Lapalux – Bits Of Dust And Scratches

28.02.2013
Foto:Fabian Saul
Stuart Howard ist der geborene Bedroom Producer. Bevor mit »Nostalchic« im März sein Debüt-Album auf Brainfeeder erscheint, haben wir mit ihm für unsere neue Reihe »Instrument« übers Musikmachen gesprochen.

Stuart Howard ist der klassische Bedroom Producer. Der Engländer aus Essex hat seit 2008 unter dem Namen Lapalux Kassetten mit Lo-Fi Elektro veröffentlicht. »Many Faces Out Of Focus« von 2011 brachte ihm dabei die Aufmerksamkeit von Flying Lotus und einen Deal bei Brainfeeder. Bevor nach zwei EP-Veröffentlichungen im letzten Jahr mit »Nostalchic« im März sein Debüt-Album auf dem Label erscheint, haben wir mit ihm für unsere neue Reihe »Instrument« übers Musikmachen gesprochen.

Deine neue Single »Guuurl« habe ich in einem Café zum ersten Mal gehört, während im Hintergrund alte Jazz-Tunes liefen. Diese Pitch Bend Synth Sounds am Anfang fügten sich ungewöhnlich gut in die alten, leiernden Platten ein. Wie siehst du das Verhältnis zwischen diesen analogen Störungen, bei denen die Elemente nie ganz richtig liegen, und einem digital inszenierten Fehler?
Lapalux: Ich versuche in der Post Production stets Effekte einzuarbeiten, die das Ganze etwas neben der Spur klingen lassen. Ich mag dieses Verhältnis zu analogen Aufnahmen, die nie ganz auf den Punkt kommen. Es ist dasselbe mit Beats. Sie ein wenig daneben zu setzen, gibt dem Ganzen ein natürliches Feeling, anstatt dass alles immer exakt im Takt ist und »bang, bang, bang, bang« sitzt.

Klassische Musiker versuchen oft perfekt im Timing zu sein, während es in der elektronischen Musik stets den Versuch des Humanizing gibt; es sind zwei Pole zwischen denen sich Musikalität abspielt. Verwendest du Field Recordings und andere Elemente, um ein natürliches Gefühl zu kreieren? Offensichtlich hast du eine große Leidenschaft für’s Detail …
Lapalux: Ich verwende viele Spuren, die man nicht unbedingt hört, die aber dennoch da sind, wie bits of dust and scratches. Und ich habe jede Menge Field Recordings, Texturen, Sounds im Hintergrund. Es sind fast immer vier oder fünf solcher Spuren, die im Hintergrund laufen.

Was würdest du als dein Hauptinstrument bezeichnen?
Lapalux: Sampling ist wahrscheinlich mein Hauptinstrument.

Benutzt du dafür eine MPC, Maschine oder ein bestimmtes Gerät?
Lapalux: Nein, ich habe zwar früher sehr viel mehr Hardware verwendet, aber bin immer mehr dazu übergegangen, Dinge zufällig auf YouTube oder sonst wo zu finden und sie mit einem einfachen In-Built Recorder am Mac aufzunehmen. Aber ich sample immer noch anderes Material, oft auch mein eigenes. Ich habe viele halbfertige Ideen und bits and pieces auf einer Festplatte, die ich immer wieder durchstöbere.

… so etwas wie dein eigenes Archiv?
Lapalux: Ja, ich habe da z.B. Synth Loops, von denen ich niemals dachte, dass ich sie noch einmal brauchen werde. Ich nehme die dann, arbeite mich da wieder rein und re-recorde die. Aber jeder Track hat da eine andere Geschichte, einen anderen Beginn und ein anderes Ende.

»Ich verwende viele Spuren, die man nicht unbedingt hört, die aber dennoch da sind.« (Lapalux)

Samplest du auch Objekte und akustische Instrumente?
Lapalux: Ja, vor kurzem habe ich z.B. Live-Drums aufgenommen. Und oft sind es einfach diese Lo-Fi Recordings im Haus, wie Gabeln auf dem Tisch oder mit der Hand auf den Tisch schlagen. Aber statt nur den Sound der Soundquelle zu verwenden, besonders bei Percussions, neige ich dazu, auch andere Samples zu verwenden und diese mit den Aufnahmen zu schichten.

Interessiert dich der Sound der Objekte oder ihre rhythmische Charakteristik?
Lapalux: Ich glaube insbesondere die rhythmische Charakteristik. Etwas fällt auf den Tisch, fällt herunter und dann entschleunige ich das oder pitche es hoch und spiele mit der eigentlich rhythmischen Qualität der Aufnahme und baue eine Beat um sie herum.

Samplers verwandeln die Welt in eine Sammlung von Klängen anstatt einer Sammlung von Objekten. Man beginnt alles als etwas zu sehen, dass einen Klang hat. Ich finde das in deiner Arbeit wieder. Wenn man noch einmal hinhört, vielleicht etwas genauer, entdeckt man immer wieder neue Dinge, versteckt unter zwei oder drei Schichten. Wenn dein Hauptinstrument das Sampling ist, würdest du sagen, dass es die Objekte sind, die den Sound machen oder das Gerät, das den Sound wiedergibt? Ist es die Schönheit der Dinge oder die Logik der Sampler, die am Ende verantwortlich ist?
Lapalux: Ich würde letzteres sagen, auch weil ich viel Post-Processing mit den Sounds mache, weil ich selten unbearbeitete Sounds benutze. Es ist vielleicht eigentlich nur das Rasseln eines Schlüssels, aber er klingt am Ende wie ein Synthesizer.

Verwendest du einen Controller, wie auf der Bühne im Studio, oder ist der nur dafür da, die Arrangements auf die Bühne zu bringen?
Lapalux: Im Studio verwende ich eigentlich meistens die Maus. Ich bin nicht besonders gut, wenn es um Sampling geht, im Sinne, dass alles schon richtig im Gerät selbst klingt. Ich bin eher ein Computer-Manipulator und sitze den ganzen Tag an der Maus.

Welche Software verwendest du?
Lapalux: Meistens nur »Ableton Live«, aber ich habe begonnen mit Programmen wie »Audacity« oder »SoundTech« herumzuspielen, um immer frisch zu bleiben und die Kreativität im Fließen zu halten.

Würdest du sagen, dass die Software, die man benutzt, den kreativen Raum, in dem man denkt, bestimmt und abmisst?
Lapalux: Ja, das würde ich sagen. Bestimmte Instrumente erlauben nur bestimmte Dinge. Mit »Ableton 9« gibt es jetzt eine ganze Reihe von neuen Möglichkeiten, aber manchmal trete ich ein Stück zurück und gehe zurück zu den Basics. Ich mag Einfachheit. Dann lösche ich die Synths und die Library Sounds, so dass ich nichts mehr habe, mit dem ich arbeiten kann, und dann benutze ich einfache Hardware oder eine Gitarre und gehe an die Fundamente des Musikmachens zurück.

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