Review

Gnawa Music Of Marrakesh

Night Spirit Masters

Zehra • 1990

1990 jettet der Ambient-Esoteriker Bill Laswell nach Marrakesch. In der Altstadt der marokkanischen Hauptstadt trifft er auf einige Musiker*innen der Gnawa – eine ethnische Minderheit, bekannt für ihre Ritualmusik. Ein paar packen ihre Laute aus, einige beginnen zu singen. Bill Laswell legt ein Band ins Aufnahmegerät und nimmt auf, was er hört. Einige Monate später erscheint die Platte auf seinem Label Axiom – und wird zum Erfolg. Plötzlich gaben sich nicht nur Gelegenheits-Appropriators wie Peter Gabriel und Joe Zawinul das Ohrenkreiseln. Alle wollten sich Räucherstäbchen in die Nase stecken, böse Geister vertreiben und drei Kälber opfern. Kein Wunder. »Night Spirit Masters« besteht aus elf Stücken, die einen stärker reinziehen als ein Ayahuasca-Retreat im Amazonasdelta. Heute schippert der Sound auf sogenannten World Music Festivals längst um die, nun ja … Weltmeere. 1990 war der Sound nur einer Ethnologenelite wie Laswell vertraut. Die Langhalslauten kreischen, die Schildkrötenpanzer stolpern und Stimmen pressen Trance durch den Trichter. Drop in, drop out – wer sich mit der Platte keine therapeutische Selbstheilung leistet, lädt immer noch Kristalle unterm Kopfpolster auf!

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Gnawa Music Of Marrakesh
Night Spirit Masters
ab 22.99€