Zwölf Zehner – Januar 2013

06.02.2013
Willkommen im Februar. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Januar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Robbie M
Let's Groove
Peoples Potential Unlimited • 2013 • ab 17.99€
Ein neues Robbie M Video bedeutet automatisch Platz 1, nur um das vorweg klarzustellen. Dieses Mal beispielsweise weil der ehemalige Midnight Express Frontmann (Danger Zone anyone?) gleich zu Beginn seine dilettantisch mit einem Skateboard experimentierenden, auch mit fünfzehn noch Partnerlook tragenden Söhne(?) mit nur einem Takt dieses so genialistisch käsigen Boogie-Beats zum Poplocken in der hauseigenen Einfahrt bringt und all dies in einem Outfit, das weder Kanye noch A$AP Rocky jemals tragen könnten. Und weil der Baba die Anstrengungen der Rotzlöffel mit einem Proto-Swag goutiert, der nicht in Worte zu fassen ist, dürfen die beiden auch anschließend mit ins Studio, wo der Papa dann spontan und ohne einen Hauch von Prätention eine derart geil naive Dankesrede auf jenen Hofeinfahrtsbeat croont, dass, dass, dass….ach, man kann das nicht beschreiben. Album kaufen und sich freuen, dass es ihn gibt, den Robbie.

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A$AP Rocky
Long.Live.A$AP
RCA • 2013 • ab 36.99€
Nicht nur aufgrund des seltsamen Samplematerials erinnert »Ghetto Symphony« latent an Hands On The Wheel Auch die Chemie, die A$AP Rocky und Gunplay hier entwickeln, ist mit dem Übertrack des letzten Jahres durchaus vergleichbar. Dat PMF referiert eingangs über die nicht von der Hand zu weisenden Ähnlichkeiten mit Andres Vortragstechnik, beklagt sich über (nicht besonders konsequentes) Cockblocking und er lässt es sich nicht nehmen zu betonen, dass man durchaus den Beischlaf in einem Hyundai vollziehen und dennoch mit seinem Outfit in die Vogue kommen kann. Schön, da ist uns doch warm ums Herz. Gunplay gibt dann in der zweiten Strophe routiniert den Psychopathen, der er vermutlich auch ist und auch für die feilgebotenen zwei Dutzend verschiedenen Betonungstechniken verteilen wir mindestens vier von fünf Fitzcarraldos. Dass dann da auch noch A$AP Ferg ungelenk durch die Koda stolpert ist zu vernachlässigen, wobei zumindest dessen Stimmlage gen Ende noch einen ganz netten Kontrast ergibt. So, jetzt sollten wir vermutlich noch erwähnen, dass dieser Beat der verdammt Wahnsinn ist, richtig?

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Urban Homes sind ein (relativ) neues Bandprojekts aus Köln und Umgebung, das sich aus ehemaligen musikalischen Projekten wie Yage, PTTRNS und Airpeople formiert und ursprünglich eher dem Punk, Noise oder Hardcore-Umfeld zuzuordnen war. Mit dem neuen Projekt, kam auch die neue Idee, eine Roland 707 als Taktgeber zu verwenden und dem Projekt eine neue musikalische Richtung vorzugeben. Hier spielen Einflüsse aus House, Dub, Balearic und Kraut eine Rolle – dementsprechend großartig klingt die Single »Aurora«, die das im März nachkommende Debütalbum »Centres« ankündigt. Im Mittelpunkt von »Aurora« steht die ratternde 707 (und ihre kleine Schwester die 727), die von einem opulenten – ja operettenhaften! – Arrangement aus Synthesizern, Gitarren und zitierten Vocals umschlossen werden. So kauzig es klingt, wenn die banal billige 707 Cowbell das wirklich üppige Arrangement aufreisst, so aufregend klingt es auch! Wir staunen und sind sehr auf das Album gespannt.

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Was wurde nicht schon alles geschrieben über des Großmeisters neue Single. Was wurde schon nach wenigen Stunden der Veröffentlichung des Musikclips gespottet über den alten Mann und über die heute nicht mehr zu den Hot Spots der Berliner Hauptstadt gehörenden Plätze, die David Bowie in den Lyrics zu »Where Are We Now« explizit aufgreift, und die ihm in seiner Erinnerung aus seine bewegten Berliner Zeit äußerst präsent scheinen. Und doch: Wenn nicht Bowie, wer dann, der die Berechtigung hat, nach dieser seinen wilden Berliner Zeit, die gerade heute noch die Jungerwachsenen dieser Welt anzieht, den mit der Stadt verkörperten Hedonismus auf den wichtigsten Nenner zu subsumieren und deren ganze Sehnsucht auf das Einzigwahre runterzubrechen, die Liebe: Where are we now? – Where are we now? – The moment you know – You know, you know – As long as there’s sun – As long as there’s sun – As long as there’s rain – As long as there’s rain – As long as there’s fire – As long as there’s fire – As long as there’s me – As long as there’s you!

