Ausklang | New Music Friday – Neue Musik von Delroy Edwards, Gold Roger u.a.

23.01.15
Woche für Woche picken wir Tracks, die uns in den vorausgegangenen sieben Tagen nicht aus dem Kopf gehen wollten, deren Release auf den heutigen Tag fällt oder einem anderen Pseudogrund unterliegen. It’s new music, R. Kelly!
»Flags Of The Old Regime« by Pete Doherty
Ich mochte Pete Doherty lange nicht. Aber nur aus Gründen, für die er selbst nichts konnte: seine Fans, bestehend aus elenden Tumblr-Tussis bevor es Tumblr überhaupt gab und Attitüde stehlender Vollpfosten mit Bausparvertrag und Heroingetue. Im stillen Kämmerchen habe ich trotzdem Pete gehört. Die langsamen, stillen Sachen, bin ja selbst eher Babywalgesang denn Vuvuzela. Da habe ich mich im Selbstgespräch dann möglicherweise auch mal lad genannt und eine Zigarette womöglich etwas romantischer geraucht als notwendig. Wobei die Vergangenheitsform hier ebenso wenig notwendig ist – mach ich auch alles wieder zu seinem neuen Song, einem Tribut an die verstorbene Amy Winehouse.
»Peacoat« by Future
taken from his new mixtape with Zaytoven, available for free download now
Es gibt verschiedene Art und Weisen, mit einem Beziehungsaus umzugehen: Entweder man nutzt die Zeit, um sich selbst ein wenig besser kennenzulernen, oder man stürzt sich direkt in eine neue (Frau/Beziehung). Oder, man kombiniert beides. So wie Future. Der hat nach der Trennung von Ciara eine neue Leidenschaft für sich gefunden und es gleich auf die nächste Dame angewendet: Future packt auf »Peacoat« völlig unvermittelt seinen Schniedel aus und pinkelt auf das lyrische Sie.
»That’s My Shit« by The-Dream feat. T.I.
taken from The-Dream’s new EP »Crown«, due out March 31st on Contra Paris
Wir kommen von Pipi zu Kaka, von Future zu The-Dream. Wobei The-Dream, wenn er sagt »that’s my shit«_ eigentlich nicht auf einen Wurstbalkon guckt und das Ergebnis einer Nacht voller Hefeweizen, Jägi-Shots und Hüttenburger begutachtet, sondern beschreibt, dass eine Frau ihn viel lieber als den anderen mag. Vergangene Woche erschien ein Lyric-Video zu dem Song das so hübsch ist, dass es das oben Geschriebene schnell vergessen lässt.
»Die Muthafucka« by Delroy Edwards
taken from his new EP »Kickin’ Butts!!«, out now on L.A. Club Resource
Wenn ich den coolsten Hund des Planeten in der KW4 des Jahres 2015 wählen müsste, dann wäre es entweder der dichte Obdachlose gestern Nacht, der meinte, dank besserer Kampfausbildung sechs Cops locker niederschlagen zu können und wortwörtlich über sich selbst sagte, »ich bin der Straßenknaller – mit Sahne obendrauf«, oder aber es ist (mal wieder) Delroy Edwards der House mit 5th Ward-Ghettoshit und G-Funk mischt.
»Mettwillen« by Gold Roger
Falls mir irgendwann mal jemand im Schlaf Heroin spritzt und mich daraufhin dazu auffordert irgendeinen Ring in eine alte Zeche zu schmeißen, dann soll Gold Roger mein Gefährte sein. Mein gutmütiger, geduldiger Freund mit der nachdenklichen Mimik und den müden Augen, dem ich zu unrecht Vorwürfe mache. Ja, solange der MC aus Dortmund mit mir nicht über MF Doom reden will, auf den er im Titel seines neuen Songs verweist, könnten wir’s gut zusammenhaben; vielleicht rufen wir noch Future an, reiten nach Bruchtal und pinkeln, natürlich, nachdem wir sie gefragt haben, ob sie das auch schön finden würde, Arwin an.
»Temple Sleeper« by Burial
taken from his new white label »Temple Sleeper«, out now on Keysound Recordings
Vin Diesel kommt in eine Russen-Disco und es ist klar, dass die Russendisco dem Feinde gehört, aber Vin Diesel ist cool und guckt die Chicks in ihren pailettenbestückten Kleidern an und frisurentechnisch sind die alle aus heutiger Sicht schlecht beraten, außer Vin, der kann ja nichts dafür, der hat ja kein Haar. Die Hintergrundmusik zu dieser hübschen Szene liefert Burial. Der nimmt mit seiner Hoppla,-wo-kommt-Die-denn-her?-Single für Keysound Recordings den inneren Emo mit in die Disco, wo die arme Wurst dann von einem sturzbesoffenen Vin Diesel angebaggert, ja sexuell belästigt wird, und sich, an Vins nackte Brust gedrückt, wünscht, niemals ausgegangen zu sein. Wir können also bereits jetzt verraten: das nächste Burial Album plärrt in einem fort.
»Anti-Corporate Music« by Levon Vincent
Levon Vincent, ich weiß nicht, wie alt er ist. Süße 16 vielleicht. Zieht sein Ché T-Shirt an und macht so richtig trotzig einen Track gegen den Einheitsbrei und nennt ihn »Anti-Corporate Music«. Knuffig. Hört man sich den Track allerdings an klingt das nicht nach 16, sondern nach Erfahrung. Angetan hat’s mir vor allem die Drumline, die mich an Caribous Remix von »It’s A Crime« erinnert und das ist eine toller Erinnerung, vergleichbar mit der an mein Fünferpack in der E-Jugend, obwohl ich auf dem Weg zum Auswärtsspiel noch fast das Auto unseres jede Kurve schneidenden Trainer vollgekotzt hätte.
»Irganda« by Songhoy Blues
taken from their debutalbum »Music In Exile«, due out February 23rd on Transgressive Records
Wir haben heute über Pipi, Kaka und Kotze geredet. Also ich habe es, um genau zu sein, und ich entschuldige mich dafür. Als Ausgleich hier noch eine kleine kulturelle Exkursion: Die Songhoy sind eine ethnische Gruppe in Mali. Die vier jungen Männer, die gemeinsam die Songhoy Blues bilden, stammen aus Gao und haben sich zum Ziel gesetzt, das Kulturerbe ihrer Heimat zu erhalten und der Welt zu zeigen. Ihrer Musik hört man so die Einflüsse irgendwo zwischen Jimi Hendrix und Ali Farka Touré an und … ach, was soll’s, das ist immer noch nur der Ausklang