Machinedrum – Virtuose auf vielen Gebieten

03.05.2011
Foto:Sofie Fatouretchi
Machine Drum ist längst kein Unbekannter im Metier elektronischer Beatbauer. Bereits seit 1999 veröffentlicht er Alben. Zuletzt hat seine Zusammenarbeit mit Praveen Sharma als Sepalcure für Aufregung gesorgt. Wir trafen ihn zum Gespräch.

Der Sänger und Produzent Travis Stewart, auch bekannt als Machine Drum, hat bereits zahlreiche Platten herausgebracht. Der erste Release war bereits im Jahr 1999 – damals erschien seine 12inch Syndrone auf Merck. Sein Wurzeln hat er sowohl in der elektronischen Musik als auch im instrumentalen Hip Hop. Er versteht es die beiden Richtungen in seinen Projekten smart zu verbinden. Das schottische Label Lucky Me brachte seine Many Faces EP heraus. Bemerkenswert auch sein Album Want to 1 2?. Während er mit MCs wie beispielsweise Theophilus London zusammenarbeitet, erfindet er sich stets neu mit seinem Sound. Valentin Menedetter sprach mit ihm in Wien.

Du bist auf Lucky Me, einem derzeit sehr einflussreichen Label. Wann hast du begonnen Musik zu machen?
Machine Drum: Solange ich mich erinnern kann. ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen, mein Großvater war in einer Country Band in den 1950er und 1960er Jahren, auch heute spielt er noch. Er war es, der mir meine erste Gitarre gab. Meine Eltern hatten ein Piano. Ich habe die ersten Aufnahmen bei meinen Großeltern gemacht, mit vielleicht 5 oder 6 Jahren; aber elektronische Musik begann ich mit 12, 13 zu produzieren denke ich.

Wolltest du immer schon deine eigene Musik machen?
Machine Drum: Ja, wie ich bereits gesagt habe, eine meiner frühesten Erinnerungen ist es Musik zu machen, es hat mich immer umgeben. Ich kann mir das Leben nicht ohne Musik vorstellen.

» Ich gehe generell nicht besonders viel aus, ich tendiere eher dazu zu Hause zu bleiben und an Sachen zu arbeiten. Ich habe keinen fixen Ablauf. Ich bin in der Nähe meines Equipments und ich lerne ständig neue Musik kennen, höre Musik und sample Sounds. Einfach nur der Kreativität ihren Raum geben.« (Machine Drum)

Wie sieht ein Tag gewöhnlich bei dir aus?
Machine Drum: Jeder Tag ist anders, ich versuche Musik zu schreiben, wann immer ich die Chance dazu bekomme, immer wenn ich in New York bin. Ich gehe generell nicht besonders viel aus, ich tendiere eher dazu zu Hause zu bleiben und an Sachen zu arbeiten. Ich habe keinen fixen Ablauf, so wie einen Plan für den Tag. Ich bin in der Nähe meines Equipments und ich lerne ständig neue Musik kennen, höre Musik und sample Sounds. Einfach nur der Kreativität ihren Raum geben, sodass ich Ideen und Inspirationen verarbeiten kann. Ich kann es nicht erzwingen, es ist nicht so als würde ich mich um 17 Uhr hinsetze und einen Song mache und das war’s. Manchmal setzte ich mich hin, aber wer weiß ob die Idee kommt oder nicht.

Du hast das Sampeln erwähnt: Du bist aus New York, die Stadt ist bekannt als die Geburtsstätte des Hip Hop. Das nächste woran man denkt ist Sampling. Gehst du eigentlich Platte kaufen?
Machine Drum: Nicht mehr so viel heutzutage, ich erledige das eher im Internet. Die Soundqualität ist keine so große Sorge mehr wie sie einmal war, aber früher habe ich viel von Vinyl gesampelt. Jetzt ist es so, dass ich alles sample was ich in die Hände kriegen kann, ich sample Sounds von überall im Grunde genommen.

