Erstmal wertfrei gemeint: Dinosaur Jr. machen immer das Gleiche. An ihr vorheriges Album kann ich mich schon nicht mehr erinnern; war eh wie das davor. Oder wie das neue. There Near symbolisiert kein Statement oder den Beginn einer neuen Ära, sondern ist tatsächlich einfach ein neues Album von Dinosaur Jr.
Großartige Songs kann die US-Gruppe weiterhin schreiben: Der Opener »Several Got Away« lebt von einer repetitiven Kinderlied-Gesangsmelodie, für die wir Dinosaur Jr. seit jeher lieben (und die auch Kurt Cobain von ihnen übernommen sollte). Frontmann J Mascis bedient sich immer wieder an ähnlichem Harmoniematerial, holt da problemlos eingängige Hooks/Riffs heraus – wie auch im Highlight »No Friends«, das diese ultramelodische Härte hat, die ich von Dinosaur Jr. hören will.
Mit der Zeit nutzt sich das Ganze etwas ab, wirkt auf Albumlänge nicht lebendig genug. Der Gesang klingt mir irgendwann einen Tacken zu lustlos, die Lyrics etwas zu bedeutungsfrei. »It’s time to leave it all behind«, heißt es, doch man hat nie den Eindruck, als würde J Mascis tatsächlich etwas hinter sich lassen wollen. In dieser Hinsicht ist das Songwriting auf There Near nicht unbedingt schlechter als auf älteren Platten von Dinosaur Jr.; vielleicht hat man das mittlerweile einfach zu oft gehört. Anders als: die Gitarrensoli. J Mascis würgt weiterhin schmatzige Saitengewitter aus seiner Fender Jazzmaster heraus, von denen ich niemals genug bekomme.

There Near Black Vinyl Edition