Review

Ephemerals

Chasin Ghosts

Jalapeno • 2015

Die Ephemerals haben nicht vor, eine Eintagsfliege zu bleiben. Der Name der Soul-Band aus England lässt sich zwar als »flüchtig« oder »vergänglich« übersetzen, doch veröffentlicht das Septett nun schon sein zweites Album innerhalb eines Jahres. Das Debüt »Nothin Is Easy« brachte 2014 nicht den kommerziellen Durchbruch, ließ aber schon durch eine Stimm-Entdeckung mit dem Namen Wolfgang »Wolf« Valbrun aufhorchen. »Chasin Ghosts« orientiert sich abermals am Sound, den Daptone Records mit Künstlern wie Sharon Jones und Charles Bradley in den frühen Nuller-Jahren popularisiert hat: Funk, Jazz und Soul, angemessen rau produziert von Rob Jones, seines Zeichens Teil der Londoner Gene Dudley Group Aus deren Umfeld rekrutierte Gitarrist und Bandleader Hillman Mondegreen auch den Großteil der Ephemerals. Seinen Sänger lernte er dagegen in dessen Wahlheimat Paris kennen. Wolfgang Valbrun, ein gebürtiger New Yorker, hebt die schmerzhaft melancholischen Songs (grandios insbesondere die Single »You’ll Never See Me Cry«) mit seiner an 70s-Soul-Größen geschulten Stimme auf ein ganz anderes Level. Dazu kommen Streicher, die diesen elf Tracks eine erhabene, niemals süßliche Note hinzufügen. Solch perfekt zugeschnittene Arrangements hat man im Soul des 21. Jahrhunderts selten gehört.