Review

Helen Island

Last Laisse

Knekelhuis • 2024

Wenn die Zeit nach der Postmoderne eines hervorgebracht hat, dann ist es die Bereitschaft von Musiker:innen, schamlos und grenzenlos alle möglichen Einflüsse in einen Topf zu werfen und daraus ihre multistilistischen Tracks zu destillieren. Oder, wie Helen Island, die unterschiedlichsten Musikstile zu isolieren und nebeneinander zu stellen. Helen Island ist eines der zahlreichen Projekte des Franzosen Léopold Collin, der Teil des Musiker:innen-Kollektivs Simple Music Experience ist und unter anderem als DJ Prince Scream, DJ Morgue und Violent Quand On Aime Musik veröffentlicht hat. »Last Liasse« versammelt ein Dutzend Tracks, die in den Jahren 2022 und 2023 auf Singles und EPs auf Collins eigenem Label Triggermoral Records erschienen sind.

Die zwölf Stücke des Albums könnten in ihrer Vielfalt mindestens sechs verschiedenen Bands zugeordnet werden. Da gibt es abstrakten Ambient-Pop, Synthie-Pop der Achtzigerjahre mit starkem Mainstream-Einschlag, Tracks, die zwischen Dream- und Nightmare-Pop oszillieren, ferne Ahnungen von Techno und Trap und Hyperdub – die Musik, nicht das Label. Was all diesen unterschiedlichen Stilen eine Homogenität verleiht, die aus der Compilation ein »richtiges« Album macht, ist der hauntologische, dreampoppige Nebel, der über den Tracks liegt.