Review

Bra Sello

Butterfly

Afrodelic • 1975

Es gibt diesen gern zitierten Witz, dass man am Klang des Wortes »Schmetterling« alles über die deutsche Sprache erfahren kann; schon in den Neunzigern von Tim Allen auf die Bühne gebracht. Und tatsächlich ist man mit dem englischen »Butterfly« der vielgeliebten Anmut der kleinen bunten Flattermänner und -frauen deutlich näher als mit unserem nassforschen Schmetterling. Ob Bra Sellos Album nun so schwerelos klingt, weil er nie mit dem deutschen Wort in Berührung gekommen ist, oder weil er sich direkt von der Familie der Schmetterlinge hat beeinflussen lassen, werden wir wohl nie erfahren.

Die 1975 in den Satbel Studios im südafrikanischen Johannesburg, unweit von Bra Sellos Wohnort, aufgenommene Session macht mit ihren farbenfrohen Harmonien, den nektarsüßen Orgelsoli und dem lässigen Groove dem namensgebenden Insekt jedenfalls alle Ehre. Bra Sello (»Bruder«) führt als Bandleader den vielköpfigen Klangkörper souverän durch die tranceartige halbe Stunde: Vage an High-Life erinnernde, im Rausch vorgetragene Back-Vocals, die sich im Loop in höhere Sphären verabschieden, die sanften Claps und zwischendurch Bra Sello selbst, der sein Saxofon mellow und warm intoniert. Es ist Jazz, es ist südafrikanischer Jazz, aber manchmal fühlt man sich wie in Brasilien. Der Sommer mag vorbei sein, aber die Schmetterlinge fliegen weiter.