Ausklang | New Music Friday – Neue Musik von Actress, Ghostface Killah, Jim E-Stack u.v.m.

30.05.14
Woche für Woche picken wir Tracks, die uns in den vorausgegangenen 7 Tagen nicht aus dem Kopf gehen wollten, deren Release auf den heutigen Tag fällt oder einem anderen Pseudogrund unterliegen. It’s new music, A.I.!
»Six Degress« by Ghostface Killah & Badbadnotgood
taken from the the Ghostface Killah and Badbadnotgood collabo-10inch »Six Degrees/ Tones Rap Instrumental«, out June 24th on Lex Records
Der Ausklang diese Woche hat seinen Namen ja kaum verdient. Die meisten haben heute Brückentag, sind vielleicht noch auf einer Afterhour oder treiben sonstige Sperenzchen – eine Woche ausklingen muss da jedenfalls nicht. Doch anstatt in eine Identitätskrise zu verfallen, hauen wir einfach raus was geht, ohne groß darüber nachzudenken, als wären wir ein NBA-Star nach seiner aktiven Karriere. Los geht‘s mit den Jazz-Hoppern (sorry, dass ich das so gesagt habe) Badbadnotgood aus Toronto. Die haben Ghostface und Danny Brown auf ihrem Track, was willst du mehr?
»Love Of Pleasure« by Martyn feat. Copeland
taken from Martyn‘s new album »The Air Between Words«, out June 16th on Ninja Tune
Find it at hhv.de on CD and Vinyl
Ich gebe zu: Den Track haben mir schon die Namen verkauft. Dem zu Folge kommen hier nicht nur Martyn und Copeland zusammen, sondern auch Liebe und Genuss. Ein zerbrechliches Paradies dieser Zustand; man labe sich also in feinster Carpe-Diem-Tradition darin, esse zu Copeland‘s Leier-Gesang ein paar Trauben unter einem Apfelbaum und hüpfe zu Martyns Instrumentals nur im Morgenrock begleitet über Felder und Wiesen. Ja, so träumen sie die Iversons, Spreewells und Pippens, nachdem sie ihr Vermögen im dreistelligen Millionenbereich verpulvert haben. Immerhin haben sie schöne Träume. Echte Romantiker.
»Rumble« by Kelis (Actress Sixinium Bootleg)
Mit Paradies, Romantik und schönen Träumen bin ich kilometerweit an einem überleitenden Stichwort für Actress vorbeigeschossen. Der hat nämlich erst gar keinen Hut an, an dem er was mit diesen Dingen haben könnte. Actress flößt Kelis Sedativum ein und aus einem Rumpeln wird ein benebeltes Rümeplchen, das hinter der gläsernen Wand der Narkose nach der Realität tastet. Ach ja: »Wenn aus Rumepln Rümpelchen wird« ist mir deutlich lieber, als wenn »aus Herrn Weber Sebastian wird«.
Stream

»Reassuring« Jim E-Stack
taken from his new album »Tell Me I Belong«, out July 29th on Innovative Leisure
Beruhigt hat sich auch Jim-E-Stacks. Der junge Mann aus New Orleans ließ gerade zu Beginn seiner Karriere seine Tracks gerne ›bouncen‹ bis die Augen flimmerten und die Beine schlackerten. Inzwischen ist sein Sound gesetzter und orientiert sich eher am Post-Dubstep-Gone-Post-R&B-Sound des UKs. So auch sein neuer Song »Reassuring« mit dem fast schon soca-haften Trommelmuster, auf dem das heruntergepitchte Sprachsample sich versichern will, dem lyrischen Du auch hilfreich zu sein. Das antwortet einfach nicht, hat sich Badewasser eingelassen, trinkt Champagner und feilt sich die Nägel, das verwöhnte Biest. Knutscht bestimmt heimlich mit Allen Iverson herum.
»More Problem« by Anthony Naples
taken from the »More Problem«-12inch, upcoming on The Trilogy Tapes
So schlecht wie das Gör mit dem Sprachsample umgeht, geht heute sonst nur Anthony Naples mit der Hi-Hat um. Als wäre er der fiese Frühpubertäre, der ein Mädchen tunken würde, öffnet er die Hi-Hat nie ganz, sondern schließt sie wieder, bevor sie richtig atmen konnte. Aber im Club ist Tunken gerne gesehen. Das dürften auch die armen Irren wissen, die gerade auf einer von Latrell Sprewell abgehaltenen Afterhour sind. Soll alles eigentlich nur heißen: »More Problem« ist ‘ne sichere Nummer für die Tanzfläche!
»No Gravity« by Moiré
taken from his new album »Shelter«, out August 16hth on Werkdiscs
Auf die Tanzfläche zielt auch Moiré mit seiner neuen Single erstaunlich deutlich. Moiré verkünstelt sich ja am liebsten und auch diesmal will der Presstext Moirés neuen Song mit Beschreibungen wie »perceptual experience« direkt in den Hörsaal hieven. Da gehört »No Gravity« aber wahrlich nicht hin.
»New Altanta« by Migos feat. Jermaine Dupri, Young Thug & Rich Homie Quan
Jermaine Dupri, das in meiner Welt komplett irrelevante Wellensittich-Gesicht, gibt den Pate bei der Zusammenarbeit von ATLs neuer Rap-Avantgarde. Rich Homie Quan, Migos und Young Thug auf einem Track. Das bedeutet, dass da Zeilen wie »Phantoms on-top of Phantoms / Hannah Montana boot up in Atlanta« vorkommen. Das bedeutet auch, dass ihr Stimmlagen auf einem Track vereint sind, die man in dieser Intensität sonst nur noch bei einem Pokémon-Kampf erlebt. Das bedeutet, dass ich völlig hyped-up bin und Scottie Pippen ein Bier spendiere, das mein Ausgehbudget sprengt.