Review

Grizzly Bear

Painted Ruins

RCA • 2017

Sie machen Indierock für Leute, die keinen Indierock mögen. Als Formel etwas schlicht, aber irgendwas daran trifft durchaus auf die vier Herren von Grizzly Bear zu. Und das mit dem Rock trifft vielleicht sogar am stärksten auf ihr jüngstes Opus zu: *»Painted Ruins«** hat mit Songs wie »Morning Sound« einige ihrer geradlinigsten, fast krautig-motorischen Nummern im Angebot. Doch keine Angst: Der Wechsel von Warp zum Major RCA hat keine »Kommerzialisierung« als Tribut gefordert, oder wenn, dann in so geringem Maße, dass man sie vernachlässigen kann. Dafür sind die Dinge, die immer schon toll waren an dem Quartett aus Brooklyn, das inzwischen nur noch zu einem Viertel dort wohnt, geblieben: Ein Stil-Potpourri, in dem immer das eingestreut wird, was einem gerade so behagt, dazu die wunderbaren Gesangsharmonien mit Beach Boys-Aroma, die leicht exaltierte Stimme von Ed Droste und die zuverlässige Ungewissheit, was wohl im nächsten Song so kommt. Schon im dritten Titel »Four Cypresses« mit der schönen Zeile »It’s chaos, but it works« zelebrieren Grizzly Bear ihre Bewegungsfreiheit in vollendeter Form: Auch Musiker brauchen Auslauf. Vielleicht ist man von der Einmaligkeit ihres Klangs, den manche als naseweise Artrock-Attitüde ablehnen, inzwischen nicht mehr so überrascht. Schlechter geworden sind sie mit den Jahren jedoch keinesfalls. So wie sie klingen nach wie vor nur Grizzly Bear. Und dass es damit seine Richtigkeit hat, wird einem beim Hören von »Painted Ruins« spätestens klar. Sie haben gefehlt!

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Grizzly Bear
Painted Ruins
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