik mit ihren hypnotisierenden Slogans und der oft sehr einfachen, schwarz-weißen Weltsicht dazu?
Brother Ali: Ja, es gibt einige Sachen, die verboten sind im Islam, u.a. auch alles, was den Verstand trübt, was verhindert, die Dinge klar zu sehen und im Moment zu leben. Dazu passt natürlich auch »bullshit art«. Ich denke, dass die Kunst ihren Zweck darin findet, uns der Realität näher bringen. Ich konzentriere mich deshalb auf Musik, die tatsächlich von mir handelt, in all meinen Facetten, und dabei mache ich keine Kompromisse zu Gunsten der Eingängigkeit und auf Kosten der Realität.

Du reist um die Welt und spielst vor tausenden von Fans. Viele Fans sagen, dass deine Musik ihnen Hoffnung spendet. Bist du auch als Missionar unterwegs?
Brother Ali: Hoffnung zu spenden ist tatsächlich mein Hauptantrieb, Musik zu machen. Ich sehe, dass es vielen Menschen in dieser Zeit nicht gut geht. Ich rede über ihre Probleme, mache darauf aufmerksam. Aber es liegt mir fern über meine Musik, meine Religion zu verbreiten. Ich sehe meine Musik als Ausdruck dessen, was ich für wahr halte, aber ich werde niemandem versuchen, meine Wahrheit als seine zu verkaufen. Ich habe Fans aus allen Gesellschaftsschichten und in jeder Hautfarbe, aber der Großteil ist doch privilegiert und weiß. Und ich habe wiederum das Privileg mit ihnen über Themen zu kommunizieren, die für sie nicht alltäglich sind, aber eben problematisch, wie zum Beispiel Rassismus gegen Farbige.

»Es liegt mir fern über meine Musik, meine Religion zu verbreiten. Ich sehe meine Musik als Ausdruck dessen, was ich für wahr halte, aber ich werde niemandem versuchen, meine Wahrheit als seine zu verkaufen.« (Brother Ali)

Wie lässt sich der Rassismus von heute überwinden?
Brother Ali: Wenn ich mich für eine Message entscheiden müsste, die ich verbreiten wollte, dann wäre es Folgendes: Wir als Weiße sollten anfangen uns selbst zu lieben und zwar so sehr, dass wir ehrlich mit uns selbst und unserer Geschichte sein können, um uns einzugestehen, dass wir verdammt viel Mist gebaut haben. Es ist sogar soweit gekommen, dass die Idee der weißen Vorherrschaft so fest institutionalisiert wurde, dass die gesamte Gesellschaftsstruktur rassistisch ist. Wir werden immer dazu angehalten, als Individuen keine Rassisten zu sein, aber wir waren es solange als Gruppe, dass es sich fest in die Strukturen unserer Gesellschaft eingebrannt hat. Seit mehr als tausend Jahren schon kämpft die weiße Rasse um die weltweite Vorherrschaft. Das hält bis heute an. Und darauf versuche ich als Weißer mein Publikum aufmerksam zu machen.

Musik kann aber ein sehr machtvolles Werkzeug der Missionierung sein.
Brother Ali: Ja, das kann sie. Aber das sollte nicht ihre Absicht sein. Auch da scheiden sich die Geister unter den Moslems. Ich halte es jedoch für respektlos gegenüber dem Islam, wenn Musik bzw. Kunst lediglich dem Zweck der Verbreitung des Islams dienen würden. Vielleicht liege ich damit auch falsch, aber so fühlt es sich für mich an. Ich denke, dass die beste Musik, ehrliche Musik ist. Und ich als Moslem bin ja dazu angehalten, ehrlich zu sein, also spiegelt sich in meiner Musik auch meine Religion wider. Das ist aber nicht mein vorrangiges Ziel.

