Review

Al Jarnow

Celestial Investigations

The Numero Group • 2010

Mit einfachen Dingen das Komplexe erklären. Diese Maxime macht sich Al Jarnow in seinen Animationsfilmen zur Maxime. Die Sujets zu Beginn eines jeden Films könnten oft simpler nicht sein: ein Quadrat, ein Kreis, geometrische Figuren zumeist, die kein Geheimnis zu hüten scheinen. Doch Al Jarnow versetzt diese Formen in Rotation, Würfel beginnen sich zu drehen und offenbaren das Überraschende durch die Bewegung, durch ständigen Wechsel der Perspektiven, durch das Zerlegen in ihre Einzelteile. In Autosong, einem Neunminüter aus dem Jahre 1976, fährt zu beginn ein skizzenhaft gezeichneter VW Käfer über eine Straße. Jarnow umkreist nun das Gefährt, wechselt die Perspektiven, fokussiert mal das Auto, mal die Umgebung, verändert die Straße durch winzige Kniffe, lässt sie mal nach links, mal nach rechts gehen, lässt sie hügelig werden und schließlich als Autobahn of the mind in einer kreativen Gedankenwelt enden. Ähnlich genial ist das drei Jahre später entstandene Cosmic Clock, in dessen Mittelpunkt ein junger Mann mit einer Taschenuhr sitzt und darüber sinniert, was passiert, wenn diese Uhr sehr viel schneller laufen würde. Daraus entspinnt sich ein Lehrfilm über die Vergänglichkeit, denn es wechseln zunächst die Jahreszeiten, die Kleinstadt im Hintergrund erfährt mit fortlaufender Dauer einer Modernisierung und Millionen Jahre später entfaltete sich an gleicher Stelle ein Gebirge, dass die ursprüngliche Szene nur noch erahnen lässt. Al Jarnow erklärt die Welt und macht sie uns als Kind erfahrbar. Sie haben gleichermaßen einen künstlerischen Anspruch. So ist zu erklären, weshalb seine Animationen einerseits in den 1980er Jahren fester Bestandteil der Sesamstraße waren, andererseits das Museum of Modern Art in New York seinen Filmchen eine eigene Ausstellung widmete. Nach und nach offenbart sich dem Betrachter nicht nur ein Geheimnis, sondern eine Fülle von Einsichten, die Architektur, Mathematik, Allgemeinwissen und auch immer die Produktionsprozesse selbst in sich bergen und entdeckt werden wollen.