Wie bist du mit Lucky Me zusammen gekommen, du bist ja ein Künstler aus den Staaten – wie kam das?
Machine Drum: Ich kannte viele der Jungs, ich habe einige Shows in Glasgow gespielt mit Ballers. Es ging dann immer Hin und Her, ich habe ihnen neue Tracks geschickt und Dom von Lucky Me schrieb mir und fragte mich ob ich Interesse an einem Release hätte. Es war wirklich so einfach.

Wenn du an New York denkst und die ganzen Trends, die es in der Musikszene gibt, der Mainstream der natürlich sehr präsent ist in, wo siehst du da den Platz für deine Musik?
Machine Drum: Das Ding mit New York ist, dass es wirklich schwer ist, zu sagen, dass es heutzutage eine spezielle Szene gibt. Es gibt so viele Menschen aus der ganzen Welt, die nach New York ziehen. Die sind dann vier bis fünf Jahre da und machen Musik und somit wird es ein Teil des New York Sounds. Es ist aber wirklich schwer zu definieren, was der New York Sound heutzutage ist. Es gibt auf jeden Fall den Pop-mäßigen Mainstream; viele Sänger arbeiten da – das war eigentlich der Grund, warum ich nach New York gezogen bin. Ich wollte mit Sängern arbeiten und für verschiedene MCs produzieren, ich wollte auch mein eigenes Songwriting weiterentwickeln.

Woran arbeitest du gerade, wird in Kürze etwas erscheinen?
Machine Drum: Ich arbeite andauernd an neuen Sachen, ich hör nie auf an neuen Dingen zu arbeiten. Ich habe ein paar Platten für diesen Sommer geplant. Ich kann jetzt noch nicht sagen wann sie rauskommen werden, sie werden bald angekündigt. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich eine EP auf Lucky Me herausbringen werde. Wir haben uns noch nicht für ein Erscheinungsdatum entschieden. Ich versuche alles rundherum zu regeln, das Artwork und all diese Sachen. Vielleicht ein paar Remixes, in diesem Sommer, am Ende des Sommers wird es rauskommen. Ich habe auch ein Album gemacht, das wird auf Innovative Leisure kommen, wahrscheinlich im Herbst. Es schließt an Want to 1 2 an und wird Want to 3 4 heißen. Es hat denselben Vibe wie Want to 1 2 aber es ist ein wenig mehr ein Pop-Crossover-Ding. Die Platten, die diesen Sommer rauskommen, sind eine Reminiszenz an meine Zeit elektronischer Instrumentalmusik, weniger Stimmen basiert, weniger Songwriting. Es gibt zwar Stimme auf den Tracks, aber ich verwende sie mehr als Instrumente, als im klassischen Sinn Chorus, Strophe, Chorus.

Wenn du produzierst und an einem Song arbeitest, woran erkennst du, dass er bereit ist veröffentlicht zu werden?
Machine Drum: Das hat sich in letzter Zeit verändert. In der Vergangenheit hab ich an Tracks für Monate gearbeitet und habe mich immer wieder daran gesetzt, eine andere Stimme ausprobiert. Jetzt bin ich ehrlich gesagt an dem Punkt angelangt wo ich nicht mehr so an den Songs hänge. Die Leuten sagen, dass es ambitioniert ist, aber ich beginne mit einem Song wenn ich aufstehe und am Ende des Tages möchte ich in der Lage sein den Track am Abend im Club zu spielen. Es ist eigentlich eine ziemlich gute Methode. Ich hab das Gefühl, je größer der Zeitabstand ist, zwischen dem Punkt wo ich mich hinsetze und zu arbeiten beginne und dem Punkt, wo ich weitermache, desto mehr bin ich von der ursprünglichen Idee getrennt. Also versuche ich so viel wiemöglich von dem Song beim ersten Mal festzuhalten. Danach folgen ein oder zwei Durchläufe in denen gemischt wird und ich den Song definiere und neu arrangiere.

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