Review

George Riley

Running In Waves

PLZ Make It Ruins • 2023

Britisches Understatement scheint als Tugend etwas aus der Mode gekommen zu sein. Im Konkurrenzkampf der Aufmerksamkeitsökonomie hat man damit jedenfalls schlechte Karten. Was die Londoner Musikerin George Riley nicht davon abhält, sich auf ihrer Bandcamp-Seite mit den Worten »Hi it’s me, George Riley. Bringing you eclectic soulful sounds and takes no one asked for« zu empfehlen. Und das tut sie auf ihrem Debütalbum denn auch. Den Titel »R&B«-Album des Jahres mag sie damit vielleicht nicht bekommen (den hat sich womöglich ihre Londoner Kollegin Shygirl gesichert), doch das ist überhaupt kein Hindernis. George Riley kultiviert mit ihren ausgedünnten Beats und kaum vorhandenen restlichen Sounds vielmehr das Bedroom-Producer-Ethos. Was andererseits eher Anmutung denn reiner DIY-Minimalismus ist. Produziert hat ihr Album schließlich nicht allein sie, sondern Vegyn, der Gründer ihres Labels PLZ Make It Ruins. Und an »echten« Instrumenten kommen neben E-Bass auch veritable Streicher zum Einsatz, Letztere stammen allerdings in Personalunion vom Cellisten Karl McComas-Reichl. Der zurückgenommene Sound, die konzentriert-schlichten Melodien und die nie über das Ziel hinausschießende Stimme George Rileys laufen hinaus auf unpolierte Innigkeit, die anrührend ehrlich klingt. Und mit »Delusion« ist auch ein Hit in Sicht.

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George Riley
Running In Waves
ab 25.99€