Hudson Mohawke – Im Anfang war die Playstation

07.06.2011
Foto:Sofie Fatouretchi
Hudsown Mohawke ist in der Lage verschiedene Geschmäcker zu begeistern. Soeben wurde der Release der neuen EP __Satin Panther__ für Anfang August angekündigt. Valentin Menedetter nutzte die Gelegenheit mit dem 25-jährigen zu sprechen.

Vor zwei Jahren brachte Hudson Mohawke sein Debüt auf Warp heraus. Seit dem Erscheinen von Butter begeistert der britische Produzent aus Glasgow seine Zuhörer stets mit neuen Produktionen. Radio One klopfte bereits kurz nach der Erscheinung bei ihm an und wollte einen Essential Mix für Pete Tong’s Radio Show haben. Die Blogs spielten schon vor einer Weile verrückt, wenn ein neuer Remix am musikalischen Radar erschien. Ross Birchard ist in der Lage verschiedene Geschmäcker zu begeistern – Hip Hop, Dubstep, Electronica – sich zwischen ihnen zu bewegen ist ihm ein Leichtes. Dicke Beats und dope Produktionen sind eine Konstante seines Sounds geworden. Soeben wurde der Release einer neuen EP Satin Panther für Anfang August angekündigt. Valentin Menedetter nutzte die Gelegenheit mit Hudson Mohawke zu sprechen.

Welche Platte hat dich zur Musik gebracht? Wenn du an die erste denkst, die du jemals gekauft hast.
Hudson Mohawke: Die ersten Platten, die ich mir kaufte, waren Pop. Ich kannte einfach nichts anderes. Es war nur der Top 40-Dreck, den ich sammelte als ich 6 oder 7 Jahre alt war. Ich hab auch Kassetten gekauft – wenn ich das Geld zusammen hatte. Ab dann war es Rave, Hardcore Rave und Jungle. In weiterer Folge Hip Hop und elektronisches Zeug. Aber alles begann mit Charts.

Sticht da eine Platte hervor?
Hudson Mohawke: Zu den Chart-Sachen hatte ich keine wirkliche Verbindung. Ich glaube für mich waren die ersten Jungle und Rave Platten wichtig. Ich habe mir Mixtapes auf Vinyl gekauft – wirklich auf Vinyl aufgenommen, aus irgendeinem bescheuerten Grund. Ich verstehe nicht, wer das für eine gute Idee hielt. Es gab dieses Festival »Dreamskip« – die brachten ein Tape heraus, Dreamskip 95. Das war das erste das ich den ganzen Tag hörte, rauf und runter. Bis ich das Vinyl durch das viele Hören zerstört hatte.

Als du ein Teenager warst, hast du dich stark dem Turntablism gewidmet. Wie kam es dazu?
Hudson Mohawke: Das kam wegen der ganzen Rave- und Jungle-Platten, die ich damals hörte – die Art wie das gemixt war, hatte viele Scratches und war sehr roh, es gab keine schönen Übergänge. Es war alles zusammengeworfen, es war mehr Party orientiert. Lauter kleine Scratches und komische kleine Mixes. Also habe ich einfach selbst angefangen herumzuprobieren, auf einem Hifi-Plattenspieler mit Riemenantrieb. So habe ich mir die Grundlagen des Scratchens beigebracht. Eines Tages ging ich in einen HMV, aus irgendeinem Grund lief da ein Video: Es war A-Trak mit 15 Jahren, als er gewann. Als ich das Video davon sah, wusste ich nicht, dass es so etwas wie Wettkämpfe dafür gab. Ich war ungefähr 12 Jahre alt.

» Als ich unterschrieb, schickte ich ihnen in den ersten anderthalb Jahren keine Songs. Ich dachte mir, †ºVerdammt, ich werde auf dem gleichen Label sein wie Aphex Twin oder Squarepusher†¹. Diese Vorstellung war mir einfach zu viel.« (Hudson Mohawke)

Hast du neben dem Auflegen immer produziert?
Hudson Mohawke: Ja, ich habe mit meiner Playstation gearbeitet, seit ungefähr 1998, als da das erste Musikspiel herauskam. Ich hatte kein Geld um mir Hardware zu kaufen oder gar einen PC, um Musik zu machen. Ich war 12 Jahre alt, als ich anfing mit der Playstation zu musizieren – damals machte ich viel Jungle.

Du hattest deinen Durchbruch mit Ooops auf Lucky Me, darauf folgte das Heralds of Change-Projekt und dann kam Butter auf Warp. Hat der Plattenvertrag mit Warp für dich etwas verändert?
Hudson Mohawke: Als ich den Vertrag unterzeichnete, wurde ich besorgt und verlegen. Es war keine besonders positive Erfahrung für mich, denn ich war mir plötzlich bewusst, dass die Leute meine Musik hörten. Ich hörte für eine Weile auf, Musik zu machen. Als ich unterschrieb, schickte ich ihnen in den ersten anderthalb Jahren keine Songs. Ich dachte mir, »Verdammt, ich werde auf dem gleichen Label sein wie Aphex Twin oder Squarepusher«. Diese Vorstellung war mir einfach zu viel.

Also fühltest du dich unter Druck?
Hudson Mohawke: Ich empfand eine Menge Druck, bis ich erkannte, wenn jemand eine Platte auf dem Label herausbrachte, dann denkt der Künstler nicht daran, dass er einen Klassiker produziert. Die machen einfach nur ihr Ding und sie wurden unter Vertrag genommen, weil das Label der Meinung war, dass die Künstler gut darin sind. Also dachte ich mir, ich muss einfach nur mein Ding machen. Und ich denke es hat ganz gut funktioniert.

Was war der erste Song den du am Album fertig hattest?
Hudson Mohawke: Ich weiß es gar nicht mehr. So vieles habe ich stückchenweise gemacht; ich habe mal einen halben Track hier und einen halben da gemacht. Drei Monate später dann wieder zurück zur Originalidee. Es war alles verstreut, ich habe nicht alles auf einmal gemacht.

Was bedeutet Lucky Me für dich?
Hudson Mohawke: (Lacht) Es war einfach ein Club in Glasgow den es gab – der Fokus lag sehr stark auf Hip Hop. Viele MCs, offenes Mic – ich habe für die Rapper die Beats gespielt. Ich habe mich nicht für viel mehr als Hip Hop interessiert. Das war zu der Zeit, als ich den DJ für die Leute gemacht habe. Es ist zu einer gesunden lokalen Bewegung gewachsen. Es sind einige Produzenten und DJs involviert und jetzt ist es ein ordentliches Label – es sind wirklich gute Sachen erschienen. Einige Sachen von Lunice, Jacques Greene und es wächst zu dieser netten kleinen Bewegung heran, die aus dem Nichts kam.

Du hast eine Reihe von Remixes gemacht in den letzten Monaten – der letzte war der für Jamie Woon. Arbeitest du momentan an etwas?
Hudson Mohawke: Ja, ich habe eine EP, die jetzt hätte rauskommen sollen. Aber ich bin sehr pingelig, wenn es ums Artwork geht und das braucht eine längere Zeit bis das für mich passt. Das wird auf Warp erscheinen, und dann wird es ein weiteres Album auf Warp geben – nächstes Jahr. Die EP ist fertig und gemastert, aber das Artwork… es dauert einfach eine lange Zeit.

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