Miles Bonny – Live am 6.7. im Cassiopeia in Berlin

08.07.2011
Foto:Robert Winter
Im Rahmen ihrer __Lumberjack und Gin__-Tour sind die zwei Liquor-Connaisseure Miles Bonny und Suff Daddy gerade in deutschen Städten unterwegs. Am letzten Mittwoch luden sie mit ihrem Paket aus modernem Soul und Boom Bap ins Cassiopeia.

Miles Bonny betrat die Bühne am Mittwochabend im Cassiopeia standesgemäß im Holzfällerhemd und mit einer Axt bewaffnet. Unter seinem Vollbart freestylte der Musiker aus Kansas City auf den Werkzeugen Mikrofon und Flügelhorn die Tracks von seinem neuen Album Lumberjack Soul. Den Jazz in die Wiege bekommen, lebt Miles Bonny die instrumentale Variation und das freie Spiel mit Harmonie und Komposition. Auf der Trompete integrierte er in die freie Interpretation seiner eigenen Werke auch klassische Bezüge aus Jazz und Pop. Während der instrumentale Anteil auf dem Album in stetem Wechselspiel mit dem Gesang agiert, setzt Miles die Trompete live auch solo ein. Das Publikum lauschte andächtig, als der Beat aussetzte und nur der helle und warme Blechbläserklang in einer sich langsam entwickelnden Melodie vibrierend durch den Raum schwebte. Seine raue Stimme, dank derer er tatsächlich zwanzig Jahre älter sein könnte, setzt Miles bei virtuosen Gesangseinlagen wie auf der von The Ins produzierten Ballade J. Birly soulig und sanft ein. Die Soundfusion aus Nu Jazz und Modern Soul von Lumberjack Soul wird durch die basslastigen Unterlagen mit einer Portion smoothen und samplelastigen Hip Hop komplettiert. Suff Daddy, den Miles über den Kölner Schmelziegel kennen lernte, servierte live die Beatvorlagen von Lumberjack Soul, die zum größten Teil aus dem Kreis der MPM-Familie stammen, zusammen mit eigenen Beats, die nicht auf dem Album vertreten sind. Ein Shoutout ging an DJ Day, mit dem Miles das Raphael Saadiq-Tribute Still Miles von der gemeinsamen 12inch und das bisher unveröffentlichte Learning To Fly aufnahm, bei dem Miles mit dem Publikum entspannt in die Schwerelosigkeit driftete. Ins Schwitzen kam der Sänger beim Meters-Tribute Clap Clap, eine Dosis Funk an einem ansonsten sehr souligen Abend. Die Köpfe nickten bei den entspannten Trinkprotokollen 5 O’clock Suff und Late Night Suff aus dem Output von Suff Daddy, die einiges über den Alkoholkonsum auf der gemeinsamen Tour vermuten lassen. Tatsächlich lud Bonny, das Lungenvolumen ausgeschöpft und sichtlich durstig, das Publikum nach einem Konzert mit Sessioncharakter zu einem gemeinsamen Bier an die Bar ein.

[shariff]