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Gerne erinnern wir uns daran, wie sich unser Lieblingswelpe P. Kunze vor seinem letztjährigen Shlohmo-Interview noch nach weiteren Fragen erkundigte. Den Vorschlag das Interview mit »Shlohmo, why is your music so boring?«_ zu eröffnen, hat der Kollege dann glücklicherweise nicht angenommen und überhaupt sollte er Recht damit behalten, dass diese inhaltlich nicht lange haltbar sein würde (gegen seine Remix-Arbeiten und DJ-Sets hatte ohnehin keiner etwas einzuwenden gehabt). Spätestens mit »Later«, dem Teaser für seine demnächst erscheinenden neue EP «Laid Out«, hat Shlohmo es geschafft, diese trapped on the Sofa – Ästhetik so zu perfektionieren, dass man nicht schon nach 30 Sekunden meint die Pointe zu kennen. Im Gegenteil, »Later« windet sich, ist gleichzeitig schrill und leise, verschleppt und hektisch. Und er damit auch immer noch der bessere Ryan Hemsworth

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Ach wat schön: Dizzee missioniert im begleitenden Video zu einer Persiflage von einer Bassline und einem Beat, der manche Skrillex-Produktion subtil wirken lässt. Warum das trotzdem geil ist: weil Dizzee Rascal hier das erste Mal seit längerer Zeit wieder soviel augenzwinkert, weil Speed Garage im Fünfjahres-Turnus für zwei, drei Monate IMMER eine gute Idee ist und weil Wearing My Rolex auch schon wieder lange her ist und ich davon überzeugt bin, dass die 2 Live Crew insgeheim die Bedürfnisse der menschlichen Natur besser erkannt hat als Chopin, Thom Yorke und Dieter Bohlen zusammen. Big dirty stinkin bass, big dirty stinkin bass, mates.

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Ich habe schon ein paar Minuten gewartet, bis ich die richtigen Zeilen für diesen Track schreiben konnte. Gefunden habe ich sie nicht. Denn: ich hab’ die Worte nicht. Wie ein kluger Mann auf Discogs bereite weise resümiert: This record has it all. Hat sie! Wie kann man es sich anders erklären, das ein gewisser Samo DJ hier nach zwei Minuten auf »Tai Po Kau« eines stoischen, ryhtmischen Grooves, der von klaustrophoben Effekten begleitet wird, die Bassdrum für sage und schreibe drei Minuten rausnimmt und die Panflöten einkehren lässt, ehe der Track neue Fahrt aufnimmt und im Einklang mit dieser betörenden, synthgeschwängerten Melodie nach vorne proggt. Nichts Neues also in 2013, Ron Morelli (wo nimmt er all diese Talente her !?) und sein L.I.E.S.-Label regieren.

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Andy Vaz
Imaginary Beings
Chiwax • 2012 • ab 9.89€
Wilde Claps, die nicht sitzen wollen auf 2 und 4. Dazu weitere, wild umher hüpfende Klänge aus dem Roland’schen Maschinenpark. Acid, dass kein Auge trocken bleibt. Wovon die Rede ist? Der Kölner Andy Vaz steuert die Katalognummer 006 für das geschätzte deutsche Chiwax-Label bei und landet mit dem so trocken tweakenden »He used to be an Asian« einen der Hits des Monats.

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Wir mögen Poesie. Wir mögen Bass. Kurz gesagt: wir mögen Sky Lex & DCJZ und deren explizite Verbeugung vor dem OG-Minnesänger »Too $hort«. Es geht um die großen Themen der Menschheit: monetäre Selbstbestimmung, das Streben nach Glück, Dilemmata faustischen Ausmaßes und das männliche Selbstverständnis in einer postmodernen Welt, in der traditionelle Werte und Tugenden zunehmend auf dem Prüfstein stehen. Wie Klempner Rohre verlegen, lernen wir sogar auch noch. Oakland’sches Kulturerbe eben.

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Ok, jetzt hat er sie nicht mehr alle, der Dave. In letzter Zeit primär als 2562 aktiv, reanimiert Dave Huismans sein rhythmisch geradlinigeres Alter Ego A Made Up Sound und zimmert mit »Endgame« eine derart wüste Cut-Up-Techno-Funk-Splitterbombe, dass selbst die Herren Oizo und Soundhack erstmal einen Kamillentee brauchen. Fünfeinhalb Minuten zerchoppter Irrsinn, in dem der Kollege Los Ninos Del Parque als Ausgangsmaterial erkannt haben will. Ich weiß es nicht, aber Endgame ist vor allem auch deswegen so geil, weil Huisman zu keinem Zeitpunkt vergisst funky zu bleiben, trotz oder gerade wegen dieses ganzen Stop & Go-Gagas.

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