Zu keinem Zeitpunkt in seiner über 20-jährigen Laufbahn wäre es angebracht gewesen, Darren Cunningham alias Actress als hundertprozentigen Vertreter irgendwelcher aktueller Musikströmungen anzusehen. Auch wenn die Versuchung immer groß gewesen ist. Weil Techno, House, Post-Dubstep neben Stockhausen immer wieder als Referenzen genannt werden. In Verbindung mit seinem zwölften Album Radical Frame fällt jetzt erstmals der Begriff der Schwarzen Avantgarde. Und eine treffendere Kategorisierung gibt es nicht.
In »Withending« und »Paris« kommt Deep House mit Piano-Motiven und kosmischen Effekten zusammen. »Overchord« wird von der Soul-Ballade zum Minimal Glitch Techno. Es gibt Hip-Hop-Dekonstruktionen, hauntologische Sequenzen, verrauschte Störgeräusche und Spoken-Word-Beiträge. Auf der zweiten LP-Seite im 16-minütigen Sheets zeigt Actress dann, dass nebliger Ambient mit komplexen Beat-Strukturen und Sprechgesang (von Rainy Miller) gut zusammengeht. Cunningham hat sicherlich schon konzisere Alben als »Radical Frame« gemacht, aber keines zeigt so deutlich die Diversität seiner Kunst und seine Fähigkeit, die unterschiedlichsten Fragmente und Soundsequenzen in neue Zusammenhänge zu bringen. Man muss es kaum noch betonen, aber es stimmt immer noch: Actress ist und bleibt einer der wichtigsten Künstler der zeitgenössischen elektronischen Musik.


