Review

Cukor Bila Smert’

Recordings 1990–1993

Shukai • 2024

Cukor Bila Smart’ bedeutet übersetzt so viel wie »Zucker – der weiße Tod« und klingt wie eine NDR Ratgeber-Doku, die am verkaterten Sonntag durch den Youtube-Algorithmus auf deinen Bildschirm gespült wurde. Es handelt sich aber um den Namen einer ukrainischen Band, die Anfang der 1990er-Jahre das erste große Projekt der Sängerin Svitlana Nianio war. Zusammen mit drei Kollegen, mit denen sie das R. Glier Kiewer Musikinstitut besuchte, brachte sie einen exzentrischen wie intimen Kammerfolk auf die Bühne, der jetzt durch das Archivlabel Shukai neu veröffentlicht wurde.

»Recordings 1990–1993« reiht vier Releases und 31 Songs dieser Zeit aneinander und öffnet in den knapp 90 Minuten nicht nur eine magische Tür in die Welt ukrainischer Underground-Musik, sondern spiegelt auch die rasante Entwicklung der Band wieder. Der zunächst minimalistisch wirkende Avantgarde-Folk lebt von Nianos in Nebel gehülltem, manchmal fast opernhaftem Gesang, der von Streichern, Keyboards und Gitarren begleitet wird. Der manchmal harsche oder unkonventionelle Umgang mit den Instrumenten (manchmal sind Streicher eher Kratzer) kontrastiert den theatralischen Gesang und die opulente Atmosphäre vieler Songs und sorgt so für eine sehr einnehmende Hörerfahrung. Die letzten Stücke, die zum Album »Selo« gehören, docken dann schon an abenteuerlichem Leftfield-Pop an, den sich vor allem Fans von Broadcasts „Tender Buttons“ gönnen sollten.