Sollte islamisches Denken und Handeln eine größere Rolle in der westlichen Popmusik spielen?
Brother Ali: Naja, das tut es ja, mehr als wir denken. Hip Hop ist das größte Kulturphänomen der Welt und in seiner Anfangsphase hat sich ein großer Teil des Wesens von Hip Hop auf den Islam bezogen. Ich bin nicht der Meinung, dass wir Moslems mehr Islam in der Popmusik fordern sollten. Wir sollten einfach so sein, wie wir sind und ehrlich dazu stehen. Wir müssen unsere Stimmen erheben und ganz wir selbst sein. Die Medien berichten nicht über moderate Moslems, dabei bilden wir den allergrößten Teil in der muslimischen Welt. Mein Lehrer war einer der friedlichsten, aber auch kritischsten Intellektuellen Amerikas. Er war der Anführer der größten Gruppierung in Amerika geborener Moslems und angesehen bei vielen Wissenschaftlern, egal ob Christen, Atheisten oder Moslems. Über ihn wurde nie berichtet. Wenn es wirklich darum ginge, für Sicherheit zu sorgen und Vertrauen untereinander zu schaffen, dann würde man solchen Leute eine Plattform geben und nicht ständig neue Osama Bin Ladens als Feindbilder präsentieren. Ich kenne tatsächlich keinen von denen. Das sind keine bekannten Persönlichkeiten in der islamischen Welt.

Was sind die größten Vorurteile, die durch die Medien über den Islam verbreitet werden?
Brother Ali: Was überhaupt nicht wahrgenommen wird, ist, dass der Großteil aller Moslems in Amerika für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist. Es gibt viele spirituelle Anführer, die dies vertreten und fordern. Aber wer die sind, weiß niemand, weil ihnen ebenfalls keine Plattform gegeben wird. Außerdem existiert in vielen Köpfen das Bild, dass der Islam eine gewalttätige Religion ist, dass wir Menschen töten, wenn sie nicht einer Meinung sind mit uns. Aber das ist nicht wahr. Und dann hört man von vielen Moslems wiederum, dass der Islam eine so friedfertige Religion ist und alle Moslems Pazifisten seien. Das stimmt genauso wenig. Ich glaube daran, dass der reine Islam perfekt ist, aber du wirst keinen perfekten Moslem auf der Welt treffen. Mohammed war der einzige, alle anderen sind in Abstufungen nicht perfekt. Wir können nur versuchen, ihm möglichst nahe zu kommen. Wenn wir gefragt werden würden nach unseren Ansichten, würden wir sie offen und ehrlich erzählen.

Sprichst du mit deiner Musik für den durchschnittlichen Moslem der USA?
Brother Ali: Ich weiß, das viele Moslems meine Präsenz in der Musik- und Medienwelt zu schätzen wissen, denn die Medien wählen schon rigoros aus, welche Stimmen sie zum Thema Islam erlauben. Die überwältigende Mehrheit der Moslems weltweit lebt in dem Gefühl, dass der Islam es ihnen ermöglicht ein kompletterer, ganzheitlich besserer Mensch zu werden. Und zu denen gehöre ich auch. Diese Masse wird in den Medien aber nicht repräsentiert. Es gibt unter den Moslems Freizügige, Traditionalisten und auch Extremisten. Und unter allen zusammen finden sich einige böse Menschen, so wie es sie überall gibt. Diese Menschen neigen von Natur aus zu schlechten Entscheidungen und bösen Handlungen. Sie verdienen es nicht, von einer heiligen Macht beschützt zu werden. Religionen dürfen das Böse nicht beschützen.

Du gibst den moderaten und modernen Moslems also eine ehrliche Stimme?
Brother Ali: Das möchte ich, ja. Aber ich muss da erst noch reinwachsen. Ich möchte, dass das auf natürlichem Wege passiert, von ganz alleine. Meine Kunst ist nicht nur dafür da. Ich bin der Meinung, dass große Kunst nicht nur einen bestimmten Zweck erfüllt. Und dazu kann ich mich auch nicht zwingen, selbst wenn ich es wollte.

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